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Hegauer Erzähler. Amtliches Verkündigungsblatt für den Amtsbezirk Engen, Jg. 1932 (91)

Bibliographic data

fullscreen: Hegauer Erzähler. Amtliches Verkündigungsblatt für den Amtsbezirk Engen, Jg. 1932 (91)

Structure type:
Periodical
Collection:
Archive im Landkreis Konstanz
Title:
Hegauer Erzähler
Place of publication:
Engen
Publisher:
Theophil Schneider's Buchdruckerei

Physical location:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=3066108-0
Structure type:
Periodical volume
Collection:
Archive im Landkreis Konstanz
Title:
Hegauer Erzähler. Amtliches Verkündigungsblatt für den Amtsbezirk Engen, Jg. 1932
Volume,Issue,Number:
91
Place of publication:
Engen
Year of publication:
1932
Publisher:
Hegauer Buchdruckerei AG
Scope:
33,0 x 48,5 cm

Physical location:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=3066108-0_1932

Contents

Table of contents

  • Hegauer Erzähler
  • Hegauer Erzähler. Amtliches Verkündigungsblatt für den Amtsbezirk Engen, Jg. 1932 (91)

Full text

Seite 2 
des Reparationsproblems undenkbar sei, so 
nüssen wir doch darauf hinweisen, daß das 
dage Ausflüchte sind, denn Amerika 
st keineswegs an der Reparationskonfe— 
renz uninteressiert und seine Regierung 
herhält sich durchaus nicht so negativ, wie 
hielleicht die Kongreßbeschlüsse besagen 
zönnten. Washington hat lediglich — und 
das mit Recht — die erste und größte 
Berantwortung den europäi— 
schen Staaten selbst übertra— 
zen. Diese müssen sich zuerst und vor al— 
lem schlüssig werden über die neuen Wege 
zur Rettung Europas, müssen sich zu jener 
Verständigung und damit auch Zusammen⸗ 
arbeit aufraffen, ohne die eine General-— 
regelung mit Unterstützung Amerikas über— 
haupt nicht möglich werden kann. 
Offiziell hat sich bis jegt die englische 
Regierung noch nicht geäußert. Aber uns 
zenügt die Erklärung Reuters, um noch 
einmal den deutschen Standpunkt mit al— 
ler Deutlichkeit herauszustellen. Wenn 
nämlich ein Kompromiß nach frangzösischen 
Plänen erstrebt werden sollte, dann stünde 
das in krassem Gegensatz zu dem Inhalt 
des Layton-Berichts und des Gutachtons 
—D 
will nämlich das Moratorium sich nicht auf 
die Gesamtheit der Youngzahlungen er— 
strecken lassen, sondern macht wieder einen 
Unterschied zwischen den geschützten und 
ungeschützten Annuitäten. Die letzteren sol— 
len wiederum nur vorgestreckt und damit 
zommerzialisiert werden. Außerdem soll 
Deutschland sogar noch ein besonders Sach⸗ 
ieferungsprogramm durchführen. 
Solchen Plänen gegenüber stellen aber 
der Layton-Bericht wie das Basler Gutach— 
ten ausdrücklich fest, daß Deutschland 
nicht mehr imstande ist, irgend— 
welche Zahlungen zu leisten. 
Würde das verlangt werden, so müßte ein 
solcher Versuch die finanzielle Katastrophe 
nicht nur in Deutschland sondern in ganz 
ẽuropa zur Folge haben. 
Wir werden uns also auf der Repara— 
tionskonferenz in Lausanne auf diese Be— 
richte und Gutachten stützen, werden klar 
herausstellen, daß 
jedes Kompromiß und jede Zwischen⸗ 
lösung für uns unmöglich 
ist, denn sie beläßt die Reparationen. Und 
die Reparationen werden weiterwirken wie 
ein schleichendes Gift im Körper der euro— 
päischen Wirtschaft, werden die baldige 
Wiedergesundung verhindern, die Unsicher— 
heit steigern, da es ganz undenkbar ist, daß 
durch ein. Kompromiß das notwendige Ver⸗ 
trauen in der Welt gefunden werden kann 
Wir fordern auf der Konferenz die Auf 
jebung aller deutschen Zahlungen, das Ver⸗ 
schwinden der Reparationen. Dann erst 
rann die Dauerkrise beendet werden, wird 
ene Basis geschaffen, auf der in letzter 
