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Vom Jahre 1815 bis 1848 (9,2)

Bibliographic data

fullscreen: Vom Jahre 1815 bis 1848 (9,2)

Structure type:
Multivolume work
Collection:
Sonstige gemeinfreie Werke
Author:
Struve, Gustav
Title:
Gustav Struve's Weltgeschichte in neun Büchern
People involved:
Struve, Gustav
Place of publication:
New York
Year of publication:
18XX
Publisher:
Verl. von Gustav Struve

Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=1733295739
Structure type:
Volume
Collection:
Sonstige gemeinfreie Werke
Author:
Struve, Gustav
Title:
Vom Jahre 1815 bis 1848
People involved:
Struve, Gustav
Volume,Issue,Number:
9,2
Place of publication:
New York
Year of publication:
1860
Publisher:
Verl. von Gustav Struve
Scope:
S. 465 - 980

Physical location:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Shelfmark:
Ge 160/9
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=1733295984

Chapter

Structure type:
Chapter
Title:
5. Die Revolution von 1830 und 1831

Contents

Table of contents

  • Gustav Struve's Weltgeschichte in neun Büchern
  • Vom Jahre 1815 bis 1848 (9,2)
  • Title page
  • 4. Die Zeiten der s. g. heiligen Allianz (1815-1830)
  • 5. Die Revolution von 1830 und 1831
  • 6. Die Zeiten der erneuerten „heiligen Allianz“ (1830- 1848)
  • 7. Die Nordamerikanischen Freistaaten
  • 8. Die übrigen Länder und Völker der Erde
  • 9. Ideenwelt
  • Inhalts-Verzeichnis
  • Alphabetisches Wörterverzeichniß
  • Schlußwort
  • Uebersichtliche Tabelle für das Revolutions-Zeitalter ...

Full text

614 Geschichte der Neuzeit von G. Struve. 
und ihm bemerkte, daß er sich eines mit Zwangsarbeit zu bestrafenden Verbrechens schuldig 
mache, falls er auf seinem Vorhaben bestehe. Der Commissaär ließ sich zwar durch diese 
Worte nicht abhalten, allein er konute keinen Schlosser sinden, welcher die wohloerwahrten 
Thüren des Geschäftslocals öffnete. Die Verhandlung hatte mehrere Stunden gedauert; 
Tausende von Zuhbrern waren durch dieselbe in Aufregung gesetzt worden. 
Von Stunde zu Stunde wurden die Zeichen der Entrüstung des Volkes häufiger und 
heftiger. Schon am Abende des 26. Juli waren einige Steine gegen den Wagen des 
herrn von Polignac geworfen worden. Doch kam es erst am Abende des 27. Juli u 
Thätlichkeiten von Bedeutung. Man bhrauchte einige Zeit, um die Massen in Bewegung 
zu setzen. 
In der Straße des Lyceums gaben die Truppen nach einigem Zögern Feuer und 
tödteten einen Menschen. In der Straße Saint Honors hatte ein Fremder auf die 
Truppen geschossen. Diese erwiederten das Feuer und streckten ihn und seine beiden 
Diener todt zur Erde nieder. Damals war schon die erste Barrikade in der Nähe des 
französischen Theaters erbaut worden. Lanzenreiter sprengten durch die benachbarten Straßen 
und verwundeten mehrere Personen. 
Der schlagendste Beweis der zunehmenden Aufregung des Volkes lag darin, daß troß 
aller Gefahren, womit die Truppen die auf den Straßen versammelten Menschen bedrohten, 
die Zahl der Menschen daselbst immer zunahm. 
Am Abende des 27. Juli wurden einige Waffenläden geleert und zwei neue Barri⸗ 
aden in der Straße St. Honors erbaut. Die Truppen wurden von dem Volke empfangen 
mit dem Rufe: „Es lebe die Linie!“ Frauen in eleganter Kleidung riefen den Soldalen 
aus den Fenstern zu: „Thut dem Volke nichts zu leide!“ 
Die Massen, durch welche die Soldaten sich mit Mühe Bahn brachen, bestanden nicht 
blos aus zerlumpten Proletariern. Neben der Blouse des Arbeiters fand sich der Frackrod 
des Salonbesuchers und der feine Ueberrock der höheren Stände. 
Gegen Sonnenuntergang entfaltete auf dem Steindamm de Ecole ein Mann eine 
dreifarbige Fahne. Sie machte einen tiefen Eindruck auf die Umstehenden. Einige Greise 
zogen die Hüte ab, Andere brachen in Thränen aus. Seit fünfzehn Jahren war dieses 
Banner verpönt gewesen. Es regte die Massen gewaltsam auf. Mit ihm zog gewisser⸗ 
maßen die ganze Geschichte Frankreich's vom Jahre 1789 bis 1815 an den Buͤcken des 
Volkes vorüber. 
Die Stimmung des strebenden und muthigen Theiles des Volkes nahm nirgends 
bestimmtere und sprechendere Formen an, als im Schooße der polytechnischen Schule. Ein 
Zogling derselben, Herr Charras, welcher ausgestoßen worden war, weil er vor fünf Mo⸗ 
naten die Marseillaise gesungen, hatte seinen Freunden in der Schule die Zeitungen und 
die Nachricht zugehen lassen, daß es zum Kampfe kommen würde. Gegen sechs Uhr Abends, 
nachdem die ersten Schüsse gefallen waren, versammelten sich die Schüler, aller Drohungen 
ihrer Vorgesetzten zum Trotze und beschlossen eine Abordnung von vier Schülern an die 
Herren Laffitte, Casimir Périer und Lafayette zu schicken, um diesen zu erklären, „daß die 
Schule bereit sei, ihre Anstrengungen zu unterstützen und, wenn es noth thue, sich dem 
Aufstande in die Arme zu werfen.“ So beschlossen die wackeren Knaben der polytechnischen 
Schuled Was thaten in dieser Zeit die Männer ihres Vertrauens? 
Im Laufe des 26. Juli hatten einige Abgeordnete sich bei Herrn Laborde vereinigt. 
Dort hatte man den Ruf vernommen: „Zu den Waffen!“ Herr Bavoux hatte gesagt: 
„Es handelt sich um ein neues Ballspiel.“ *) Herr Daunou hatte hinzugefügt, daß man zu 
) Siehe oben 83, S. 28f. 
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Struve, Gustav. Vom Jahre 1815 Bis 1848. Verl. von Gustav Struve, 1860.
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