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Freie Stimme vom See & Hegau, vom Schwarzwald & der Baar, damit verbunden der Radolfzeller Anzeiger, Jg. 1874 (10)

Bibliographic data

fullscreen: Freie Stimme vom See & Hegau, vom Schwarzwald & der Baar, damit verbunden der Radolfzeller Anzeiger, Jg. 1874 (10)

Structure type:
Periodical
Collection:
Archive im Landkreis Konstanz
Title:
Freie Stimme vom See & Hegau, vom Schwarzwald & der Baar
Place of publication:
Radolfzell
Publisher:
Wilhelm Moriell

Physical location:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=1125058-6
Structure type:
Periodical volume
Collection:
Archive im Landkreis Konstanz
Title:
Freie Stimme vom See & Hegau, vom Schwarzwald & der Baar, damit verbunden der Radolfzeller Anzeiger, Jg. 1874
Volume,Issue,Number:
10
Place of publication:
Radolfzell
Year of publication:
1874
Publisher:
Wilhelm Moriell'sche Buchdruckerei
Scope:
24,4 x 36,3 cm

Physical location:
Verbundzentrale des GBV (VZG), Göttingen
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=1125058-6_1874

Contents

Table of contents

  • Freie Stimme vom See & Hegau, vom Schwarzwald & der Baar
  • Freie Stimme vom See & Hegau, vom Schwarzwald & der Baar, damit verbunden der Radolfzeller Anzeiger, Jg. 1874 (10)

