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Bote aus dem Bieletal (1967)

Bibliografische Daten

fullscreen: Bote aus dem Bieletal (1967)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Band, Heft, Nummer:
1967
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Signatur:
M 101
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091_1967

Zeitschriftenheft

Strukturtyp:
Zeitschriftenheft
Titel:
April 1967
Band, Heft, Nummer:
4

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Bote aus dem Bieletal
  • Bote aus dem Bieletal (1967)
  • Januar 1967 (1)
  • Februar 1967 (2)
  • März 1967 (3)
  • April 1967 (4)
  • Mai 1967 (5)
  • Juni 1967 (6)
  • Juli 1967 (7)
  • August 1967 (8)
  • September 1967 (9)
  • Oktober 1967 (10)
  • November 1967 (11)
  • Dezember 1967 (12)

Volltext

Folge 4/April 1967 
Glück / (Ein kleiner Beitrag zur Schubert-Forschung) Paul Ronge 
„BOTE AUS DEM BIELETAL“ 
Alles ist mir noch genau in Erinne+ 
‘ung. Es war an einem herrlichen Sonn- 
tag-Nachmittag im August 1943. In der 
Woche zuvor hatte es viel geregnet, und 
überall fuhren nun die Bauern Getreide 
(vornehmlich Weizen) ‚ein. - ) 
Ich war dazumal nebenbei sogenann- 
ter „Staatlicher Archivpfleger des Land- 
Kreises Neisse” — ein pompöser Titel, 
aber nur mit geringen Mitteln ausge: 
stattet. Nach und nach sollte und wollte 
ich alle Gemeindeschränke nachsehen 
nach alten, wertvollen Akten und war 
schon in vielen Dörfern gewesen. 
Besagten herrlichen Sommersonntag- 
Nachmittag fuhr ich von Stephansdorf 
‚meinem damaligen Dienstort) über Neis- 
se. nach Heidau. Erst besuchte ich kurz 
eine in Heidau verheiratete Bekannte 
aus meiner . Dürrarnsdorfer Zeit, und 
dann lenkte ich das Rad nicht zum Ge- 
meindevorsteher, sondern zum Gutsbe- 
sitzer Brock (bei vormaligen Erbschol- 
zen konnte man erfahrungsgemäß wert- 
vollere Funde machen als bei NS-Schul- 
zen neuester Zeit). 
Herr Brock war mir als Jagdfreund 
meines Schwiegervaters gut bekannt, 
nieß mich freundlich willkommen, und 
wir tranken ein Glas Wein. Er hatte sein 
bestes Hundert-Fuder-Weizen-Gesicht 
aufgesetzt und ging zwischendurch zum 
Aufschauen in die Scheune, ob mit dem 
Einfahren auch alles klappe. 
Beim Durchsehen der Akten fiel mir 
auf, daß erst Herrn Brocks Vater auf 
das Gut eingeheiratet hatte, nämlich die 
Tochter des Vorbesitzers Riedel. — Ne- 
venher war mein Blick längst auf das 
alte Klavier gefallen, das in der Ecke 
stand. Als mein Gastgeber zurückkam, 
fragte ich ihn, ob er wohl viel auf dem 
nstrument spiele, worauf er erklärte, 
jber leichteste Stücke nicht hinausge- 
kommen zu sein; aber seine Mutter, die 
geborene Riedel, habe bis ins hohe Alter 
viel gespielt, sei sehr musikalisch gewe- 
sen, mußte jede Oper und Operette und 
jedes Konzert in Neisse unbedingt ge- 
hört haben. Die Melodien behielt sie 
im Ohr und begleitete sie in der näch- 
sten Zeit nach eigenem Geschmack auf 
dem Klavier. 
Nun ahnte mir etwas ganz Besonde- 
res! Seit 1928 (Jahr des 100. Todestages 
Franz Schuberts, des Meisters der Töne) 
