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Bote aus dem Bieletal (1966)

Bibliografische Daten

fullscreen: Bote aus dem Bieletal (1966)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Band, Heft, Nummer:
1966
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Signatur:
M 101
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091_1966

Zeitschriftenheft

Strukturtyp:
Zeitschriftenheft
Titel:
August 1966
Band, Heft, Nummer:
8

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Bote aus dem Bieletal
  • Bote aus dem Bieletal (1966)
  • Januar 1966 (1)
  • Februar 1966 (2)
  • März 1966 (3)
  • April 1966 (4)
  • Mai 1966 (5)
  • Juni 1966 (6)
  • Juli 1966 (7)
  • August 1966 (8)
  • September 1966 (9)
  • Oktober 1966 (10)
  • November 1966 (11)
  • Dezember 1966 (12)

Volltext

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Bote aus dem Bieletal X 
(Siegenhalfer Stadtblatt in der fremde) 
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Folge 8/August 1966 
Jahrgang 13 
‚Unfer Liebes Vaterland ‚Schlefien“ 
M. Helwig, der Schöpfer der 1.Landkarte Schlesiens, wurde vor 450 Jahren geboren 
der Universität Krakau. Ob er seine 
Lehrzeit. in. Wittenberg oder Krakau 
beschloß ist nicht genau bekannt; man 
sieht ihn als Lehrer in Schweidnitz und 
1552 in Breslau als Leiter der Latein- 
schule St. Maria-Magdalena wieder. Sei- 
ı1e Schüler liebten und verehrten ihn. 
Wahrscheinlich wüßten wir nur wenig 
über Helwigs Leben und seine Inter- 
essen, hätte er nicht ein Tagebuch ge- 
führt. Er hat es lateinisch und stich- 
wortartig, und zwar in einem astrono- 
mischen Handbuch geführt. In ihm zeigt 
sich dieser Schlesier als weltoffener und 
zeitnaher Mensch. Sein Tagebuch ist ein 
achtes Zeitdokument, in dem nichts un- 
erwähnt bleibt, was sich im großen und 
kleinen Zeitgeschehen ereignet. Er no- 
}ert die Todestage bedeutender Persön- 
lichkeiten, den Besuch hoher Landes- 
nerren, Feuersnot, Seuchen und daneben 
auch die kleinen Skandale der Stadt. 
Alles, was mit den theologischen und 
Jeschichtlichen Ereignissen jener religiös 
Ddewegten Zeit zusammenhängt, findet 
seinen Niederschlag in Helwigs denk- 
würdigem Tagebuch. — Sein Herz hängt 
an der Stadt Breslau, an diesem schon 
damals ausgeprägt deutschen kulturel- 
en Mittelpunkt. Dort findet er eine 
‚echte Heimat in seinem Häuschen am 
Ketzerberg. Als Ausdruck seiner Liebe 
zur Stadt Breslau gibt er 1570 eine 
Schrift zu Ehren des Rates heraus „Von 
allerley stundenzeigern, ihren Ursprung, 
unterscheidt und gebrauch”, 
Ats er im Jahre 1574 starb;-erschienen 
viele lobende Nachrufe seiner früheren 
Schüler. Sie bezeichneten ihn als „von 
Statur klein, aber von Herzen fromm, 
klug und ehrlich”, eine Charakterisie- 
‚ung also, die den schlesischen Men- 
schen immer nachgerühmt wurde. 
Wenn unsere Augen wehmütig über 
Landkarten wandern, nach denen die 
Leistung und das Heimatrecht unserer 
Vorfahren geleugnet werden sollen, mö- 
gen wir uns unseres Landsmannes Hel- 
wig erinnern, der ihnen schon vor 400 
Jahren ein Denkmal setzte. 
Charlotte Boehm 
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Heimat, oft verraten, nie verloren, 
8lüh uns ein, nimm möütterlich uns hin! 
Wo gen Süden ziehn aus stillen Städte- 
toren 
Weltbeglückt die alten Wanderstraßen, 
Blau im Wegerich grüßt der Wandersinn 
aß mich ruhn und rufen, die vergaßen, 
Daß du, Mutter, ihnen eingeboren, 
Wie ich tief dir eingeboren bin. 
Friedrich Bischoff 
„Daß in so langer Zeit unser liebes Va- 
erland Schlesien so gar hindangesetzet 
nd vortunchelt blieben” — bedauerte 
der Schöpfer der ersten Karte von Schle- 
sien. Ein schlichter Schulmann, namens 
Martin Helwig.Er gab diese Karte auf- 
3rund eigener Kenntnisse, Messungen 
und Beobachtungen am 14. September 
1561 in Neisse heraus. Die kartographi- 
schen Leistungen während der Lebens- 
zeit Helwigs waren meist auf seine per- 
sönliche Liebhaberei und besondere Hei- 
matliebe begründet. Noch anderthalb 
Jahrhunderte später wurde Helwigs 