Full text

wollen im Altkatholieismus ihren Männern und Vätern nicht 
solgen; viele der Unterschriebenen sind ledig oder haben keine 
Ziader. Wie's aber hier ist, ist es überall in Städten und 
Städtchen. Die Bevölkerung will im Großen und Ganzen vom 
sog. Altkatholicismus nichts wissen. 
Daß die Zeiten sehr ernst sich gestalten und der Bischof und 
der Priester besorgt sind, wird Jeder begreifen — aber weder 
der sog. Altkatholicismus noch die neuen Kirchengesetzesentwürfe 
verden die gewünschte Uneinigkeit — so hoffen wir — unter die 
Beistlichen bringen. 
In ihrer Liebenswürdigkeit wendet sich die Kstz. Ztg. noch 
speziell an den Herrn Kaplan von Radolfzell, dem sie den Rath 
gibt, klug zu sein, vom Kampf ahzulassen — denn wenn die 
Turie nachgibt, find die verlassen, die sich zu weit vorgewagt. 
Vorsi ht ist zwar stets die Mutter der Tapferkeit gewesen — der 
„Herr Werber“ dankt aber doch einstweilen für den freundlichen Rath. 
Einen Beweis, daß es mit den Altkatholikenadressen nichts 
ist, wo die Gemeindebehörden sich nicht darauf einlassen, sehen 
wir in Pfullendorf, wo die Adresse einfach ad acta gelegt wurde. 
* Radbolfzell, 31. Dez. Was doch die Konstanzerin sich 
nicht blos auf,s Feldmessen, sondern auch auf's Taschenspielen 
obersteht! Wir hatten gesagt, das Volk dürfe auch nicht mitreden, 
wenn ein Beamter, ein Lehrer, ein Amtsarzt wohin versetzt wird. 
Darauf weiß der Herr Collego Ammon nichts zu erwiedern; er 
zeht daher um die Sache herun — und sagt die Regierung in 
den Landständen verantwortlich. Sehr wahr! aber nicht 
sür die Besetzung der Beamten und Lehrerstellen. Die Be⸗ 
amten ernennt der Staat — ohne Wissen des Volkes, ohne 
Befragung der Landstände. Wir können daher mit Recht 
den Kraftausdruck zurückgeben: „Was Freund Ammon vorbringt, 
ist daher lauter Geflunker, auf unwissende Leute berechnet.“ Ueb— 
rigens koönnen wir Herrn Ammon versichern, daß es den „Hen 
Werber“ vor der Pfarr⸗Wahl durch die Gemeinden nicht schaudert; 
er wäre dann jedenfalls sicher, früher oder später eine Pfarrei 
zu bekommen, während er jetzt die frohe Aussicht hat, Kaplan in 
Ewigkeit zu bleiben oder gesperrt zu werden! 
— Entgen, 28. Dezbr. 1873. Die Mittheilung von hier, 
daß der Großh. Oberamtsrichter Beck in Heidelberg die Vater⸗ 
schaft zum Scheuernpurzel in hiesigen Kreisen verläugnet habe, 
hat der Höhgauer nicht in Adrede zu stellen gewagt. Es scheint 
aber, daß diese Enthüllung ihm sehr undequem sei, wenigstens 
reibt er sich dafür an Ihrem Correspondenten. Wir begreifen 
diese Empfindlichkeit; denn selbst von seinen Lesern könnte der 
eine oder andere auf den fatalen Gedanken kommen, daßk der 
Herr Oderamtsrichter sich besagte Vaterschaft selbst nicht zur 
Ehre angerechnet habe, sonst hätte er solche nicht vor seinen hie⸗ 
sigen Bekannien in Abrede gestellt. Gesinnungstüchtigere, vorweg 
der Höhgauer, mözen allerdings in dieser Ableugnung keinen 
Makel, sondern vielmehr den richtigen Diplomaten erkennen. 
Jedenfalls aber ist es lächerlich zu behaupten, daß wir uns über 
diese Ableugnung „geärgert“ hätten. Nein Höhgauer, wenn wir 
von Deiner Noblesse“ wären, dann hätten wir in heller Schaden⸗ 
freude die Sache nach allen Weltgegenden telegraphirt. So aber 
wären wir „nobel“ genug gewesen von dem Vorgang ganz zu 
schweigen, wenn Du uns durch Deine jüngste Renommirerei über 
die nun erfolgte Vaterschaftsanerkennung nicht herausgefordert 
und zum Reden gezwungen hättest und erklären Dir deßhalb auch 
uuf Deine letzte Unart, daß besagte Ableugnung im öffent⸗ 
lich en Wirthshaus besprochen und vor urtheil sfähigen 
Maͤnnern“ geschehen sei. 
