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Bote aus dem Bieletal (1966)

Bibliografische Daten

fullscreen: Bote aus dem Bieletal (1966)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Band, Heft, Nummer:
1966
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Signatur:
M 101
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091_1966

Zeitschriftenheft

Strukturtyp:
Zeitschriftenheft
Titel:
September 1966
Band, Heft, Nummer:
9

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Bote aus dem Bieletal
  • Bote aus dem Bieletal (1966)
  • Januar 1966 (1)
  • Februar 1966 (2)
  • März 1966 (3)
  • April 1966 (4)
  • Mai 1966 (5)
  • Juni 1966 (6)
  • Juli 1966 (7)
  • August 1966 (8)
  • September 1966 (9)
  • Oktober 1966 (10)
  • November 1966 (11)
  • Dezember 1966 (12)

Volltext

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Seite 2 
Wann Jodok. von Ziegenhals geboren 
wurde, ist nicht genau feststellbar; die 
katholischen Kirchenbücher der Pfarr- 
gemeinde Ziegenhals geben (bzw. gaben) 
erst über die Zeit ab 1613 Aufschluß, die 
Bürgerverzeichnisse des späten Mittel- 
alters aber sind (bzw. waren) nur äußerst 
bruchstückhaft erhalten geblieben. 
Gewiß ist trotzdem, daß Jodok noch vor 
dem Jahre 1400 als Sohn Ziegenhalser 
Eltern in der kleinen Stadt an der Biele 
auf die Welt kam, 4 
In der alteh Pfarrschule, die, wie mehrere 
Urkunden besagen, schon 1250 bestand, 
dürfte die Begabung des jungen Jodok 
frühzeitig erkannt und vom Pfarrherrn 
von St. Laurentius, dessen Name uns 
nicht überliefert ist, gefördert worden 
sein. Hier erhielt Jodok seine ersten 
Lateinkenntnisse, hier wurde der zweifel- 
‚os sehr fromme und strebsame Schüler 
in seinen in die Zukunft weisenden Ent- 
schlüssen bestärkt und beeinflußt. 
All diese Aussagen sind und bleiben frei- 
ıich mehr oder weniger Vermutungen; 
greifbar wird das Leben Jodoks ‚von 
Ziegenhals für uns erst wieder anno 1416. 
In diesem Jahr finden wir Jodok von 
Ziegenhals in Breslau, der ehrwürdigen 
Herzogs- und Bischofsstadt und kulturel- 
len Mitte Schlesiens; er trat dort in das 
große, auf der weiträumigen Sandinsel 
im Oderstrom erbaute Augustiner-Chor- 
herrenstift „Unserer lieben Frau auf dem 
Sande“ ein. 
Sleichzeitig strebte er nach wissenschaft- 
'ichen Erkenntnissen, die ihm aber nur 
sine der großen Universitäten seiner Zeit 
zu vermitteln vermochte. 
Da war die 1348 von Kaiser Karl IV. in 
Prag begründete Universität, die früh- 
zeitig Schlesier anzog, da Prag ja seit 
Jem Trentschiner Vertrag von 1335 Sitz 
der böhmisch-luxemburgischen Ober- 
ehensherren über die schlesischen Für- 
stentümer war und zudem seit jener Zeit 
der Lösung aus dem polnischen Staats- 
verbande die Bindungen Schlesiens an 
den Westen, vor allem an Prag, der 
Hauptstadt des deutsch-römischen Rei- 
ches, ständig gewachsen waren. 
Freilich war in Böhmen inzwischen ein 
starkes tschechisches Nationalbewußtsein 
arwacht, das den deutschsprachigen Stu- 
dierenden in Prag zunehmende Schwierig- 
keiten bereitete; schließlich hatten fast 
alle deutschen Studenten wegen der un- 
earfreulichen Verhältnisse die Universität 
Prag unter der Anführerschaft des Schle- 
;iers Otto von Münsterberg verlassen und 
die 1409 in Leipzig begründete Universi- 
}ät bezogen: Als nun noch 1415 der tsche- 
:hische Theologieprofessor Jan Hus in 
Konstanz am Bodensee als Ketzer ver- 
arannt wurde, lief — als Vorbote der 
Hussitenkriege — eine Welle der Empö- 
-ung durch Prag und den ‘böhmischen 
Raum; es war daher für den lernbegieri- 
gen Jodok nicht ratsam, seine Studien 
ausgerechnet in Prag zu beginnen. 
