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Bote aus dem Bieletal (1966)

Bibliografische Daten

fullscreen: Bote aus dem Bieletal (1966)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Band, Heft, Nummer:
1966
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Signatur:
M 101
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091_1966

Zeitschriftenheft

Strukturtyp:
Zeitschriftenheft
Titel:
Januar 1966
Band, Heft, Nummer:
1

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Bote aus dem Bieletal
  • Bote aus dem Bieletal (1966)
  • Januar 1966 (1)
  • Februar 1966 (2)
  • März 1966 (3)
  • April 1966 (4)
  • Mai 1966 (5)
  • Juni 1966 (6)
  • Juli 1966 (7)
  • August 1966 (8)
  • September 1966 (9)
  • Oktober 1966 (10)
  • November 1966 (11)
  • Dezember 1966 (12)

Volltext

Folge 1/Januar 1966 
„BOTE AUS DEM BIELETAL” 
Schlesien ist noch da 
Eine Reise in die Vergangenheit / Von Ruth Hoffmann 
Niemand soll sagen, daß ich nicht mehr 
durch Schlesien reisen kann. Täglich, wenn 
mir der Sinn danach steht, kreuz und quer, 
wohin immer mich die unstillbare Sehnsucht 
treibt. Geleitet von den Mächten der Erinne- 
rung, meine Ziele suchend auf einer alten, 
sehr schönen Landkarte, die vor meinem 
Arbeitsplatz an der Wand hängt und mein 
Vorhaben mit Namen, Farben, Bergschraffie- 
rungen, winzigen Kloster- und Stadtbildchen 
und gekräuselten Waldgebieten bestätigt. 
Die Grenzen unseres Landes liegen klar vor 
meinen Augen, wenn ich sie nicht ohnedies 
xennen würde. Brandenburg, Sachsen, Iser- 
kamm, die böhmische Seite des Riesengebir- 
ges mit seinen verwunschenen Gründen, Glat- 
zer Höhenzüge, Altvater, das Mährische Ge- 
senke, die oberschlesische Randung aber ist 
Polen, das den südöstlichen Sprachlaut Schle- 
siens unverkennbar beeinflußt. 
Wir lernten vom großen Strom, an dem die 
alte Völkerstraße entlangführte, von dieser 
Pulsader, der kleinere, verzweigte Adern bei- 
gegeben sind und dem Lande Leben, Schön- 
heit, Fruchtbarkeit spenden. Wir lernten auch 
die Namen der Nebenflüsse auswendig: Oppa, 
Zinna, Hotzenplotz, Glatzer Neiße, Ohle, Lohe, 
Weistritz, Katzbach, Bober mit dem Queis und 
die Lausitzer Neiße. Das wären‘ die linken 
Nebenflüsse. Danach, in einem Atemzug her- 
zusagen, die rechten Nebenflüsse: Ostrawitza, 
Olsa, Ruda, Birawka, Klodnitz, Malapane, 
Stober, Weide, Bartsch und die Warthe mit 
der Neiße. Ich kann sie noch aufzählen und 
viele kann ich im Bilde des Erinnerns erwek- 
ken, hold oder launisch, wild nach der 
Schmelze, wütend beim Hochwasser. 
Die Sehnsucht will ich versuchen zu stillen, 
indem ich auf meiner Reise die Bilder be- 
schwöre, daß jeder sich mit mir zu erinnern 
vermag, daß jeder sehe, rieche, lausche, fühle 
— und schmecke. Denn ein Land ist nicht 
sichtbar allein, es ist mit allen Sinnen wahr- 
nehmbar. 
Duft eines Landes: Fliederberg von 
Domanze, Springauf in Oswitz, in den Graf- 
schafter Talgründen Glatzer Rosen, die unter 
Naturschutz stehen und nicht unähnlich dem 