2 Ettenheim, 30. Dez. Mit vielem Lärm posaunten 
kirchenfeindliche Blätter aus, hier hätten 80 Personen die sog. 
Altkatholikenadresse unterschrieben. Die größte Aunzahl hat 
zereits beim Pfarramt die Unterschrift zurückgenommen und er⸗ 
klärt, sie hätten die Bedeutung derselben nicht gekannt. Viele 
Frauen wollten sich in allem Ernste von ihrer altkathol. Ehehälfte 
scheiden lassen. 
* Karlsruhe. Die Wohnungsgelderzuschüsse für Beamten 
belaufen sich auf 600,000 fl. jährlich. Altkatholikenpetitionen sind 
eingegangen von Radolfzell, Singen, Bohlingen, Ettenheim, Lot⸗ 
stetten, — Gegenadressen von Heudorf (solche die widerrufen.) 
Das Gesetz über die Erhöhung der Pensionen und Sustenta⸗ 
tionen der Zivildiener wurde einstimmig angenommen, ebenso fol⸗ 
gender Gesetzesentwurf: Einziger Artikel. Die Staats⸗ 
pensionen der Hinterbliebenen verstorbener Staatsdiener, welche 
auf Grund der 88 20-22 des Gesetzes vom 30. Januar 1819, 
Regierungsblatt Nr. 4, anzewiesen worden siad oder noch zur 
Anweisung gelangen werden, soweit für dieselben die badische 
Staatskasse oder Fonds von Lehranstalteü einzutreten haben, und 
sofern der verstorbene Ehegatte und Vater nicht mehr in den 
Benuß der für die Budgedperiode 1872/73 eingetretenen allge⸗ 
meinen Besoldungsaufbesserung gelangt ist, vom 1. Nob' 1878 
an, beziehungsweite wo die Hinterbliebenen nach diesem Zeitpunkt 
in den Bezug ihrer Staatspensionen getreten sind, oder noch tre⸗ 
len, von Tage der Berechtigung an um 15 Proz. au'gebessert, 
mit der Beschränkung jedoch, daß durch die Zuschläge die Bezüge 
der Wittwen und Maisen aus der Staatskasse nicht über die 
eitherigen gesetzlich zulässfigen Maximalbeträge erhöht werden.“ 
Bei der Durchberathung erlaubte fich der Abg. Fischer, ein be— 
annter Freimaurer, der die kathol. Kirche niederhämmern will, 
Lusfälle gegen die kath. Volkspartei und den Abg. vuß. Letzterer, 
owie Hansjakob, Edelmann, Junghanns nahmen sfich der mebern 
Diener und der Wittwen verstorbener Staatsdiener sehr eifrig an. 
Dr. Hansjakob z. B. sagte, er sei durch Unwohlsein abermals 
zerhindert gewesen, der letzten Sitzung, worin über die Wohnungs⸗ 
suschusse beschlossen worden sei, anzuwohnen. Er hätte, da die 
nederen Diener bei jenem Gesetzeniwurf zu wenig dedacht seien 
und der Antrag seiner Freunde so kurzer Hand abgethan worden, 
gegen denselben gestimmt. Für die heutige Vorlage werde er 
dimmen, da die niedern Diener hier mehr im gebührenden Vor— 
theil selen. Er wolle jedoch bei dieser Gelegenheit auf einige Un⸗ 
gehörigkeiten aufmerksam machen, die beim Pensioniren der nie⸗ 
deren Diener vorkämen. Einmal gefalle ihm der Name Suflen⸗ 
ation nicht, es bezeichne derielbe so eine Art Gnadengehalt, Gna⸗ 
enpfennig, auf den diese armen Leute kein greifbares, gerichtlich 
zerfolgbares Recht hätten; sie seien hierin von der Guade der 
stegierung abhängig. Das sei unrecht, der niedere Diener leiste 
hem Staate so nothwendige und vielfach schwierigere und müh⸗ 
amere Dienste, als der hoöhere Staatsbeanite. Es gebühre also 
diesen Leuten ebenso ein gesetzliches Recht auf Pension, wie dem 
'og. Staatsdiener; es müsse, und der größere Theil der Abgeord⸗ 
neten sei gewiß dafür, dieser Mßstand gehoben werden. Ein 
erneres Uarecht sei es, wenn bei diesen niederen Angestellten auf 
das Vermögen gesehen werde. Es komme nämlich vor, daß, wenn 
ein niederer Bediensteter pensionirt werde, der sich einige Tausend 
Zulden erspart oder erheirathet habe, man ihm deßhald weniger 
Sustentation gebe, als einem, der seine Sache von Jahr zu Jaͤhr 
auf Nichts stelle und Alles verbrauche. Der Spacsame werde 
