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Konstanzer Zeitung, Jg. 1866 (38)

Bibliografische Daten

fullscreen: Konstanzer Zeitung, Jg. 1866 (38)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Archive im Landkreis Konstanz
Titel:
Konstanzer Zeitung
Publikationsort:
Konstanz
Veröffentlichungsjahr:
1829 - 1936
Verlag:
Wagner

Physikalischer Standort:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=342155-7
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Archive im Landkreis Konstanz
Titel:
Konstanzer Zeitung, Jg. 1866
Band, Heft, Nummer:
38
Publikationsort:
Konstanz
Veröffentlichungsjahr:
1866
Verlag:
Wittwe Wagner

Physikalischer Standort:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=342155-7_1866

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Konstanzer Zeitung
  • Konstanzer Zeitung, Jg. 1866 (38)

Volltext

etzungen. Bei dieser unbestreitbaren Wahrheit ist 
s für uns um so mehr geboten, mit der Bildung 
on Handelsgerichten einstweilen vorsichtig und eher 
urückhaltend als freigebig zu verfahren, weil wir 
in unserm eigenen Lande noch gar keine Erfahrun— 
zen mit den Handelsgerichten geniacht haben und 
ohne solche nicht mit Sicherheit bestimnen können, 
in welchen Orten sie den gehegten Erwartungen 
mtsprechen werden. Die eingekommenen Gesnche 
ind die darüber erfolgten Erhebungen und Gut 
achten haben es zum Theil noch zweifelhaft gelas⸗ 
sen, ob in den betreffenden Städten die Bedin 
zungen einer gesunden Lebensfähigkeit der Handels- 
zerichte wirklich vorliegen; zum Theil aber war 
ts ganz offenbar, daß dieselben nicht vorhanden 
ind und daß nur ganz irrige Vorstellungen von 
dem Wesen und der Bedeutung dieser Gerichte die 
Anträͤge der Handelsleute veranlaßt haben können. 
Die Handelsgerichte bilden nicht, wie man mit— 
anter zu glauben scheintt, einen Auhang der Ge— 
richtsbaͤrkeit der Amtsgerichte, wie die Schöffen 
gerichte, sondern sie vertreten die Stelle der Kreis 
zerichte in Handelssachen. Sie haben auch eir 
veit schwierigere Aufgabe als die Schöffengeriche. 
Es ist überhaupt rathsam und wünschensweth, 
Handelsgerichte möglichst nur an solchen Arten 
inzusetzen, wo sich das Kreisgericht, an dessersStelle 
ie funttioniren, befindet, weil hier allei die so 
röthige Unterstützung des Handelsgerins durch 
üchtige juristische Kräfte aus dem ichter⸗ und 
»em Anwaltstande, durch wissensskiftliche Hilfs— 
nittel und üͤberhaupt durch ei reges juristisches 
dehen geboten ist, während ei vom Kreisgericht 
jolirtes Handelsgericht derjsen entbehren muß. 
Nicht minder ist es rosam, die Kompetenz 
des Handelsgerichts, welche als ein Bedürfniß für 
—VV 
ziese zu beschränken, sondn auf den ganzen Kreis 
wuszudehnen. Die Bildng besonderer Haudels⸗ 
zerichts⸗Sprengel neben den Anitsgerichts⸗ und 
dreisgerichts⸗Bezirken oürde eine in vielen Be⸗ 
iehungen nachtheilis insbesondere aber die lei— — — 
igen Kompetenzsiruigleiten vermehrende Verwick⸗ Aus Stadt und Land. 
ung der Gericht ·ezirke herbeiführen. Sie würde ** (GKonstanzer Bürgergesellschaftsabend vom 29. 
jerner zur Fols haben, daß die Handelsprozesse, Dezeniher.) Herr Kreisschulrath Seiz hielt den 
velche in den Kerhalb des Handelsgerichts-Epren⸗ mugeküudigten Vortrag über die Bildung einer Fort— 
gels gelegen Theilen des Kreises entstehen, zwar chrittspartei in der badischen zweiten Kammer. 
im Sitz Handelsgerichts, aber dennoch nicht Da derselbe mehrere durchaus neue Seiten dieset 
jdem, sondern bei dem Kreisgericht verhan- nteressanten und wichtigen Gegenstandes behandelte 
