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Aussendeutschtum

Bibliografische Daten

fullscreen: Aussendeutschtum

Strukturtyp:
Monografie
Sammlung:
Deutsche Bevölkerungsgruppen im Ausland
Titel:
Aussendeutschtum
Publikationsort:
Berlin
Veröffentlichungsjahr:
1922
Verlag:
Selbstverlag
Größe der Vorlage:
Seite 73 - 84

Physikalischer Standort:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Signatur:
AD a 46
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=1844668231

Kapitel

Strukturtyp:
Kapitel
Titel:
Danzig

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Aussendeutschtum
  • Titelseite
  • Außendeutschtum
  • Die heutige Lage des baltischen Deutschtums
  • Das Deutschtum in Litauen
  • Memelland
  • Danzig
  • Vom Deutschtum in Polen
  • Die oberschlesische Frage
  • Das Deutschtum in der Tschecho-Slowakei
  • Deutschösterreich
  • Deutschsüdtirol
  • Die Lage des Deutschtums in Siebenbürgen
  • Die heutige elsaß-lothringische Frage
  • Die Vergewaltigung des Deutschtums in Eupen-Malmedy
  • Die Lage der Deutschen im jetzt dänisch gewordenen Schleswig
  • Aus Schrifttum und Kulturleben

Volltext

re 
und Fortschritt). Lettere, aus Deutscher Volkspartei und Die Eisenbahnen des Danziger Gebiets besitzt Polen 
An enn bestehend, ist aber sehr unsicher als Bundes- und führt die französisch-belgisch-polnishe 24-Stundenzeit ein. 
genosse, die Mehrheitssozialisten bekämpfen die bürgerlihe Die „Danziger“, die heute eine eigene „Nation“ sind, be- 
Rechte, Unabhängige und Kommunisten erstreben „die Dik- stehen aus Deutschen und Polen; 1920 waren es 6% Polen 
tatur des Proletariats“, au< mit Hilfe des nationalen Fein- in der Stadt, no< weniger auf dem Lande. Sie fordern alle 
des (Polen, Franzosen, Sowjetrußland). Die politischen, wirt»- PMMinderheitenrechte, die ste den Deutschen in den geraubten 
ihaftlihen und nationalen Verhältnisse in dem 357 000 Ein- Gebieten vorenthalten oder entreißen: sie haben polnische 
wohner zählenden Stadtstaat, dem „Freistaat“ Danzig, sind Volksschulklassen, polnische Seelsorge und Predigt, erhalten 
ungefestigt, die Stadt lebt in steter Beunruhigung: in ihrem ein polnisches Gymnasium, besuchen die Technische Ho<hs<ule, 
Parlament toben Parteikämpfe (während im Saargebiet jekt die sie ganz verpolen wollen. Polnis<e Theater, Museen, 
alle Parteien national geeint sind), landwirtschaftlic< ist sie Bücereien sind weitere Wünsche. Ihr Wereinswesen blüht, 
auf „Polen“, d. h. die geraubten Teile Westpreußens, ange- ihre Presse wühlt, sie haben einen polnischen Reichskommissar, 
wiesen, kann also ausgehungert werden; wirtschaftli ist Generalkonsul, eine Eisenbahndirektion und Zollverwaltung; 
jie in Zollans<hluß mit Polen gezwängt und von Deutsch- sind im Hafenauss<huß, besigen eine Funkstation, haben eine 
land getrennt, zur Zeit wird sie dur; Polen ausgekauft; „Kriegsflotte“ aus gestohlenen deutschen Schiffen, leiten ihre 
Landwirtschaft wie Industrie haben sich umzustellen auf Ho<h- Ein- und Auswanderung über Danzig, ja ihre Munitions- 
zucht, Eigenbedarfserzeugung an Kleidung und Schuhwerk, und Sprengstoffladungen (wofür Danzig jeßt, mitten im 
Veredlungsgewerbe, im Freihafenbezirk auf Ausfuhrgewerbe. Hafen ein neues Be>en erbauen und die Hälfte der Kosten 
English nes Ae unines und aper fredes 3 tragen soll). 
pital bohrt si< in die Unternehmungen, rei rund- un . - I 4 dr 
Geschäftsbesit an sich. Die Stadt verfremdet, verpolt, ver- Gait I Ma an us Der Staa ME Rei die 
