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Vom Jahre 1815 bis 1848 (9,2)

Bibliografische Daten

fullscreen: Vom Jahre 1815 bis 1848 (9,2)

Strukturtyp:
Mehrbändiges Werk
Sammlung:
Sonstige gemeinfreie Werke
Autor:
Struve, Gustav
Titel:
Gustav Struve's Weltgeschichte in neun Büchern
Beteiligte Personen:
Struve, Gustav
Publikationsort:
New York
Veröffentlichungsjahr:
18XX
Verlag:
Verl. von Gustav Struve

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=1733295739
Strukturtyp:
Band
Sammlung:
Sonstige gemeinfreie Werke
Autor:
Struve, Gustav
Titel:
Vom Jahre 1815 bis 1848
Beteiligte Personen:
Struve, Gustav
Band, Heft, Nummer:
9,2
Publikationsort:
New York
Veröffentlichungsjahr:
1860
Verlag:
Verl. von Gustav Struve
Größe der Vorlage:
S. 465 - 980

Physikalischer Standort:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Signatur:
Ge 160/9
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=1733295984

Kapitel

Strukturtyp:
Kapitel
Titel:
5. Die Revolution von 1830 und 1831

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Gustav Struve's Weltgeschichte in neun Büchern
  • Vom Jahre 1815 bis 1848 (9,2)
  • Titelseite
  • 4. Die Zeiten der s. g. heiligen Allianz (1815-1830)
  • 5. Die Revolution von 1830 und 1831
  • 6. Die Zeiten der erneuerten „heiligen Allianz“ (1830- 1848)
  • 7. Die Nordamerikanischen Freistaaten
  • 8. Die übrigen Länder und Völker der Erde
  • 9. Ideenwelt
  • Inhalts-Verzeichnis
  • Alphabetisches Wörterverzeichniß
  • Schlußwort
  • Uebersichtliche Tabelle für das Revolutions-Zeitalter ...

Volltext

8(0. Die Juli⸗Revolution. 
618 
unterzeichnct. Sie suspendirten die Freiheit der periodischen Presse auf unbestimmte Zeit, 
lͤsten die Deputirtenkammer auf, stießen das verfassungsmäßige Wahlgesetz um und setzten 
an dessen Stelle ein anderes, mit dessen Hülfe der Hof der Stimmenmehrheit in der De— 
putirtenkammer sicher zu sein vermeinte. 
Im Verhältniß zu dem December-Staatsstreiche Napoleon's III. vernichteten die 
Juli⸗Ordonnanzen Karl's X. nur einen sehr geringen Theil der Freiheiten des fran— 
zöͤschen Volkes. Auch waren die Maßregeln, welche Karl RX. zur Aufrechthaltung 
eines Staatsstreichs ergriff, nicht entfernt so grausam, als diejenigen Napoleon's. Doch 
die Art und Weise, wie die Bourbonen nach Frankreich zurückgekehrt waren, wie sie mit 
den auswärtigen Mächten Frieden geschlossen und Freundschaft gehalten, hatte die franzö— 
sishhe Nation mit einem Ingrimm gegen dieses Königsgeschlecht erfüllt, welcher nur eines 
geringen Austoßes bedurfte, um in vollen Flammen auszubrechen. Die Bourgevisie, die 
Mitglieder beider Kammern, deren Anhänger und Freunde, sodann der große Kreis stre— 
bender Männer, welche mit diesen in näherer oder fernerer Verbindung standen, wurden 
durch die Ordonnanzen vom 285. Juli auf's Tiefste erschüttert. Allein die bei weitem 
überwiegende Mehrzahl der Kammermitglieder war viel zu feig, als daß sie gewagt hätte, 
dem Staatsstreiche einen offenen Widerstand entgegenzusetzen. 
Die große Masse der Bevölkerung von Paris nahm die Ordonnanzen, welche ihr 
uun 26. Juli durch den Moniteur mitgetheilt wurden, ohne sichtbare Zeichen der Entrüstung 
zuf. Sie besaß nicht Einsicht genug, die Tragweite des Staatsstreiches zu ermessen. Von 
den Mitgliedern der Presse ging der erste Anstoß zum Widerstande gegen die ungesetzliche 
Gewalt des Hofes aus. Am 27. Juli versammelten sich die Vertreter der Presse in dem 
Geschaftslocale des National und unterzeichneten eine Verwahrung, deren Kraftstelle 
lautete, wie folgt: „Die Regierung hat heute den Charalter der Gesetzlichkeit verloren, 
welcher Anspruch auf Gehorsam macht. Wir widerstehen ihr, was uns betrifft; Frank⸗ 
reich hat zu beurtheilen, wie weit sich sein Widerstand ausdehnen soll.“ 
Die Journalisten begnügten sich nicht damit, diese allgemeine Verwahrung den 
Ordonnanzen entgegen zu setzen; die Herausgeber des Courrier Français, des Journal 
de Commerce und das Journal de Paris wandten sich an die Gerichte und erwirkten von 
dicsen den Beschluß, welcher den Druckern vorschrieb, ihre Pressen den nicht authorisirten 
Zeitungen zu leihen. 
Die Gazette, die Quotidienne, der Universel, das Journal des Debats und der Con⸗ 
stitutionel fügten sich den Ordonnanzen. Der Globe, der National und Le Temps 
erschienen dem Verbote zum Trotze und zwar in außeordentlich großer Anzahl. Zu Hun⸗ 
derten wurden diese Blätter in die Caffeehäuser, in die Lesecabinette und in die Restaura— 
tionei geworfen. Junge Journalisten eilten von einer Werkstätte zur anderen und von 
einem Laden zum andern, lasen die erschienenen Zeitungen vor und begleiteten dieselben 
mit entflam menden Reden. 
Mehrere Fabrikanten entließen ihre Arbeiter mit den Worten: „Wir können Euch 
kein Brod mehr geben.“ Die aus den Werkstätten entlassenen Arbeiter, unter welchen 
Schristsetzer und Drucker die zahlreichsten waren, füllten die Straßen und bildeten da und 
dort Gruppen, welche damit anfingen, über die Ordonnanzen im Ton der höchsten Entrüstung 
zu sprechen. 
Gegen Mittag des 27. Juli begab sich ein Polizei-Commissär mit einer Abtheilung 
berittener Gensd'armerie vor das Geschäftslocal der Zeitung Le Temps, um die Pressen 
des Blattes mit Beschlag zu belegen. Schnell sammelte sich eine große Zuschauermenge 
welche hörte, wie Herr Baude dem Commissär das Gesetz den Ordonnanzen entgegenstellte
	        

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Struve, Gustav. Vom Jahre 1815 Bis 1848. Verl. von Gustav Struve, 1860.
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