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Bote aus dem Bieletal (1966)

Bibliografische Daten

fullscreen: Bote aus dem Bieletal (1966)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Band, Heft, Nummer:
1966
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Signatur:
M 101
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091_1966

Zeitschriftenheft

Strukturtyp:
Zeitschriftenheft
Titel:
Dezember 1966
Band, Heft, Nummer:
12

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Bote aus dem Bieletal
  • Bote aus dem Bieletal (1966)
  • Januar 1966 (1)
  • Februar 1966 (2)
  • März 1966 (3)
  • April 1966 (4)
  • Mai 1966 (5)
  • Juni 1966 (6)
  • Juli 1966 (7)
  • August 1966 (8)
  • September 1966 (9)
  • Oktober 1966 (10)
  • November 1966 (11)
  • Dezember 1966 (12)

Volltext

Seite 2 
Das könnte ein Heiliger geschrieben 
1aben und ist geschrieben worden von 
einem Mann von Welt, allerdings, einem 
Jberzeugten Christen. 
Wenn alle Welt so dächte und handet- 
'e, es sähe anders in der Welt aus. Soll- 
‘en wir uns nicht diese guten Ratschläge 
mit ins neue Jahr nehmen? Dann könnte 
das Jahr 1967 zu einem guten Jahr wer- 
den, was ich Ihnen allen von ganzem 
Herzen wünsche. Das Christkind möge 
uns verleihen, daß wir es so gestalten 
können. 
In heimatlicher Verbundenheit grüßt 
Sie herzlichst Ihr 
P, Josef Stendebach 
* 
Meine lieben Landsleute! 
Weihnachten, 20 Jahre, nachdem die 
etzten Ziegenhalser aus der altange- 
stammten lieben Heimat vertrieben wur- 
den. Ich bin der festen Überzeugung, 
alle, die es erleben mußten, erinnern 
sich daran, und in den stillen Stunden 
des Heiligen Abends wird all das Furcht- 
bare wieder vor dem geistigen Auge er- 
stehen. Manch stille Träne wird geweint 
werden, nicht nur um die verlorene Hei- 
mat, sondern ebenso sehr um alle. die 
unserer Brüder und Schwestern, die nicht 
mehr unter uns weilen dürfen, weil das 
große Herzeleid ihnen das Herz brach 
oder weil sie die Strapazen der Vertrei- 
bung nicht zu überstehen vermochten. 
Aber solche Gedanken sollen am Rande 
bleiben, so selbstverständlich sie auch 
sein mögen. 
Denn Weihnachten ist nicht ein Fest 
der Trauer, sondern ein Fest der Freude. 
Große Freude wurde den Hirten auf dem 
Felde von Bethlehem verkündigt; denn 
der Heiland der Welt war geboren; und 
diese große Freude gilt auch uns, und 
ich meine, gerade uns, die wir — sicher- 
jich viele — wenn auch nicht äußerlich, 
so doch innerlich arm sind. Vielleicht 
sollte ich besser sagen: innerlich arm 
geworden sind; denn das: sind wir wirk- 
lich. Hatte uns doch allen die verlorene 
Heimat gerade an Weihnachten so un- 
endlich viel zu geben vermocht, und ge- 
rade an innerlichen Werten, die wir 
schmerzlich vermissen. Wir haben in den 
arsten Jahren nach unserer Vertreibung 
viel, Ja oft zuviel, gefragt nach dem Sinn 
des Geschehens und nach dem Sinn un- 
zeres Lebens und immer wieder darüber 
rachgegrübelt, wie Gott das alles zu- 
assen konnte und warum ER es zuließ. 
Denn schließlich hat doch alles Ge- 
schehn seinen Sinn und muß ihn haben, 
wenn es einen Gott gibt. Wir sollten 
auch diesmal wieder darüber nachden- 
ken. Das wird uns nicht ganz leicht wer- 
den, vor allem den Jüngeren nicht, 
die noch nicht so fest mit der Heimat 
verbunden und in ihr verwurzelt waren, 
aber auch den Älteren nicht, weil solche 
Zedanken alte Wunden wieder bluten 
