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Bote aus dem Bieletal (1967)

Bibliographic data

fullscreen: Bote aus dem Bieletal (1967)

Structure type:
Periodical
Collection:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Title:
Bote aus dem Bieletal
Subtitle:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Place of publication:
Gaggenau
Year of publication:
1954
Publisher:
Torzewski

Physical location:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091
Structure type:
Periodical volume
Collection:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Title:
Bote aus dem Bieletal
Subtitle:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Volume,Issue,Number:
1967
Place of publication:
Gaggenau
Year of publication:
1954
Publisher:
Torzewski

Physical location:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Shelfmark:
M 101
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091_1967

Periodical issue

Structure type:
Periodical issue
Title:
September 1967
Volume,Issue,Number:
9

Contents

Table of contents

  • Bote aus dem Bieletal
  • Bote aus dem Bieletal (1967)
  • Januar 1967 (1)
  • Februar 1967 (2)
  • März 1967 (3)
  • April 1967 (4)
  • Mai 1967 (5)
  • Juni 1967 (6)
  • Juli 1967 (7)
  • August 1967 (8)
  • September 1967 (9)
  • Oktober 1967 (10)
  • November 1967 (11)
  • Dezember 1967 (12)

Full text

Seite 4 
hafte: Würze, mit Blut und Fleischbrühe 
angerührt, kommt nun in. die Därme. Die- 
weilen darf ich das Wellfleischessen 
ıicht vergessen: eine Fleischb. ühe siimmt 
darauf ein; Brot und Salz, ein glasklarer 
Korn, Herz, Leber, fettes und mageres 
Fleisch, je nach Magenqualität und Fas- 
sungsvermögen, gehen nun den Weg 
„hinter die Binde”, Die Mutter kocht in- 
dessen die Wurstfülle, die Graupen- 
würste, die prallen Preßwürste, aus 
7leisch und Magensack als Hülle fabri- 
ziert. Die „Plümpelwurst” reichte schon 
für einen ausgehungerten Großverbrau- 
cher eine ganz hübsch lange Weile. Dann 
zerschnitt der Metzger das Fleisch nach 
erfolgtem Wursten in handliche Stücke, 
die ins Faß wanderten und eingepökelt 
wurden, um später im Kamin geräuchert 
zu werden. Die Würste hingen auf dem 
luftigen Boden an handgedrehten Schnü- 
‚en aus Werg. Hier lagen auf einem Brett 
die Fettlaiber. Beim späteren Auskrei- 
schen gab es die guten knusprigen Grie- 
wen. Und wir Kinder mußten in der Fol- 
ge die ganze Runde mit Fleischbrühe, 
Wurstfülle, Würsten oder einem Stück 
Fleisch beliefern. Wir taten’s gern, denn 
meist ging das Schlachten ja einem Feste 
voraus; da brauchte man und bekam 
auch ein Trinkgeld. Es kam für Karussell 
und Würfelbude gut zu passe. 
So schwelge ich noch im Erinnern an 
die Ilukullischen Genüsse, die uns mehr- 
mals im Jahre blühten, aber dann dafür 
uns fast immer und alleweil Rauchfleisch 
auf den Mittagstisch bescherten. Was 
man eigen hat, schätzt man bekanntlich 
ja nie, zu wenig jedenfalls. Wir taten's 
auch nicht. Dann kam die Rationierung 
für lange Jahre. Zum Schluß entriß man 
uns noch unsere nahrhaften schlesischen 
Jagdgründe, Seitdem aß ich wohl wieder 
nanches herzhafte Stück „Schweiner- 
nes”, aber niemals mehr aus eigener 
Zucht und Mast. Der Schlesier nennt das 
mit nur allzu großem Recht: so eine 
Sauerei! 
Beim Dreschen 
Wenn heute der Bauer hinauszieht aufs 
Seld, die Herbstsaat zu tätigen, so sorgt 
der Motor dafür, daß die Druscharbeit 
in der Scheune ihren Fortgang nimmt. 
Brechen dann Frost und Winter herein, 
dann ist diese Arbeit vollbracht. Kästen 
und Böden sind gefüllt, das Stroh kann 
zu Futter oder als Streu verwendet wer- 
den. Das war früher aber ganz‘ anders, 
womit ich mit „früher” die Zeit bis etwa 
zum Ersten Weltkrieg meine. Da gab es 
nämlich weder Zugmaschine noch Mo- 
tor; ein paar forsche Pferde zogen Pflug 
nd Egge, Walze und Drillmaschine so- 
