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Bote aus dem Bieletal (1958)

Bibliografische Daten

fullscreen: Bote aus dem Bieletal (1958)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Band, Heft, Nummer:
1958
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Signatur:
M 101
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091_1958

Zeitschriftenheft

Strukturtyp:
Zeitschriftenheft
Titel:
September 1958
Band, Heft, Nummer:
9

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Bote aus dem Bieletal
  • Bote aus dem Bieletal (1958)
  • Januar 1958 (1)
  • Februar 1958 (2)
  • März 1958 (3)
  • April 1958 (4)
  • Mai 1958 (5)
  • Juni 1958 (6)
  • Juli 1958 (7)
  • August 1958 (8)
  • September 1958 (9)
  • Oktober 1958 (10)
  • November 1958 (11)
  • Dezember 1958 (12)

Volltext

“m  Wote aus dem Bieletal 
(Siegenhalfer Stadtblatt in der $rembde) 
En jr 
dr 
Folge 9 / September 16958 
7 
Kreis Neisse 
Seliebte Jugend, Schlesierblut, 
In zarter Kindheit grausam ausgetrieben, 
Was weißt du noch von ferner Heimat Hut, 
3lieb sie dir tief im Herzen eingeschrieben ? 
‚n fremder Umwelt wurzelst du und Not 
Jnd schweres .Volkesschicksal lernst du 
kennen! ; 
Du siehst der Eltern Kampf ums täglich 
Brot, 
Jnd möchtest doch in jungem Fever bren- 
nen. 
Du suchst ein Ziel, das lebenswert und klar, 
Und unser Segenswunsch will dich geleiten, 
Denn nicht die Zukunft nur, auch dos was 
war, 
Soll dich kraftspendend auf dem Weg be- 
gleiten. . 
cs liegt an uns und sei uns höchste Pflicht, 
Wegzehrung solcher Art dir mitzugeben: 
Die Heimatflur, ihr geistig Angesicht, 
Dies edle Erbe, es muß weiterleben! 
Gib deine Hand und glaub, es ist nicht Last, 
st Urgrund für dein jugendliches Streben, 
ME BE du nach der deutschen Zukunft 
aDt, 
Die Heimat tiebt — und Schlesiens Volk 
wird leben! 
‚Neiße” entstammt wohl dem Slawischen 
ınd bedeutet soviel wie Tiefgelegenes; in 
l|ugoslawien gibt es eine Stadt Nisch, die 
‚ich in ähnlicher Situation wie . unsere 
Kreisstadt im tiefen Tal der Morawa an 
den Fluß schmiegt. Berge haben wir in 
1ülle und Fülle, was man so „Berge“ 
1ennt; die Dörfler freilich bezeichnen sie 
Jeringschätzig mit „Hübala”, „Buckala“ 
ınd dergleichen erdkundlichen „Grund 
»egriffen”, Soll ich ein paar dieser „Maul 
vurfshügel” nennen? Wir Ziegenhalseı 
‘angen selbsiverständlich mit Holzberg 
ınd Finkenberg an. Die Kunzendorfer ha- 
en ihre zwei Hutberge. Doch es gibi 
ıuch: einen Sandberg bei Altewalde, den 
Zinnberg bei Neunz, den Goldberg zwi- 
ichen Borkendorf und Dürrarnsdorf, den 
Kreuzberg bei Arnoldsdorf, den Höllen- 
erg bei Bischofswalde, den Kümmelberg 
Mohrau, den Hahnberg bei Brünschwitz, 
jen Lerchenberg bei Prockendorf, den 
thrlichberg bei Altwette, den Ungarberg 
»ei Hermannstein, den Puschberg bei Dür- 
;tein . .. Wir sehen, daß unsere guten 
Ahnen immer den Nagel auf den Kopf 
jetroffen haben, wenn es das Charakte- 
istikum festzuhalten galt. Unsere Vor- 
‚äter — seit über 700 Jahren saßen sie in 
len langgestreckten Reihendörfern, die sich 
ft kilometerlang an den Heimatbächen 
nd -Wässerlein hinziehen. Langendorf 
zum Beispiel war wirklich ein lang-Icnges 
Dorf. Sie waren dem Rufe der die deut 
che Überlegenheit anerkennenden Pia 
‚tenherzöge gefolgt und bauten auf deren 
nladung friedlich ihre Siedlungen neben 
Jenen der siawischen Eingesessenen, die 
neistens Haufendörfer erstellt hatten. Es 
var bestimmt damals kein Einanderetwas- 
wegnehmen, nein, die Slawen hatten und 
yehielten noch genügend Land. Sie aner- 
<annten die Tüchtigkeit der thüringischen, 
'ränkischen und Hömischen Zuwanderer 
ınd lernten so manches, was die Arbeil 
arleichterte und den Ertrag des Bodens 
md Waldes steigerte, Nach und nach zo- 
zen sie wohl ein Abwandern dem Zusam: 
nenlieben mit den rastlos fleißigen Deut- 
‚chen vor oder aber gingen durch Heira- 
en im Deutschtum auf. Kollege Ronge- 
Stefansdorf ist vor vielen Jahren in müh- 
;‚amem Suchen den Spuren der siawischen 
3Zewohner in unserer engeren Heimat nach- 
jegangen und kam zu dem Ergebnis, daß 
