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Bote aus dem Bieletal (1966)

Bibliografische Daten

fullscreen: Bote aus dem Bieletal (1966)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Band, Heft, Nummer:
1966
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Signatur:
M 101
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091_1966

Zeitschriftenheft

Strukturtyp:
Zeitschriftenheft
Titel:
Juli 1966
Band, Heft, Nummer:
7

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Bote aus dem Bieletal
  • Bote aus dem Bieletal (1966)
  • Januar 1966 (1)
  • Februar 1966 (2)
  • März 1966 (3)
  • April 1966 (4)
  • Mai 1966 (5)
  • Juni 1966 (6)
  • Juli 1966 (7)
  • August 1966 (8)
  • September 1966 (9)
  • Oktober 1966 (10)
  • November 1966 (11)
  • Dezember 1966 (12)

Volltext

Seite 2 
aischen Zuges habe sich bei jeder Ge- 
egenheit „durch Takt und Gastfreund- 
ichkeit ausgezeichnet”, denn es sei sich 
„des guten polnischen Namens” bewußt 
gewesen. 
Die Verfasserin des „Berichtes”, Hali- 
na Chabros, gibt offen zu, warum sie 
eine‘ solche Schilderung veröffentlicht 
nat, die mit der Wahrheit über die tat- 
sächlichen Vorgänge bei den Massen- 
austreibungen nicht das geringste zu tun 
hat: Sie polemisiert scharf gegen den 
aolnischen Episkopat, weil dieser unter 
3Zezugnahme auf die unmenschlichen 
Austreibungen in seinem Schreiben an 
die deutschen Bischöfe das deutsche 
Volk um Vergebung gebeten hat. Durch 
diese Bitte um Vergebung, so wird be- 
hauptet, seies „neo-hitleristische Kreise” 
in der Bundesrepublik Deutschland „er- 
muntert” worden „den antipolnischen 
Lärm zu verstärken”. 
Vor 725 Jahren retteten die Schiesier Enropa 
Es war zu Beginn der deutschen Ge- 
schichte Schlesiens, als deutsche Siedler, 
3auern und Bergleute, zusammen mit der 
slawischen Ritterschaft, allein auf sich 
gestellt, das Schicksal ihrer Heimat ge- 
gen asiatische Übermacht entschieden 
und vor 725 Jahren in der Schlacht bei 
Wahlstatt im Jahre 1241 das Abendland 
vor der mongolischen Überflutung ret- 
teten. 
„Hier entschied es sich, ob das Reich 
sollte in Frieden blühen dürfen, seine 
Dome bauen, seine Städte vergrößern, 
seine Lieder dichten, seine Felder pflü- 
Jen, seine Schiffe zimmern und die Adier 
seines Ruhmes in alle Winde senden... 
Db das milde Kreuz des Christentums 
über Europa stehen sollte oder der glüh- 
kalte Stern. Asiens.” So schrieb der 1945 
gefallene schlesische Dichter Cosmus 
Flam über die Schlacht von Wahlstadt, 
die man auch in der abendländischen 
Geschichte die Mongolenschlacht bei 
Liegnitz nennt. 
Der Dschingis Khan-Enkel Batu bedroh- 
te mit zwei Heersäulen Mitteleuropa; 
Schlesien war die letzte Bastion. Wider- 
standsversuche des Polenkönigs waren 
sei Sandomir und Krakau von den asiati- 
schen Reiterscharen gebrochen. Schon 
war Breslau von ihnen umschlossen, und 
aus der Ebene zwischen dem Riesenge- 
birge und dem Odertal setzte das Mon- 
golenheer zum Stoß auf das ungeschütz- 
te Herz Deutschlands an. 
Es war schicksalhaft, daß der Voll- 
ender des ersten deutschen Siedlungs- 
werkes in Schlesien, Herzog Heinrich Il., 
aus dem ursprünglich polnischen Hause 
der Piasten, aus Bauern, Handwerkern, 
3Zergleuten und Rittern ein kleines Heer 
bildete, das sich mit unzureichender Be- 
waffnung entschlossen und todesmutig 
zur Verteidigung der schlesischen Heimat 
den sieggewohnten Mongolen entgegen- 
warf. 
Der Opfertod von Herzog Heinrich und 