war mir durch Herrn Chorrektor Thamm, 
der in Wien die Ahnentafel des Meisters 
gesehen und kopiert hatte, bekannt, daß 
da eine Lücke klaffte: man wußte nicht, 
woher die Großmutter mütterlicherseits 
— Elisabeth Riedel, Tochter des weiland 
(= verstorbenen) Konstantin Riedel, Be- 
reiters im Dienst des Grafen Traut- 
mannsdorf, — stammte. 
Nun ging es Zug um Zug. „Gibt's in 
deidenau noch Riedel?” „Ja, einen klei- 
ı1eren Bauern Konstantin Riedel”. „Weiß 
ier wohl über seine Vorfahren Be- 
;cheid?” „Möglich, da er in solchen Sa- 
:hen gut beschlagen ist.” — Und er war 
as auch. Er berichtete (sinngemäß wie- 
dergegeben), daß in der Familie Riedel 
‚tets der Älteste Konstantin genannt 
wurde. Bereiter sei nicht ein Mann, der 
’ferde zureitet.— das nebenbei auch —, 
‚ondern ein berittener Inspektor. Berit- 
en, weil er im Dienst des Grafen Traut- 
nannsdorf das zu Bielau gehörige Vor- 
verk Heidau verwaltete. Graf Traut- 
nannsdorf oder ein Nachbesitzer über- 
ieß dieses Vorwerk (vielleicht in Geld- 
ichwierigkeiten, in die auch ein Graf mit 
< Gütern kommen kann!) dem Bereiter, 
ınd so seien die Riedels auf das Gut 
leidau gekommen. 
Wenige Tage später auf dem Stahl- 
:oß nach Bielau zu Pfarrer Schinke, und 
dort fand ich, daß Riedel Maria Elisa- 
deth Constantia am 1. 11. 1724 getauft 
vurde. Eltern: Wirtschaftsbereiter Rie- 
jel Konstantin Christoph und seine Frau 
Aagdalena. 
Ich gab das erfreuliche Ergebnis in 
:inem kurzen Schubert-Aufsatz in den 
Dberschlesier-Kalender für 1944. Die er- 
'reuliche Ergänzung zu der Ahnentafe: 
jes Meisters, Nachkomme eines nun 
ı1eimatvertriebenen Volkes, hielt ich 
ıicht für. so wichtig in damaliger Zeit; 
denn ich hatte lediglich durch glückli- 
hen Zufall etwas feststellen können} 
was andere nicht zu erforschen ver- 
nochten, weil sie zu entfernt wohnten 
nd ihnen die Ortszusammenhänge un- 
»ekannt waren. 
Allerdings war ich 1955 sehr verwun- 
dert, von Wien her zu erfahren, daß ein 
3. Hampel unter der Überschrift „Neues 
zu Franz Schuberts mütterlicher Ver- 
wandtschaft” (genealogische Zeitschrift 
‚Adler” 1952, Seite 242) meine Feststel- 
ungen ohne Quellenangabe veröffent- 
icht hatte. Wenn er etwa noch nach mir 
n Bielau war, warum wartete er mit der 
sekannigabe bis 1951? Später als An- 
ang 1945 konnten Nachforschungen im 
Jdeisser Lande wegen der Kriegs- und 
Vachkriegsereignisse nicht mehr vorge- 
1ommen werden. — Er hat auch nicht 
»ehäuptet, das selbst festgestellt zu ha- 
‚en. Dr. Jäger-Sunstenau vom Archiv der 
der Stadt Wien schilderte mir Herrn 
dampel als braven, fleißigen Mann, der 
ıun schon viele Jahre nicht mehr unter 
den Lebenden weilt. Gott lasse ihn selig 
when! — Ich aber bin dem Herrgofti 
Jankbar, daß er mir damals in glückli- 
:her Stunde ohne eigenes Verdienst 
ainen Zufallsfund bescherte! 
Über das Schulwesen in Ziegenhals 
Vom privaten Unterrichtszirkel über die Höhere Mädchenschule und 
Städtisches Lyzeum zur Staatlichen Oberschule 
Den Knaben der Stadt Ziegenhals war 
schon ab 1872 die Gelegenheit geboten, 