Stunde noch eine Wiedergenesung und 
gleichzeitig ein Aufbau in einigermaßen si— 
here Aussicht zu stellen sind. Dabei han— 
deln wir keineswegs nur im deutschen In— 
teresse allein. Haben doch schon in Basel 
Ilaliens S 
Rom, 2. Jan. Mit der Reparationsfrage 
oeschäftigen sich einige italienische Blätter. 
Ein großes Mailänder Blatt weist auf die 
große Bedeutung der neuen Konferenz hin. 
Die verantwortlichen Regierungskreise, so 
meint das Blatt, seien sich zweifellos be⸗— 
wußt, daß hinter dem natürlichen Gegen— 
stand der Konferenzeine Reihe von Fragen 
stehen, die eine dauerhafte internationale 
Zusammenarbeit notwendig machen. Der 
Verfall des Wirtschaftslebens, der alle Völ— 
ker in ihren lebenswichtigen Funktionen 
bedrohe, mache es notwendig, daß die Fein 
fühligkeit der Regierungen über die finan— 
ziellen Grenzen des Problems hinausgehe 
Ein großes Turiner Blatt vertritt die For⸗ 
derung, daß angesichts der Schwierigkeiten 
in Amerika zunächst die europäischen Gläu⸗— 
biger Deutschlands und damit in erster Li— 
nie Frankreich über den aufschieb— 
baren Teil der Reparationen zu 
einer vollständigen und endgültigen Lö— 
sung kommen. Die Zeitung schreibt, man 
sollte nicht von einem Zahlungs— 
aufschub sprechen, wenn man 
etwas Entschiedenes für die 
Rückkehr des Vertrauens tun 
wolle. Ein anderes italienisches Blatt 
schreibt, der Widerstand in Amerika sei 
durchaus werständlich. Unverständlich sei da— 
gegen, warum sich Frankreich dem morali— 
schen Druck der ganzen Welt und der Stim— 
me des Gewissens widersetze und seiner 
hartnäckigen Verteidigung von Vertrags 
texten weiterhin in der Selbfttäuschung le— 
ben wolle, daß Deutschland nach Ablauf ei— 
nes Zahlungsaufschubs seine Zahlungen 
wiederaufnehmen könne. Niemand in der 
Welt kann die Einhaltung eines Vertrages 
zjarantieren, durch den über zwei Genera— 
lonen das Urteil gesprochen wurde und 
Sagatian Sazahlur — — 
Auch in Frantrsehn 
3 Ge itssogzrot tear 
Erwerbslose warten vor einer Pariser Volksküche auf die Suppenausgabe. 
die Weltwirtschaftskrise hat jetzt auch das kapitalstarke Frankreich in einem Maße 
rfaßt, wie es noch im Sommer von den meisten französischen Politikern nicht für 
aöglich gehalten worden war. Die Arbeitslosenzahl soll bereits eine Million betragen. 
— — — 
ie Sachverständigen selbst zugeben müs— renzarbeiten eine wesentliche Erleichterung 
en, daß zwar Deutschland am härtesten wenn das nur 45 Minuten von Genf ent—⸗ 
von dieser Krise, die nur in a ernte Lausanne gewählt worden ist. 
arationen ihre Hauptursache hat, be— 
roffen rnh d d ae Staat Paris für weitere Hinausschiebung der 
on der Krise verschont bleibt, ja daß sie Konserenz. 
seibst in den scheinbar gesundesten Faris, 2. Januar. An zuständiger franzö— 
aaten mit jedem Tage gefahrdrohender ischer Stelle hält man den von der engli— 
uswirkt. 
Auf der Reparationskonferenz werden 
tzt die Politiker Farbe beken— 
enmüssen. Das Weltagewissen ist wach— 
exüttelt genug. Die Gefahren sind aufge— 
igt. Zahlen u. Tatsachen sprechen für sich. 
ie Politiker werden die Verantwortung 
ber die Beschlüsse und die ihnen folgenden 
zeschehnisse zu tragen haben und wir ha— 
en immer noch die Ueberzeugung, daß der 
iefe Ernst der Stunde, das zwingende Ge— 
ot der Tatsachen sie zu vernünftigen, der 
dirtschaftlichen Gesundung und damit dem 
airtschaftlichen Frieden, den wirtschaftli⸗ 
zen Aufbau dienenden Beschlüssen leiten 
berden. EUuropas Stunde hat ge— 
30 gein. Wir stehen an der Schicksals⸗ 
vende. 
Berlin, 1. Januar. Die Noujahrsempfän— 
e beim Reichspräsidenten wurden um 10,48 
Uhr durch das Aufziehen der Wache einge— 
eit. Um 12 Uhr fand im Großen Saal des 