Hatte Otto von Möünsterberg als erster 
Rektor der Universität Leipzig dort auch 
ain eigenes schlesisches Professorenkolle- 
aium organisiert, das geeignet war, Stu- 
denten aus Schlesien nach Leipzig zu 
ziehen und auch tatsächlich zog, so lag 
dem jungen Jodok die Universität Krakau 
im Königreich Polen räumlich und wohl 
auch geistig näher. 
Die dortige Universität war 1364 vom 
polnischen König Kasimir dem Großen 
vegründet worden; sie lag zwar außer- 
halb der schlesischen Landesgrenzen und 
der Grenzen des deutsch-böhmischen Rei- 
ches, stand damals aber, wie die Stadt 
Krakau selbst, in.engster Beziehung zum 
schlesischen Lande. 
Wir müssen bedenken, daß Krakau in 
der Zeit der Ostkolonisation 1252 von 
„BOTE AUS DEM BIELETAL” 
3resiau aus als Stadtgemeinde in deutsch- 
‚echtlichem Sinne gegründet worden war 
nd im ganzen 14. und 15. Jahrhundert 
-— obgleich polnische Königsresidenz — 
ıls deutsche Stadt mit deutschen Bürgern 
nitten im polnischen Umlande anzuspre- 
:hen ist (... eine uns heute fast unglaub- 
ıch erscheinende Tatsache, die das enge, 
1och friedliche Zusammenleben von Deut- 
schen und Slawen in früherer Zeit deut- 
ich macht). 
zin Blick etwa in die damaligen Bürger- 
isten Krakaus läßt die Nationalität der 
Mehrheit aller ‚Bewohner . offenkundig 
werden; da finden wir Namen, wie 
schwope (= Schwabe), Sweydniczer (= 
Schweidnitzer), Gerstmann, Wolfram, The- 
wer (= Tever), Langpeter, . Newburgir 
= Neubürger), Glaser, Bethmann, Schwar- 
zer, Goldschläger u. a. m. Ja, 1477 zog 
;ogar die deutsche Bürgerschaft den 
Nürnberger Schnitzer Veit Stoß nach Kra- 
zau, um den heute berühmten Marien 
altar errichten zu lassen. Erst im 16. Jahr- 
ıundert wandelten sich die Verhältnisse 
antscheidend, und das inzwischen er- 
;+arkte, nationalbewußt gewordene pol- 
ısche Element setzte sich durch; 1537 
wurde in der Krakauer Marienkirche erst- 
nals polnisch gepredigt ... 
Zu Jodoks Zeiten jedenfalls: war das 
JDeutschtum Krakaus noch unbestritten 
nd seine Universität, zu deren Rektor 
übrigens 1401 der Neißer Nikolaus Gold- 
berg gewählt worden war, ein traditio- 
nelles Sammelbecken schlesischer. Studen- 
‚en. 
5o besuchte denn schließlich Jodok von 
Ziegenhals die Universität Krakau, wobei 
ei der Wahl des Studienortes sicherlich 
ı1uch die bestehenden Beziehungen zwi- 
chen den Breslauer und Krakauer Augu- 
;tinern eine Rolle gespielt haben dürften. 
Zereits 1418 erwarb Jodok das Bacca- 
aueat — die erste Stufe der akademi- 
ichen Rangfolge. Zweifellos mit Unter- 
Aützung des Breslauer Chorherrenstifts 
‚studierte Jodok in Krakau weiter und 
wurde so 1421 Magister der freien Künste 
artes liberales); er hatte damit die im 
Mittelalter zu wissenschaftlichem Ansehen 
zehörige Meisterschaft in Grammatik, 
Rhetorik, Dialektik, in Geometrie, Arith- 
metik, Astronomie und Musiktheorie er- 
angt. 
Nun aber zog es Jodok nach Breslau 
zurück. Nach der wissenschaftlichen Aus- 
bildung strebte er nach dem geistlichen 
Amte, Nach der Profeßablage feierte 
Jodok schließlich am 17.4.1419 in Bres- 
‚au seine erste hl. Messe. 
Schon 1422/23 finden wir Jodok wieder 
an der Universität. zu Krakau; diesmal 
:;st er selber Dozent und hält eigene 
Vorlesungen ab. 1423 wurde Jodok 
auch noch zum Baccalaureus decreto- 
um promoviert und damit als fundier- 
‚er Kirchenrechtsgelehrter ausgewiesen. 
1426 hat das ständige Pendeln zwischen 
Breslau und Krakau für Jodok ein 
Znde: er wird, 10 Jahre nach dem Ein- 
tritt in das Chorherrenstift auf der 
3reslauer Sandinsel, Prior eben dieses 
Stiftes. 
Bestimmt besaß Jodok von Ziegenhals, 
den wir uns als gütigen und ernsten 
