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Bote aus dem Bieletal (1966)

Bibliografische Daten

fullscreen: Bote aus dem Bieletal (1966)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Band, Heft, Nummer:
1966
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Signatur:
M 101
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091_1966

Zeitschriftenheft

Strukturtyp:
Zeitschriftenheft
Titel:
Februar 1966
Band, Heft, Nummer:
2

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Bote aus dem Bieletal
  • Bote aus dem Bieletal (1966)
  • Januar 1966 (1)
  • Februar 1966 (2)
  • März 1966 (3)
  • April 1966 (4)
  • Mai 1966 (5)
  • Juni 1966 (6)
  • Juli 1966 (7)
  • August 1966 (8)
  • September 1966 (9)
  • Oktober 1966 (10)
  • November 1966 (11)
  • Dezember 1966 (12)

Volltext

Seite 2 
auch, Er verehelichte sich mit einer Toch- 
ter des in Ziegenhals ‚wirkenden Post- 
seamten Hanke. Frisch-frohe Kinder ent- 
sprossen dieser Ehe. Erzbischof-Koad- 
jutor Kominek von Breslau ließ den Sohn 
Seorg in Krakau studieren. Heute wirkt 
er als Restaurator und freischaffender 
Künstler in dem polnisch besetzten Ge- 
biet. Eine Tochter sehe ich noch wie 
4eute als Kaufmannslehrling vor mir in 
der Kaufmännischen Berufsschule sitzen 
und durch Fleiß und Geist mir Freude 
bereiten. Der Kirchen und Kapellen und 
Bildstöckel gab es genug in schlesischen 
Landen. So hat ıs also auch nie an 
Aufträgen gefehlt. Es ist ein aufreiben- 
der und die Gesundheit stark strapa- 
zierender Beruf, in kalten, ungeheizten 
Kirchen auf hohem Gerüst zu schaffen, 
und das teuflische Zwicken in den Ge- 
lenken, Rheumatismus geheißen, meldet 
sich beizeiten. Und wenn man liest, daß 
einst ein neunzigjähriger Michelangelo 
noch rücklings unter der Kuppel von 
Sankt Peter in Rom lag und seine be- 
rühmten Fresken malte, dann empfindet 
man voll Ehrfurcht doppelt die Größe 
einer Kunst. Bald bot sich unserem heimi- 
schen Meister in Ziegenhals ein ehren- 
der Auftrag: 1921 bekam St. Laurentius 
einen neuen Hochaltar, Architekt Schlicht- 
Breslau betraute Meister Mitschke mit 
der Aufgabe der Stäffage und Vergol- 
dung. Und wir alle wissen um das gute 
Gelingen derselben. Und so etwas 
spricht sich herum. Auf alten Dachböden 
und in Kammern fand sich dies iund 
jenes, was des Auffrischens wert schien 
oder war. Es ‚wanderte auf die Frei- 
waldauer Straße in Tischlermeister Ber- 
gers Hinterhaus, wo in Mitschkes Werk- 
statt jetzt aus alt neu wurde. Als sehr 
gewissenhafter Helfer ging Emanuel Lan- 
Jer von der Nußbaum-Langerei unserem 
Meister zur Hand. Überglücklich war ich 
ainmal, als ein mir vererbter barocker 
Bilderrahmen in all seiner Herrlichkeit 
neu erstand, wobei ich dann gern ver- 
zieh, daß ich schier ein Jahr hatte war- 
ten müssen. (Leider hat ihn jetzt ein 
Bronisiaw oder Pjotr!} Stellte man alle 
die durch eine Kur bei Maler Mitschke 
verjüngten und verschönten Johannesse 
und Antoniusse und Marien zusammen, 
da ergäbe sich bestimmt eine halbe Le- 
gion himmlischer Heerscharen. Ein Klapp- 
altar, die hl. Sippe, Kreuzweg-Stationen 
zum Holzberg hinauf, Porträts, ein Bild: 
Jesus begegnet den weinenden Frauen, 
jahrhundertalte gotische Plastiken in 
Groß-Glogau. und vieles, andere haben 
ihm selbst tiefste Befriedigung gegeben. 
Dann kam das unerbittliche Schicksal 
über unser Schlesien. Meister Mitschke 
war todsicher einer der Letzten, der 
dem braunen Verführer gefolgt wäre. 
Als Künstler bestürmte man ihn fortan, 
das Zerstörte oder Halbzerstörte vor 
dem völligen Verfall zu retten, Kirchen 
