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Hegauer Erzähler. Amtliches Verkündigungsblatt für den Amtsbezirk Engen, Jg. 1929 (88)

Bibliografische Daten

fullscreen: Hegauer Erzähler. Amtliches Verkündigungsblatt für den Amtsbezirk Engen, Jg. 1929 (88)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Archive im Landkreis Konstanz
Titel:
Hegauer Erzähler
Publikationsort:
Engen
Verlag:
Theophil Schneider's Buchdruckerei

Physikalischer Standort:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=3066108-0
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Archive im Landkreis Konstanz
Titel:
Hegauer Erzähler. Amtliches Verkündigungsblatt für den Amtsbezirk Engen, Jg. 1929
Band, Heft, Nummer:
88
Publikationsort:
Engen
Veröffentlichungsjahr:
1929
Verlag:
Hegauer Buchdruckerei AG
Größe der Vorlage:
33,0 x 48,0 cm

Physikalischer Standort:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=3066108-0_1929

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Hegauer Erzähler
  • Hegauer Erzähler. Amtliches Verkündigungsblatt für den Amtsbezirk Engen, Jg. 1929 (88)

Volltext

Deutsches Reich 
Große Wechselfälschungen in Köln. 
w Köln, 29. Dez. Wie die „Kölnische 
Zeitung“ meldet hat eine Kölner Kraft- 
wagenverkaufsfirma ihre Lieferanten 
schwer betrogen. Der Inhaber der Firma 
verkaufte eine große Zahl Wagen gegen so 
fortige Kasse, was ihn aber nicht hinderte, 
seinen Lieferanten mitzuteilen, daß er 
diese Wagen gegen Wechsel abgesetzt habe 
Die Wechsel fälschte der Firmeninhaber u. 
bereicherte sich so um einige hunderttau 
send Mark. Bei diesen Wechselfälschungen 
wirkte auch ein Angestellter des Unterneh— 
mens mit. Jetzt hat die Kriminalpolizei 
eingegriffen und die beiden Beschuldigten 
festgenommen, ehe sie sich durch die Flucht 
der Verhaftung entziehen konnten. Der 
verhaftete Firmeninhaber soll sich bereits 
zu einem umfassenden Geständnis bequemt 
vaben. 
Domkapitular Joseph Engelhardt gestorben 
Dz. Mainz. 28. Dez. Am heiligen Abend 
vier Tage vor seinem 84. Geburtstage, 
starb nach längerem schweren Leiden Dom— 
kapitusar Joseoh Engelhardt im Vingzengz— 
hospital zu Mainz. 
Der blutige Straßenkampf in Berlin O. 
In der Straßenschlacht, die sich in der 
Nacht zum Sonntag im Berliner Osten in 
der Nähe des schlesischen Bahnhofes ab— 
spielte und die etwa von 11 Uhr bis 2 Uhr 
gedauert hat, sind mehr als 40 Schüsse ge 
fallen. Acht Personen liegen in bedenk 
lichem Zustande im Krankenhaus. Der Zu—⸗ 
stand eines Schwerverletzten ist nahezu 
hoffnungslos, da da ihm die Schädeldecke 
durch Hiebe zertrümmert worden ist. Nach 
den Schilderungen von Augenzeugen hat 
eine Schlägerei stattgefunden, wie sie in 
der Kriminalgeschichte Berlins einzig da⸗— 
steht. Im Laufe der Nacht zum Montag 
werden wie der „Montag“ meldet, sämt- 
liche Lokale in der Umgebung des schlesi— 
schen Bahnhofes durchsucht werden und es 
ist mit einer ganzen Reihe von Verhaftun— 
gen zu rechnen. Im Polizeipräsidium ha— 
ben eingehende Besprechungen über den 
Vorfall stattgefunden. Außer der Reserve— 
mordkommission sind unter Leitung des 
Kriminalrats Galzow fast sämtliche Krimi— 
nalstreifen des Berliner Polizeipräsidiums 
beauftragt, dem Banditentum im Berliner 
Norden und Osten endlich ein Ende zu be— 
reiten. 
