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Bote aus dem Bieletal (1961)

Bibliographic data

fullscreen: Bote aus dem Bieletal (1961)

Structure type:
Periodical
Collection:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Title:
Bote aus dem Bieletal
Subtitle:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Place of publication:
Gaggenau
Year of publication:
1954
Publisher:
Torzewski

Physical location:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091
Structure type:
Periodical volume
Collection:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Title:
Bote aus dem Bieletal
Subtitle:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Volume,Issue,Number:
1961
Place of publication:
Gaggenau
Year of publication:
1954
Publisher:
Torzewski

Physical location:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Shelfmark:
M 101
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091_1961

Periodical issue

Structure type:
Periodical issue
Title:
Januar 1961
Volume,Issue,Number:
1

Contents

Table of contents

  • Bote aus dem Bieletal
  • Bote aus dem Bieletal (1961)
  • Januar 1961 (1)
  • Februar 1961 (2)
  • März 1961 (3)
  • April 1961 (4)
  • Mai 1961 (5)
  • Juni 1961 (6)
  • Juli 1961 (7)
  • August 1961 (8)
  • September 1961 (9)
  • Oktober 1961 (10)
  • November 1961 (11)
  • Dezember 1961 (12)

Full text

Postverlagsort 
Gaggenau/Murgtal 
Bote aus dem Bieletal 
JOW 1854 E 
(Siegenhalfer Stadtblatt in der fremde) 
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Folge 1 / Janvar 1961 
ER —— 
Studienrat Georg Haberstroh, Walsum Niederrhein: ; 
Wiedersehen mit der Heimat 
Jeder von uns hat den Wunsch, seine 
alte Heimat, unser liebes Ziegenhals, jetzt 
nach 15jähriger Trennung nochmals wie- 
derzusehen. Wir wissen aber auch, daß 
dieser Wunsch nicht so einfach zu erfüllen 
ist, weil häufig unverständliche Bestim- 
mungen dies verhindern. Um so mehr ist 
aber der erfreut, dem die Fahrt in die alte 
Heimat gelingt, und mit Spannung er- 
wartet man die erste Begegnung mit den 
woOhlvertrauten Stätten. So erging es uns 
jedenfalls, die wir in verhältnismäßig kur- 
zer_Zeit (in 2 Monaten) das Visum für 
‚4 Tage nach dem Hultschiner Ländchen 
sekamen, wo ich meine noch dort lebende 
Schwester nach über 20 Jahren zum ersten 
Male wiedersehen sollte. Unser Besuch 
galt also nicht direkt unserem Ziegenhals, 
da wir ja nur das tschechische Visum be- 
saßen; aber wir sind trotzdem zweimal 
durch Ziegenhals mit der Eisenbahn ge- 
Fahren, freilich, ohne aussteigen zu kön- 
nen. Wir haben von der Bischofskoppe 
auf Ziegenhals und Zuckmantel sehen 
können und besuchten alle uns vertrauten 
Städte und Dörfer, wie z. B. Niklasdorf, 
Zuckmantel, Freiwaldau, Karlsbrunn, den 
Altvater, die Schneekoppe, Gräfenberg, 
Nieder-Lindewiese, Hannsdorf, Mährisch 
Schönberg, wir standen an der Grenze 
bei Kudowa, Grulich usw. Da es sicher 
viele unserer Landsleute interessieren 
wird, wie es heute in unserer alten Hei- 
mat aussieht, möchte ich kurz über un- 
sere Fahrt dorthin und über die Lebens- 
weise und die Verhältnisse in der CSR 
berichten. 
3eim Anblick des deutschen Wagens un- 
'reundliche Worte entgegengeschleudert 
verden. Vom Wagen aus kann man schon 
jehen, daß alle erstaunt dem fremden 
Nagen nachsehen. Der erste größere Ort, 
Jen wir durchfuhren — Eger —, machte 
m allgemeinen einen guten Eindruck, ließ 
1ette Häuser und Straßen erkennen, Zum 
arsten Male halten wir in dem uns allen 
aekannten Karlsbad. Unser Opel ist 
»ald der Blickpunkt vieler Menschen, die 
ım den Wagen schleichen, hineinsehen, 
Jnter ihn schauen und die Federung aus- 
oarobieren. Sie erkundigen sich nach Preis, 
Seschwindigkeit und Verbrauch des Wa- 
Jens und ziehen Vergleiche mit ihrem 
>koda und Tatra. Diese erste Begegnung 
nit den Leuten hat sich dann bei jedem 
dalt wiederholt; immer‘ wieder umstand 
nan staunend den Wagen. Viele unserer 
deutschen Landsleute haben uns freudig 
»egrüßt, haben Fragen gestellt, haben 
ıns von ihrem Leben erzählt, und so man- 
cher äußerte den Wunsch, ihn mit her: 
jberzunehmen. Oft mußten wir trösten, 
nanche Träne ist geflossen. Was die 
schechische Bevölkerung betrifft, so kön- 
ıen wir nur sagen, daß wir nicht ein ein: 
ziges böses Wort gehört haben, im Ge- 
zenteil, auf. unsere Fragen in Tschechisch 
jab man uns im Deutsch bereitwilligst 