und Kapellen und Kreuzwegstationen zu 
-estaurieren, zu ergänzen. Und er ver- 
schloß sich nicht diesen Bitten. 
Nun erwuchs ihm ein Arbeitsfeld, das 
jber ganz Schlesien sich erstreckte. In 
Ziegenhals wurde die evangelische Kir- 
che in eine katholische umgewandelt. 
Die dabei anfallenden Veränderungen 
bewirkte Mitschke. Die Rochuskapelle 
wurde erneuert und brachte viel Arbeit, 
weil ja der Reiz des Altertums bewahrt 
bleiben sollte. Die Kirche auf dem Anna- 
berg bei Groß-Strehlitz nahm er in seine 
<ünstlerische Obhut. Aus Mittelpunkt 
oolnischer Frömmigkeit von vielen Geist- 
lichen besucht, forschte man natürlich 
dabei auch nach dem Schöpfer all der 
goldenen und marmorisierten Herrlich- 
keit und es gebar ein Auftrag den näch- 
„BOTE AUS DEM BIELETAL” 
sten und übernächsten. Ob die Arbeit 
“reilich auch mit Gold aufgewogen wur- 
de, ist eine andere Frage, die zu beant- 
worten ich nicht in der Lage bin. In 
Dppeln gab es zu tun. In Neisse, wo 
der Meister nun seinen Wohnsitz nahm, 
natte der Krieg ebenfalls klaffende Lük- 
Ken in die Kunstbestände gerissen; Mei- 
a Mitschke mußte her, diese zu schlie- 
en. 
Achtzig Jahre gingen ins Land. Die 
3eschwerden des Alters stellten sich ein, 
die Frau ist seit Jahren gelähmt. Eine 
Schwester derselben führt den Haushalt, 
der bei dem ewigen Reisen von da nach 
nach dort sicher kein ruhiger ist. Man 
kann nicht mehr. Was der Meister auf 
seinem Platz für die Kunst und die Kul- 
-ortsetzung von Seite 1 
st innen gut gepflegt. Neonlampen er- 
1ellen sie und statt der Seitenbänke fin- 
den wir eine Reihe weiterer Beichtstühle, 
all die Sünden der Schaberer zu be- 
<ennen. Polnische Beschriftungen erset- 
zen die deutschen unter den Elsner’schen 
Creuzwegbildern. 
Auffallend viel Volk gibt sich hier im 
‚aufe des Tages die Tür, altes und auch 
unges. Nun, den Eindruck des aller- 
°hristlichsten Volkes Europas will man 
.cheinbar in Rom doch nicht verscher- 
zen, trotz Lenin und Genosse Gomulka. 
der Schulplatz ist umfriedet und schützt 
;omit die Jugend. In der deutschen Aera 
connten wir Lehrer das nicht erreichen. 
Torzewskis Druckerei ist geschlossen, die 
‚on H. Kirchner arbeitet als Zeitungsver- 
ag weiter. Die Hinterhäuser all der Ge- 
;schäfte am Ring sind fast alle wegge- 
issen: oder aber sind ganz verfallen: 
>ompe, Swatzina, Neisser Vereinsbank. 
Jas Loske-Deutsche Haus ist jetzt Ver- 
naltungsgebäude. Auf dem mit Platten 
»elegten Wege über den kleinen (nörd- 
ichen) Schulplatz gelangt man zur Vog- 
tei, die neu verputzt ist. Das Rösner- 
daus ist abgerissen, ebenso die unschö- 
1en Toiletten beim Feuerwehrturm am 
jchulplatz. Im Nierle-Gasserl (zwischen 
Jen. Hinterhäusern der Zollstraße und 
dem Besitz Nierle an der Gartenstraße) 
;jind die meisten Schuppen und Zäune 
‚erfallen oder ganz verschwunden. Der 
Alte Friedhof dient als Grünanlage; der 
Spielplatz neben Schebek ist ordentlich 
ymzäunt. Die Rochuskapelle ist neu ver- 
»utzt und auch innen restauriert. Na, 
da sag mir doch einer, daß die Polen 
nicht brave Christen seien! Und jeder 
ylaubt's ihnen! In der Rochuskapelle 
1&1t man wohl Religionsstunden ab, 
J4enn eine Schultafel in einer Ecke und 
aine Art Schulbänke deuten darauf hin. 
Das „Weiße Lamm” ist vom Erdboden 
verschwunden. Dort ist jetzt ein freier 
Matz bis hin zum Mühlgraben. Über 
diesen führt eine neue Holzbrücke. Statt 
des Gasthofs „Zur Post” ist ein Radio- 
Jeschäft. Besuchs Uhren- und Schmuck- 
‚aden wich einem Textilgeschäft. Post- 
„angers Haus brach in sich zusammen, 
ynd Fahrrad-Schwarzers riß man ab. So 
gewann man Platz für die Autos, die 