vieler Söhne Schlesiens besiegelte die- 
sen mutvollen Einsatz, der Deutschland 
nd Europa vor der Vernichtung be; 
wahrte. Die asiatischen Reiterheere 
schwenkten unter dem Eindruck dieses 
Widerstandes nach Ungarn ab. Neue 
Scolsche Siedierwellen ströämten in das 
„and. 
Abbruch des Hatzfeld-Palais in Breslau 
Die polnische Verwaltungsbehörde in 
3reslau hat beschlossen, daß die Ruinen 
des Hatzfeld-Palais abgebrochen wer- 
den sollen. Nachdem der Konservator 
;ür Kunst- und Baudenkmäler dagegen 
protestierte, sollen allerdings „einige 
Fragmente” des Palais vom Abbruch 
ausgenommen werden. 
„BOOTE AUS DEM BIELETAL” 
Folge 7 
= 
10. Bundestreffen der Oberschlesier 
Dr. Gradi: „Gewalt und Diktat sind keine Werkzeuge der Verständigung” 
Dr. Ulitz: „Selbstbestimmungswille entscheidender als Wiedervereinigungspläne” 
Düsseldorf (hvp) In Düsseldorf, der Vizekanzler Dr. Mende, der Vorsitzen- 
„andeshauptstadt von Nordrhein-West- de der CDU/CSU-Fraktion Dr. Barzel und 
‘alen, das Patenland der Oberschlesier der stellvertretende SPD-Parteivorsitzen- 
st, fand am vergangenen Wochenende de Wehner waren die prominentesten 
das 10. Bundestreffen der Landsmann- Redner auf der Hauptveranstaltung am 
schaft der Oberschlesier statt. Trotz onntag. Vizekanzler Dr. Mende be- 
schlechter Witterung waren über 50000 zeichnete die Oder-Neiße-Linie als eine 
»berschlesische Heimatvertriebene nach ‚on den Siegermächten willkürlich fest- 
düsseldorf gekommen, wo führende Ver- 3elegte Demarkationslinie militärischer 
reter der Bundesregierung und der im Macht und betonte, daß erst eine ge- 
Jundestag vertretenen Parteien zu aktu- :amtdeutsche Vertretung die Möglichkeit 
allen ostpolitischen Fragen Stellung nah- schaffe, in Friedensverhandlungen über 
men. die Grenzfragen einzutreten. Dr.Barzel 
Bei der festlichen Eröffnung des Bun- 10annte das Unrecht der Vertreibung eine 
destreffens am Sonnabend betonte Bun- ?ealität, um deren Beseitigung man zäh 
desvertriebenenminister Dr. Grad, daß ingen müsse, ohne moralische und 
Iberschlesien vor Jahrhunderten ohne nistorische Positionen von vornherein zu 
3lutvergießen und Vertreibung zu einem verschenken. Der Versöhnung mit allen 
jeutschen Land geworden sei. Er erin- Völkern im Osten stünden nur die Kom- 
ıerte auch an die Volksabstimmung von mnunisten im Wege. Auch Herbert Weh - 
921 in: Oberschlesien, welche zusam- ner unterstrich die Bereitschaft der 
ı1en mit den Volksabstimmungen in Ost- Deutschen zur Aussöhnung mit den öst- 
nd Westpreußen 1920 eine der besten ichen Nachbarn. 
\rgumente für die Vertretung unseres 
1stdeutschen Anspruchs sei. Der Minister 
vies darauf hin, daß in dem Wort Hei- 
nat alles beschlossen sei, was als Ge- 
>orgenheit und Zusammengehörigkeit 
ampfunden werde: „Wer aber die Hei- 
nat nicht vergißt, der vergißt auch sein 
/aterland nicht”. Er erinnerte daran, 
Jaß die Oberschlesier seit jeher in einem 
ıngen Nachbarschaftsverhältnis zu den 
’olen gelebt hätten, weshalb ihre Er- 
ahrungen wertvoll für die Lösung der 
ıjroßen Aufgabe der Verständigung sei- 
an. Dr. Gradi führte dazu aus: „Gewalt 
ınd Diktat sind keine Werkzeuge der 
J/erständigung. Verständigung heißt, sich 
jegenseitig entgegenzukommen. Wir 
Jeutsche haben den ehrlichen Willen da- 
zu”. 
Der Sprecher der Oberschlesier, Dr. 
Jlitz, rief in seiner Rede zu einer Stär- 
<ung des Selbstbestimmungswillens aller 
Deutschen auf, der politisch entschei- 
dender als das. Entwerfen von Wieder- 