Kalmus riechen, ein pfingstliches Zeichen wie 
dieser. Acker, eben umgebrochen, Acker, vom 
Bauern Kolbe mit Mist behäufelt, reifes 
Kornfeld mit seinem Brotgeruch, wenn man 
vom Krummhübeler Bahnhof dem Ferienzug 
entstiegen, um den Pfaffenberg herum nach 
Steinseiffen ging. Wald, unser Wald, dunkel- 
bärtig, und seidiger Buchenwald, lichter 
Mischwald. Wie riecht es droben bei uns im 
November, wenn der Berg blau ist una rosa- 
‚arben, und der Wind bitterlichen Odem ver- 
zehenden Laubes herabträgt. Wie es in unse- 
en Bauernfluren riecht, in unseren Bauern- 
;tuben? Nach trocknenden Heilkräutern, nach 
risch aus Ziegenbutter und Ringelrosen ge- 
°ührter Saanickelsalbe, nach Arnikaspiritus 
der aufgesetzten Kiefernsprossen. Ähnlich 
roch es am „Becher“ am Breslauer Ring, nur 
laß Zimt, Nelken, Cardamon, Muskat, Lor- 
beerblatt, sämtliche Spezereien des Morgen- 
jandes die heimischen Kräutergerüche ver- 
vielfachten und unnachahmlich mischten. 
Wie schmeckt unser Land? Gerichte vieler 
Landschaften sind dem Gaumen lieblich, aber 
polnischer Karpfen mit weißen Würstchen ist 
nicht jedermanns Sache und Schlesisches Him- 
melreich erst recht nicht. 
Die uralte Völkerstraße Oder 
Zurück zur Oder, der Herrschenden; oder- 
aufwärts werde ich jetzt reisen gen Südosten, 
antlang der uralten Völkerstraße, die Strom- 
ıfer mit Städtegründungen besäumte, zierte, 
wrönte, segnete. Städte, über die Tod und Pe- 
;tilenz kam, Metzelei, Brandschatzung, Mon- 
3olen, Hussiten, Kaiserliche und Schweden, Tür- 
kenheere, Friedrichs Grenadiere, Kosaken. Ein- 
nal blieben von tausend Bürgern der Stadt 
Yhlau nur neunzig, einmal nur zwanzig übrig. 
Jnd immer wieder stiegen die Städte an der 
Ider auf aus Schutt und Asche, neue verbriefte 
echte wurden vergeben von Kaiser, Fürst und 
Aderzog. Ist es die Gewalt des Stromes, des 
Jr- und Mutterstroms im schlesischen Land, 
lie hilft, andere Gewalten zu überdauern! 
Durch Schlesien reisen von der Lausitz, vom 
*orster Tuchpatriziat und der verbreiteten 
3lasbläserei, vom gotisch schönen Görlitz, der 
etzt grausam zerrissenen Jakob-Böhme- 
Stadt, bis dahin, wo man über Lundenburg 
ınd Marchfeld in das so nahe verwandte Wien 
zelangt, damit sich die Alpen zum erstenmal 
lem Breslauer Kinde zeigen. 
In Breslau bin ich geboren, aber meine 
Wurzeln liegen in Kreuzberg, das im 13. Jahr- 
ıundert von den Kreuzherren zum Roten 
Stern gegründet wurde. In meinem anderen 
Wurzelbereich, in Schönau an der Katzbach, 
schlug der Feldmarschall Blücher gegen den 
Widersacher Napoleon die große Schlacht. 
Ohlau war die Jugendstadt meiner Mutter. 
Das Glockenspiel sang im berühmten Turm, 
nach seinem Rhythmus bewegten sich im 
Kreise Tod, Mond und König Salomo. Verfer- 
tigt von drei Uhrmachern, Salat, Kraut und 
Riebe mit Namen. Die Gassenjungen sangen: 
Salat, Kraut und Rieben, die Uhre schlägt sie- 
ben! 
Bunzeltöpfe, feines Porzellan und hauch- 
zartes Glas 
Ich reise weiter. Längs der Oder... Ich 
nähere mich dem Bereich der Gruben, Koke- 