z Teilnehmer der Berliner Straßenschlacht 
nerhaftet. 
w Berlin, 1. Icn. Im Zusammenhang 
mit der blutigen Schlägerei am Sonntag 
hat die Kriminalpolizei im Verlaufe des 
gestrigen Tages sechs Personen verhaftet, 
die an der Schlägerei beteiligt gewesen 
sind. Außerdem wurde eine große Zahl 
von Personen verhört. Weitere Verhaftun— 
gen dürften in Kürze erfolgen. 
Von Einbrechern angeschossen. 
Leipzig, 830. Dez. Heute abend in der 
siebenten Stunde versuchten Einbrecher in 
eine Wohnung des Hauses Wilhelmstraße 
48 einzudringen. Dabei wurden die Wohn⸗ 
ungsinhaber — ein Ehepaar — die sich 
zur Wehr setzten, von den Tätern ange- 
schossen und schwer verletzt. Der Ehemann 
erhielt einen Schulter- und die Ehefrau 
einen Bauchschuß. Die Einbrecher ergriffen 
die Flucht und ließen die Pistole, die ihnen 
der Ehemann entrissen hatte, am Tatort 
zurück. Ein stärkeres Polizeiaufgebot 
suchte die Gegend vergeblich nach ihnen ab 
Das Ehepaar wurde ins Krankenhaus ge 
hbracht. 
Die Außenpolitik 
in Vergangenheit und Zukunft 
Berlin, 29. Dez. Wenn wir eine aus—⸗ 
senpolitische Bilanz für das Jahr 1928 
ziehen wollen, so müssen wir sagen, daß 
wir in den großen Zielen der Außenpoli— 
tik, die in der Hauptsache eine Verstän⸗ 
digungs⸗ und Annäherungspolitik an un— 
sere ehemaligen Kriegsgegner mit dem 
Ziele der endgültigen Befreiung unseres 
Vaterlandes und Wiedererringung unqje— 
rer Weltgeltung darstellt, nicht eben viel 
weiter gekommen sind, daß aber anderer⸗ 
seits auch kein Stillstand eingetreten ist, 
sodaß wir in das neue Jahr mit der 
Hoffnung hineingehen können, daß es 
gelingen wird, die Ziele ihrer Verwirk—⸗ 
lichung näherzubringen. Von den drei 
Fauptfragen, Rüstüng, Räumung, Repa⸗— 
rationen, sah die Rüstung im Anfang des 
Jahres am hoffnungslosesten aus. Die 
Konferenz in Genf im März war ge— 
scheitert, und durch eine Indiskretion 
wurde ein zwischen England und Frank— 
reich abgeschlossenes Abkommen bekannt, 
das die beiden Länder als entschiedene 
Gegner der Abrüstung zeigte. Wir haben 
aber ein größes Interesse daran, daß das 
Rüstungs⸗ bezw. Abrüstungsproblem ernsjt— 
haft verfolagt wird. DTenn wir haben aus 
zur Jahreswende ist es nicht unange- 
racht, einmal über die Bedeutung der Ge— 
neinde nachzudenken. 
Die Gemeinde ist nach der Familie die 
bichtigste Zelle der Lebensgemeinschaft. 
Als die französische Revolution im Jahre 
1789 den Satz prägte: „Il n'y a que l'état 
t l'individu“ hätte man annehmen kön— 
nen, daß sowohl die Familie wie die Ge— 
neinde zugunsten des Staates und des 
Individuums verschwinden sollten. Aber 
serade das Gegenteil trat ein. Auch die 
ortschreitende Kultur erhielt die für be— 
timmte Zwecke als brauchbar anerkann— 
en typischen Daseinsformen, die seit Jahr— 
ausenden ausgebildete unentbehrlichste Le— 
»ensform: die Familie und die Gemeinde. 
die Familie ist das Grundlegende für die 
ßemeinde und ihre Bedeutung wollen wir 
ins kurz vor Augen führen. 