Gelehrten vorstellen müssen, Führungs- 
Jualitäten und Organisationsgeschick, 
;onst wäre er nicht am 31.10. 1429 so- 
Jar, zum .Abt des. hochangesehenen 
Sandstiftes gewählt worden. 
Seine Nachfolger rühmten Jodok nach, 
vährend seiner Amtszeit den Kirchen- 
schatz, die Stiftsprivilegien und die 
Stiftsbibliothek bedeutend vermehrt zu 
haben und um die Bildung der ihm An- 
vertrauten besonders besorgt gewesen 
zu sein. Wenn es gleichzeitig heißt, daß 
Jodok auch Bauherr caewesen sel, so 
Folge 9 
denken wir daran, daß der Bau der 
nach 1339 erstellten mächtigen drei- 
schiffigen gotischen Backsteinkirche „Ma- 
ia auf dem Sande” zu Breslau unter 
Jodoks Amtsleitung im wesentlichen ab- 
geschlossen wurde; 1430 jedenfalls wur- 
den die Arbeifen am mächtigen Süd- 
turm beendet und auf dessen weiteren 
Ausbau verzichtet. 
Die entscheidende Bedeutung des Jodok 
‚on Ziegenhals aber haben wir noch 
gar nicht angeführt. Während seiner 
Mußestunden beschäftigte sich Jodok 
rrühzeitig mit der Geschichte des Sand- 
;tiftes. Aus dieser Beschäftigung heraus 
wurde er der Schöpfer eines der be- 
-ühmtesten Kulturdenkmäler Schlesiens, 
der „Chronik des Breslauer Sandstifts“ 
Chronica abbatum beatae Mariae vir- 
ginis in Arena). Ganz im Stil mittelalter- 
‘icher Chroniken verfaßt, nicht volks- 
Ümlich-deutsch, sondern im gelehrten 
.atein niedergeschrieben, ist sie zur ge- 
ıqueren Kenntnis der mittelalterlichen 
ichlesischen Geschichte unentbehrlich ge- 
worden, Der Nachfolger des Jodok von 
Ziegenhals, Abt Benedikt Jonsdorff 
+ 1503), hat Jodoks Chronik, die von 
zachgelehrten in ihrem Wert sehr hoch 
aingeschätzt wird und zu den schönsten 
<ulturleistungen des Ostens gerechnet 
wird, bearbeitet und fortgesetzt. 
Was mit der wertvollen, in Breslau ver- 
wahrten Pergamenthandschrift der Chro- 
ıik Jodoks von Ziegenhals in den Zei- 
ten des. Zusammenbruchs und Unter- 
yangs der Stadt Breslau am Ende des 
2. Weltkrieges 1945 geschehen ist, wis- 
sen wir nicht; vielleicht ist sie im Feuer- 
;turm der Stadt verbrannt und vergan- 
zen für immer, vielleicht aber wartet 
je, gerettet und irgendeinem Archiv zu- 
jeordnet, neuer Erforschung und Wür- 
Jdigung. 
Am 16.2.1447 ist Jodok von Ziegen- 
ı1als verstorben. Die Trauer um ihn war, 
was wir der Überlieferung gerne glau- 
sen wollen, groß und ehrlich. 
Wenn wir zurückblicken und die Ent- 
wicklung Jodoks vom Ziegenhalser 
Pfarrschüler zum Rechtsgelehrten und 
zeistlichen Würdenträger, Bauherrn und 
zeschätzten Geschichtsschreiber “Üüber- 
denken, dürfen wir mit Recht sagen: 
auch die kleine schlesische Stadt Ziegen- 
hals hat dem vielfarbigen Mosaikbild 
deutscher Kulturgeschichte eine Persön- 
lichkeit von Rang beigesteuert — Jodok 
von Zieaenhals! 
Die Heimatgruppe Bad Ziegenhals und 
Umgebung in Berlin 
seglückwünscht ihre 2. Schriftführerin 
und Sozialreferentin Frau Charlotte 
Mohr, geb. Schön, früher Ziegenhals, 
Sudetenblickstraße 16, jetzt Berlin, 
zum 49. Geburtstag am 22. 9. 1966. 
Ziegenhalser Stammtisch in Frankfurt 
Die Ziegenhalser in Frankfurt treffen 
sich zu ihrem nächsten Stammtisch am 
Sonnabend, dem 1. Oktober ab 20 Uhr in 
der Gaststätte Jacob „Binding-Bräu am 
Schauspielhaus”, Frankfurt/Main, Frie- 
denstraße 2 — Parkhaus „Frankfurter 
Hof”, Straßenbahnhaltestelle am Schau- 
spielhaus. 
Die Heimatgruppe im Rhein-Main-Ge 
aiet gratuliert ihrem Vorstandsmitglied, 
"räulein Monika Vogel, Frankfurt-Gries- 
1eim, sehr herzlich zum 25. Geburtstag 
am 20. September und wünscht ihr für 
das neue Lebensiahr alles Gute
	        

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