Jas Neißer Land um das Jahr 1000 n. Chr. 
‚on polnisch-slawischen Menschen be- 
wohnt war, die einfach den schlesischen 
laum nach dem Wegwandern der ger- 
nanischen Stämme in der großen Völker- 
... Kreis Neiße, So hören wir immer 
wieder, wenn von unserem geliebten Zie- 
genhals gesprochen wird. Wir Älteren 
und Alten können noch diesen Begriff mit 
'nhalt füllen, wir haben in der Schule erst 
und dann später in der Schule des All- 
*ags, des Geschäftslebens immer wieder 
den Sinngehalt dieses erdkundlichen Be- 
zriffs erkennen gelernt. Aber ein land- 
‚äufig gebrauchter Atlas wird dem nach 
Einzelheiten Strebenden gar wenig sa- 
gen: Glatzer Neiße, kreisfreie Stadt am 
usammenfluß von Neiße und Freiwal- 
dauer Biele, teils Ebene, teils letzte Aus- 
äufer des Altvatergebirges. Damit ist 
aber auch schon alles aus der Karte her- 
ausgelesen. Laßt mich darum einmal et- 
was näher auf das Neißer Land und seine 
Gegebenheiten eingehn! 
Als Teil Oberschlesiens grenzte unser 
Kreis im Süden an das der Tschechoslo- 
wakei zugehörige Sudetenland, Die Krei- 
se Frankenstein, Grotikau, Falkenberg 
und Neustadt O/S waren unsere übrigen 
Nachbarn. Das Gelände ist der Form nach 
ein Übergang von den Sudetenausläufern 
zur großen schlesischen Ebene. Im tiefst- 
gelegenen Teile eilt in west-Östlicher Rich- 
tung die Glatzer Neiße der Oder entge- 
gen, macht dann aber eine scharfe Wen- 
dung dem Norden zu. Bei Neiße mündet 
die Biele in den Heimatfluß. Das Wort 
Jahrgang 5 
wanderung als volkleeres Land in Besitz 
jenommen hatten. Altweite hieß früher 
z. B. Polnisch-Wette, Woitz im Nachbar- 
<reis Grottkau ist unzweifelhaft ein sla- 
wischer Name; der Bund Deutscher Osten 
jeß während der Hitlerzeit viele Dorf- 
ı1amen auf „-witz” umbenennen: Gostitz, 
Kamitz ... 
Eine reiche Fülle von Dörfern existierte 
ıeben den drei Städten unseres Kreises: 
Neiße, Ziegenhals und Patschkau. Letzte- 
'es wurde auch als das schlesische Rothen- 
ourg bezeichnet, weil es noch seine voll- 
;tändige mittelalterliche Mauver- und 
Turmwehr erhalten hatte, Neiße war das 
‚chlesische Rom, die Stadt und Festung 
des Großen Friedrich, aber. auch die Stadt 
der Musen. Hier schlief der große Ro- 
mantiker und Sänger des Waldes, Joseph 
"reiherr von Eichendorff, der Auferste- 
‚ung entgegen; hier hatte er auch eine 
jewaltige Schar schlesisch-gemöütlicher 
‘oeten in den Bann des Pegasus zu zie- 
ıen vermocht: Hermann-Neiße, Willibald 
<öhler, Erwin Rosner, Maria Dalisch und 
viele, viele andere. Vergessen sei auch 
yicht unser Ziegenhalser Dichter Georg 
Aauptstock, dessen „Peter Schratt, der Jä- 
3er an der Malapane”, recht innige Na- 
‚urverbundenheit und Gefühlstiete auf- 
weist. Und als dritte Stadt des Kreises 
darf ich stolz unser schönes Ziegenhals 
1ennen, das landauf, landab als die schö- 
ne Perle bekannt war. Die Dörfer zeigten 
alle urdeutsche Namen:  Konracsdert, 
Cunzendorf, Ludwigsdorf, Arnoldsdorf, 
Veuwalde, Altewalde, Schönwalde, Lan- 
zendorf, Wiesau, Kalkau, Mohrau, Bielau, 
Srunavu, Eilau, Heidau . ;... Und wieder 
;ind sie nach Dorfältesten der Gründer- 
zeit benannt: Waltdorf, Stefansdorf, Volk- 
zendorf, Franzdorf . .... Auch des Hu- 
mors in der Benamsung entbehren wir 
nicht ganz: Naasdorf, Geseß, Fuchswin- 
xel. Historisch klingen Tannenberg, Kö- 
sernig vu. a. Auf nicht gerade gesegnete 
Ackerkrume lassen schließen Dürrkunzen- 
dorf, Dürrarnsdorf, Dürrkamitz, Dürrhaus 
bei Heinzendorf ..... 
Einzelne Dörfer deuten ‘mit ihrem 
„Witz“ hin auf slawische Gründungen: 
Brünschwitz, Sengwitz, Beigwitz, Kusch- 
witz, Maschkowitz bei Bauke. Die wirt- 
ichaftliche Lage des Kreises war ein Spie- 
gelbild des Fleißes und Ringens ums täg- 
che Brot. Noch jeder fand hier seine Ar- 
peit und damit Einkommen. Die Landwirt- 
schaft blühte, wenn sie sich auch alle Mühe 
geben mußte, mittlere Erträge zu erzielen. 
Die Bodengüte war reichlich verschieden. 
in der Neuländer Gegend baute man mit 
gutem Erfolg viel Gemüse an, andernorts 
wieder erntete man die geldbringende
	        

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