rerr werden müßten, daß die Handelsprozesse also 'd glauben wir seinen Inhalt einer groͤßeren Oef 
wischen zwei an demselben Ort befindlichen Ge- entlichkeit nicht vorenthalten zu sollen. 
richten, den Handelsgerichten und den Kreisge-⸗ Wohl keinem Landtage, begann der Redner, ist 
ichten, getheilt würden. Eine solche Sonderbar roch mit folcher Spannnng entgegengesehen wor— 
eit könnte in keiner Weise gerechtfertigt werden. den wie dem gegenwärtigen. Wir haben eine li— 
Das Schicksal der in dieser Weise vorerst jür derale Regierung und eine weitaus in der Mehr 
zie Kreise Karlsruhe und Mannheim gebildeten eit befindliche liberale Partei, welch letzterer man 
Handelsgerichte wird in kurzer Zeit die Auftklä- vöchstens den Vorwurf machen kann, daß sie all— 
rung gegeben haben, ob und wo eine Vermehrung n zerfahren ist und nur in einzelnen Momenten 
erfelben angemessen ist. Diese anzuordnen, ist zu hre ganze Kraft bekundet. Beiden gegenüber steht 
eder Zeit leicht möglich und zur Erleichterung der die extreme klerikale Partei, verhältnißmäßig schwach 
rdentlichen Gerichte willkommen; sehr peinlich wäre an Zahl, aber trefflich organisirt und lein Mittei 
s aber, sich zu einer Wiederaufhebung voreilig cheuend, wie dies der letzte Wahlkampf bewiesen 
eingesetzter H.«G. entschließen zu müfsen. at. Dieser Wahlkampf legte freilich ein glänzendes 
Das Karlsruher Oberhofgericht hat die Zeugniß ab von der Reife des badischen Volkes. 
seichtigkeitsbeschwerde der Redalteure der Pfälz. — Gerade zur Zeit dieses Wahlsieges nun wet 
— 
heil in dem bekannten Preßprozeß wegen der Mann- horstehenden Rücktritte Roggenbach's: Roggenbach's, 
zeimer Vorgänge als unbegründet verworfen. es Mannes, den man gewohnt war mit Lamey 
— Wie man hört, soll dem vielseitig geäußer- usannnen zu nennen, der durch seinen Eintritt das 
en Wunsch nach einer angemesseneren Bestenerung Ministerinm Lamey erst ganz zu dem gemacht, was 
ausländischer Gewerbtreibender, die bis ietzt alle es war. Und in der That erfolate dieser Rück— 
usehr begüustigt wurder, noch auf dem laufen- tritt, Gleich darauf erfolgte auch die Entlafsung 
hen Landtag Rechnnng zetragen werden. des Oberschuldirektors Knies, des ersten Vorkäm— 
— Man hat bei Kinführung der neuen Ge- pfers für unser Volklsschulgesetz. Die Klerikalen 
richtsorganisation mehnach in Zweifel gezogen, ob jubelten und versicherten höhnisch, Lamey werde 
die kleineren Kreisgerchte genügend beschäftigt sein diesen beiden bald folgen. 
verden. Ein Heideberger Korr. des Oberrhein. Die hierdurch gerechtfertigten Besorgnisse vor einen 
dur. versichert demelben nun, daß der dasige nahen Systenmwechsel waren es, die eine Anzahl von 
Herichtshof wegen kaum mehr zu bewältigender Mitgliedern der 2. Kammer in Offenburg zu vertrau— 
Arbeit dringend Eweiterung des Kollegiums um licher Besprechung zusannnenführten, und unter den 
in Mitglied in Kalsruhe beantragt hat. dort verhaudelten Gegenständen befaud sich denn in 
— Im badischer Schwarzwald sind gegeuwärtig erster Reihe auch die Gründung einer geschlossenen 
568 Meister md 2566 Gesellen, zusammen Partei. Der Gedanke an sich ift — auch abgesehen 
1134 Personen, ohne Frauen und Kinder, mit von früheren Jahrzehnten, wo sich das Partei— 
»em Anfertigen von Uhren beschäftigt. Jährlich leben theils von selbst verstand, theils, wie in den 
zehen 600,000 bis 700,000 Stück Uhren ans 50er Jahren, keines möglich war — nicht neu. 
