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Bote aus dem Bieletal (1966)

Bibliografische Daten

fullscreen: Bote aus dem Bieletal (1966)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Band, Heft, Nummer:
1966
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Signatur:
M 101
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091_1966

Zeitschriftenheft

Strukturtyp:
Zeitschriftenheft
Titel:
Oktober 1966
Band, Heft, Nummer:
10

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Bote aus dem Bieletal
  • Bote aus dem Bieletal (1966)
  • Januar 1966 (1)
  • Februar 1966 (2)
  • März 1966 (3)
  • April 1966 (4)
  • Mai 1966 (5)
  • Juni 1966 (6)
  • Juli 1966 (7)
  • August 1966 (8)
  • September 1966 (9)
  • Oktober 1966 (10)
  • November 1966 (11)
  • Dezember 1966 (12)

Volltext

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Bote aus dem Bieletal 
(Siegenhalfer Stadtblatt in der fremde) 
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Folge 10/Oktober 1966 
Jahrgang 13 
Oberschlesien, Land 
der Bodenschätze 
der größten Industriezentren Europas 
Jahre 1790 nach Oberschlesien reist und 
in Tarnowitz sein berühmtes Epigramm 
ns Gästebuch schreibt, ist der oberschle- 
sische Steinkohlenbergbau noch jung. Ersi 
lie Grafen Ballestrem bringen ihn zur 
Entfaltung, gehen als erste zum Tiefbau 
jber und fördern aus einer langen Reihe 
‚on Gruben. Sie begründeten damit ihren 
diesenbesitz, der auf die verschiedensten 
ndustriezweige Üübergreift, Die treibende 
<raft aber ist Carl Sodulla, Ballestrems 
Mitarbeiter, der Sohn des Volkes, dessen 
anorme Fähigkeiten sich früh entwickelten 
ınd der später selber zu einem der 
Jrößten Industriellen emporwächst. 
der Tiefbau der Kohle entwickelte sich 
sigentlich ganz zwangsläufig. Man 
arauchte damals das schwarze Gestein 
‚or allem zur Gewinnung des Zinks, und 
auf der Suche nach Kohle erschließen 
ıußer Godulla besonders Giesches Erben, 
Schaffgotsch, Henkel von Donnersmarck 
und Thiele-Winckler weite und ergiebige 
Grubenbezirke., 
In den folgenden Jahrzehnten wider- 
steht der immer mehr anwachsende und 
weitverzweigte Organismus der ober- 
schlesischen Industrie allen Rückschläaen 
und Heimsuchungen. Längst hat die Eisen- 
vahn das gesamte Revier ‚mit ihrem 
Schienennetz überzogen. Dörfer und dürf- 
tige Arbeitersiedlungen wachsen zu Groß- 
städten heran. Die Schatzgräüber des 
Ostens bauen an einer der größten In- 
dustrien Europas. Tagtäglich und@illnächt- 
lich strömen‘ aus Straßen und Gassen die 
deere der Arbeiter zur Schicht, 
Jas Zeitalter des Eisens — hier hat es 
den Sieg angetreten! Städte der Arbeit 
ind Arbeiter verkünden ihn mit den Fah- 
ıen des Rauches. Königshütte und Hinden. 
burg: Festungen der Eisenhütten und 
 Sruben! Und mitgerissen vom überstür- 
zenden Tempo der Zeit, erwachen zum 
Fortschritt auch ältere Städte wie Tarno- 
witz, der Sitz der Bergwerksschule, und 
Sleiwitz und Beuthen, die Zentren der 
Verwaltungen. 
Die jüngste der oberschlesischen Indu- 
striegroßstädte aber ist Kattowitz, güänz- 
lich ein Kind jener Zeit, ein einziger Auf- 
bruch, von rastlosen Kräften getrieben 
und gleichsam wild um sich ausgreifend 
ım Fieber der jähen Entwicklung. In ihr 
verkörpert sich der ganze Aufstieg des 
industriereviers; sie ist der Kontrapunkt 
int betäubenden Laut- und Stimmengewirr 
der schaffenden Menschen und Maschi- 
1en, ja das Herz dieser erschütterten und 
ef unterwühlten Erde, 
Seheimnisvoll und doch voll entzauber- 
rer, werktägalicher Nüchternheit ist das 
Dberschlesien — Land unterm Kreuz; 
Land im Zwielicht der Völker; Land der 
schlummernden Schätze des Bodens und 
ländlichen Wachstums, .welifern verbor- 
gen im Wehen der endlosen Wälder — 
und plötzlich zerstampft von den Eisen- 
zyklopen der Werktürme und Schlote, 
teuersprühend und rauchüberflaggt. 
Schon immer war Oberschlesien der Bann- 
kreis, das magische Land, das tüchtige 
und fähige Kräfte anzog, die sich an sei- 
ner Erschließung entfalten konnten: Tat- 
menschen, Ingenieure, Handwerker, Berg- 
‚eute. Und wie im Bergwerk unter viel 
taubem Gestein Silberadern gefördert 
werden, so stieg hier das schöpferische 
Element empor. Aus der Mitte des an- 
sässig schaffenden Volkes entstanden Per- 
sönlichkeiten und wagemutige Unterneh- 
mer und wurden die Mitbegründer der 
aufsteigenden oberschlesischen Industrie. 
Bereits im 16. Jahrhundert fand der Tar- 
nowliizer Peter Jost den Galmeistein, je- 
nes „weiße Gewächs“, das für die Ge- 
winnung von Zink und Messing von aus- 
schlaggebender Bedeutung ist. Allerdings 
ist die Zinkgewinnung selbst erst nach 
mehr als zweihundert Jahren Johann 
Christian Ruberg gelungen. Rubergs gro- 
Ber Nachfolger aber wurde Godulla, der 
„Zinkkönig“, die sagenumwobene Gestalt 
mit dem glückhaften und doch tragischen 
Schicksal. > 
UJralt ist der oberschlesische Bergbau. Ab- 
gesehen davon, daß ihn schon um die 
Zeitwende die alten Völker betrieben, 
wird im 13. Jahrhundert um Beuthen nach 
Blei und Silber gegraben. Dreihundert 
Jahre danach belebt der fränkische 
Hohenzoller Markgraf Georg Friedrich 
den Bergbau von neuem und gründet die 
Freie Reichsstadt Tarnowitz. 
Von Friedrich dem Großen nun kommt 
dieser Auftrieb, denn mit viel Eifer und 
Verständnis geht der König noch während 
der Schlesischen Kriege daran, die schlum- 
mernden Bodenschätze zu heben. Er faßt 
die kühnsten Pläne, schafft eine neue 
Bergordnung, ruft die Malapaner und 
Kreuzburger Hütte und viele andere 
Werke ins Leben und wird so zum eigent- 
ichen Wegbereiter der oberschlesischen 
Industrie. Groß ist sein Planen und Wir- 
ken, aber unlöslich verbunden damit sind 
Männer wie Heinitz und Reden, die gräf- 
lichen Berater des Königs. 
Als Goethe mit seinem herzoglichen 
Freund Karl August von Weimar im 
Aus dem Beuthener Hauptbahnhof rollten damals, als die oberschlesischen Stein- 
<ohlengruben neben dem Ruhrgebiet noch das wichtigste Industriezentrum Deutsch- 
ands waren, Tag und Nacht Güterzüge mit den „schwarzen Diamanten” in alle 
Nelt hinaus. Foto: Archiv
	        

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