wie das Göpelwerk hinter der Scheune. 
Zines konnte nur zur gleichen Zeit getan 
werden; also hatte die Feldarbeit den 
Vorrang vor der des Dreschens. Wo 
starke Familien waren, begann dieses 
derweil aber auch schon während der 
Teldbestellung. Da hingen auf der Tenne 
die Flegel, frisch gerüstet für die müh- 
selige, schwere Arbeit. Man breitete das 
Getreide aus, und dann begann in stren- 
z3em Rhythmus das „Forscheln” , ein er- 
stes, ‚flüchtiges Ausdreschen. Eins-zwei- 
drei, eins-zwei-dreil klang es scharf 
pointiert durch das hallende Tennenhaus. 
Jnd dort beim Nachbar droschen sie gar 
zu viert, zu fünft wohl auch manchmal. 
Wie die Weber, so hatten auch die Dre- 
scher sich ihren „Reim” darauf gemacht. 
Dann verstummte wieder der trocken- 
nelle Klang ein Weilchen; man wendete 
die Garben, man fegte die Frucht zu 
nohen Haufen zusammen. Und wieder 
ging es tennauf, tennab. Dort das Klak- 
Kern und Hallen rührt davon her. daß 
„BOTE AUS DEM BIELETAL” 
Paul Löbe - in dankbarem 
Im Alter von 92 Jahren ist Paul Löbe, 
der langjährige Reichstagspräsident der 
Weimarer Republik, verstorben. In Lieg- 
tz geboren, gehörte er zu den bedeu- 
endstenm Persönlichkeiten der Sozialde- 
nokratie, die als Arbeiterbewegung eine 
hrer stärksten Wurzeln in Schlesien hat- 
‚ee. Seiner Heimat hat Paul Löbe stets die 
ireue gehalten, wie er auch seinen ost- 
jeutschen Landsleuten nach der Vertrei- 
ung mit Rat und Tat selbstlos und uner- 
nüdlich zur Seite gestanden hat. Die 
ieimatvertriebenen gedenken dieses 
Vannes, der geradezu zum Symbol der 
Jemokratischen und sozialistischen Tra- 
ditionen Ostdeutschlands geworden ist, 
ın tiefer Dankbarkeit. » 
Paul Löbe; der sich schon im Alter von 
'5 Jahren der Sozialdemokratie zuwand- 
©, wurde nach seiner Ausbildung zum 
ichriftsetzer-Redakteur des Breslauer 
’arteiorgans „Voikswacht”, Unter der 
Anklage, er habe sich der „Aufreizung 
zum Klassenhaß” schuldig gemacht, wur- 
ie ihm damals mancherlei „Strafe“ auf- 
arlegt, doch nichtsdestoweniger gehörte 
ar dann, als die Weimarer Republik aus 
ler Taufe gehoben wurde, zu denjeni- 
jen, die für ein Zusammenwirken aller 
»olitischen Gruppierungen in der parla- 
nentarischen Demokratie eintraten. In 
liesem. Sinne — stets um Ausgleich be- 
nüht — führte er das hohe Amt des 
leichstagspräsidenten, das er mit nur 
jeringfügigen Unterbrechungen bis 1932 
nne hatte. Nach der „Machtergreifung“ 
Hitlers mußte er sechs Monate lang das 
chwere Schicksal eines KZ-Häftlings er- 
Julden; doch lehnte er es nach seiner 
intlassung ab, in die Emigration zu 
jehen. In einem Berliner Verlage arbei- 
tete er in seinem erlernten Berufe, bis er 
ı1ach dem 20. Juli 1944 wiederum von 
der Gestapo verhaftet wurde. 
Schwer litt Paul Löbe unter der völ- 
<errechtswidrigen Annexion seiner schle- 
sischen Heimat und unter der Vertrei- 
aung der Ostdeutschen aus dem Lande 
hrer Vorfahren. Er wandte sich gegeri 
den erzwungenen Zusammenschluß der 
53PD mit der KPD in der Sowjetzone und 
zehörte auch eine Zeitlang dem außen- 
5olitischen Ausschuß der SPD an, immer 
darauf bedacht, den Rechtsanspruch auf 
ain ungeübter oder ungeschickter Dre- 
icher mit seines Partners Flegel in Kon- 
likt kam. Er hat wohl. zuviel Anteil. am 
‚echt laut geführten Gespräch genom- 
nen, denn, siehe Schiller: wenn muntre 
deden sie begleiten, dann fließt die Ar- 
seit wacker fort! Stundenlang klingt es 
durch das Gehöft, durch das des‘ Nach- 
sarn, durch das ganze Dorf. Da gibt es 
elten eine Rastpause, da schwitzt man 
»ft sogar bei der klirrendsten Kälte. Da 
ımmt aber auch der Appetit gewaltige 
\usmaße an und es wird sprichwörtliche 
ledensart: der ißt wie ein Scheunendre- 
‚cher. Bis in den Februar hinein gibt es 
Arbeit. Bei besonders strengem Frost 
wird der, Samenklee an die Reihe kom- 
nen, weil dann die Fruchttütchen recht 