Durch die Familie wird die Gemeinde 
mmer neu befeelt. Ohne sie wird die Ge— 
neinde und der Staat morsch und faul. 
Wird die Selbständigkeit der Familie er— 
salten, dann bleibt das soziale Gehäuse der 
Hßemeinde wohl in Ordnung. Auch der 
noderne Mensch braucht bei dem heutigen 
zulsierenden Leben einen sicheren, nach 
außen geschlossenen Kreis der Liebe, des 
bertrauens, des Behagens, wie ihn nur die 
jamilie geben kann. Durch das dauernde 
usammenleben von Mann und Frau, von 
zltern und Kindern, werden Gemein— 
chaftsgeist und jene starken Pflichtgefühle 
ꝛrzeugt, die wiederum jeden Einzelnen be— 
vegen, der Gesamtheit opferwillig zu 
Renen. 
Eine Anzahl von Familien d. h. eine 
Nehrheit von Menschen, welche auf einem 
estimmt begrenzten Gebiet (Gemarkung) 
iachbarlich ansässig und durch eine Ver— 
assung zu einer Einheit verbunden sind, 
ilden die Gemeinde. Auch wir sind 
zurch unsere Geburt in irgend eine solche 
zemeinde hineinversetzt, ja gewissermaßen 
n Empfang genommen worden Denn als 
oziale Institution sorgt die Gemeinde von 
»er Wiege bis zum Grabe für uns. Sie be— 
reut jedes Gemeindemitglied (vergl. Säug— 
ings-⸗, Kinder- und Altersfürsorge, sowie 
die Kranken- und Armenpflege). Hierbei 
ruimmt die Gemeinde jedoch nicht den Cha— 
rakter einer aAllgemeinen Versorg— 
ungsanstalt an. Der wahre so— 
iale Geist, der Geist des Gebens, des 
stot⸗ und Schmerzenlinderns entspringt 
oorwiegend tiefster religiöser Ueberzeugung 
und betätigt sich bei vorhandener Notwen— 
zigkeit unmittelbar. So besitzt jeder Ein— 
zelne in der Gemeinde eine Rechts- und 
Unterstützungsgenossenschaft 
und nicht zuletzt auch eine Friedens- und 
Freudensgenossenschaͤft. Durch den Schutz 
und die Sicherheit, welche die Gemeinde 
zraft ihrer Polizeigewalt gewähren kann, 
entfaltet sich das wirtschaftliche Leben. 
Dz. Basel, 31. Dez. Am Samstag abend 
and ein Festabend der Vereinigung Deut— 
cher in Basel im großen Saale des Stadt 
asinos statt, der außerordentlich gut be— 
ucht war und bei dem u. a. auch der ba— 
ische Staatspräsident, Minister Dr. 
zchmitt, Präsident Dr. Hauser und Regie— 
ungsrat Wenk von der Basler Regierung 
gesandtschaftsrat Dr. Ulbrich von der deut⸗— 
chen Gesandtschaft in Bern, der deutsche 
generalkonsul Dr. Förster in Basel und der 
ʒsterreichische Konsul Ursprung in Basel 
anwesend waren. Der Ehrenpräsident der 
Bereinigung Deutscher, Direktor Derksen 
zrinnerte daran, wie vor 10 Jahren in den 
Zeiten des Zusammenbruchs in Lörrach vm 
zaale des „Storchen“ die Heimkehrenden 
ich trafen und sich gegenseitig Unterstütz- 
ung und Hilfe gelobten. Das sei die gei— 
tige Geburtsstunde der Vereinigung Deut— 
cher in Basel geworden. In seiner Fest 
dem Friedensvertrag einen Anspruch au 
die Abrüstung der anderen, nachdem wir 
his zur fast völligen Ohnmacht haben ab— 
üsten müssen. So wandten wir uns ge 
jen das englisch-sranzös. Abkommen und 
rreichten, zumal wir in unserem Vorge⸗ 
jen von den Vereinigten Staaten von 
Amerika unterstützt wurden, die Aufheb⸗ 
ang des Abkommens. Ein gewisses Hilfs⸗ 
nittel dazu war der von dem amerikani— 
chen Staatssekretär Kellogg vorgéschla— 
gene Kriegsächtungspalt, der im August 
n Paris in Anwesenheit Tr. Strese⸗ 
nanns unterzeichnet wurde. Bet dieser 
ßelegenheit hatte Dr. Stresemann eine 
zedeutsame Aussprache mit dem französ. 