Landkarten-Schöpfung als die „Mutter 
aller anderen Schlesischen Land-Char- 
‚en” bezeichnet. 
Die Biographien der historischen Kom- 
mission für Schlesien meinen, daß Hel- 
wigs Aufrıß ınfoige ihrer ım groben 
Holzschnitt verwirrend zusammenge- 
drängten Einzelheiten unbeholfen er- 
scheine. Der kritische Blick erkenne je- 
doch, daß die Oberflächengestalt nach 
Maßgabe der Hilfsmittel jener Zeit und 
trotz des spärlichen und unsicheren Ma- 
terials (1 : 530000) doch annähernd ge- 
treu sichtbar gemacht wurde. Um eine 
der Wirklichkeit entsprechende Vorstel- 
ung von der Lage des Landes zu geben, 
ot Heiwig seine Karte so orientiert, 
daß Oberschlesien oben zu liegen kommt 
und infolgedessen die Oder nach Nieder- 
schlesien herunterfließt. Nach Helwigs 
Worten ist seine „schlesische Mappe” 
für jedermann, zur Erkenntnis des Lan- 
des, seiner Geschichte und seines Ge- 
schehens bestimmt. 
Helwigs mathematisch-astronomische 
Studien gaben ihm die Befähigung für 
seine kartographische Arbeit. Auch 
mag der Wunsch Melanchthons, „daß 
sin gelehrter Sohn seinem Vaterlande 
die Liebe erweisen möge, eine mit Kunst 
verfertigte Chorographie zu veröffent- 
lichen”, die äußere Anregung gegeben 
haben. In dem Autorenverzeichnis der 
Atlanten „Theatrum orbis terrarum” des 
Abraham Ortelius vom Jahre 1570 ist 
schon der Name Heiwigs erwähnt. Seine 
Karte ist erst 1750 bei der ersten staat- 
lichen Aufnahme überholt worden und 
arlebte acht Auflagen. Die Holztafel war 
aus zwölf einzelnen Teilen, vier Karten- 
olättern und acht Seitenstücken zusam- 
nengesetzt. Die letzten dienten nur 
der zeitüblichen Verzierung. Sie enthiel- 
ten innerhalb einer Zeichnung aus 
AÄAhren, Drachen und Arabesken die 
Nappen der damaligen schlesischen Für- 
;tentümer und ihrer achtzehn Haupt- 
städte. Die Angabe der Himmelsrichtun- 
gen ist nicht vergessen worden. 
Es ist nicht einfach, sich heute auf sei- 
2er Karte zurechtzufinden. Die damalige 
Methode begnügte sich mit der Fixie- 
‚ung der Städte und Dörfer. Sie über- 
‚jeß es dem mehr oder weniger bedeu- 
‚enden Wissen des Zeichners, die Was- 
;erläufe im Hinblick auf die verschiede- 
ı1en Städte einzutragen. Überraschend 
zetreu ist allein der Lauf der Neiße und 
'hrer Nebenflüsse wiedergegeben. 
Andere Flüsse, wie Katzbach und Bober, 
sind dagegen viel weniger landschafts- 
Jetreu eingetragen, ebensowenig ist von 
der großen Zahl der schlesischen Seen 
nd Teiche etwas vermerkt. Das Bild der 
‚echten Oderseite entspricht nicht sehr 
der Wirklichkeit. Mit besonderer Liebe 
ind Sorgfalt sind die schlesischen Berge 
skizziert; seine Darstellung mutet uns 
ın wie eine Anhäufung von Maulwurfs- 
ıügeln, Nur ein einziger Berg ist als 
1öchste Erhebung hervorgehoben, „deı 
diesenberg” (die Schneekoppe). Dort fin- 
len wir sogar unseren schlesischen Rübe- 
zahl. „Kinast”, Grotzberg, Fürstenstain 
zeigen auf ihren Gipfeln Schlösser. Op: 
»eln ist mit der Stadtmauer, Befesti- 
zungstürmen und Kirchtürmen „deko- 
:jert”, desgleichen Brieg, Neisse und 
nanche anderen Städte. Auch das Grott- 
<auer Kloster ist mit liebevoller Schwarz- 
Weiß-Schraffierung gedruckt. Waldun- 
zen stellen sich in der Art der Zeich- 
ıung von einzelnen Bäumen dar. 
Jberhaupt erinnert uns Helwigs Karte 
»twas an die Art, in der moderne Gra- 
ahiker Städte und besonders markante 
>unkte von Wirtschaft und Kultur ein- 
zuzeichnen lieben. Insgesamt ist die erste 
Carte Schlesiens ein hochinteressantes 
Zeitdokument. Wir fragen uns deshalb: 
Ner war jener Mann, der diesen für die- 
;e Zeit kühnen Versuch unternahm, sei- 
ne Heimat bekannt zu machen? 
Martin Heiwig ist am 5. November 
1516 in Neisse geboren. Er war der 
Schüler jener bekannten Schule Trotzen- 
dorf in Goldberg, die Melanchthon lobte. 
Anschließend betrieb Helwig Studien in 
\Aathematik und Astronomie (1526) an 
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Bote Aus Dem Bieletal. Torzewski, 1954.
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