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Bote aus dem Bieletal (1961)

Bibliografische Daten

fullscreen: Bote aus dem Bieletal (1961)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Band, Heft, Nummer:
1961
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Signatur:
M 101
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091_1961

Zeitschriftenheft

Strukturtyp:
Zeitschriftenheft
Titel:
Februar 1961
Band, Heft, Nummer:
2

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Bote aus dem Bieletal
  • Bote aus dem Bieletal (1961)
  • Januar 1961 (1)
  • Februar 1961 (2)
  • März 1961 (3)
  • April 1961 (4)
  • Mai 1961 (5)
  • Juni 1961 (6)
  • Juli 1961 (7)
  • August 1961 (8)
  • September 1961 (9)
  • Oktober 1961 (10)
  • November 1961 (11)
  • Dezember 1961 (12)

Volltext

SegeneMrara Bote aus dem Bieletal 
10W 1854 E 
(Siegenhalfer Stadtblatt in der fremde) 
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Folge 2 / Februar 1961 
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In Mutters Stübele ... 
Eine Faschingsplauderei von Otto Rieger, Weilheim 
hronte die Petroleumlampe. Ein guß- 
siserner, bronzener oder auch nur glä- 
‚erne Kessel trug den Dochthalter, der 
ı1us Messingblech war und mittels einer 
ichraube ein Regulieren gestattete. Ein 
ıngelöteter Reif N onajerte als Schirmträ- 
jer, Oft blakte die Flamme mörderisch, 
»ft platzte der Zylinder. Das gab dann 
in Herumdoktern und letzten Endes 
chwarze, nach Petroleum „duftende” Pfo- 
en. Wie ein Schlot rußte der Docht, und 
lie Luftröhren des Gesichtserkers waren 
lann sicher reif für ein Einschreiten des 
Kaminfegers. Heute findest du als „der- 
wer cri”, auf gut Deutsch als letzten 
ichrei, solche funkelnde Funzeln, von rot- 
:ariertem Schirm behütet, in jedem „Alter- 
ümer-Salon” der Maximilianstraße. Und 
wir schmissen ehrfurchtslos diese edien 
.ichtspender in die Sandgrube. 
Das obligate Sofa mit dem Lederbezug 
ınd den weißen Porzellanknöpfen stand 
»ehäbig breit zwischen den Fenstern und 
Jiente treu lautstarken Sägern und Win- 
erschläfern als Feld der Lust. Gardinen 
‚erhüllten die Schiller’schen „öden Fen- 
‚terhöhlen”. Von gedrechselten Stangen 
ıngen sie herab und wiesen kühne Blu- 
nenmuster auf, In Fensterbretthöhe wa- 
'en sie gerafft und mittels Seidenbändern 
ın den. Gardinenhaltern, stopfpilzartigen 
3ebilden, befestigt. Eine Ranke aus Pa- 
»errosen und Wachsblättern schmückte 
las Werk. Über dem Sofa hing) nun ein 
‘piegel, zwar kein venezianischer, aber 
joch ein dein Konterfei wiedergebender. 
/ergoldeter Stuck mit barocken Motiven 
'erlieh ihm Würde, glaubten wir wenig- 
‚tens. Eine „Ritsche“ gehörte ganz einfach 
‚um Inventar der Stube; wo sollte auch 
‚onst bei dem Kollende-Gang der Herr 
Yarrer knien! Teppiche? Linoleum? Die 
zannte man in einfachen Häusern damals 
och kaum. Das viele Scheuern der un- 
jestrichenen Dielen ließ diese sich dem- 
ıntsprechend verziehen und zu sanft ge- 
vellter Landschaft werden, in der die här- 
eren Astknorren die Hügel darstellten. 
jelen diese Knorren gar einmal heraus, 
9 ergab das für die Winterzeit pfundige 
‚Grübchen“ zum Kugelschieben. Man soll 
sben die Chancen wahrnehmen, wie sie 
;jich bieten. Hier und da dämpfte freilich 
;ichon ein Fleckerlteppich, gewebt vom 
ilsner-Weber auf der Zuckmanteler Stra- 
je im Hause der „Heinisch-Seffe“ (zuletzt 
jeminar-Langer), die wuchtigen Stiefel- 
ritte. Die Fensternischen waren wegen 
der dicken Mauern der alten Zeiten recht 
„Schmeißt nicht so leichtsinnig und groß- 
zügig all den alten Krempel weg, der 
wird wieder modern!” höre ich noch wie 
heute beim Krameln in der alten Truhe 
die Muhme Seffe sagen. Recht hatte sie. 
Wieder einmal führte mich mein Weg 
durch Münchens Straßen. Was findet man 
da doch alles an „Antiquitäten“ angebo- 
ten, was glaubt da noch der Trödler 
Gschaftihuber auf der Dult und der Herr 
Antiquar Listimeier in feudalem Laden an 
den Mann bringen zu können! Das Pri- 
mitivste, man Sleube es oder glaube es 
nicht, soll hier wieder Geld, Gold brin- 
gen. Es ist ja alt, sehr alt; und das allein 
genügt schon, Phantasiepreise zu recht- 
fertigen. Gute Muhme Seffe, recht hattest 
du schon, als du damals uns so mahntest! 