assen. Aber gerade in dieser Hinsicht 
ehrt uns die Weihnachtsgeschichte, 
wenn wir sie einmal in der Stille und 
a1achdenklich lesen, manches. 
Da ist die Rede von der großen 
z=reude, die. für die ganze Menschheit da 
sein wird als ein Geschenk des Vaters 
im Himmel, und von den Hirten, die von 
diesem Geschehen zu den anderen spra- 
chen, ja sprechen mußten, weil ihnen 
das übervolle Herz einfach den Mund 
übergehen ließ. Haben wir nicht Ähnli- 
ches erleben dürfen in der alten Heimat 
in der Christversper und in der Mitter- 
1achtsmesse am Heiligen Abend. Mein 
<atholischer Amtsbruder sagte mir ein- 
nal eiwa folgendes darüber: Wie reich 
müßt ihr doch in eurem lieben Schlesien 
„BOTE AUS DEM BIELETAL” 
jJewesen sein, gerade an Weihnachten 
nit euren Liedern und Lobgesängen! 
/ielleicht ist das manchem schon be- 
vußt geworden! Denn manches Weih- 
«‚achtslied, mancher Lobgesang, ist mit 
ns herübergegangen in die neue Hei- 
nat, wie z. B. das gewaltige „Transe- 
amus usque Bethlehem”, das auch hier 
n der Mitternachtsmesse nicht mehr 
ehlen darf. Und wie gern sangen die 
Cinder der hiesigen Volksschule, in der 
ch Religionsunterricht erteilte, mit mir 
das wundersame „O Jesulein süß” aus 
dirschberg, das der große Joh. Seb. Bach 
dann in seinem Weihnachtsliede „O Je- 
‚ulein zart, dein Kripplein ist hart” ver- 
wendete. 
Wir sind in viele Gegenden unseres 
Yaterlandes zerstreut worden, und man- 
‘he sind nicht so reich an solchen un- 
‚erlierbaren Gütern, wie Schlesien es 
var. Ich meine, in dieser Richtung kön- 
ıen wir wohl eine Antwort auf die Fra- 
je nach dem Sinn des Geschehens von 
945/46 suchen und auch finden, sofern 
wir es nur wollen, und dahin zielt auch 
lie Bezeichnung . „Heimatveririebene 
5ottes”, die ich einmal las. Die Hirten 
:;onnten die große weltumfassende 
-eude garnicht in ihre Herzen fassen; 
je mußten sie weitergeben, sie konnten 
ıicht anders. 
Freilich, auch für sehr, sehr. viele unter 
ıns bedeutet das sog. Wirtschaftswun- 
der und der damit verbundene Wohl- 
itand — wie vielen geht es doch heute 
)jesser als einst! — eine Gefahr, das 
/ergängliche auf Kosten des Ewigen, 
Jnvergänglichen zu überschätzen und 
las einst Gewesene zu vergessen. Die 
Alten mit ihrer kargen Rente werden ja 
'on Jahr zu Jahr weniger an Zahl. 
‚arum möchte ich alle herzlich bitten: 
east doch in stiller Weihnachtsstunde 
lie alte liebe Geschichte von dem Kinde 
n der Krippe und von denen, die zuerst 
ın seine Krippe kämen, um anzubeten! 
est sie Wort für Wort genau durch, 
icht nur einmal! Vielleicht wird dann 
ı1anchem der Gedanke kommen: habe 
ch nicht auch Teil an der Großen Frevu- 
je? und der andere: Was tat ich; um 
je, gleich den Hirten von Bethlehem, 
veiterzugeben? Und wer diese Fragen 
arnsthaft sich gestellt hat, der fange 
lann an, die Antwort auf sie zu geben 
‚ei seinen Kindern und Enkeln. Der singe 
nit ihnen unsere alten herrlichen Weih- 
achtslieder der Heimat und rede mit 
ınen davon, wie wir einmal daheim 
Yeihnachten gefeiert haben. Denn, so 
aich unser .Volk geworden ist an irdi- 
chem Gute, so arm einst geworden an 
jem, was über dieses Leben allein hin- 
ıusführen kann, am Ewigen! — Da sage 
ıuch keiner, daß er es nicht könne! Seht 
loch die Hirten an, arme, ungebildete 
Aenschen, vielleicht halbe Analphabe- 
en, und die konnten es, ja sie mußten 
:;s, weil das Herz zu voll war der großen 