judet won 20009 Fremden sind 13000 Osfjuden!). ie 1920 bezahlt werden) -- darauf rechnet Polen, 
Polen hat Danzigs diplomatische Bertretung; Polen rec<net Frankreich, rehnet alles, was dem deutschen Danzig 
iat „Danigs 3 Men S0 0 Ziegssal Danis feind ist. 
„Ordnung und Sicherheit“ bei örtlihen Unruhen zu wahren, 5 8 ;; - : 
falls die Danziger Polizei nimt ausreimt. Danzig soll aberän. EEE Rt Sauen Stehen tms MiD je 20 
weder ein militärischer no< Flottenstüßpunkt werden. Wes- „1 ipnen: „Heutzutage halten die veutschen Frauen ihre Kin- 
halb in Paris (Action francaise) jezt lehteres für Franz 54. an "daß sie vor allen Dingen daran denken, daß sie 
Leim Bu Polen auSbrügnm Dean wird. deutsch smd. Und dieser Same, der in das Gebiet des Ewig- 
Oberster Herr in Danzig. ist der Dberkommissar des |Uq9eivlihen gefallen ist, liegt tiefer und dauert länger, als 
Bosterhunves, Tuer der enalsme General Salina. Können unsere Mänzerstreiti keiten; und der wird uns auch einmal 
Danzig und Polen sic) nicht einigen, so gehen sie zum Ober- : g 2. MENT Ayr 
Rau. nes les . herausreißen, wenn es schlimm wird.“ (Btsmar>d am 8. April] 
kommissar; bringt der sie nicht zusammen, gehen sie zum 1896) Es ist s<limm geworden 
Völkerbundsrat nam Genf. Der Präsident der Danziger 3 : | 
Regierung (Senat) verbringt oft Wochen dort. Dr. Käthe Schirmader. 
Bom Deutschtum in Polen. 
- Der 10. Januar 1922 ist ein bitterer Tag für die Deut- heitenschukßverträge in einem Bolkstum bedeuten, das sich 
i<en in den Polen zuerteilten Provinzen gewesen. An diesem zwar seiner traditionellen Toleranz rühmt, im Inneren aber 
Tage lief die Frist ab, während der die Bewohner dieser fest entschlossen ist, mit jedem Mittel die Entfernung der 
Landesteile, die polnis<e Staatsbürger geworden waren, ihre Deutschen aus dem Lande durchzuseken, aus dem Lande, das 
Optionserklärung haben abgeben können und wählen konnten doch erst deuts<e Kulturarbeit zu dein gemacht hat, was es 
zwischen dem Anrecht auf die alte Heimat und der Zugehörig- ist, und das si< in den zweieinhalb Jahren seit der Los- 
keit zum deuts<hen BVaterlande. Und viele, leider nur all trennung, was Ordnung, Sauberkeit und alle bürgerlichen 
zu viele, haben den Ruf der Heimat niht gehört und sind Tugenden anbetrifft, so traurig verändert hat. Planmäßig 
vft ohne dringenden Zwang, oft leichten Herzens hinausge- wird an der Entdeuts<hung des Landes gearbeitet, in der 
zogen, um 1m alten Vaterlande eine neue Existenz zu suchen. Verwaltung und in der Gesekgebung. Die Agrargesete, die 
Schweren Herzens haben die Zurücbleibenden sie ziehen lasjen; Wirts<haftsmaßnahmen, die Schulpolitik werden no< jpä- 
denn immer schwerer wird der Kampf um die Selbsterhaltung. teren Geschlechtern Kunde geben von dem Unrec<t, das dem 
des Volkstums in dem klein gewordenen Häuflein, und Deutschtum hier geschehen ist, und der Kurzsichtigkeit, mit 
immer fühlbarer werden die Lüden, die in den Verwandten- der Polen seinen leistungsfähigsten Volksteil vernichtet hat. 
und Freundeskreis jedes einzelnen gerissen sind. Es sind in Allerdings sind bereits weite polnische Kreise von der Tor- 
dieser Zeit vor Ablauf der Optionszeit keinem Deutschen in heit solhen Beginnens überzeugt, und im Einzelverkehr hat 
'Bolen Seelenkämpfe erspart geblieben; das Gefühl, die Tür sich schon vielfa< ein friedliches Nebeneinander angebahnt. 
zum Vaterhaus verschlossen zu sehen, ist s<hmerzlih, und Aber noh immer und stets aufs neue schürt der „Verein zum 