Ninisterpräsidenten Poincare, in der al⸗ 
e schwebenden Fragen erörtert wurden. 
zeider kam dann die Erkrankung Stre⸗ 
amanns dazwischen, die ihm eine energi— 
durch die friedlichen Beziehungen werden 
die Bedürfnisse der Volksgenossen unter- 
inander bekannt und das Nächbargefühl 
nit seiner gegenseitigen Hilfsbereitschaft 
chweißt und kettet die Menschen mehr und 
nehr zusammen. Daher, ob reich oder arm, 
lieben wir alle aufrichtigst alle unsere Ge— 
neindegenossen und die Geburts- oder 
Wohnstätte verbleibt uns als unsere teure 
zeimat unvergeßlich. Das Heimatgefühl 
elbst, jenes tiefe unlösliche Zusammenge- 
zörigkeitsgefühl mit der Umgebung, ist und 
Reibt das Stau- und Sammelbecken un-— 
erer Kraft, die Energiequelle unserer Ta— 
en. In dem wirtschaftlich sozialen Gehäuse 
der Gemeinde gründen wir unsere Existenz 
ind unsere Familiengemeinschaft. Aber 
aicht nur die Möglichkeit der Befriedigung 
aller Lebens⸗, sondern auch aller Kultur— 
»edürfnifse bietet die Gemeinde. Kul— 
curreste vergangener Zeiten sind in den 
Museen zusammengestellt, welche die Ei— 
genart und geschichtlichen Werdegang der 
ßemeinde erkennen lassen. Gegau— 
nuseum!) Hier lernt unsere Jugend 
ßolkstum und Volkskunst verstehen und 
vird dadurch wurzelfest mit der Vergan— 
genheit verflochten. Städtische Baudenk— 
näler, insbesondere auch die Stadt- und 
dorfkirchen breiten einen unbeschreiblichen 
Zauber auf die Volksgenossen aus, weil 
ie so bodenständig aus den Bedingungen 
zer Heimat emporgewachsen sind und zu 
ihr gehören wie die Bäume zum Wald. 
Alles Lebensnotwendige in ideeller, 
materieller und kultureller Be— 
ziehung bietet uns die Gemeinde. Daher 
soll die Gemeinde auch eine wirkliche“ Ge— 
meinschaft der Bewohner sein, die sich auf 
Gedeih' und Verderb' miteinander verbun— 
den fühlen. Das hebt auch die Gemeinde— 
Irdnung in 8 1hervor, wenn sie sagt: 
Aufgabe der Gemeinde ist die 
Erziehung der Einwohner zur 
Bemeinschaft des Volkes.“ 
Die wahre Volksgemeinschaft, die Mil— 
ionen von Deutschen herbeisehnen, wird 
edoch erst Rommen, wenn das Gebot der 
Nächftenliebe von jedem Einzelnen gehal— 
ren wird. Das Haupterfordernis unserer 
Zeit ist aufrichtige Liebe und tätige 
Zilfsbereitschaft zu allen Menschen. Wenn 
auch im neuen Jahre jeder Einzelne den 
nächsten so liebt wie sich selbst —, und nur 
das ist wahre Liebe —, wenn jeder mehr 
ain die Andern, an die Gesamtheit 
enkt als an sich, dann wird auch in der 
BSemeinde im Neuen Jahre Großes geleistet 
verden können. 