reude. Nicht auf den Wert und die 
Aenge der Gaben auf dem Weihnachts- 
ische kommt es an, — gewiß sie gehö- 
en wohl mit dazu, weil Weihnachten 
jas Fest der Liebe ist — aber sie sind 
‚icht ‘das Wichtigste. Nicht nur das 
\uge, sondern das Herz vor allem muß 
Veihnachten dabei sein. Sonst wird es 
um bloßen Volksfest und zum Kassen- 
chlager erniedrigt. Es gab eine Zeit, 
la war es nicht so, sondern ganz an- 
ters. Erinnert ihr euch noch an dia ersten 
.nd die folgenden Weihnachten nach 
ınserer Vertreibung, als wir nichts, aber 
ıuch garnichts hatten als vielleicht, 
wenn's hoch kam, ein kümmerliches 
‚ichtlein an einem Tannenzweige? Da 
ıedeutete uns Weihnachten noch etwas; 
Folge 12 
Weihnacht 
Gottes Güte war's und Größe, 
da Er niederkam 
und in Stalles Blöße 
seine Wohnung nahm. 
Leuchtend um das Kinde 
lag der Heiligenschein. 
Und war sein Gesinde 
Ochs und Eselein. 
Hirten auf den Knien 
beteten es an. 
Joseph und Marien 
hat es wohlgetan. 
Weihrauch, Gold und Myrrhen — 
Könige von fern 
folgen ohne Irren 
ihrem hellen Stern. 
Engelstimmen sangen: 
Heute in der Nacht | 
allen, die da bangen, 
ist das Heil gebracht. 
” Hermann Claudius 
N FA 
FETTE Ge 
hilft und vom Tode errettet. Ja, damals 
<onnten wir auch noch von Herzen zu 
HM beten! Aber heute? Hier gilt ‚es 
wirklich: Nichts ist schwerer zu ertragen 
als eine Reihe von auten Tagen! Denn 
heute ist vielen ihr Geld und Gut mehr 
als ihr Heitand, und sie haben es längst 
vergessen, daß ER es war, der ihnen 
1ach der Verzweifelung wieder Mut gab 
zu neuem Anfang, ihre müden Hände 
stärkte und ihren verzweifelten Herzen 
Trost und Kraft gab. Das dürfen wir nie 
vergessen! Wie mancher glaubte damals, 
das Leben könne garnicht weiter gehn 
nd habe seinen Sinn verloren; und es 
ging doch weiter und aufwärts. Denn 
Nie wäre unser wirtschaftlicher Aufstieg 
wohl überhaupt möglich gewesen ohne 
Jnsern Mut und ohne unsere Kräfte? 
Sewiß wird es in dem bisherigen Tempo 
sicht mehr aufwärts gehn. Man muß das 
‚erstehen, wenigstens versuchen, es ZU 
‚erstehen, ist doch der sog. Nachholbe- 
darf an Wohnungen, Möbeln und sonsti- 
Jen Dingen des Tages fast erfüllt. Hier 
und da werden Späne fallen; mancher 
Betrieb wird sich verkleinern müssen, 
mancher sogar stillgelegt werden, weil 
der Bedarf gedeckt ist. Das ist durchaus 
normal wenn's auch manchem wehtut. 
Is wachsen eben keine Bäume in den 
Jimmel. Dafür sorgt der Weltenlenker 
mmer, wie wir eigentlich wissen müßten. 
3erade darum aber sollten wir uns end- 
ich einmal Zeit nehmen und darüber 
nachdenken, ob Geld und Güter dieser 
Erde wirklich das Allerwichtigste und 
das Höchste sind. Wenn wir das wirklich 
allen Ernstes +un, dann wird auch das 
ljebe Weihnachtsfest wieder zu dem 
werden, was es uns in den Zeiten tief- 
ster Not war, das Fest der großen Freu- 
de für die ganze Menschheit, und un- 
sere Herzen werden wieder erglühen in 
der großen Liebe, die der Vater droben 
uns erzeigt in Seinem Eingeborenen Sohn 
JESUS CHRISTUS. . 
Gott der Herr schenke uns allen ge- 
segnete Weihnachten! 
Das wünscht von Herzen der alte 
Ziegenhalser Pastor M. Kittelmann 
Gesucht wird die jetzige Anschrift von 
verw. Frau Stadtinspektor Margarete 
Sörlich (Paul). 
Meldungen erbittet Richard Gruner, 
209 Winsen/Luhe, Wilhelm-Busch-Str. 36,
	        

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