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Bote aus dem Bieletal (1961)

Bibliografische Daten

fullscreen: Bote aus dem Bieletal (1961)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Band, Heft, Nummer:
1961
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Signatur:
M 101
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091_1961

Zeitschriftenheft

Strukturtyp:
Zeitschriftenheft
Titel:
Januar 1961
Band, Heft, Nummer:
1

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Bote aus dem Bieletal
  • Bote aus dem Bieletal (1961)
  • Januar 1961 (1)
  • Februar 1961 (2)
  • März 1961 (3)
  • April 1961 (4)
  • Mai 1961 (5)
  • Juni 1961 (6)
  • Juli 1961 (7)
  • August 1961 (8)
  • September 1961 (9)
  • Oktober 1961 (10)
  • November 1961 (11)
  • Dezember 1961 (12)

Volltext

Seite 2 
Am nächsten Tage setzten wir unsere 
Fahrt durch das herrliche Waldgebiet bis 
nach Johannesbad fort, während 
uns die gute alte Schneekoppe 
‚Sneczka) in diesigem Wetter grüßte. Jo- 
aannesbad ist gut erhalten, man sieht viele 
Kranke, insbesondere : Fußverletzte. Die 
Wandelhalle und die Anlagen sind sauber. 
Ein Meer von Blumen gibt dem Ort ein 
freundliches . Aussehen. Der gute alte 
Rübezahl, in Stein gehauen, hielt in dem 
Park Wache, Auf der weiteren Fahrt 
durchfuhren wir Freiheit (Svoboda) 
ınd kamen nach Groß-Aupa, dem 
Ausgangspunkt des Aufstieges auf die 
Schneekoppe. Wegweiser in tschechischer 
Sprache bezeichneten‘ die Wanderwege, 
so z. B. durch den Blaugrund. Wir wan- 
derten schließlich durch den schönen Wald 
zu der von den Tschechen angelegten Tal- 
station der Sesselbahn auf die Schnee- 
<oppe. In zwei Etappen kann man heute 
in einem doppelsitzigen Lift bis auf den 
höchsten Gipfel der Koppe gelangen. 
Auf einer Höhe, die übersetzt etwa „Ro- 
senhügel” heißen muß, muß man umstei- 
Jen. Bei der Fahrt hat man einen herr- 
iichen Blick in das weite Tal und auf die 
umliegenden Berge. Beim Anblick der be- 
kannten Höhen stiegen alte Erinnerungen 
än unsere Wanderungen in uns auf, die 
uns teils froh, teils traurig stimmten. Wir 
versuchten, nach 30 Jahren, nach den al- 
ijen Wegen zu suchen, auf denen wir 
früher unbekümmert und in jugendlicher 
Frische gewandert sind. Der Gipfel der 
Schneekoppe bot sich uns in seiner alten, 
bekannten Art dar: tschechische und pol- 
nische Baude stehen wenige Meter ausein- 
ander. Der Turm der Wetterwarte steht 
atwas abseits dazwischen auf polnischem 
Gebiet. Von der jetzt polnischen Seite 
kommen Touristen den Serpentinenweg 
hinauf. Zwischen beiden Bauden verläuft 
die Grenze, die alle 5 Meter durch einen 
Grenzstein markierf ist und auf der ein- 
trächtig der tschechische und der polnische 
Posten nebeneinander stehen und sich an- 
geregt unterhalten. Daneben kann man in 
einem Kiosk Ansichtskarten und Reise- 
andenken kaufen. Es herrscht ein reger 
Verkehr. Die tschechische Baude ist sehr 
gut besucht gewesen, und man mußte 
längere Zeit warten, ehe man Platz be- 
kam. Das Mittagessen, das man da auch 
einnehmen konnte, war verhältnismäßig 
gut und preiswert. 
Der Abschied von der Koppe fiel uns 
nicht leicht, aber wir mußten ja weiter 
und kamen dann nach Trautenau 
'Trutnov), wo wir auf dem Ring parkten. 
In kurzer Zeit waren wir von vielen deut- 
schen Frauen und Männern umgeber und 
wurden bestaunt. Man wollte uns, die 
wir doch den Landsleuten fremd waren, 
irgend etwas Gutes erweisen und bot uns 
Geld an in der Meinung, wir könnten auf 
unserer Fahrt in der CSR kein Geld wech- 
seln. Man gab uns Grüße auf für Ange- 
hörige, die diese Leute in Deutschland 
