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Konstanzer Zeitung, Jg. 1858 (30)

Bibliografische Daten

fullscreen: Konstanzer Zeitung, Jg. 1858 (30)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Archive im Landkreis Konstanz
Titel:
Konstanzer Zeitung
Publikationsort:
Konstanz
Veröffentlichungsjahr:
1829 - 1936
Verlag:
Wagner

Physikalischer Standort:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=342155-7
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Archive im Landkreis Konstanz
Titel:
Konstanzer Zeitung, Jg. 1858
Band, Heft, Nummer:
30
Publikationsort:
Konstanz
Veröffentlichungsjahr:
1858
Verlag:
J. Wagner

Physikalischer Standort:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=342155-7_1858

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Konstanzer Zeitung
  • Konstanzer Zeitung, Jg. 1858 (30)
  • Extra-Beilage: Telegraphische Depesche. Paris, 14. Januar 1858
  • Gesellenverordnung für die Stadt Konstanz
  • Rede seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs beim Schluss der Ständeversammlung am 4. Mai 1858
  • Extra-Beilage: Ein Wort über die Kreuzlinger und Paradieser Vorstadt
  • Extra-Beilage: Entgegnung auf den Artikel der Extra-Beilage zur "Konstanzer Zeitung", betitelt: "Ein Wort über die Kreuzlinger und Paradieser Vorstadt"