keichspräsidentenhauses der Empfang de—s 
iplomatischen Korps statt. Der Apostoli— 
che Nuntius, Monsignore Orsenigo— 
rachte als Doyen des diplomatischen Korps 
eine Glückwünsche in einer Ansprache zum 
lusdruck, in der er die schwierige Lage 
eutschlands würdigte. Den Wünschen für 
ie Wohlfahrt aller Nationen füge er freu— 
dig einen besonderen Wunsch für Deutsch— 
and hinzu, das trotz der großen Krise seine 
Villensstärke und seinen Mut nicht verlo— 
ten habe. Der Redner schloß mit einem be— 
onderen Glückwunsch für Reichspräsident 
ind Hindenburg. — In seiner Antwortrede 
ankte der Reichspräsident zunächst für die 
zlüchwünsche und wies darauf hin, daß 
Nillionen arbeitstüchtiger und arbeitswil— 
iger Volksgenossen ihrer Daseingrundloge 
eraubt seien. In unerschütterlichem, vater 
indischem Bewußtsein habe das Volk die 
ngewöhnlichen und tiefeinschneidenden 
Naßnahmen, zu denen sich die Regierung 
ezwungen sah, auf sich genommen. In ver— 
ändnisvollem Zusammenwirken müßten 
on den Regierungen Lösungen gefunden 
Deutschland mit Lausenne oevden, die der unerschütterlichen Wirklich— 
uls Konferenzort einverstanden. eit Rechnung tragen und die Gesundung 
Berlin, 31. Dez. Wie wir von zuständi- von Wirtschaft und Finanzen in der Wel! 
er Stelle erfahren, hat die Reichsregie- rmöglichten. Es wäre für die Welt ver⸗ 
ung ver englischen Regierung in Beant- ängnisvoll, wenn die Erwartungen in der 
dorlung der gestern vom britischen Bot- Frage der Abrüstung nochmals enttäuscht 
chaftet überbrachten Einladung zur Repa- bürden. Auch auf diesem Gebiet könne in 
ationskonferenz am 18. Januar nach Lau— zukunft kein werschiedenes Recht für die 
anne mitgeteilt, daß sie mit Lausanne als ingelnen Völker gelten. Der Reichspräsi 
onferenzort und mit dem 18. Januar als vent schloß mit dem Wunsche, daß das neue 
zermin für den Beginn dieser Konferenz ahr in all diesen Schicksalsfragen endlich 
invorstanden sei. zefreiende Taten bringen möchte. 
Im Zusammenhang damit wird weoeiter Um 12,80 Uhr fand der Empfang der 
nisgeteilt, daß in Kreisen der Reichsregie- Reichspegierung statt. Als Vertreter des be— 
ung zwar bisher keine positive Mitteilung urlaubten Reichskanglers begrüßte Reichs— 
— D 
eiligten Mächte mit Lausanne und mit Er betonte, daß die Reichsregierung im 
em 18. Januar einverstanden sind; aber neuen Jahr an ihre schwere Arbeit gehe 
s ist angunehmen, daß von keiner Seite von dem festen Willen beseelt, dem Vater— 
zedenken erhoben werden. Die englische and und Volk die notwendigen Erleichter— 
Inregung, Lausanne zu wählen, ist übri⸗ ingen zu verschaffen. Die Pflichttreue, der 
jens aus der praktischen Erwägung heraus Herechtigkeitssinn des Reichspräsidenten u. 
xfolgt, daß fast zu gleicher Zeit die Tag- ein Glaube an Deutschland bilde ein uner— 
ing des Völkerbundsrates und der Abrüst etzliches Gut, das Gottes Gnade unserem 
ingskonferenz beginnen werden. Deutsch dJaterlande noch lange erhalten möchte 
and hat sich diesen Argumenten nicht ver dach Dankesworten für die Glückwünsche 
hließen können. Tatsächlich bedeutet es ja ollte der Reichspräsident der Reichsvegier— 
ür die praktische Erledigung der Konfe⸗ ung Anerkennung für ihre hingebende und 
Nr.1 
jen Regierung vorgeschlagenen Zeitpunkt 
ür die Eröffnung der Lausanner Tribut- 
donferenz für denkbar ungünstig u. scheint 
venig geneigt zu sein, sich der englischen 
Auffassung anzuschließen. Während man 
unächst für eine Hinausschiebung der Er— 
iffnung bis zum 20. oder 25. Januar ein— 
rat, macht man heute geltend, daß der Zu— 
ammentritt der interessierten Regierun— 
gen der Beendigung der Berliner Konfe— 