diesem kleine Winkel Deutschlands hervor. Schon im ersten Jahre der Landtagsthätigkeit des 
— —— Redners, im Winter von 62 auf 63, wurden unter 
Schwiz. Eine Versammlung von Abgeordne der Führung des verehrten Abg. Häusser Zusammen- 
en dexränuntlichen Gemeinden des Bündner Ober. ünfte einer Anzahl gleichgesinnter Landtagsmitglie⸗ 
lands, die am Mittwoch in Ilanz zusamnmeuntrat, der im „Erbprinzen“ veranstaltet. Es war hier— 
at beschlossen, für die Lukmanierbahn einen Bei- hei die Erwägnug maßgebend, daß unter den al— 
rag von 1 Million Franken und unentgeldliche en Abgeordneten die Meisten während der Reak— 
btretung des nöthigen Bodens auzubieten und ionszeit gewählt waren und diesen ihren Ursprung 
en Kleinen Rath anzugehen, daß mit der Lut nicht ganz verleugnen konnten, obwohl sie wacker 
nanierstraße im Jahv 1866 begonnen werde. Fer jegen das Konkordat gestinintt hatten. Vielleicht 
er beschloß sie, Protest einzulegen gegen das Vor vaͤre es gut und auch für die Regierung nützlich 
ehen des Bundesrathes und Ständerathes in Ei gewesen, wenn es damals schon zu einer kräftigen 
enbathnsachen und verlangt die Abberufung Pio parteibildung gekommen wäre. Daß eine solche 
a's (des Gesandten der Schweiz in Italien,, wenn nothwendig, wurde allgeniein auerkaunt; das kläg⸗ 
ss sich erwahren sollte, daß er sich zum Agenten des liche Scheitern der von der großen Offenburger 
Botthard⸗Komite's hergegeben habe. Sie hält dafür, Versammlung versuchten Organisation einer „libe⸗ 
aß die Forsetzung des in Eisenbahnsachen von der alen“ Partei bewies zum Ueberflusse, daß ohne 
Bundesversanmilung theils beabsichtigten, theils schon entschiedene Parteigrundfätze eine solche Organisa⸗ 
etretenen Weges zum Ruin der Eidgenossenschaft tion unmöglich sei — In der Sitzung von 63 
ühren würde und stellt das Verlangen, daß der auf 64 wurde in anderer Weise der Versuch einer 
Bau der Alpenbahnen laut Gesetz und Verfassung Parteibildung erneuert. Seitens einiger Kammier— 
den Kantonen resp. der Privatinduftrie überlassen mitglieder wurde eine Art Ceusur geübt und die 
leibe. für zuverlässig Gehaltenen zu freien Zusannnen— 
— Der Kantonsrath von Schwyz hat eine künften in's „Waldhorn“ eingeladen. Schon dies 
Subventidu von einer Million an die Gotthard- erwies sich als unpraktisch; uͤnd was die Erfolge 
ahn beschlossen. betrifft, so ergab sich das merkwürdige Resultat, 
daß trotz aller Vorbesprechungen und vorläufigen 
Abstimmungen und trotzdem, daß die Waldhorn⸗ 
bartei die Majorität bildete, dieselbe in der Kam⸗— 
mer stets in der Minderheit blieb. So kam es,“ 
daß diese „Partei“ schwächer und schwächer wurde 
und endlich allen Zusammenhält verlor. Die „li— 
derale“ Gesammtheit der Kammer aber bildete in 
ener Zeit, wo alles liberal sein wollte, ein sehr 
erwässertes Konglomerat. 
Die Eingangs erwähnte Offenburger Zusam-⸗ 
mentunft einiger älteren Landtagsmitglieder faßte 
die Sache geschickter und loyaler an; sie entwarf 
ein Programm und legte dies einer Versamm-— 
lung von Augeordneten, zu welcher Alle geladen 
waren, zur Annahme vor. In dieser Versamm— 
lung wurden zwei Einwürfe gegen das Programm 
rhoben: erstens, dasselbe fordere eine zu strenge 
Disziplin; zweitens, die Parteibildung sei ein Miß—⸗ 
rauensvotnm gegen das Ministerium Lamey. — 
Den ersten Punkt anlangend, so ist es klar, daß 
die früheren Versuche gerade am Maungel dieser 
Disziplin gescheitert waren. Daß es übrigens da— 
nit nicht so arg ist, beweist der Wortlaut der 
netr. von uns schon in Nr. 298 besprochenen) 