Volltext

αα 
is ausbreitet; es wird jenes Monopol verschwinden, 
velches einer Gruppe von Hauseigenthuͤmern das Wohl 
and Weh zahlreicher Gewerbsstaͤnde in die Hand gab, 
die von fechs zu sechs Monaten uͤber das Schicksal gan⸗ 
jer Familien, ihren Aufenthalt und Erwerb autokrati⸗ 
scher gebieten konnte, als irgend ein Despot. Jener 
Druck, den das Mißverhaͤltniß der Miethpreise auf so 
sahlreiche Stände übie, und der in der Steigerung aller 
Etrzeugnisse und Lebensmittel seine Ausläͤufer fand, wird 
— V endlich wird auch 
die Kuust, das Nuͤtzliche verschönend, sich nahen. Neue 
Bauen, nicht beengt von dem karg zugemessenen Raum, 
werden einen neuen und edleren Charakter unsern Straßen 
verleihen; das nachwachsende Geschlecht wird nicht die 
Schaͤbe vder alten Kunstschulen in einsam gelegenen Luft ⸗ 
schloͤssern aufsuchen müssen; die besorgte Mutter wird 
nicht mehr zittern müssen, daß ihre Kinder durch die 
engen Ausgaͤnge unserer Musentempel ins Gedraͤnge ge⸗ 
rathenz Museen, Galerien, Theater, Bibliotheken wer⸗ 
den endlich jene Plaätze erhalten, die ihnen in allen 
ztoßen Centralstaͤdten gebildeter Voͤlker eingeraͤumt sind. 
Die Wirkungen, welche der kaiserliche Etlaß auf die 
ferne wie auf die nahe Zukunst Wiens ausüben wird, 
sind unuͤbersehbar. Wenn es wahr ist, daß noch Jahre 
—V Werk der Stadtver⸗ 
juͤngung ans Ziel gelangt, so wird doch der Einfluß all 
diefer Anfaäͤnge schon in der naächsten Zeit sich fuͤhlbar 
machen. Der Bau von vierhundert Häusern und oͤffent⸗ 
lichen Anstalten ruft zahllose industrielle und technische 
Vorbereitungen hervor. Schon spricht man von der 
Drganisation mehrerer großen Gesellschaften, die vor 
Allem Ziegelelen, Bauwerkstätten u. s. w. anlegen wol⸗ 
len, um später die größtmöglichen Bauten an sich ziehen 
zu koͤnnen. Den Ärchitekten, den Maurern und Zim⸗ 
merieuten, den Steinmetzen und all den Geweiken, die 
in den letzten Jahren durch die erstickte Baulust der Pri⸗ 
baten, durch die hohen Preise der Bauplaͤtze und vor 
Allem durch die bereits zum Spott gewordenen Anforde— 
tungen einer veralteten Bauordnung zum Verkümmern 
Jex waren, eroͤffnen sich reiche Gebiete der Thaͤ⸗ 
igkeit.“ 
Wien, 30. Dezember. Es ist wahrscheinlich schon 
hon oben herab der Versuch gemacht worden, Beschraͤn⸗ 
kungen ins Leben zu rufen, welche das Boͤrsentreiben 
ruf“ ein richtiges Maß zurück uüͤhren. Zu den neuesten 
Maßregeln diefer Art gehört die Beschraͤnkung der Boͤr⸗ 
seneintrittskaärten, in so fern es vom Finanzministerium 
der Boͤrsenkammer zur Pflicht gemacht ist, daß „unbe⸗ 
fannsen oder solchen Personen, welche durch ihren Stand, 
ihre Beschaͤftigung oder ihre Vermoögensverhältnisse zum 
Vesuche der Boͤrse offenbar nicht berufen sind“, die Ein⸗ 
rittsfarte ganz verweigert, in der Zulassung fremder 
Personen aber, die nicht in Wien domiciliten, mit „be⸗ 
sonderer Zuruͤckhaltung“ vorgegangen werden soll. 
Schweiz. 
Aus Bern haben wir eine sehr schoͤne patriotische 
Vergabung zu melden. Alt⸗Oberrichter Bitzius, Praͤsi⸗ 
dent der Direktion der Privatblindenanstalt, hat derfelben 
die Summe von 40, 000 Fr. geschenkt, um ihr den An⸗ 
fauf des von der Waisenhausbirektion gepachteten Lokals 
moͤglich zu machen. 
Fraukreich. 
Paris, 31. Dezember. Jeder Jahresschluß bringt ge⸗ 
woͤhnlich Gnadenbezeugungen und Ordensverleihungen 
ler Art und in so großer Menge, daß deren Veroͤffent⸗ 
lichung im „Moniteur“ gewoͤhnlich schon ein auch zwei 
Tage vor Neujahr beginnt. Heute griff also Alles nach 
dem „Moniteure, um die Namen der Beschenkten zu le⸗ 
sen, es sand sich jedoch nichts darin, und wir muͤssen 
ains dis morgen begnuͤgen. Man versichert mir, der 
Polizeipraͤfekt, Herr Pieiti, habe eine allgemeine Amne⸗ 
12 
stie fuͤr alle Exilirte ohne Ausnahme vorgeschlagen, dieses 
sei jedoch hoͤchsten Ortes nicht beliebt worden. Theil⸗ 
veise Amnestien gibt es jedenfalls. Unter den neuen 
Ehrenlegionsmitgliedetn wird sich auch Herr Capo de 
Feuillide finden, ein Republikaner Vollbsut, der 1852 
jach Aftika transportirt und spaͤter begnadigt worden ist. 
hert v Feuillide stand in freundschaftlichen Beziehungen 
u Louis Napoleon waͤhrend des Letzteren Aufenthaltes 
n London. — Sie wissen bereits, daß die Staatsraths⸗ 
itzung, in welcher die Abschaffung der Wuchergesetze de⸗ 
athen werden sollte, aufgeschoben wurde, wegen Unwohl⸗ 
ein des Kaisers. Aus sicherer Quelle kann ich Ihnen 
agen, daß diese von der Regierung vorgeschlagene Ab⸗ 
chaffung im Staatsrathe auf einen ganz unverhofften 
ind sehr bedeutenden Widerstand stößt. Auch heißt es, 
zie Regierung beschäftige sich ernstlich damit, Mittel ge⸗ 
zen das immer zunehmende Verschwinden des Silbers 
ius dem Verkeht zu finden. Jedoch sind die gegen meh⸗ 
ere Wechsler eingeleiteten Untersuchungen uͤber Ein⸗ 
chmelzen von Silbermuͤnzen wieder eingestellt worden, 
veil man fand, daß die Gerichte nach den bestehenden 
Besetzen nichts ihun könnten. — Sie haben in den 
Blaͤtiern gelesen, daß verschiedene kleine Infanterieposten 
im Innern der Stadt eingezogen und mit Sergeants de 
dille besetzt wurden. Dieses geschah, weil ein Militär⸗ 
posten sich von der Wache nicht entfernen kann, waͤhrend 
die Sergeants de ville unter das Publikum treten und 
etwaigen Unordnungen leicht steuern. (Fr. P.) 
Irtalien. 
Neapel, 24. Dezember. Offizielle Berichte fahren 
ort, die schauderhasten Wirkungen des Erdbebens auf⸗ 
zuzählen. Sie sind herzzerreißend. Die Ortschaft Polla 
illein zäͤhlt mehr als 2000 Todte. In Valle Diana be⸗ 
läuft fich deren Anzahl auf nahe bet 2600, und aus 
— 
als 400 Leichen hervorgezogen worden. Die Sichel des 
Todes hat gleich der Sichel des Schnitters in reichem 
Aehrenfelde gemaͤht. Ganze Familien haben ihren Un⸗ 
ergang unter den Ruinen ihrer Häuser gefunden, und 
zanze Ortschaften bieten nur noch das grausige Bild ei⸗ 
des verworrenen Schutthaufens dat. Man schlaͤgt die 
Zahl aller Todten auf 10,000 an. Leider aber duürfte 
diese ungeheuere Ziffer noch sehr wesentlich hinter der 
Wirklichkeit zurückbleiben. Ein Schrei des Jammers er⸗ 
sönt durch das ganze Land. Der Koͤnig bietet Alles auf, 
das Unglück nach Kräften zu mildern. Der Finanzmi⸗ 
nister hat die Weisung erhalten, alle Geldmittel, die nur 
tgend benoöthigt erscheinen, zu verabsolgen. Militaͤrzelte, 
ine Menge Bretter und Balken, Betten, Leinenzeug, 
stleidungen, Arzneien, Brod, Mehl und sonstige Lebens⸗ 
»edütfnisse sind dutch Dampfer nach der benachbarten 
Tuͤfte hingeschafft worden..“ Aerzte, Offiziere des Genie⸗ 
rorps, Civilingenieure und einige Sapeur- und Marine⸗ 
compagnien haben ebenfalls in allet nur denkbaren Eile 
dorthin aufbtechen müssen Letztere zur Herrichtung pro⸗ 
isorischet Wohnungen für so viele Tausende von Ob⸗ 
zachlosen, während man Hospitäler zut Aufnahme der 
Verwundeten und Verstuͤmmelten eingerichtet hat. Im 
Verhaͤltniß zur ungeheueren Anzahl der Todten soll die 
Zahl derselben aber nicht seht groß sein. Die Trümmer 
cines Hauses, das in einer halben Minute zusammen⸗ 
türzt, daffen gewiß nur wenige Verwundungen zu, Als 
um so grauenvoller muß die Katastrophe betrachtet wer⸗ 
den, als sie in der Nacht eintrat und die Mehrzahl ihrer 
Opfer schlafend uͤberraschte. 
Holland. 
Amsterdam, 26. Bezember. Einige alte Militäͤrs 
Jierselbst, welche zum Tragen der St. Helena⸗Medaille 
herechtigt sind, haben sich jetzt in einer Adresse an den 
König gewendet und darin erklaͤtrt, daß ste die Medaille 
aicht annehmen werden, zugleich aber den Koͤnig gebeten,
	        

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