renz untergeordnet sein müsse und keines— 
falls vorher stattfinden darf 
Die Bokschaft des Premier 
ministers Mardonald 
Lonudon, 831. Dezbr. Premierminister 
Macedonald richtete heute folgende Neu— 
jahrsbotschaft an das britische Volk: 
„Das Jahr, das wir soeben ausgeläutet 
haben, war nicht ein Jahr, bei dem wir 
in unserer Erinnerung gern verweilen 
werden. Es war ein Jahr der Krise und 
des harten Kampfes, das schwer auf allen 
Teilen des Volkes lastete, da verhindert 
werden mußte, daß sich die Krise zu einer 
Katastrophe entwickelte. Ich fürchte, daß 
diese Weihnachten in zahlreichen Heimen 
der Ernst der Zeit hart empfunden wur— 
de. Ein lichter Punkt hat jedoch das alte 
Jahr aufgezeichnet: Die entschlossene Art, 
in der die große Masse des Volkes die 
Schwierigkeiten erkannt hat, denen das 
Land gegenübersteht und bestrebt war, ih— 
nen entgegenzutreten. Die Aufgabe, an 
die wir uns alle binden müssen ist, die— 
sen Geist aufrecht zu erhalten, bis wir 
ins siegreich zu besseren Zeiten durchge— 
ämpft haben. Die Regierung tritt dem 
ieuen Jahr gegenüber entschlossen, in ei— 
ner Weise zu handeln, die des Vertrau— 
ens würdig ist, das ihr in so reichem 
Maße erwiesen wurde, und ich hoffe, daß 
oie Nation die Schwierigkeit und Verwk⸗ 
eltheit der Probleme würdigt, die wir in 
Angriff nehmen müssen, und uns weiter⸗ 
zjin ihre verständnisvolle Unterstützung 
zewähren wird. 
uge 
Syvrsfidenten 
yflichttreue Arbeit im vergangenen Jahre. 
Die hohe moralische Kraft des deutschen 
Volkes, sein stets bewiesener Wille zur 
Zelbstbehauptung und sein stark ausgepräg— 
ter Ordnungsinn, hätten Deutschland befä— 
higt, die ihm auferlegten schweren Opfer zu 
vagen. Er gab der Ueberzeugung Ausdruck, 
daß Deutschland auch in Zukunft alle Gefah⸗ 
ren überstehen werde, wenn es einig sei und 
treu. 
Empfang bei Doumer 
Paris, 31. Dez. Der Präsident der Re— 
publik empfing heute nachmittag in An— 
vesenheit Lavals und Briands zum Jah— 
reswechsel die Mitglieder des diplomati— 
schen Korps. Der Doyen des diplomati— 
schen Korps Maglione hielt eine Anspra⸗ 
he, in der er auf die schwere Wirtschafts-— 
rise hinwies, von der alle Nationen be— 
roffen seien und betonte, daß gerade die 
S„chwere der Krise einen größeren Mut 
uinflöße, sie zu bekämpfen. Die Krise ma— 
che die Völker geneigter, Opfer zu brin⸗ 
zen und rege sie an, ihre Kräfte zu ver— 
inen zur Beschwörung der gemeinsamen 
Gefahr. Dank seiner Hilfsquellen und sei— 
nes arbeitsamen Geistes überwindetFrank— 
reich die Krise so gut, daß es von ihr 
kaum berührt zu sein scheint. Aber — so 
schloß der Nuntius, man zweifle doch 
richt, daß Frankreich in erster Reihe ste— 
hen werde, wenn es sich um den Wieder⸗ 
aufbau der Wirtschaft handelt. 
Präsident Doumer erklärte in seiner 
Erwiderung: Wenn die Gemeinsamkeit im 
Unglück die Nationen vor der Solidarität 
hrer Interessen überzeugen und veran— 
lassen könnte, eine Politik gegenseitiger 
dilfe mit allen Folgen zu betreiben, wür⸗ 
de der Welt aus einem größten Uebel eine 
zroße Wohlfahrt erwachsen und die Zu— 
kunft im freundlicheren Lichte erscheinen. 
Frankreich halte sich getreu seiner Tradi— 
ion bereit, aktiv an den Maßnahmen mit⸗ 
uarbeiten von denen man eine Erleichte⸗ 
rung erwarten kann und es habe bereits 
ahlreiche unwiderlegliche Beweise dafür 
zegeben. Seine Mitwirkung an diesen ge⸗— 
neinsamen Maßnahmen werde nur durch 
die gerechte Sorge um seine eigene Stabi⸗ 
litüt begrenzt werden, sowie die Garantie, 
daß die Opfer nicht das Gleichgewicht, das 
in kostbares Friedenspfand sei, zu ge— 
hrden drohen.
	        

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