vereinigungsplänen sei. Dr. Ulitz richtete 
an die Bundesregierung die Frage, ob sie 
mit dem Austausch von Handelsmissio- 
1en zwischen Bonn und Warschau auch 
Jereit sei, für die Rechte der mehr als 
500 000 Landsleute einzutreten, denen 
von Volkspolen die polnische Staatsan- 
gehörigkeit aufgezwungen worden sei. 
Mit dem oberschlesischen Kulturpreis 
1966 wurde der Bildhauer Prof. Robert 
3Zednorz ausgezeichnet. Die Auszeich- 
1ung ‚wurde dem Preisträger von Mi- 
sisterpräsident Dr. Meyers überreicht. 
Schlesien war 
ain Weberland 
Die gewerbliche Leinenweberei ist In 
;chlesien schon frühzeitig vorhanden ge- 
vesen, denn die Weber und Tuchmacher, 
die im Zuge der zweiten deutschen Be- 
;edlung des Oderraumes im Gefolge 
der Klostergründungen im 12. und 13. 
Jahrhundert aus Westdeutschland, Flan- 
jern und den Niederlanden nach 
;chlesien kamen, haben dort schon Tuch- 
ınd Leinenweberei vorgefunden. Bereits 
m 13. Jahrhundert :trieben die schlesi- 
‚chen Städte einen ausgedehnten Han- 
jel mit Flachs, der vornehmlich aus dem 
»enachbarten Böhmen stammte, und mit 
ichafwolle, aus dem Tuche angefertigt 
vurden. Die Siedier aus dem Westen 
les Reiches fanden in der Mittellage der 
Zebirge wie auch im Vorgebirgsland der 
judeten die günstigsten Voraussetzun- 
Jen für den Flachsanbau. In den Tälern 
1aben sich jene Weberdörfer entwickelt, 
deren handwerkliche Kunst späterhin, im 
18. Jahrhundert, zu einer Industrie wurde 
und im 19. Jahrhundert die Grundlage 
zu der bedeutenden Leinenindustrie 
ichlesiens legte. Das ausgehende Mittel- 
alter sah schlesisches Leinen bereits als 
2egehrte Handelsware auf allen Märk- 
:‚en Europas. 
Die Zünfte überwachten sorgfältig die 
lerstellung des Leinens und ließen nur 
3inwandfreie Erzeugnisse zu, die . auf 
den uralten Handelsstraßen nach Osten, 
Norden und Westen ausgeführt wurden. 
Schwer beladene Planwagen, gefüllt mit 
den Erzeugnissen der Weberdörfer, roll- 
'en mühsam die große Handeisstraße 
von Breslau nach Wien und über die 
Alpen nach Venedig, in dem schlesisches 
„einen stets hoch im Kurs stand. In den 
Weberdörfern des Eulengebirges klap- 
serten vor 200 Jahren viele Hunderte 
von Webstühlen in den einfachen Häu- 
sern der Webersleute. Tag und Nacht 
sauste das Schiffchen durch die Kette; 
denn der Verdienst war klein, und die 
vielköpfigen Weberfamilien mußten die 
Nacht zum Tage mache, um leben zu 
können. Trotz größtem Fleiß führten die 
Weber nur ein sehr bescheidenes Da- 
sein, da ihr Verdienst sehr gering war. 
Wie ärmlich und ganz auf technische 
Zweckmäßigkeit eingerichtet die Häuser 
der Weber waren, zeigten deutlich die 
zwölf Häuschen, im Volksmund „Zwölf 
Apostel” genannt, die 1700 der Abt des 
Klosters Grüssau in Schömberg errichten 
ijeß, der dort Weber ansiedeite. Sie wa- 
-en so eingerichtet, daß sie in den klei- 
1en Räumen je vier Webstühle aufneh- 
men konnten. Schon 1793 kam es in 
Schlesien zu Webertumulten. Als nach 
1800 der mechanische Webstuhl seinen 
Siegeslauf antrat, konnte das Weber- 
handwerk neben der Industrie nicht 
mehr bestehen. Es kam zu einer ausge- 
sprochenen Wirtschaftskrise, die 1846 in 
dem Ausstand von 5000 schlesischen We- 
bern ihren Höhepunkt fand. Diesen hi- 
storischen Hintergrund legte Gerhart 
Hauptmann, auf Anregung seines Groß- 
vaters, der selbst ein Webmeister war, 
seinem Sozialdrama „Die Weber” zu- 
grunde. Schluß folgt!
	        

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