Digishelf Logo Vollbild
  • Erstes Bild
  • Vorheriges Bild
  • Nächstes Bild
  • Letztes Bild
  • Doppelseitenansicht
Wählen Sie mit der Maus den Bildbereich, den Sie teilen möchten.
Bitte wählen Sie aus, welche Information mit einem Klick auf den Link in die Zwischenablage kopiert werden soll:
  • Link zur Seite mit Hinweisbox im Bild
  • Link zu einem IIIF Bildfragment

Bote aus dem Bieletal (1967)

Bibliografische Daten

fullscreen: Bote aus dem Bieletal (1967)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Band, Heft, Nummer:
1967
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Signatur:
M 101
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091_1967

Zeitschriftenheft

Strukturtyp:
Zeitschriftenheft
Titel:
September 1967
Band, Heft, Nummer:
9

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Bote aus dem Bieletal
  • Bote aus dem Bieletal (1967)
  • Januar 1967 (1)
  • Februar 1967 (2)
  • März 1967 (3)
  • April 1967 (4)
  • Mai 1967 (5)
  • Juni 1967 (6)
  • Juli 1967 (7)
  • August 1967 (8)
  • September 1967 (9)
  • Oktober 1967 (10)
  • November 1967 (11)
  • Dezember 1967 (12)