nach Beendigung der allgemeinen Schul- 
pflicht die Lehrerbildungsanstalt zu be- 
suchen. 
Um den Eitern der Stadt die Möglich- 
keit zu schaffen, auch ihren Töchtern 
aine über die Ziele der Volksschule hin- 
ausführende Schulbildung angedeihen zu 
‚assen, ohne sie schon Im schulpflichti- 
3en Alter in auswärtige Pensionen schik- 
ken zu müssen, gründete Seminarlehrer 
Osburg, der selbst Töchter hatte, im Jah- 
re 1896 eine private höhere Mädchen- 
schule. Aber das Interesse war zu ge- 
‘ing, und die Schule mußte geschlossen 
werden. Vorausschauende Eltern aber 
'uhten nicht. Sie erreichten, daß einige 
„ehrerinnen der Volksschule — die Da- 
nen Nickel, Theinert, Julia und Kathari- 
1a Rother — 1898 einen Unterrichtszirke! 
3röffneten, in dem über die Ziele der 
/olksschule hinaus u. a. auch Englisch 
und Französisch gelehrt wurden. Im Er- 
Sffnungsjahr stieg die Zahl der Schüle- 
innen auf 18, im folgenden auf 30; bis 
1906 auf 40. Die Stadt stellte entspre- 
;hende Räume zur Verfügung. Die Leite- 
Seite 3 
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Frühlingsboten 
Holzschnitt Hermann Huffert 
sin, Fräulein‘ Julia Rother, legte im Jahre 
1908 das Schulvorsteherinnen-Examen 
ab. Schon zwei Jahre später durfte sie 
ihrer Schule die Grundstufe (1. — 3. 
Schuljahr) angliedern und in diese 
3rundstufe auch Knaben aufnehmen. 
1914 betrug die Schülerzahl der nun 10- 
<lassigen höheren Mädchenschule, die 
ıach den Lehrplänen der staatlichen Ly- 
zeen unterrichtete, 198, Sie stieg bis 1919 
auf 236 und erreichte im Schuljahr 1922/ 
923 die Höchstzahl mit 247. Außer der 
-eiterin und ihren Schwestern Käthe und 
Sisela Rother unterrichteten an der 
ichule die Damen: Aurelia Franzke, 
Maria Gottwald, Luzia Hirschberg, 
Käthe Löwe, Agathe Petau, Menta Pe- 
‚er, Anna Schotte, Scheitza, Maria 
5czodrok und Gertrud Adamczyk. Mar- 
zarete Langer und Hedwig Goebel von 
der Volksschule waren zeitweise neben- 
ımtlich dort tätig. -  - 
Im Jahre 1914 war auf Grund der Zu- 
sicherung laufender staatlicher Zuschüs- 
;e und im Hinblick auf das stetige 
Wachsen der Schule deren Übernahme 
auf den städtischen Etat für Oktober des 
3Jleichen Jahres vertraglich festgesetzt 
worden. Des Krieges wegen wurde die 
Ausführung des Vertrages immer wieder 
ıinausgeschoben. Sie erfolgte Ostern 
1923, wurde aber — inflationsbedingt — 
wieder rückgängig gemacht. Damals 
;ank die Schülerzahl bedeutend, weil die 
1öheren Schulen — wegen Einführung 
der gemeinsamen Pflichtgrundschule für 
alle Schüler — ihre Grundstufe abbauen 
nußten. 
Am 1. Januar 1925 starb plötzlich und 
jnerwartet mit knapp fünfzig Jahren die 
Sründerin und unermüdliche Leiterin der 
1öheren Mädchenschule Julia Rother. 
Keine Arbeitslast war ihr zu groß, keine 
Mühe und selbst kein Kampf war ihr zu 
schwer gewesen, wenn es um ihre Schu- 
e bezw. um die Mädchenbildung ging. 
jie war ‚viele Jahre hindurch erste or. 
sitzende des Verbandes privater Mäd- 
-henschulen Preußens.
	        

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