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Vom Jahre 1815 bis 1848 (9,2)

Bibliografische Daten

fullscreen: Vom Jahre 1815 bis 1848 (9,2)

Strukturtyp:
Mehrbändiges Werk
Sammlung:
Sonstige gemeinfreie Werke
Autor:
Struve, Gustav
Titel:
Gustav Struve's Weltgeschichte in neun Büchern
Beteiligte Personen:
Struve, Gustav
Publikationsort:
New York
Veröffentlichungsjahr:
18XX
Verlag:
Verl. von Gustav Struve

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=1733295739
Strukturtyp:
Band
Sammlung:
Sonstige gemeinfreie Werke
Autor:
Struve, Gustav
Titel:
Vom Jahre 1815 bis 1848
Beteiligte Personen:
Struve, Gustav
Band, Heft, Nummer:
9,2
Publikationsort:
New York
Veröffentlichungsjahr:
1860
Verlag:
Verl. von Gustav Struve
Größe der Vorlage:
S. 465 - 980

Physikalischer Standort:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Signatur:
Ge 160/9
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=1733295984

Kapitel

Strukturtyp:
Kapitel
Titel:
9. Ideenwelt

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Gustav Struve's Weltgeschichte in neun Büchern
  • Vom Jahre 1815 bis 1848 (9,2)
  • Titelseite
  • 4. Die Zeiten der s. g. heiligen Allianz (1815-1830)
  • 5. Die Revolution von 1830 und 1831
  • 6. Die Zeiten der erneuerten „heiligen Allianz“ (1830- 1848)
  • 7. Die Nordamerikanischen Freistaaten
  • 8. Die übrigen Länder und Völker der Erde
  • 9. Ideenwelt
  • Inhalts-Verzeichnis
  • Alphabetisches Wörterverzeichniß
  • Schlußwort
  • Uebersichtliche Tabelle für das Revolutions-Zeitalter ...

Volltext

366 Geschichte der Neuzeit von G. Struve. 
Christi zu einer ihnen vortheilhaften Religion umzugestalten, sie haben gezeigt, daß ein 
Glaubenssatz indisch-heidnischen, der andere egyptisch-heidnischen Ursprungs ist, das halt 
die Massen nicht ab, dieselben als göttliche Offenbarungen zu glauben. 
Hunderttausendmal sind die Betrügereien der Pfaffen und die Gewaltthaten der Könige 
entlarot worden. Dessenungeachtet glaubt die Menge, wenigstens dem äußern Anscheine 
nach, an die Einen und laͤßt sich die Herrschaft der Anderen ruhig gefallen. Schon im 
oorigen Jahrhundert machte man sich lustig über das Gottesgnadenthum der Könige, allein 
jede Urkunde derselben beginnt noch immer mit den Worten: „Wir von Gottes Gnaden.“ 
Eben so lange ast es her, daß der aufgeklaͤrte Theil der Menschheit über die Lehre der Drei⸗ 
einigkeit laͤchelt, dennoch stehen an der Spitze der meisten Volkervertraäge die Worte: „Im 
Namen der heiligen Dreieinigkeit.“ 
Der Dummheit der Massen kömmt nichts gleich, als deren Rohheit und Stumpisinn; 
allein von Jahrhundert zu Jahrhundert hat die Zahl der denkenden, hochherzigen und 
strebenden Menschen immer zugenommen, und haben die Symptome der Verkommenheit 
der Massen einen minder empoörenden Charakter gehabt. 
Die franzoͤsische Nation war nicht damit zufrieden, sich einmal in dem ersten Napoleon 
einen fluchwürdigen Despoten zu geben, nachdem dieser durch die Macht der Verhältuisse 
entfernt worden und gestorben war, wählte sie dessen Neffen und Geiste sverwandten, welcher 
mit gleichem Scepter und mit ähnlichen Mitteln das Volk ein zweitesmal in die Banden 
der unwurdigsten Knechtschaft schlug. 
Die nordamerikanische Union führte einen siegreichen Kampf gegen den von dem 
Hause Hannooyer ausgegangenen Druck, allein sie beseitigte in ihrer Verfassung nicht den 
weit schwerern Druck der Sklaverel und läßt sich geduldig Jahrzehnte hindurch das Joch 
der Sklavenhalter gefallen! 
Die deutsche Nation beschwert sich bitter über den Bruch der Zusagen, welche ihre 
Fursten ihr in den Jahren 1814 und 1815 gaben. Sie erhebt sich in den Jahren 1848 
und 1849 in Masse, läßt sich aber durch dieselben Redensarten wieder zur Ruhe bringen, 
welche in den Jahren 1814 und 1815 so wirksam waren. 
Italien fühlte seit Jahrhunderten das Joch der Fremdherrschaft auf's schmerzlichste. 
Trotz der sicilianischen Vesper, trotz der Kriegszüge Karl's VIII. und Ludwig's XII. 
und derjenigen Napoleon's J. scheint es in unseren Tagen bereit zu sein, in Napoleon III. 
einen Retter in der Noth erkennen zu wollen, als ob es einen andern gäbe, als den eigenen 
Muth und den eigenen Freiheitsdrang. 
Die Schreler, Volksverführer und Despoten unserer Tage bekaͤmpfen noch immer 
mit denselben Waffen, wie früher, die umsichtigen, freiheitsliebenden und redlichen Freunde 
der Menschheit und wissen diese vom Steuerruder der Staaten fern zu halten. Allein ee 
ist schon viel gewonnen, daß dieselben nicht mehr aller Orten verbrannt werden, sondern de 
oder dort wenigstens ungefäͤhrdet ihre Stimmen erheben koͤnnen. 
Die Aristide und Cincinnatusse unserer Tage sind so arm, als diejenigen Griechen⸗ 
and's und Rom's. Unsere Byrons und Schiller hatten so lange sie lebten mit Kummen 
und Sorge zu kämpfen, wie früher Guttenberg. Unsere Robert Blums erlitten den Tod 
oon Henkershand wie früher Huß und Hieronymus von Prag. Unsere Mazzini, Kossuth 
Arnold Ruge, Kinkel und Hecker sind in der Verbannung wie Dante der Vorzeit. Dao 
Geschlecht der Märtyrer der Freiheit stirbt nicht aus, sondern mehrt sich und gewinnt an 
Kraft und Bedeutung. Die Menschheit geht vorwärts. Keine Macht der Erde kann sie 
hemmen. 
Her treueste Spiegel der Entwickelung der Menschheit ist die bffentliche Meinung.
	        

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Struve, Gustav. Vom Jahre 1815 Bis 1848. Verl. von Gustav Struve, 1860.
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