In diesem Sinne entbiete ich allen hie 
igen Gemeindeangehörigen ein glück 
eliges neues Jahr“!“— 
Engen, 2. Jan. 1929. 
Dr. Miltner, 
Bürgermeister. 
J 7 
——4 
ede dankte der badische Staatspräsiden: 
zer Vereinigung Deutscher für ihre Für 
orgetätigkeit während der schweren Not 
ahre. Während der Krieg früher zur Er— 
angung von Ehre und Macht Geltung ge— 
jabt habe, werde er heute allgemein ge— 
ichtet. Nur gemeinsames Streben, Wett- 
zampf auf geistigen Gebieten und gegen-— 
eitige Achtung könnten die Völker vor— 
wärts bringen. Die schweizerische Demo— 
zratie sei der deutschen zum Vorbild ge— 
vorden. Deutschland habe dank dieser 
ieuen Staatsform im Rate der Völker wie— 
z»er Geltung erlangt. Es folgte dann noch 
ꝛeine kurze Ansprache von Gesandtschafts— 
rat Dr. Ulrich-Bern, der dem Verein zur 
weiteren Liebestätigkeit vom Auswärtigen 
Amt 3000 RAl überbrachte, die Gesandter 
Dr. Müller-Bern auf 5000 Franken er— 
öhte. 
* 
che Verfolgung seiner Ziele unmöglich 
nachte und die gewonnene persönliche 
Fühlung mit den Ministern Englands 
ind Frankreichs so stark lockerte, daß die 
Minister im Tezember ihre viel kommen— 
ierten Reden halten konnten, die einen 
chier unüberbrückbaren Gegensatz zu der 
eutschen Auffassung in den Fragen der 
stäumung und der Reparationen zeigten. 
die Zusamenkunft von Lugano kurz vor 
VLeihnachten diente allein der Wieder— 
serstellung des persönlichen Kontakts u. 
»er Ausräumung der Mißverständnisse. 
vleichzeitig hatte der deutsche Botschaf⸗ 
er in Paris Unterredungen mit Poin— 
are, in denen die Frage der Einladung 
zu der Konferenz der Sachverständigen, 
die für den Januar vorgesehen ist und 
ich mit der Feststellung der Leistungs— 
Migkeit Deutschlands befassen soll, ge— 
„art wurde. Danach gehen die Eachder⸗ 
ständigen ohne Bindung ihrer Regier— 
ungen an die Arbeit, und sie werden dann 
hoffentlich zu einem gerechten Urtell kom— 
nen. Das Problem der Reparationen wird 
dann endlich in dem Sinne gelöst, daß 
wir wissen, wieviel und wielange wir 
zu zahlen haben. Tie Frage der Räum— 
ung wird sich dann auch lösen lassen. Es 
bleibt hier zu hossen, daß es uns ge— 
ingen wird, die französische These vom 
zweck der Besetzung als einer Pfand— 
tahme zu besiegen. In der Rüstungsfrage 
Zeine neue Konferenz für Anfang des 
Immenden Jahres vorgesehen. So ist auch 
diese Frage wieder aufgeworsen worden. 
Bei einigem gutem Willen könnte sie so— 
gjar in unserem Sinne entschieden werden, 
doch darf man die Hoffnungen hier nicht 
zu hoch spannen. Zur allgemeinen Ab— 
rüstung gehört die Uebereinstimmung Al— 
ler in ernstem, festem Wollen, und dafür 
ürfte die Zeit noch nicht gekommen sein. 