reien, der Hochöfen. Es ist Abend und Januar 
und sehr dunkel, aber es zeichnen sich im 
endenden Licht noch dunklere Gebilde ab, 
Halden, rauchend, und aus der Schwärze 
dricht es feurig, rotglühende Garben, die den 
verhängten Himmel der Winternacht mit den 
[ehlenden Sternen versehen, nur sind sie fun- 
kenrot. Dieses war schon erlebt in der frühen 
Kindheit, wenn man von Breslaus Freiburger 
3ahnhof ins Riesengebirge fuhr, und im Wal- 
ienburger Grubengebiet die Glutsäulen auf- 
stiegen in den hellen Junihimmel, ein nie zu- 
vor gesehenes Schauspiel, jedes Feuerwerk 
übertreffend. 
Blick in die Kaiserstraße in Beuthen O0/S. 
Seite 3 
Weihnachten in Goslar 
Wochenlang peitschte ein 
heftiger Sturm ‚Schnee und 
Regen durch die Straßen und 
machte dieselben fast un- 
oassierbar. Am 12. Dezem- 
ber schloß der Himmel aber 
die Schleusen, sodaß bei 
klarem trockenen Wetter al- 
leg Landsleute aus Ziegen- 
hals in Goslar und Umge- 
bung unbekümmert den 
Weg zum „Goldenen Stern” 
antreten konnten, um dem 
reimatlichen Weihnachts- 
“est beizuwohnen. Als um 
}6 Uhr der 1. Vorsitzende 
J. Fieber alle Heimatfreunde 
degrüßte, war der schön ge- 
schmückte Saal fast über- 
füllt, Der Wunsch, das Weih- 
n1achtsfest im Kreis einer 
zroßen Familie feiern zu 
<önnen, bewegt doch die 
derzen vieler, besonders die 
vom Schicksal schwerge- 
prüften , Alleinstehenden. Ein 
Gruß galt unserer Lands- 
männin aus Ziegenhals (Ho- 
heisel-Tochter, fr. Zollstr.) 
die jetzt in Beuthen wohnt 
nd -zur Zeit als Gast in 
Soslar weilt. . 
Mit dem gemeinsam ge- 
sungenen Lied: „Leise rie- 
;jelt der Schnee” begann 
der Abend. Ehrenvorsitzen- 
der Karl Farbriczek stellte 
n seiner Festansprache be- 
;sondere-Vergleiche der Vor- 
dereitung des Hl. Abend in 
der alten und neuen Heimat. 
Wenn Glaube, Liebe und 
doffnung zu allen Zeiten 
dieses schöne Fest umge- 
sen, so ist Brauchtum und 
Sitte doch mit der Heimat 
verbunden, d. h., daß an je- 
dem Ort und in jeder Ge- 
gend Weihnachten nach al- 
;er Überlieferung gefeiert 
wird. 
Nun folgten‘ Weihnachts- 
zedichte und ein Nikolaus: 
spiel, aufgeführt von der 
.‚jebenburger Kinderspiel- 
;ıchar unter Leitung von 
Dtto Rother. Mit ‘welcher 
dingabe und Begeisterung 
diese Kleinen das schöne 
Märchen spielten, verdient 
»esonderes Lob und man 
dankte es auch- mit reich- 
ichem Beifall. Geführt von 
ainem kleinen Englein kam 
ıun Nikolaus mit‘ Knecht 
Auprecht schwerbeladen in 
den Saalı Hier möchten wir 
dem Nikolaus (Otto Rother) 
Jyanz besonders danken, 
daß er sich lange und aus- 
‘ührlich mit den Jüngsten 
»eschäftigte, denn ihnen 
Jaltja der Auftritt. Ihnen, den 
;ie nur von Bildern und Bü- 
zhern her kennen, stand er 
ebhaft vor Augen und er 
war auch nicht so ein böser 
Mann, wie man sich ihn viel- 
eicht vorgestellt hatte. Sie 
jetrauten sich deshalb auch 
oald ein kleines ‚Gedicht 
/orzutragen oder ein Lied- 
chen zu singen. Nikolaus be- 
ohnte es mit einem kleinen
	        

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