Hätten wir nur dir immer besser gefolgt! 
Wie leichtsinnig sind wir da doch ein- 
stens mit all dem alten „Geritschel“ und 
„Geraffel” verfahren; das? das da? aber 
das ist doch vollkommen: unmodern! hieß 
as bloß, 
Der Volkskundler in mir registriert im 
Sedächtnis: da trat man in das schlichte 
Bauernhaus damals ein, Breitspurig stand 
der Tisch da; ungestrichen war er, der 
Decke war er nicht würdig, die Farbe 
sparte man an ihm. Das Scheuern mit fei- 
1em Flußsand gehörte eben mit zu den 
alltäglichen Selbstverständlichkeiten. Eine 
Fliegenglocke stand auf ihm. Wie die aus- 
sah? Da man Leimfliegenfänger noch 
nicht kannte oder sparte, gab es eben ein 
glockenförmiges Glas, das auf Füßchen 
stand und mit Wasser gefüllt war. Zucker 
ockte die Todeskandidaten .an. Und nach 
der süßen Sättigung flog das Insekt auf. 
Doch hier setzte jetzt die Tücke der Men- 
schen ein: der Höhenflug war nun ver- 
sperrt durch die Glasglocke. Das brachte 
die Fliegen in Schreck und Verwirrung. 
Man surrte sich müde, bis man resignierte 
und letztlich in den Wassern des Fliegen: 
bades landete. Heute würde der ehren- 
yeachtete Tierschutzverein vermutlich ge- 
Jen solches Verfahren Protest einlegen 
und dem „süßen, gottgewollten“ Plager 
wahrscheinlich ein Heim errichten. Wir 
verruchten Burschen von ehemals aber 
studierten die einzelnen Phasen des Ster- 
bens ohne Scham und Reue. Noch heute 
höre ich das Sirren und Summen der ver- 
zweifelten Kreatur. Auch sie, diese mör- 
derische Fliegenglocke, begegnete mir 
ynlängst unter einem Wust von „antiken“ 
Schätzen. Droben auf dem „Vertikow“, 
einem nur „Halbstarken“ von Schrank, 
Jahrgang 8 
ef. Die Doppelfenster dichtete man mH 
Sägmehlpolstern und Moos ab. Darauf 
;tanden dann unsere Kinderschätze: Laub- 
‚ägearbeiten, Krippenfiguren, ein Spiel- 
zeug vom Christkind. . Beneidenswert 
‚schien mir ein Wetterhäuschen, das ‚in 
‚genen Zeiten Barometer und Radio- 
prognose ersetzte. 
Die Schränke, damals noch meist ein- 
ürig, waren oft aus ediem Holz gearbei- 
et: Eiche, Nußbaum, Kirsche, Birnbaum. 
)azu waren sie massiv und nicht nur fur- 
ıert. Obenauf saß ein Werk des Holz- 
»ildhauers, das ein rechter Staubfänger 
war. Gedrechselte Aufsätzchen krönten 
ıngeleimte Konsole, Aber man sah diese 
‘seudo-Künste für modern und fein an. 
Jagegen war eine Kommode, auch Schub 
jenannt, wirklich etwas Kommodes. Sie 
ıatte die ungeteilte Truhe verdrängt, da 
je ja im Gegensatz zu dieser drei- bis 
Herladig war. Und der gute alte Kachel- 
»fen dort in der Ecke! Er wärmte gleich 
zwei oder drei Stuben, weil er durch die 
:ckwand hindurch ging. In der „Ober- 
»lätte“ stand griffbereit das gute, warme 
zunzelkrügel mit dem allzeit willkom- 
nenen braunen Trank. Das Türchen der 
Dberplatte war schmiedeeisern und hand- 
verklich oft recht wertvoll gearbeitet. Die 
3Zetten — die Stuben waren ja meistens 
Nohn- und Schlafstube in einem — sind 
ain Kapitel für sich: unter diesen „Pau- 
cen” von Oberbetten hätte man gern den 
Ninterschlaf gehalten, wären Kaschel 
ınd Schlittschuh nicht gar so verlockend 
jewesen. Solch Monstrum von Bett barg 
ıber auch das Gefieder einer Riesenschar 
von Martinsvögeln. 
Der Wandschmuck wies wohl selten 
nal ein Original auf. Aber da gab es 
deservistenbilder, ein Brautpaarporträt, 
sin Diplom von der Feuerwehr und ähn- 
‚iche Spiegelungen des Ebenbildes Gottes. 
Tiehharmonikahose, Vatermörder, das ver- 
;pielte Rokokotischlein, all das feierte 
ıer fröhliche Urständ. Im Spiegelrahmen 
teckte das, ach so seltene, Brieflein aus 
ler Fremde, aus Neustadt/OS, aus dem 
;o gar so weiten Breslau. Ein glimmer- 
zlitzernder Kalender mahnte das ganze 
lahr über: Kauf ja beim Hillenbrand, 
)eim Georg Langer, beim Riesner Hein- 
ich! Nachttischchen und Polstersessel 
antbehrten wir, aber ein Großvaterstuhl, 
wirklich schon ein Großvater seiner Gat- 
ung, half der Ruhe fröhnen. Und manche 
ausfrau durfte sich Besitzerin einer Vi- 
rine, eines „Glasschranks”, nennen, Da 
runkten goldverzierte Hochzeits- und Ju- 
»iläumstassen, dicke Groggläser, wenn 
auch nicht der Josephinenhütte oder dem 
;tolzen Murano entstammend; da stand
	        

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