Das Auswärtige Amt hat sich dann 
roch mit dem Abschluß von Handelsoder— 
rägen befaßt, von denen vier unter Dach 
inõ Fach gebracht wurden: der südafrika— 
usche, der griechische, der estnische und 
er litauische. Außerdem wurde noch ein 
krgänzungsabkommen mit Rußland ab— 
geschlossen, in dem der schon bestehende 
dandelsvertrag eine nähere Auslegung 
erfuhr. Nicht fertig geworden sind die 
Berträge mit Polen, Oesterreich, Ungarn 
and der Tschechossowakei. Sie werden im 
aeuen Jahre noch manche Schwierigkeit 
hteten, besonders niit Polen, bei dem zu 
den schwer zu lbsenden Problemen noch 
ein deutlich merkbar schlechter Wille hin— 
zutritt, den zu überwinden viel Mühe ko— 
ten wird 
Ausland 
Zlutige Zusammenstöße auf einer Parteĩ⸗ 
konserenz in Südslawien. 
w Belgrad, 1. Jan. Auf einer Partei⸗ 
zonferengz, die die radikale Partei in Groß⸗ 
geeskerek unter dem Vorsitz des früheren 
Ministers Ninschitsch abhielt, kam es zu 
einer Schlägerei zwischen Mitgliedern der 
Vukitshewitsch-Partei und Radikalen. Die 
hßolizei konnte nur mit großer Mühe die 
Irdnung wiederherstellen. Drei Personen 
vurden schwer verletzt. Nach Wiederherstel⸗ 
lung der Ordnung griff Ninschitsch in einer 
großen Rede die Regierung,an und machte 
Wuntschewitsch fur die“ gegenwärtige 
chwierige Lage verantwortlich. 
zaegy geht vorübergehend in ein Kloster? 
w Paris, 1. Jan. Nach Blättermeldun— 
gen soll sich Abbe Haegy vorübergehend in 
ein Kloster zurückgezogen haben. 
Die Lage in China. 
Nanking, 31. Dez. Nachdem die mand— 
hurischen Generäle sich mit den von Sun 
sat Sen aufgestellten Grundsätzen einver— 
anden erklaͤrt haben, hat die Regierung 
zchan Shuch Liang, den Sohn Marschall 
schangtsolins zum Verteidigungskommis⸗ 
är für den Nordosten ernannt. Ferner hat 
ie die hauptsächlichsten Inhaber der Regie— 
ungsstellen der Mandschurei in ihren Aem— 
ern bestätigt. Der Minister des Aeußern 
rklärte in einem Interview, daß dieses 
zrgebnis, das dem Wunsche der ganzen Na— 
ion entspreche, eines der bedeutendsten po— 
itischen Ereignisse der letzten Zeit im fer— 
en Osten soi 
Sonntagsarbeit in Italien. 
w Rom, 31. Deg. Osserxrvatore Romano 
rotestiert gegen eine Verfügung der Be— 
sörden, wonach am gestrigen Sonntag zu 
zunsten des arbeitsfreien Silvestertages 
gearbeitet werden sollte, und erklärt, daß 
eine Verfügung, welche den Sonntag zum 
Werktag mache, um irgend einen Montag 
zu feiern, nicht nur die Staatsgesetze, son⸗ 
ern auch die neuen Sundikatsgeseke ver— 
ehe 
I αι Im 
Engen, 2. Jan. Noch am letzten Tage 
des Jahres trug man einen Mann hinaus 
zum Gottesacker, der sich großer Beliebt— 
seit erfreute. Es war Herr Eisenbahn-— 
obersekretär Wilhelm Maier, der im 
Alter von 69 Jahren nach längerer 
Krankheit ins Jenseits gegangen war. 
Auf dem Wege zur letzten Ruhestätte be— 
jleitete ihn eine außergewöhnlich große 
Zahl von Trauernden und am Grabe leg— 
ten unter Worten herzlicher Teilnahme 
und ehrendem Anerkennen für das Gute, 
was der Verblichene auf Erden getan, 
Kränze nieder im Namen desß Evangeel. 
dirchenchors Herr Haag, des Gesang- 
bereins „Liederkranz“ Herr Kaltenbach, 
leichzeitig auch für den Mannheimer 
Zängerkreis, für den Kriegerverein Herr 
dügle, für den Verein der Ruhestands⸗ 
zeamten Engen Herr Bührle, für den 
dandeßverb. d. Zivildienstbecechtigt. Engen
	        

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