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Vom Jahre 1815 bis 1848 (9,2)

Bibliografische Daten

fullscreen: Vom Jahre 1815 bis 1848 (9,2)

Strukturtyp:
Mehrbändiges Werk
Sammlung:
Sonstige gemeinfreie Werke
Autor:
Struve, Gustav
Titel:
Gustav Struve's Weltgeschichte in neun Büchern
Beteiligte Personen:
Struve, Gustav
Publikationsort:
New York
Veröffentlichungsjahr:
18XX
Verlag:
Verl. von Gustav Struve

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=1733295739
Strukturtyp:
Band
Sammlung:
Sonstige gemeinfreie Werke
Autor:
Struve, Gustav
Titel:
Vom Jahre 1815 bis 1848
Beteiligte Personen:
Struve, Gustav
Band, Heft, Nummer:
9,2
Publikationsort:
New York
Veröffentlichungsjahr:
1860
Verlag:
Verl. von Gustav Struve
Größe der Vorlage:
S. 465 - 980

Physikalischer Standort:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Signatur:
Ge 160/9
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=1733295984

Kapitel

Strukturtyp:
Kapitel
Titel:
6. Die Zeiten der erneuerten „heiligen Allianz“ (1830- 1848)

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Gustav Struve's Weltgeschichte in neun Büchern
  • Vom Jahre 1815 bis 1848 (9,2)
  • Titelseite
  • 4. Die Zeiten der s. g. heiligen Allianz (1815-1830)
  • 5. Die Revolution von 1830 und 1831
  • 6. Die Zeiten der erneuerten „heiligen Allianz“ (1830- 1848)
  • 7. Die Nordamerikanischen Freistaaten
  • 8. Die übrigen Länder und Völker der Erde
  • 9. Ideenwelt
  • Inhalts-Verzeichnis
  • Alphabetisches Wörterverzeichniß
  • Schlußwort
  • Uebersichtliche Tabelle für das Revolutions-Zeitalter ...

Volltext

8 65. Die Nationen und die Dynastien. 659 
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umsonst in Strömen geflossen. Die Meineide der Könige, die Umtriebe der Aristokraten, die von 
Ppjaffen eingeleiteten Verfolgungen waren unumgänglich nothwendig, um die Völker von 
dem Zustande hündischer Treue, blinden Gehorsams und kindischen Glaubens zu demjenigen 
uttlicher Freiheit, unveräußerlicher Rechte und klaren Selbstbewußtseins emporzuheben. 
Die edelsten, entschlossensten und muthigsten Männer aller civilisirten Volker mußten als 
Opfer der Tyrannei auf Schaffotten fallen, in Kerkern verkümmern oder in der Verban⸗ 
aung schmachten, bevor der gebildetere Theil der Nationen aus seiner Schlaffheit aufgerüttelt 
and von der Nichtigkeit halber Maßregeln überzeugt wurde. 
Hüten wir uns daher wohl vor jenen lieblosen Verurtheilungen und vor jenen flachen 
Verhöhnungen, deren sich so manche Schriftsteller unserer Zeit bei der Besprechung verun⸗ 
glückter Revolutionen vergangener Jahrzehnte schuldig machen! Der Erfolg ist immer nur 
für die elendesten Menschen der Maßstab des Urtheils. Siege wurden oft durch Nieder— 
agen vorbereitet. Unumwundenen Tadel verdient nur der Dummkopf, welcher durch keine 
ürfahrung klug, der Schwächling, welcher durch keine Uebung stark wird und der Feigling, 
velcher immer nur der Gewalt dient, unbekümmert, ob diese auf Freiheit und Recht oder 
auf Despotismus und Unrecht ruht. 
Hüten wir uns ferner vor dem Wahne, daß die den Nationen innewohnende Schwächt 
und Halbheit durch Verleugnung aller Menschlichkeit und Einführung eines sinnlosen 
Schreckenssystems in sittliche Kraft und klares Selbstbewußtsein umgewandelt werden könne. 
das Ziel, nach welchem wir streben, besteht nicht in der Veränderung der Formen unserer 
Staaten, Kirchen und Gesellschaften, sondern in der Reinigung, Stärkung und Befestigung 
des sittlichen und intellectuellen Charakters der Nationen. Ist uns. dies gelungen, so 
entwickeln sich die freieren Formen von selbst, wie die Frucht aus der Blüthe, wie der Keim 
aug dem Saamenkorn. 
Die Verbrechen der Tyrannen und die Thaten heldenmüthiger Selbstaufopferung 
unserer Freiheitskaämpfer sind die nothwendigen Voraussetzungen des Sieges der Menschheit. 
Jedes Verbrechen, jeder Akt der Grausamkeit, dessen sich die Freiheitskämpfer schuldig machen, 
sößt die Massen von ihnen zurück. Das wissen die Tyrannen sehr wohl und darum haben 
se die hochherzigsten Männer der Freiheit von jeher so schändlich verleumdet. Doch die 
unpartheiische Geschichte, welche auch dem verhaßtesten Despoten nicht mehr zur Last legt, 
us er selbst durch Missethaten sich aufgeladen hat, zerstreut den Nebel, in welchem die feilen 
Schergen der Gewalt die Kämpfe der Freiheit zu hüllen bemüht sind. Sie reinigt die 
on dem Kothe der Verleumdung besudelten Heroen der Vorzeit und hält sie im strahlenden 
lidtglanze der Nachwelt zum Muster empor. 
Die Entwickelung der Menschheit, wie sie sich im wirklichen Leben gestaltet hat, besteht 
nict darin, daß das Gute stets zue und das Böse ununterbrochen abnimmt, sondern 
bwechselungsweise in gleichmäßiger Zunahme des Guten und des Bösen, des Verstandes 
ind des Unverstandes und einem Kampfe zwischen beiden Gegensätzen, in welchem das 
zute und verständige Element niemals einen vollständigen, vielmehr immer nur einen 
heilweisen Sieg errungen hat, indem nicht selten Verstand und Kraft auf der guten Seite 
hwächer, als auf der boösen war. Neben den Siegen der guten Sache, der Aufklärung, 
der Freiheit und des Rechtes gehen immer auch Niederlagen einher. Auf entscheidende 
Ziege folgen nicht selten schwere Niederlagen. Die Parthei oder die Nation, welche der 
Nenschheit eine Zeit lang das Banner vorantrug, verknöchert nicht selten und muß, während 
ie noch immer glaubt, an der Spitze der Welt zu stehen, niedergeworfen werden, um der 
Nenschheit einen Fortschritt möglich zu machen. So mußten z. B. in den Tagen der 
esormation Spanien und Italien, welche sich dem Geiste der Zeit mit der größten Hef—
	        

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Struve, Gustav. Vom Jahre 1815 Bis 1848. Verl. von Gustav Struve, 1860.
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