:pröde sind und leicht die Körnchen her- 
ausgeben. Das gedroschene Langstroh 
Jibt dann wieder Beschäftigung in Hülle 
ınd Fülle: es gilt, Schoben und Seile für 
die kommende Ernte zu binden. 
Das Dreschen mit dem Flegel wurde 
n der Folgezeit durch die Stiftdreschma- 
schine ersetzt; später tauchte auch der 
Zreitdrescher auf. Diese Erfindungen er- 
eichterten und verkürzten vor allem die 
Arbeit in der Scheune ungemein. So kam 
der Bauer mit seinem Gesinde doch nun 
Folge 5 
Gedenken / Von Dr. Erich Janke 
WNWiederherstellung der staatlichen Einheit 
ganz Deutschlands zu wahren. Beim poli- 
tischen Wiederaufbau der deutschen De- 
mokratie wirkte er an hervorragender 
Stelle mit: Zunächst im Parlamentari- 
schen Rat, der das Grundgesetz der Bun- 
desrepublik schuf, sodann als Altersprä- 
sident in der konstituierenden Sitzung 
des Deutschen Bundestages am 7. Sept. 
1949. Paul Löbe war es auch, der in. der 
historischen 68. Sitzung des Bundestages 
am 13. Juni 1950 namens aller Fraktionen 
nd Gruppen — mit Ausnahme der Kom- 
nunisten — jene Interfraktionelle Erklä- 
‘ung zur Oder-Neiße-Frage verlas, wel- 
:he. bis zum heutigen Tage die Grund- 
age für die Politik aller Bundesregierun: 
gen geboten hat. 
Unter Bezugnahme auf die Vereinba- 
rung vom 6. Juni 1950 zwischen War- 
schau und Ost-Berlin, in der die Oder- 
NVeiße-Linie als „Friedensgrenze”. dekla- 
'iert worden war, wurde von Paul Löbe 
erklärt, daß „das deutsche Gebiet Ööst- 
lich von Oder und Neiße” nach dem 
Potsdamer Abkommen „als Teil der 
;owjetischen Besatzungszone Deutsch- 
lands der Republik Polen nur zur einst- 
weiligen Verwaltung übergeben worden 
st”. Das Gebiet bleibe „ein Teil Deutsch- 
lands” ‚und niemand habe das Recht, 
„aus eigener Machtvollkommenheit Land 
und Leute preiszugeben oder eine Poli- 
tik des Verzichts zu treiben”. Die 
Regelung dieser wie aller Grenzfragen 
Deutschlands könne nur durch einen 
:riedensvertrag erfolgen. Wenn die 
dandlung Ost-Berlins somit vom Bundes- 
;ag zurückgewiesen werde, so erfolge 
dies „auch im Namen der Deutschen in 
der sowjetischen Besatzungszone”. 
Das 1954 ins Leben gerufene „Kurato- 
riüm- Unteilbares Deutschland” berief 
Paul Löbe zu seinem ersten Präsidenten. 
Dies war bereits ein Zeichen des Dankes 
ynd der Anerkennung für das politische 
Wirken des hervorragenden Mannes im 
Dienste des Gemeinwesens und für die 
Wiedervereinigung Deutschlands in Frie- 
den und Freiheit. Das Gedächtnis Paul 
1öbes wird im gesamten deutschen Vol- 
<e& — und besonders bei seinen ost- 
deutschen Landslieuten — in. hohen 
Ehren gehalten werden. ; 
auch zu‘ einer winterlichen Ruhepause. 
Ihr habf's aber schön! höre ich noch wie 
heute. .manchen.. Burschen sagen, den 
zanzen Winter habt ihr nichts zu tun. 
Armer Laie, o wenn du geschwiegen hät- 
test! Im Bauernhofe gab es und gibt es 
Fast niemals Ruhe. Noch heute klappern 
in stillen Erinnerungsstunden die Dresch- 
flegel ihr eindringliches Eins-zwei-drei, 
ains-zwei-drei in meinem Köpfchen. 
„ängst wanderten die Flegel ins Fever; 
aber komisch, Flegel lassen sich nicht so 
leicht totkriegen, es gibt deren immer 
noch welche! 
Werbt für den „Bieletal-Boten“ 
Diese Ausgabe umfaßt 10 Seiten . 
Der „Bote aus dem Bieletal” erscheint Mitte jeden 
Monats, Bezugspreis: vierteljährlich 2,60 DM frei 
Haus durch die Post, Bestellungen nehmen alle 
Postanstalten in der Bundesrepublik und West- 
3erlin entgegen; Redaktionsschluß am 5. jeden 
Monats, Herausgeber und Verleger: Johannes 
Torzewski, 756 Gaggenau/Baden, Fernruf 257, Post- 
scheckkonto: Karlsruhe 334 46, Bankkonto: Bezirks- 
sparkasse Gaggenau 1231 - Zur Zeit gilt Preisliste Nr. 2
	        

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Bote Aus Dem Bieletal. Torzewski, 1954.
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