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Bote aus dem Bieletal (1966)

Bibliografische Daten

fullscreen: Bote aus dem Bieletal (1966)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Band, Heft, Nummer:
1966
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Signatur:
M 101
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091_1966

Zeitschriftenheft

Strukturtyp:
Zeitschriftenheft
Titel:
Februar 1966
Band, Heft, Nummer:
2

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Bote aus dem Bieletal
  • Bote aus dem Bieletal (1966)
  • Januar 1966 (1)
  • Februar 1966 (2)
  • März 1966 (3)
  • April 1966 (4)
  • Mai 1966 (5)
  • Juni 1966 (6)
  • Juli 1966 (7)
  • August 1966 (8)
  • September 1966 (9)
  • Oktober 1966 (10)
  • November 1966 (11)
  • Dezember 1966 (12)

Volltext

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Bote aus dem Bieletal 
(Siegenhalfer Stadtblatt in der fremde) 
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Folge 2/Februar 1966 
Jahrgang 13 
Wiedersehen mit unserer Heimatstadt 
der Grüfte und die Denksteine. Manche 
Srüfte sind nur noch mit Brettern zu- 
gedeckt. Der neve Teil an der Neustad- 
ter Straße wird meistens als Grabstatt 
“ür die polnischen Neubürger verwendet. 
Die Methner'sche „Grablegung Christi” 
ıst noch vorhanden und dient als Denk- 
mal für die Gesamtheit. Das Grab selbst 
ist fort, Blumen lagen vor dem Denkmal, 
eine Bank bot ein Plätzchen für eirt 
besinnliches Verweilen. Auch das kleine 
Mausoleum der Familie Glogner existiert 
ı1och. Der Stadtbahnhof war neu ge- 
strichen, die Häuser an der Neustadter 
Straße dagegen wirken verlottert, sind 
aber alle bewohnt. Wo einst die Firma 
Rosenberger ihren Eisenträger-Lager- 
alatz hatte, ist eine Art Bus-Bahnhof. 
Die Häuser Juppe und Zahnarzt Stein 
sind bewohnt, aber sie sehen unge- 
pflegt aus. Der Benediktsberg ist einge- 
zäunt, aber das Fußwegerl noch für die 
Offentlichkeit begehbar. Dem Bene- 
diktsberg gegenüber ist ein Autoladen 
mit anschließenden großen Hallen. Die 
obere Gartenstraße ist wenig verändert, 
Pfarrhof, Krankenhaus, Darlehnskasse 
usw. ebenfalls. Die Kirche St. Laurentius 
Fortsetzung auf Seite 2 
Wer erinnerte sich nicht des so gern 
Jesungenen Liedes „Aus der Jugendzeit, 
aus der Jugendzeit, klingt ein Lied mir 
immerdar”! Und darin heißt es so wahr, 
ach so wahr: als ich Abschied nahm, 
war die Welt mir voll so sehr; als ich 
wiederkam, war alles leer”... War alles 
iger, wenn wir an das Materielle den- 
xen! Wir durften uns ja von der Rich- 
igkeit dessen 1945 mit eigenen Augen 
iberzeugen. Und dabei waren wir erst 
aaar wenige Wochen der Heimat fern. 
Die Garnitur der. Räuber und Abenteu- 
rer hat sich in jenen Tagen alle Wochen 
paarmal vollbepackt in ihr polnisches 
Reich begeben und so leeren Tisch bei 
uns geschaffen. Wer heutzutage noch 
so naiv-kindlich davon träumt, bei einer 
Heimkehr fände er auch nur noch einen 
Nagel in der Wand vor, der würde tod- 
sicher schwerst enttäuscht und voller 
Entsetzen seine Heimat wiedersehen — 
und erst wiederaufbauen müssen. Dut- 
zendemal hat man mich gefragt, ob 
man nicht noch einmal sein liebes Zie- 
3enhals besuchen solle, das man nie 
vergessen könne. Ehre «dieser Heimat- 
treue und Heimatliebe, aber das Herz 
würde sicher schwerlich nur auf seine 
Rechnung kommen, denn wie sich im 
Laufe der Jahre das Menschenantlitz 
wandelt, daß es kaum mehr wiederzu- 
erkennen ist, so wandelt sich auch das 
Antlitz einer Landschaft. Und wenn die- 
se Landschaft gar noch keinen bekann- 
ten, stammesverwandten Menschen be- 
nerbergen würde, keinen Menschen glei- 
cher Muttersprache, gleicher Mentalität, 
wie fremd, wie vereinsamt würden wir 
„ns fühlen mitten in unserer Heimat! 
Noch immer hat man mir bestätigt: 
wie man einen lieben Toten nicht auf 