Antwort, wenn man Deutsch konnte oder 
wenn man uns als Deutsche erkannte. 
ischechische Polizisten kamen unaufgefor- 
dert an den Wagen und fragten, ob sie 
ns in irgendeiner Weise helfen könn- 
‚en. Nachdem wir nach den ersten 100 km 
nerkten, daß wir nicht ungebetene Gäste 
varen, kam dann auch unsere innere 
Sicherheit durch. Ich konnte auch ohne 
rgendwelche Schwierigkeiten Aufnahmen 
nachen. Überhaupt kann man sich in der 
Jesamten CSR ungeniert bewegen, ja man 
rällt sogar nicht auf, wenn man Deutsch 
spricht, weil noch viele Deutsche dort sind 
und auch aus der sog. DDR viele Besucher 
herüberkommen. 
Meine Frau und ich fuhren mit unserem 
Wagen, einem Opel-Rekord 57, in Schirn- 
ding-Eger über die Grenze und wurden 
von den tschechischen - Zollbeamten sehr 
Freundlich empfangen. Die Abwicklung 
der Formalitäten ging schnell vor sich, 
weil auch die tschechischen Zollbeamten 
<eine Gepäckkontrolle vornahmen. Alles 
wickelte sich in deutscher Sprache ab. 
Schließlich hob sich neben dem grüßen- 
den tschechischen Zollbeamten der Schlag- 
oaum, der uns den Weg freigab in ein 
Land, das man nur ungern betritt, weil 
sich mit diesem so manche wehmütige 
und traurige Erinnerung verbindet. Vor 
Augen stehen die Strapazen der Flucht, 
die Leiden und Entbehrungen der Ver- 
Iriebenen, die Mißhandlungen, die deutsch- 
feindliche Einstellung der Tschechen im 
Mai 1945, Voreingenommen und voller 
Spannung fährt man deshalb die ersten 
Kilometer und wartet darauf, -daß einem 
Nun Karlsbad: Obwohl ich es vor- 
1er nicht kannte, macht Karlsbad, glaube 
‘ch, nicht mehr den gepflegten Eindruck 
des Weltbades. Die Straßen, Geschäfte 
ynd Anlagen sind nicht gerade einladend, 
während die beiden Bäder Marienbad 
und Franzensbad, die wir auf der Rück- 
fahrt besuchten, sehr schöne und gepflegte 
Bäder sind, die man gerne besuchen möch- 
te und in denen man sich wohlfühlen 
könnte. Karlsbad. hat sehr viel Verkehr, 
ist unruhig und nicht gerade sauber. Von 
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Jahrgang 8 
Ein neuer Jahrgang . . 
und damit die Bitte an alle, für das 
Heimatblatt weitere Bezieher zu ge- 
winnen und sidı für die Erhaltung 
dieser ‚Brücke zur Heimat” einzus 
seizen! 
FANANANNNNNNNNNNNNNNNNN SS 
der nach Prag führenden Straße bogen 
wir dann zum Gebirge ab und fuhren 
Jann an den einzelnen Gebirgszügen ent- 
an Wir kamen durch Aussig, das 
/ielleicht auch wegen der Industrie einen 
jehr unsauberen Eindruck machte. Man 
jeht da noch sehr viele unbewohnte Häu- 
;jer, die Straßen der Stadt sind voller 
Schlaglöcher. Wir_berührten Teplitz- 
5chönau und Tetschen-Boden- 
ach, jetzt Tecin (Bodenbach gibt es 
also nicht mehr). Bei der Fahrt entlang 
der Elbe begegneten uns beladene Kähne 
aus der sog. DDR mit der Ostzonen- 
Aagge. Die Natur hat man hier nicht ver- 
ändern können. Nach wie vor ist diese 
„andschaft herrlich schön. Über Rei- 
:henberg (Liberec) ging es dann nach 
dem bekannten Gablonz, wo man 
ıuch noch viele unbewohnte Häuser 
sehen konnte. Wir sprachen auch mit dort 
ıoch ansässigen Deutschen, die als Spe- 
zialisten nicht herausgelassen wurden. 
Schließlich kamen wir nach dem bekann- 
:‚en Spindiermühle, einem Ort, der 
heute noch einen sehr gepflegten Ein- 
druck macht. Schöne Anlagen und gute 
dotels unterstreichen seine herrliche Lage. 
:s hat einen sehr starken Fremdenver- 
kehr, meistens sind es Gäste aus der sog. 
DDR, die mit der Reisegesellschaft „Ce- 
dok” ihren Erholungsurlaub dort verbrin- 
gen und sämtliche Hotels belegen, so daß 
as uns nicht möglich war, dort Unterkunft 
zu finden. Obwohl man sich um uns sehr 
bemühte, mußten wir wohl oder übel zu- 
:ück nach Hohenelbe (Vrchlabi), wo 
wir noch spät abends in einem sauberen 
Sasthaus unterkamen. In dem kleinen Ort 
arregten wir als Westdeutsche einiges 
Aufsehen, und man versuchte, mich über 
„Flüchtlinge aus der CSR“ auszuhorchen, 
wollte wissen, wie sie da lebten, wie sie 
aufgenommen würden usw. Ich hielt mich 
pei dieser Auskunft mit der Begründung 
ı1eraus, daß mir von tschechischen Flücht- 
ingen nichts bekannt sei und ich im Öbri- 
gen hier in der CSR Gast sei und mich 
jeder politischen Äußerung enthalten 
möchte.
	        

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Bote Aus Dem Bieletal. Torzewski, 1954.
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