mal eine Zukunft sich hierher geträumt. 
Bei Bäcker Langer und Adler verkauft 
man Textilien, ebenso noch bei Filke. 
Die Rosenpracht des Ringes ist ent- 
schwunden, Rasen erfrischt das Auge. 
Die Rosenstraße ist auffallend ver- 
wahrlost. Die Biele überspannt wieder 
aine stabile Betonbrücke mit einfachem 
zisengeländer. Auch die Scheunen längs 
der Biele bestehen noch. Die Häuser 
auf dem Wege zum Sportplatz sind 
trotz sehr aroßer .Verschlampung alle 
Folge 2 
tur Schlesiens tun konnte, hat er pflicht- 
getreu auf sich genommen. Er ist wie 
ah und je deutscher Staatsangehöriger 
geblieben, so sagte man mir. Nun will 
ar „heim ins Reich” kehren, wurde ver- 
\autet. 
Möge unserem weithin bekannten 
„nd berühmten Meister Josef Mitschke 
das Gedenken an all die geschaffenen 
Schönheiten ‚ein innergs Glück besche- 
ren, das versöhnt mit all den Wider- 
wärtigkeiten des Lebens und der Ge- 
schichte, die ein Höchster so, und ge- 
rade so gewollt hat! 
Ziegenhals darf stolz auf einen seiner 
großen Söhne sein. 
Otto Rieger-Weilheim/OB. 
oewohnt. Hotel Anker ist geschlossen, 
die ehemalige Evangelische Schule ist 
wieder Schule oder Internat. In Brücke’s 
Haus verarztet man Kranke, es gehört 
zum Krankenhaus als Klinik. Das Kino 
arfreut weiterhin die Neu-Ziegenhalser, 
das Schützenhaus dagegen gleicht 
ainer Ruine, der Fenster u. Türen fehlen. 
Apotheke Scholz, Gymnasium und Ho- 
1enzollern tun weiter ihre Dienste, doch 
etzteres nur noch als Bäckerei. Die 
Denkmäler bei Milde, Hohenzollern und 
jegenüber der Cellulose sind fort. Aus 
dem Heldenmal des Ersten Weltkrieges 
arrichtete man ein verkleinertes für Po- 
'jens gefallene Söhne. Auf dem Cellu- 
ose-Gelände und vor der alten Zwirn- 
‘abrik baute man Siedlungshäuser. Das 
_yzeum besteht weiter. Die Bäder und 
deime, auch das Germanenbad, sind 
deime für die erholungsbedürftigen Ar- 
zeiter und Angestellten. Geschlossen hat 
mnan den Kinderspielplatz hinter der Un- 
*erführung zum Waldbad. Dieses und 
der Steingarten bestehen noch. Auch 
der Musikplatz mit dem Pavillon bietet 
weiterhin Entspannung. 
Wie kann es wohl anders sein! Man 
nahm gerührt und traurig am Ende Ab- 
schied von den teuren Qiätten der Ju- 
gend und des Schaffens, man sah sich 
als Deplacierter, als Ausgestoßener, 
als Heimatvertriebener. Alte Wunden 
fingen aufs neue an zu bluten und ich 
glaube nicht, daß in den „Heimkehrern” 
der Gedanke und Wunsch aufglühte, den 
ein auch heimattreuer Dichter der Ver- 
yangenheit in die Worte kleidete: Teure 
eimat meiner Väter, aß bei deines 
“riedhofs Tür einstens, früher oder spä- 
‚er, auch ein Ruheplätzchen mir! Wir 
wollen noch im Tode unter deutschen 
Brüdern und Schwestern ruhen. 
Otto Rieger-Weilheim/OB. 
Hauptentschädigung: 9,7 Mrd. DM 
Bilanz des Jahres 1965 
Bonn (hvp) Die Barerfüllung der Haupt- 
entschädigung erreichte bis zum Ende 
des Jahres 1965 nahezu 7,5 Mrd. DM. 
iım Wege der unbaren Erfüllung durch 
Begründung von Spareinlagen und Zu- 
teilung von Schuldtiteln dürften bis zum 
gleichen Zeitpunkt weitere Ansprüche 
auf Hauptentschädigung in Höhe von 
rund 2,2 Mrd. DM erfüllt worden sein. 
im Jahre 1964 beitrug der Jahresauf- 
wand für die Unterhaltshilfe mehr als 
1,3 Mrd. DM. Angesichts der Verbes- 
serungen durch die 18. Novelle wird 
m Rechnungsjahr 1965 dieser Betrag 
1och überschritten worden sein. Die 
Iynamik der Renten und der Fürsorge- 
sätze engt die zur Barauszahlung der 
Aauptentschädigung zur Verfügung ste- 
nenden Beträge aber mehr und mehr ein.
	        

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