hatten und hörte immer wieder die Sehn- 
sucht nach einer Vereinigung mit ihren 
Lieben heraus. Da war der Tierarzt, des- 
sen Kleidung darauf schließen ließ, daß 
es ihm nicht besonders gut zu gehen 
schien, da die Hausfrau, die ihre Schwe- 
ster bzw. den Bruder in Deutschland grü- 
Ben ließen. Mit den besten Wünschen für 
die weitere Fahrt trennten wir uns von 
diesen guten Leuten und‘ fuhren zum 
Glatzer Gebirge, kamen durch Nachod 
und standen bald an der Grenze bei 
Kudowa. Das Heuscheuer- und Mense- 
Gebirge grüßten zu uns herüber. Die 
Grenze, an. der es keinen Grenzverkehr 
gibt, war markiert durch einen hohen 
Stacheldrahtzaun, der elektrisch geladen 
war und vor dem ein 10 Meter breiter, 
ungepflügter Streifen verlief, der von auf 
„BOTE AUS DEM BIELETAL * 
Sichtweite stehenden Wachtürmen gegen 
iHegale Grenzgänger unter Kontrolle ge- 
nalten wird. Ein wehmütiges Gefühl über- 
kommt einen, wenn man davor steht und 
einsehen muß, daß es trotz der greifbaren 
Nähe keine Möglichkeit gibt, unser liebes 
<udowa zu besuchen. 
Auf der Weiterfahrt berührten wir dann 
Reichenau (Rychnov) und übernach- 
'eten in einem kleinen Dorf bei Wamberg 
n einem Privathaushalt, weil in dem Gast- 
1of alles belegt war. Es war eine tsche- 
:hische Familie, deren‘ Frau während des 
Krieges 2 Jahre in einem deutschen Kon- 
zentrationslager zubringen mußte, Trotz 
Jlieser Tatsache sind wir auch hier über- 
aus freundlich aufgenommen worden, 
ılchts war mehr von Haß zu spüren. 
Am 3. Tage fuhren wir um den Glatzer 
essel herum, am Adlergebirge ent- 
ang und kamen in einem landschaftlich 
‚ehr schönen Teil durch Rothwasseır 
Cervena Voda) nach Grulich (Kraliky), 
vo wir gerne die berühmte Wallfahrts- 
<irche besucht hätten, was aber leider 
ıicht möglich war, weil die Kirche ge- 
ichlossen war; angeblich beherbergt das 
;hemalige Kloster heute eine ganze Reihe 
<atholischer Geistlicher, die dort festge- 
1alten werden. Von der Ferne sah man 
auf dem Berge die zweitürmige Kirche 
in ihrer alten Schönheit. Hier in der Nähe 
Bettfedern - Inletts 
in allen Preislagen. 
1a Handschleiß von 
x - @ 
X } A 4, 
Hameln, Neue Marktstr. 15, 
fr. Ziegenhals, Schles,, Polsterei, Langendorferstraße 
Bitte verlangen Sie Angebot. 
konnte meine Frau auch ein freudiges 
Wiedersehen mit einer Familie feiern, die 
hr in den Tagen der Flucht aus Ziegen- 
aals bereitwilligst 6 Wochen lang Unter- 
<unft gewährt hat. Die Freude, sie nach 
:5. Jahren wiederzusehen, war unbe- 
ichreiblich. Wie ehrlich und nett Men- 
schen sein können, haben wir hier er- 
’ahren können durch die Tatsache, die 
‚ast unglaublich klingt, daß nämlich diese 
yuten Menschen unsere Daunenbetten 15 
Jahre (!) lang unberührt auf dem Boden 
nängen hatten, ohne daß sie eine Ahnung 
‚on unserer Existenz hatten. Dieser Fall 
von Ehrlichkeit wird wohl einmalig auf 
der ganzen Welt sein! 
Nieder-Lindewiese, das wir 
auch kurz aufsuchten, machte einen sehr 
zuten, sauberen und gepflegten Eindruck. 
Jie Kuranlagen wiesen überall schöne 
3lumenanlagen auf, die recht nett gestal- 
tet waren. Unser liebes Freiwaldau 
Jesenik), das wohl jeder Ziegenhalser 
<ennt, empfing uns auch in seiner alten 
Form. Der Ring sah sauber aus. Der Durch- 
jJang zum „Süßen Löchel”, zur Konditorei 
‚äuber, hat heute die etwa vierfache 
3reite, die Konditorei selbst ist heute ein 
<leiner Bäckerladen. Beim Besuch von 
Sräfenberg genossen wir den alt 
jJewohnten Blick auf Altvater und Hoch: 
;char, auf die Goldkoppe und die vielen 
Dörfer bis nach Niklasdorf. In der 
Ferne grüßte unser guter Holzberg 
ı1erüber, so, wie wir es von früher ge- 