also hier befstraft durch Abzug. Das sei sehr unrecht, denn den 
hohen und höchsten Siaatsdienern, wenn sie 100,000 fl. Privat- 
permögen besäßen, oder vielleicht gar Dotationen erhalten hätten, 
zebe man die volle große Penfion. Er bitte daher die großh. 
Regierung in Zukunst hierin gerechter zu verfahren. 
* Karlsruhe. Die Tagesgelder der Abgeordneten sollen 
auf 7 flli (die der in der Karlsruhe ständig wohnenden Aogeord⸗ 
neten auf 8 fl. 30 kr.) erhöht werden. 
* Karlsruhe. Am 21. Dezbr. sprach man in der zwei⸗ 
ten Kammer davon, die erste Kammer aufzuheben; gleich am 
folgenden Tage zeigte letztere, daß sie auch noch da sei und aͤn— 
derte das von der zweiten Kammer angenommene Gesetz über die 
oͤffentl. Mahnungen bei der Bereinigung der Grund⸗ und Unter— 
ade Der Gesetzesentwurf geht nun an die zweite Kammer 
zurück. 
Stuttgart, 29. Dezbr. General v. Stülpnagel ist von 
seiner Stelle als Kommandant des 13. Armeekorps abderufen. 
* Mainz. Das kirchenfeindliche Schulgesetz ist noch der 
Berm. in Hefsssen durchgefallen. Man erwartet die Auflösung 
der Kammer. 
(J Aus Kurbessen, 27. Dez. Daß der jetzige Kampf 
gegen das gläubige Christenthum geht, sehen wir an der Ab⸗ 
setzung von 13 orthodoren (rechtgläubigen) protist. Geistlichen 
aus Kurhessen; 11 weitern ist die Entlassung angedroht. 
Augsburg, 30. Dezbr. Das leitende Blatt Eaglands, 
die „Times“ bespricht den Kirchenstreit in Preußen und sazt u. A.: 
„Es ist nach den neuesten Maßregeln nur noch eine Frage der 
Zeit, wie bald die ganze heutige katholbische Kir— 
benorganisation aufgehoben wird. “Die Aussicht 
zuf ein solches Ergebniß hat etwas Furchtbares, allein 
nan muß annehmen, daß die preußische Regierung sich über die 
Folgen gründlich klar ist. Es gibt nur einen Ausweg ans einer 
olchen Stellung, und das ist die Ersetzung des römischen durch 
»en nationalen Klerus. Fürst Bismark scheint nichts Anderes als 
die plötzlihe Bildung einer reformirten katholi— 
schen Kirche im Auge zu haben. Od es ihm damit gelingen 
vird, hängt von einem Punkte ab, den Ausländer unmözlich be⸗ 
artheilen können, wir meinen die Stimmung des katho— 
ischen Volkes. Wenn die katholische Bevölkerung geneigt 
st, den Fürsten Bismarckfür sebenso gut wie den 
Papst und den altlatholischen Klerus für ebenso gut wie den 
römischen zu halten, so können wir in nicht ferner Zeit die Grün⸗ 
dung einet nenen Nationalkirche in Deutschland erleben“. 
Wir zweifeln nicht im Geringsten, daß die „Times“ die Apsicht 
er Bismarckischen Politik ganz richtig beurtheilt. Mözen die 
Zatholiken in Deutschland bei den Wahlen Zeugniß geben, daß 
ãe nicht gewillt sind, den Papfst mit Bismarck zu vertauschen. (Ä. P.) 
Berlin. Am 22. Dezember wurde der Bischof von Trier 
bermals zu 400 Thaler (3 Monat Gefängniß), der Erzbischof 
jon Posen wegen Anstellung von Hilfspriestern zu 9900 Thaler 
berurtheilt. Es sind ihm soviele Geldstrafen auferlegt, daß es 
rein unmög lich ist, sie zu bezahlen. 
* Berlin. Im ganzen deuischen Reich gibt es jetzt eine 
zemeinsame Gesetzgebung übder das gesammte bürgerlichr Kecht, 
zas Strafrecht und das gerichtliche Verfahren (in Folge der An⸗ 
iahme des dahinzielenden Lasker'schen Antrags). In Folge 
zavon wird der Jude Lasker als „Vater des Vaterlands“ von 
en sog. Liberalen gepriesen, während Männer wie Gerlach, der
	        

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Freie Stimme Vom See & Hegau, Vom Schwarzwald & Der Baar, Damit Verbunden Der Radolfzeller Anzeiger, Jg. 1874. Wilhelm Moriell’sche Buchdruckerei, 1874.
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