seinem Totenlager fotografieren sollte, 
so sollte man eine geraubte und Jim 
tiefsten Wesen veränderte Heimat nicht 
mehr besuchen, es sei denn, sie wäre 
wieder die unsere und wir könnten sie 
wieder nach unserem Sinne und in un- 
serem Geiste formen. 
Und doch zieht das Interesse an der 
geraubten Heimat alljährlich schlesische 
Menschen hin in die Städte und Dörfer 
der Jugendzeit. Wir lauschen dann frei- 
lich aufmerksam der Kunde, die sie mit- 
bringen, wir malen uns im Geiste ein 
Bild von dem, was noch ist und dem, 
was sich geändert hat. Ein Ziegenhalser 
nun legt mir heute einen Bericht vor, der 
im November 1964 geschrieben wurde 
nach einer Heimkehr aus Glucholazy, 
unserem Uunvergessenen Ziegenhals. Las- 
sen Sie mich, meine lieben, verehrten 
Leser, diesem im Folgenden das Wesent- 
iche entnehmen: 
Nach anderthalbstündiger Fahrt «von 
Breslau aus kam man kurz vor zehn 
Uhr auf dem Stadtbahnhofe an. An der 
dindenburgstraße, die heute natürlich 
3inen anderen, polnischen Namen hat, 
;tand traut wie anno Friedenszeit die 
Villa Ursula, die bewohnt war. (einst 
Richard Rehmet). Kistenfabrik Grondei 
.jef auf vollen Touren; der Teich dort 
war eingezäunt und sein hinterer Teil 
zugeschüttet. Auch die Schindler-Fabrik 
Dr. Sachs) ist in Betrieb. Die Scheunen 
davor an der Neustadter Straße sind 
weggerissen. Auf dem Terrain sind La- 
Jerhallen errichtet, in denen die Fur- 
nierplatten trocknen. Die Wiese (Franz 
Pietsch) zwischen Bahndamm und Fried- 
hofsweg ist bis zur Höhe des Friedhofs- 
weges aufgeschüttet, Der Friedhof macht 
einen verwahrlosten Eindruck im vorde- 
ren Teile: fort sind viele Grabplatter: 
Ein großer Sohn unserer Heimatstadt 
Kirchenmaler Mitschke 
In Paul Kutzers Chronik „Aus einer 
<leinen Fürstenstadt” finden wir im An- 
ı1ang ein Verzeichnis von Menschen, die 
durch ihr Wirken und ihre Leistung aus 
der Masse des Volkes herausragten. Ei- 
ıe Chronik ist ja nun aber beileibe nicht 
sine endgültig abgeschlossene Sache. 
Wie die Zeit unerbittlich weiterschreitet, 
;o gebiert sie auch mit jedem ihrer Ab- 
;chnitte neue Menschen, die dem Ver- 
zeichnis der „Großen Ziegenhalser” hin- 
zuzufügen wären, die Heimat-Chronik 
also fortsetzten. Und zu diesen Größen 
ın unserem Heimat-Dasein gehört ohne 
allen Zweifel der Kirchenmaler Mitschke. 
Aus ganz bescheidenen Verhältnissen 
kommend — sein Vater war einer der 
vielen, vielen Weber, die rastlos vom 
zeitigen Morgen bis tief in die Nacht 
nein werkein mußten, die Ihren satt 
zu kriegen, — hat sich Meister Mitschke 
durch unermüdlichen Fleiß und reiche 
3egabung einen Namen erworben, der 
n ganz Schlesien zu deutschen wie pol- 
nischen Zeiten respektvoll genannt wur- 
de und wird. Am 1. Februar 1886 er- 
blickte er in unserer Vaterstadt das Licht 
der Welt. Er hat sicher schon frühzeitig 
zu Block und Zeichenstift gegriffen, denn 
sonst hätte ihn sein Vater nicht nach 
°rankenstein zum Meister Schoske in 
die Lehre gegeben, der als Spezialist 
‚ür die Restauration alter Altäre be- 
<annt war. Ein einfacher Weber damals 
<onnte sich solche Pläne nur schwerlich 
ainbilden, denn in jenen Zeiten mußte 
‚a seitens der Eltern ein Lehrged ge- 
zahlt werden, und die Taler und Grö- 
;chel waren rarer als heute, wo der 
„ehrling als Kassierer von Lohn und 
„ehrgeld auftritt. Und ‘wenn Meister 
Schoske sich seinen Lehrling aus dem 
immerhin weit entfernten Ziegenhals 
holte, ersehen wir daraus, daß. die Bega- 
dungen nicht so ohne weiteres zu lan- 
Jen waren, daß nur selten einer der 
Mühe wert schien, ihn künstlerisch aus- 
zubilden. 
Diese Tatsachen aber erleichterten auf 
der anderen Seite einem solchen Künstler- 
Spezialisten auch, sich als Meister selb- 
ständig zu machen. Und das tat Mitschke
	        

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