wohnt waren. In Niklasdorf fuhren wir 
ais an die Grenze bei Ziegenhals heran 
und standen am Schlagbaum, während 
‚echts der. Holzberg zu sagen schien: „Ja, 
da steht ihr nun und könnt nicht einmal 
ever Häuschen besichtigen, das nur etwa 
Folge 1 
1 km entfernt ist und in dem ihr lange 
Jahre gewohnt habt!” Noch eine Auf- 
nahme vom Holzberg und weiter ging es 
nach Zuckmantel (Zlate Hory), vor- 
bei an dem uns allen bekannten Schön- 
walde, dessen Kirche und der bekannte 
Sasthof Rippien fast zum Greifen nahe 
war. Auf der Höhe ein wunderbares Bild: 
das nette Städtchen mit der Kirche und 
im Hintergrund unsere Bischofskop- 
pe, die ja von Zuckmantel aus ein an- 
deres Aussehen hat als von Ziegenhals. 
Nir halten sie im Bilde fest, ebenso die 
dutberge und den „Golf“, die links von 
ıns zu sehen sind. Erschüttert aber waren 
wir, als wir in Zuckmantel einfuhren.@&Nie 
hatte sich dieses nette St en ür 
dert, wo wir so oft bei Thamm er 
Pilsener Bier getrunken hatten! Fast jedes 
dritte Haus liegt zusammengestürzt vor 
ıns. Der Ziegelstaub‘ der zusammengefal- 
enen Häuser reicht bis auf die Straße und 
verwandelt sie in einen Schlammweg. Das 
commt daher, daß diese Häuser von ihren 
3ewohnern verlassen wurden und im 
‚aufe. der vielen Jahre ‘allmählich ver- 
‘allen. Auch hier ist die Kirche geschlossen. 
Auch die Wallfahrtskirche „Maria Hilf” 
zann man nicht mehr besuchen, da dort 
rgend welches Gestein abgebaut wird. 
Die Kirche selbst existiert zwar noch, je- 
doch ist das Betreten des Geländes ver- 
boten, wie es Hinweisschilder andeuten. 
Über den herrlichen Querberg geht 
die Fahrt dann weiter an der Op p a ent- 
lang nach Jägerndorf und nach 
Troppau, die beide noch, was das 
Bild der Stadt und die Geschäfte betrifft, 
gut aussehen. Hinter Jägerndorf sah man 
in der Ferne auf jetzt polnischem Gebiet 
das bekannte Dorf Branitz mit der von 
Bischof Nathan angelegten Irrenanstalt. 
(Schluß folgt) 
AmAN T AA 
Schnsucht nach wahrem Frieden! 
Weihnachtsglocken tönten wieder 
auf dem weiten Erdenkreis, 
[roh erklangen Weihnachtslieder 
überall zu Gottes Ehr’ und Preis, 
Wieder stand die Menschheit schauend 
vor dem Kripplein uns’res Herrn, 
um nur dem Kindelein vertrauend 
das geboren unter Bethlehems Stern. 
Wieder strahlten Weihnachtskerzen 
zeugend von dem Licht der Welt, 
wie froh war’n wieder Menschenherzen 
durch die Geburt des Herrn erhellt. 
Und wieder ging ein Jahr zu. Ende 
voll Glück und Freude, Sorgen und Leid, 
wird’s neue Jahr uns bringen die Wende 
in eine friedvoll, bessere Zeit? 
Doch dies liegt nur in dessen Händen 
den wir geschaut in Bethlehems Stall, 
wenn all’ vertrauensvoll sich zu ihm wenden 
würd’ Friede werden überall. 
Josef Heinze, Ganderkesee/Oldenburg 
AAAAAAL SAAAAAAENAAAANAMNAMAINAMNAMAMAAMAAAA 
Auflösung „Weihnachts-Kreuzworträtsel” 
Liedanfang: 
„Komm, Trost der Welt, du Stille Nacht.” 
Waagerecht: 1. Makrone, 7. Alk, 9. Obi, 
10. Sagan, 14. Meer, 15. res, 16. Atem, 18. feil, 
19. Esel, 22. the, 26. Oel, 27. Aire, 28. Tripus, 
30. Nerv, 32. Apo, 35. Dauer, 37. Rama, 40. Main, 
41. nos, 42. Ornament, 
Senkrecht: 1. Mokka, 2. Abo, 3. Kimme, 
4. Oste, 5. Narr, 6. ego, 7..Antritt, 8. Kies, 11. As, 
12. Memel, 13. Delhi, 17. Tower, 18. Flur, 20. 
"jaupe, 21. Edison, 23. Eleve, B. Rot, 24. Eli, 
25. Seneca, 29. Palermo, 31. Rute, 33. Adana, 
>. Huene, 2. Rost, 38. Aar, 39. Min. 
LANAAAAAAAAAAMA 
Eine Bitte: 
Jeder Anfrage an den Verlag Rückporto 
beifügen! 
A
	        

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Bote Aus Dem Bieletal. Torzewski, 1954.
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