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Rumes

Bibliografische Daten

fullscreen: Rumes

Strukturtyp:
Monografie
Sammlung:
Deutsche Bevölkerungsgruppen im Ausland
Autor:
Amlacher, Albert
Titel:
Rumes
Untertitel:
aus Vergangenheit und Gegenwart einer siebenbürgisch-sächsischen Dorfsgemeinde
Beteiligte Personen:
Amlacher, Albert
Publikationsort:
Hermannstadt
Veröffentlichungsjahr:
1912
Verlag:
Krafft
Größe der Vorlage:
52 S.

Physikalischer Standort:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Signatur:
Ca ALTB 49
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=1826524916

Kapitel

Strukturtyp:
Kapitel
Titel:
8. Der Pfarrhof

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Rumes
  • Einband
  • Titelseite
  • Inhaltsübersicht
  • Geleitswort
  • 1. Ortsgründung und Blütezeit
  • 2. Türkennot und Niedergang
  • 3. Der Kampf mit den Edlingen
  • 4. Im Ringen mit den Volksfremden
  • 5. Deutsche Zuwanderung
  • 6. Die Kirche
  • 7. Die Schule
  • 8. Der Pfarrhof
  • 9. Die Pfarrherren
  • 10. Der Besitz der Kirche
  • 11. Episode aus der Zeit der Kommassation
  • 12. Das heutige sächsische Rumes

Volltext

28 — 
des 23. Juli hatte man bewaffnete Leute am Saume des Waldes oberhalb 
der Weingärten bemerkt; beim Betglockleuten sah der Glöckner, wie sie sich 
über die Wiesen, der Gemeinde näherten. In der Abenddämmerung durch— 
schritten sie rasch den Kirchberggarten und drangen in den Pfarrhof ein. 
Ihr Anführer, „die schwarze Maske“, eine schlanke, vornehme Gestalt, 
trug Stulpenstiefel und einen schlappen Filzhut; über der Achsel hing 
ihm eine Jagdflinte und in der Rechten hatte er eine schwere Reitpeitsche. 
Er sah ruhig zu, wie die Kästen aufgerissen und Geld und Schmucksachen 
herausgenommen wurden. Als ihm eine goldene Halskette mit Diamanten 
und einem großen Smaragd besetzt, ein altes kostbares Erbstück der 
Pfarrerfamilie, gereicht wurde, schob er sie in die Tasche, war aber mit 
der Summe des vorgefundenen Geldes höchst unzufrieden. Er hatte mehr 
erhofft und als die Räuber den Pfarrer zu Boden warfen und miß—⸗ 
handelten, schrie er ihn zornig an: „Du alter sächsischer Hund, gib dein 
Geld heraus!“ und trat ihm unter wilden Flüchen mit dem Stiefelabsatz 
ins Auge, daß es ausrann. Der Pfarrerstochter gelang es dann die 
Räuber durch die „Schlocht“ hinab in den Keller zu locken und so von 
dem beklagenswerten Vater abzulenken. Dort unten entfiel ihrer Hand wie 
zufällig das Licht. Mit der rtlichkeit wohlvertraut, gelang es ihr im 
Dunkeln rasch die Treppe wieder hinaufzueilen und die „Schlocht“ hinter 
sich zu verriegeln. Ebenso entschlossen schob sie den Querbalken vor die 
Eingangstür des Pfarrhauses. Die getäuschten Verbrecher unternahmen es 
jedoch gar nicht mehr wieder in die Wohnung zu gelangen, sondern eilten aus 
dem Keller heraus und suchten, während vom Turme die Sturmglocke 
das Dorf zur Hilfe rief, mit ihrer Beute das Weite. Einen Sack mit 
Kupfergeld, „ein gutes großes Viertel voll“, hatten sie im benachbarten 
Predigergärtchen aufgeschnitten, ausgeleert und dann den ganzen Haufen 
Münzen als wertlos liegen lassen. Fünf Jahre später war die Pfarrers⸗ 
tochter auf einem Ball in Hermannstadt, wo die vornehmsten Kreise des 
Landes vertreten waren. Hier brach sie vor Schreck plötzlich ohnmächtig 
zusammen; an dem Halse einer vornehmen adeligen Dame, hatte sie den 
wohlbekannten Familienschmuck, das goldene Collier mit den funkelnden 
aufsuchen, fand aber niemand auf dem Pfarrhof daheim, da ward er, es war schon 
abends, von den Lehrersleuten gastlich beherbergt. Nachts erschienen plötzlich Gen— 
darmen vor dem Bette des bestürzten Gelehrten und verlangten den Ausweis über 
seine Persönlichkeit: Der „schneidige“ Hann hatte von dem Gast vernommen, der 
auf den Pfarrhof wollte, einen großen Koffer hatte und so wunderlich sprach. Ihm 
war es sofort klar, da konnte nur ein Räuberüberfall auf den Pfarrhof geplant 
und dies mußte der Späher sein. Um Unheil zu verhüten, hatte er eilig die Gen⸗ 
darmenpatrouille herbeigerufen!
	        

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Zitierempfehlung

Amlacher, Albert. Rumes. Krafft, 1912.
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