ebenjo hart ist es, da eine Grenze zu finden, wo das Herz Sc<huße der Westmarken“ die Feinds<aft und das Mißtrauen, 
sic dagegen wehrt, die Trennuna anzuerkennen jene Gruppe von Männern, die ihren Verein nah dent 
Und doch sind viele geblieben: die, deren Volksbewußt- Mie es Ine er ier eins rann 10000 
sein das stärkere, deren Einsicht in die Lebenznotwendigkeitemn auch Gier DNN Den komischen Doppelfällen der "Geschichte 
pe Bru? SESSI UTL bie de ae -- Okazisten genannt werden, wie sie selbst einst die Ver- 
wissen, daß ihr Leben hart sein wird, und daß immer höhere de preußischen Ostmarkenpolitik Hakatisten zu nennen 
nforderungen an sie gestellt werden müssen. Diese deutsche : : : ' 
Minderheit im polnischen Staate, die mit den Abgetrennten 3,4 Bene ER uE Sein ane dung: 
in Nord und West zusammen den schwersten Teil der deuts<en >45 feste Zusammenschließen und Zueinanderhalten aller Deut- 
Not zu tragen hat, ist vielfaHh für den harten Daseinskampf, ichen. Und die Not der Zeit hat diesen Zusammenschluß auc< 
in den ste gestellt ist, durhaus nicht gerüstet. Es smd ja hervorgebracht. In allen Fragen, die die Vertretung und 
keine Auslandsdeutshen, die für die Behauptung ihrer Eigen- us Durchseßen Der Minderheitsrechte betreffen, die nach 
art inmitten fremden Volkslebens von Iugend auf erzogen >6m Friedensvertrag und der polnischen Verfassung den 
sind oder in kühnem Wagemut hinausgezogen zur Ehre des Deutschen das Recht auf ihre nationale, kulturelle und wirt- 
deutschen Namens. Sie sind Binnendeuts<he ebenjo gut wie schaftliche Eigenart feierlich gewährleisten treten die Deut- 
die Märker und Schlesier, die sich siHer und beruhigt gefühlt ien als geschlossene Einheit auf ohne Unterschied der J5artei 
hatten innerhalb der sc<hwarzweißroten Grenzpfähle. Allet- dr Kontession, des Berufs und des Standes, so mannigfach 
dings haben sie unter dem Drude der lezten Jahre viel ge- sich dies alles im Einzelleben auch auswirken mag. Im 
lernt, aber sie wissen doc< genau, daß sie sich als lebendiger Deuts<tumsbund zur Wahrung der Minderheitsrechte findet 
Teil des deutschen Volkes nur dann erhalten können, wenn diefer Wille zur Einheit seinen Ausdrud. Der Deutschtums- 
es ihnen gelingt, ihre Eigenart voll zu wahren. Sie wissen| hund ist die Mauer, zu der jeder Deutsche in Polen seinen 
auch, daß sie dies nur können, solange sie den inneren ZU- Stein willig beiträgt, denn sie umschließt die heiligsten Güter 
sammenhang mit Deutschland nic<ht verlieren und der Liebe 555 deutschen Volksfums. Selbsthilfe ist das einzige, was 
und des Verständnisses ihrer Brüder drüben gewiß sind. für diese Arbeit den Erfolg gewährleisten kann. In ver Ein- 
Da liegt die Pflicht jedes Deuts<hen im Deutshen Reih. +-:4. > +; ; : 3 
Möge sich jeder Desseit bewußt sein! fi in diese Toa ins ie Deutsmsen Eun Se]pitpe 
; euerung geschritten, und jeder Städter gi 1000 jetnes 
Diese deutshe Minderheit ist in den ehemals preußt- Einkommens, jeder Grundbesiger 40 M. für den Morgen 
s<en Gebieten des neuen Polen eingefügt in eime wejens= als völkische Abgabe. Die so gesammelten Mittel dienen da- 
fremde Bevölkerung, die ihr fast durhweg haßerfüllt gegen- zu, die Erfüllung gewaltiger Aufgaben zu ermöglihen. Das 
übersteht. Und dieser Feindseligkeit sind die Deuts<en so Deutschtum in Polen ist sich bewußt, daß es sein gejamtes 
gut wie völlig wehrlos ausgeseßt. Denn was wollen Minder- Kultur- und Wirtshaftsleben auf eigene Füße stellen muß.
	        

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