Volltext

„BOTE AUS DEM BIELETAL” 
® a " » x 
Paul Keller: Wie ich ein Dichter wurde 
Zum 35. Todestag des Schriftstellers Paul Keller 
Am 20. August d, Js, sind 35 Jahre ver- 
gangen, daß unser schlesischer Schrift- 
steiler Paul Keller 59jährig in seinem 
letzten Wohnsitz in Breslau verstarb. 
In dem kürztich erschienenen Buch „Du 
Land meiner Kindheit Schlesien” (Auf. 
stieg-Verlag München} ist ein Beitrag 
des Dichters enthalten, den wir nach: 
stehend wiedergeben. D. Red 
Als ich dreizehn Jahre alt war, war ‘ich 
wieder einmal von meinem Großvater 
zu meinen Eltern übergesiedelt. Es hieß, 
daß das sehr heilsam für mich sei, da 
der Großvater mich greulich „verziehe”, 
insonderheit mich nicht zu der geringsten 
Arbeit anhalte. Unter „Arbeit“ wurde in 
unserem Dorfe natürlich nur die körper- 
liche Betätigung verstanden, die mir al- 
‚erdings der Großvater zärtlich vom Lei- 
be hielt. Und ich stimmte mit ihm so 
ganz und gar überein, daß in Arnsdorf 
ein Verslein entstand, das vergleichswei- 
se auf jeden Nichtstuer angewandt wur- 
de: „Es ist so faul wie Keller-Paul”. 
Diesen Vers hielten mein Großvater 
und ich für blödsinnig und verachteten 
ihn. Ich haßte die Arbeit keineswegs. 
Der Großvater war fleißig von früh bis 
spät, und ich sah ihm gern und sachver- 
ständig zu und war immer in seiner 
Nähe, manchmal mit einem Buch :be- 
schäftigt, viel öfter aber mit meinen: 
Gedanken. Und wenn ich mir eine Ge- 
schichte ausgedacht oder gar ein Ge- 
dicht gemacht hatte, dann war er der 
erste, dem ich alles hersagte, und dann 
pfiff er leise vor sich hin. Das war seine 
Anerkennung. 
‚Fortsetzung von Seite 1) 
In Langendorf: Georg Viehweger, 
1374, Simon Fiebiger, Hans Scholz, Mi- 
chel Langer, 1513, Valentin Schindler, 
WO Nickel Zacher und Georg Rother, 
1572. 
In Neuwalde: Allnoch, Trautmann 
und Gerlach, aus der Siedlerzeit (1249), 
Lorenz Wilde, Hans Langer, 1579. 
In Altewalde: Nickel Sannig, 1534 
‚um 1542 gestorben), Martin Alder und 
Michael Rieger, 1537, Hans Scholz und 
Martin Gittel, 1627. 
In Dürr-Kamitz, 1576: Bartel Beck, 
Gröger, Peter Unger, Barthel Stehr, Chri- 
Cstoph Fischer, Stenzel, Berger Jockel, 
Rieger, Micke, Rtemer, Kergel. 
In Deutschwette: Um 1300 kauft 
der Scholze Gerlach aus Neuwalde eine 
Mühle daselbst. Die Gerlach gaben den 
Ziegenhalsern nach 1400 einen Vogt. (Pe- 
ter Gerlach wird 1432 bei uns genannt). 
Diese Familie zweigte sich späterhin 
auch nach Winsdorf ab. (Görlich). Außer- 
dem 1576: Jochem Langer, Jockel, Hek- 
kel, Matz Elsner, Jupe, Pietsch, 
In Winsdorf 1576: Christoph Al- 
scher, Gregor Florian, Martin Heckel; 
Michael Dittrich, Kaspar Scholz, Georg 
Jupe, Hans Rieger, Urban Ronge. 1579: 
Michael Ettel, Christoph Rother, 1620, Bar- 
*hel Klehr, 1628.2} 
Ludwigsdorf: Hans Kirchner, Erb- 
nerr, ward Bürgermeister von Ziegenhals 
(1538 — 52 genannt). — 
Seite 2 
Mein Vater war strenger. Er meinte, 
daß eine straffe Zucht einem Buben 
nichts schade, zumal wenn er ein so ver- 
iräumter Geselle sei wie ich. Und wenn 
‘ch mir’s heute überlege, so hatte der 
Vater recht, und der Großvater hatte 
auch recht. 
Eines Tages also nahm mich der ge- 
strenge Herr Vater wieder in eigene Re- 
gie und beschloß, wie weiland Pharao 
mit den Israeliten getan hatte, mich „zu 
schweren Arbeiten anzutreiben”. Es wur 
de damals bei uns ein kleiner Schupper: 
niedergerissen, und es sollte ein‘ never 
an seiner Stelle gesetzt und dazu sollter 
die noch brauchbaren Ziegelsteine des 
alten mitverwandt werden. 
Jeder kennt alte Ziegel, die von 
‚auhem Kalk starren, und weiß, daß sie 
zu den größten Scheußlichkeiten _der 
Welt gehören. Mein ganzes Empfinden 
sträubte sich bei ihrem bloßen Anblick 
und ein t+ödliches Grauen durchfuhr mich 
als mein Vater auf den großen Ziegel- 
naufen wies, mir einen Maurerhammer 
bergab und sprach: 
„Die Ziegel wirst du abkratzen! Der 
ganze alte Kalk muß runter! Wenn von 
ainem Ziegel noch die Hälfte da ist, kanr 
ar noch gebraucht werden. Kleine Scher- 
den kannst du beiseite werfen. In einer 
1alben Stunde komme ich nachsehen, wie 
weit du bist.” 
Nach dieser Instruktion ging er von 
dannen. Ich setzte mich auf den Ziegel- 
1aufen und fing in ohnmächtigem 
Schmerz und Zorn an zu schluchzen. Ich 
ı1atte das Gefühl, daß mir eine entsetz- 
iche Schmach angetan wurde. Ich nahm 
zinen Ziegel in die Hand, ließ ihn aber 
gleich wieder fallen; denn es war mir, 
als ob ich einen Igel angegriffen hätte. 
Schließlich band ich mir das Taschen- 
tüchlein um die linke Hand und schlug 
mit der Rechten mühsam den Kalk von 
dem Ziegel los. 
Ich kam mir jämmerlich vor. Noch vor 
einer Woche hatte ich zwei Gedichte: 
„Die Träne” und „Erinnerung“, an die 
„Deutsche Dichterlaube” nach Berlin ge 