Bestimmungen des Programms. Auch stellen wir 
ja keiue Glaubensdogmen auf, und sind keine ei gen⸗ 
sinnigen Rechthaber. Wer aber unter allen Um— 
tänden nur seine persönliche Meinung durchdrücken 
will, der gehört in die berüchtigte Klasse der 
Brinzipienreiter. Mit der gefürchteten Vergewal— 
der schönen Seele, Duft und Hauch voñ einem 
ungesehenen Lichtquell durchströmt, der den erdent⸗ 
stiegenen Tünsten unerreichbar bleiben wird.“ Halb— 
unbewußt beugte er sich, auf das Gebilde nieder 
und flüsterte: „Bete für die Sünden deiner Väter, 
du Reine;: bete für dein Volk und mich, ein Kind 
dieses Volkes.“ Nach langem in sich Versunkensein, 
das wohl selbst schon das Gebet eines reinen Her⸗ 
zens war, erhob er sich, um Pinsel und Poallette 
zur Hand zu nehmen; aber Gedanken und Gefühle 
mochten zum ruhigen schönen Bilden zu aufgeregt 
ein und nach wenigen Strichen bemerkte der Künft⸗ 
ler erschrocken, daß er um die Augen des Bildes 
unkle Trauerlinien gezeichnet. Er stellte die Staf⸗ 
elei sorgfältig verhüllt wieder zurück und griff nach 
Mantel und Mütze, num sich zum Ausgehen anzu— 
chicken. 
Er war damit noch nicht zu Ende, als au der 
Thüre geklopft wurde und mit raschen Schritten 
der junge Junker von Dießbach hereintrat. 
(Forts. folgt.) 
leiner Funken aufblitzenden Schneeflächen fuhren solchen Tagen durch Straßen und Lauben der Stadt 
ahllose Schlitten und Bernerwägelchen dahin, die rklang. Die Leute drängten sich in dichte Grup— 
nach alter Gewohnheit einen großen Theil der Lande ben zusammen und sprachen zu einander mit ern— 
ʒevölkerung der Umgegend an diesem Tage nach ten Gesichtern, als müßtten sie sich verbotene Heim— 
zer Stadt brachten. Zwischen den Fahrenden schrit⸗ üchkeiten oder unerwartet⸗ Trauerbotschaften mit— 
en ganze Schaaren rüstiger Männer, in gelben heilen. 
zreitschultrigen Kutten und dunkeln Pelzkappen, die „Eine Landschaft, über die schon die Schatten 
dem gleichen Ziele zustrebten. Schon zur Mittags- jahender Gewitterwolken dahinfliegen — ein Volk, 
eit wogte es in den —X— 
Plätzen der Stadt, als wollte sich ein Völkerzug ampfes liegt“, sagte der Jüngling unwillkürlich. 
n Bewegung setzen, und an den gewohnten Stel nden er sich mit trübem Gesichte vom Fenster 
len, in der Metzgergasse, hinterm Storchen und bwendete. 
den Werkhütten an der h. Geistkirche entlang reihte Er zog langsam eine Staffelei in's Licht und 
ich Fuhrwerk an Fuhrwerk, wie mau seit Jahren detrachtete sinnend das aufgespannte Bild, das be 
nicht gesehen. eits in lebendigen Farben aus der Leinwand her⸗ 
Am Fenster seines Atelier, das die Aussicht auf zortrat — ein Frauenkopf, um dessen helle Stirn 
den Bärenplatz bot, stand lange der junge Maler ich weiche Haarwellen ergossen, die blauen Augen 
Rudolf König, aufmerksam die immer gewaltiger »on den lungen Wimpern überschattet als müßten 
inschwellenden Volkswogen beobachtend; aber un⸗ ie ein Geheimniß verschleiern, das da aus der 
jeimlich kam es ihm vor, wie düster und stumm iefsten Seele hervorschimmern wollte, und ein Mund, 
zie Wogen durcheinander flutheten. Es erhob sich dessen Lippen halb lächelnd, halb ahnungsvoll zu 
vohl ein Getoöse, wie eine dumpfe. ferne Brandung, iner Frage leisgeöffnet schienen. „Ja, du bist 
het kein Jauchzer, kein Jodler, kein aus breiter hön“, dachte der Maler, „und der Schimmer 
nerborspringendes Hallibo, wie es sonst an ver äußern Schönbeit nur Abqlanz und Wiederschein
	        

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