sandt, und jetzt kratzte ich Ziegel ab. 
Die „Träne” tropfte auf alten Kalk, der 
so tot war, daß er nicht einmal grimmig 
aufzischen konnte, und nur die „Erinne- 
rung” an eine verlorene glückliche Zeit 
war mir geblieben. Ich kam in einen rich: 
tigen Dummijungenzorn. 
Was. gab es doch für prachtvolle‘ Vä- 
ter in unserem Schullesebuch! Zum Bei- 
spiel der, der gesagt hatte: „Sohn, hier 
hast du meinen Speer, meinem Arm wiro 
ar zu schwer.” Hatte mir mein Vater 
ainen Speer gegeben? Einen Maurerham 
mer hatte er mir gegeben. Oder jener 
andere Vater, von dem es so schön hieß. 
„Ich war ein kleines Büblein, stand fest 
kaum auf dem Bein, da nahm mich schon 
mein Vater mit in das Meer hinein.“ In 
das Meer! Mein Vater hatte mich nicht 
in.das Meer gesetzt, sondern auf einen 
Ziegelhaufen! Oder gar jener Vater, der 
mit seinem Sohne auf die Königsschlös- 
ser singen ritt: „Nun sei bereit, mein 
3ohn, denk unserer tiefsten Lieder, 
schlag an den vollsten Ton.” Der „Ton”, 
den ich hier „anschlagen” konnte, war 
das infame Knirschen des Maurerham- 
mers auf den rauhen Ziegeln. 
Eine Wut packte mich. Es fie! mir ein, 
ich könnte auskneifen, fortlaufen in alle 
Welt, Vielleicht ein Robinson werden auf 
einer grünen Insel. Aber ich konnte Geo- 
graphie genug, daß ich wußte, von mei- 
nem Heimatdorf bis nach Hamburg sei 
) Diese Familie ist bereits 1576 in Wins- 
dorf (mit 1 Hube nachweisbar. Baltha- 
sar Elsner (1 Hube), Martin Elsner, 10 
Ruten. Dieses Geschlecht gab Ziegen- 
hals im 19. Jahrhundert einen Bürger- 
meister: Ignatz Elsner (1819 — 1834) 
Als Kämmerer wird er von 1816 — 19 
genannt. 
2} Rosina Zacher, daselbst 1769 genannt. 
Folge 9 
ein weiter Weg, und nur in, Hamburg 
könne ich ein Schiff finden, das etwa 
geneigt sei, mich aufzunehmen und dann 
vor einer grünen Insel zu scheitern. 
Und so saß ich da und kratzte die 
halben, die dreiviertel und die ganzen 
Ziegel, während ich die kleinen Scherben 
nach der Instruktion beiseite warf, 
„Jeeses, sieh amal! Der Keller-Paul 
kratzt Ziegel ab!” Zwei Schulkamera- 
den waren es: der Bänisch-Gustav und 
der Siegert-Karl. Wo kamen die nur her? 
Sonst mußten sie fleißig sein und „auf 
Arbeit gehen”. Heute bummelten sie. Sie 
kamen in unseren Hof und stellten sich 
mit den Händen in den Hosentaschen 
vor mir auf, 
„Nu, was fällt’n dir ein”, fragte der 
Bänisch-Gustav, „daß amal was tust?” 
Ich machte eine vergnügte Miene. 
„Ach, wir bau’'n ‘n Schuppen, und da 
läßt mich mein Vater a bissel Ziegel ab- 
putzen. Das macht viel Spaß!” 
„Na, da würd‘ ich mich schön hüten”, 
sagte der Siegert-Karl, „ich geh‘ lieber 
in a Försterteich baden.” 
„Ja, wir reisen ins Bad!” sagte Bänisch 
stolz und hochdeutsch. 
Oh, diese Saftnasen! Das Hemd hing 
ihnen zu den Hosen heraus, aber sie 
bummelten und reisten ins Bad. Ich sag- 
te, alle Kinder seien nicht so faul, wie 
sie beide, und sie sollten mich, bitte, 
in der Arbeit nicht stören. 
Da gingen sie und sangen draußen 
vor dem Tor: „Wir sind so faul wie Kel 
ler-Paul!” 
Daß ein verspotteter Arbeiter wütend 
werden kann, daß ein Mann der werk- 
tätigen Hand, der von flanierenden 
Nichtstuern verhöhnt wird, grob wird, 
wird jedermann einsehen. Ich warf also 
einen halben Ziegel nach den Müßig- 
gängern, traf sie zwar nicht, . meinte 
aber, immerhin etwas Rechtes zur Ver- 
teidigung meines Fleißes getan zu haben. 
{Schluß folgt!) 
Professor Dr. Dr. Nissen, früher Neisse, 
mit der Paracelsus-Medaille 
ausgezeichnet 
Während der öffentlichen Kundgebung 
des 70. Deutschen Ärztetages in Gar- 
misch-Partenkirchen wurde neben zwei 
anderen Ärzten Herr Dr. med. Dr. h. c. 
Rudolf Nissen, Basel, ordentlicher Profes- 
sor für Chirurgie an der Universität Basel 
mit der-Paracetsus-Medaille ausgezeich- 
net. Es ist dias die höchste Ehrung, die 
die Deutsche Ärzteschaft zu vergeben 
hat. Die Verleihungsurkunde hat folgen- 
den Wortlaut: 
„Die deutschen Ärzte ehren in ihm 
einen hervorragenden Kliniker und For- 
scher, der sich besondere Verdienste um 
die Thorax-Chirurgie erworben hat. Aus 
einer Arzt- und Chirurgenfamilie stam- 
mend, hat sich Professor Nissen schon 
früh diesem Fachgebiet zugewandt und 
war als Sauverbruch-Schüler und Ober- 
arzt maßgeblich an der Entwicklung der 
"ungenchirurgie beteiligt. Mehr als einer 
Seneration von Studenten und Ärzten 
war und ist Professor Nissen durch ein 
hohes Maß an ärztlicher Ethik, seine 
überzeugende Persönlichkeit als Arzt 
und Wissenschaftler und seine hervor- 
ragende Darstellungsgabe in Wort und 
Schrift ein unvergessener Lehrer und Er- 
zieher. Die Ergebnisse seiner wissen 
schaftlichen Arbeit sind in einer Vielzahl 
von Veröffentlichungen sowohl speziel- 
(Schluß auf Seite 9)
	        

Zitieren und Nachnutzen

Zitieren und Nachnutzen

Hier finden Sie Downloadmöglichkeiten und Zitierlinks zum Werk und aktuellem Bild.

Zeitschriftenband

METS METS (Gesamtwerk) MARC XML Dublin Core RIS Mirador ALTO TEI Volltext PDF DFG-Viewer
TOC

Zeitschriftenheft

PDF RIS

Bild

PDF ALTO TEI Volltext
Herunterladen

Bildfragment

Link zur Seite mit Hinweisbox im Bild Link zu einem IIIF Bildfragment

Zitierlinks

Zitierlinks

Zeitschriftenband

Um dieses Werk zu zitieren, stehen die folgenden Varianten zur Verfügung:
Hier kann eine Goobi viewer eigene URL kopiert werden:

Zeitschriftenheft

Um dieses Strukturelement zu zitieren, stehen die folgenden Varianten zur Verfügung:
Hier kann eine Goobi viewer eigene URL kopiert werden:

Bild

Um dieses Bild zu zitieren, stehen die folgenden Varianten zur Verfügung:
Hier kann eine Goobi viewer eigene URL kopiert werden:

Zitierempfehlung

Bote Aus Dem Bieletal. Torzewski, 1954.
Bitte das Zitat vor der Verwendung prüfen.

Werkzeuge zur Bildmanipulation

Werkzeuge nicht verfügbar

Bildausschnitt teilen

Wählen Sie mit der Maus den Bildbereich, den Sie teilen möchten.
Bitte wählen Sie aus, welche Information mit einem Klick auf den Link in die Zwischenablage kopiert werden soll:
  • Link zur Seite mit Hinweisbox im Bild
  • Link zu einem IIIF Bildfragment

Kontakt

Haben Sie einen Fehler gefunden, eine Idee wie wir das Angebot noch weiter verbessern können oder eine sonstige Frage zu dieser Seite? Schreiben Sie uns und wir melden uns sehr gerne bei Ihnen zurück!

Wie viel Gramm hat ein Kilogramm?:

Hiermit bestätige ich die Verwendung meiner persönlichen Daten im Rahmen der gestellten Anfrage.