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Bote aus dem Bieletal (1956)

Bibliografische Daten

fullscreen: Bote aus dem Bieletal (1956)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Band, Heft, Nummer:
1956
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Signatur:
M 101
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091_1956

Zeitschriftenheft

Strukturtyp:
Zeitschriftenheft
Titel:
Februar 1956
Band, Heft, Nummer:
2

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Bote aus dem Bieletal
  • Bote aus dem Bieletal (1956)
  • Januar 1956 (1)
  • Februar 1956 (2)
  • März 1956 (3)
  • April 1956 (4)
  • Mai 1956 (5)
  • Juni 1956 (6)
  • Juli 1956 (7)
  • August 1956 (8)
  • September 1956 (9)
  • Oktober 1956 (10)
  • November 1956 (11)
  • Dezember 1956 (12)

Volltext

mn Bote aus dem Bieletal 
(Siegenhalfer Stadtblatt in der fremde) 
BE 
Folge 2 / Februar 1956 
Erinn 
Da hat mich doch unlängst eine dienst- 
liche Angelegenheit bei der Regierung 
‚on Oberbayern in München vorsprechen 
lassen. Sachbearbeiter für diese Affäre 
war kein Rattlhuber, Pfunzimeier oder Pi- 
schetsrieder, sondern ein Herr Oberregie- 
‘ungsrat Dr. Ratuschny. Wir „Demokraten“ 
1ever Prägung sind freilich nach den so 
langen Jahren der Erziehung zum „.... 
Schnauze!“ immer noch irgendwie weich 
in den Knien, wenn so ein Yoher Titel am 
Zielschildchen prunkt. Ich betrete also — 
‚gefaßt“ . das Büro; ein freundliches, 
nenschliches Fragen nach meinem Begehr 
Jberrascht mich eigentlich. Aha, da will 
siner wieder mal Höflichkeitssportler des 
Jahres werden! So huscht es mir durch 
den Sinn. Meine Papiere weisen mich als 
geborenen Kunzendorfer aus (wenn ich 
mich trotzdem auch nicht in Ziegenhals 
’ür einen „Zugereisten“ halte!l); ein Blick 
n dieselben, ein Blick dann auf mich. Aha, 
etzt kommt’s, denke ich. Ja, es kam ... 
ıs kam aber ganz anders, als ich vermu- 
et. Ja, da müßten Sie doch auch den 
derrn Hanke von Altmannsdorf kennen! 
Jnd als ich mich dazu gern und freudig 
2ekannte, spricht die khebe, herzliche Art 
aines schlesischen Landsmannes aus Op- 
»eln aus dem hohen Herrn, spricht dieser 
an einziges Loblied auf unsere schöne 
LA) 
z2zrung an Altman 
:ngere Heimat, unser Ziegenhals und 
eine herrliche Umgebung: Wie oft bin 
zh dort gewesen, wie schön war es doch 
jort, wie gern denke ich noch immer an 
lie frisch-Fröhlichen Jagden durch geseg- 
ıete Fruchtfelder, saftige Wiesengründe, 
Iurch das Tannicht der Hutberge! Und 
ber Schicksal und Verbleib seiner lieben 
5astgeber von Altmannsdorf soll ich be- 
ichten und habe doch nur so traurigen 
lericht. Aber als Fast-Anrainer von Alt- 
nannsdorf kann ich ihm bis ins kleinste 
J)etail hinein dieses Stück Heimaterde be- 
chreiben. Solchen Zufall, solche „Büro- 
'ratie” wünsche ich mir öfters, 
Und so will ich nun unseren lieben Le- 
‚ern wie damals” höheren Ortes“ das ins 
irinnern zurückrufen, was der Begriff 
‚Jtmannsdorf einstens umschloß und be- 
ogte. 
Es war der „Hof” schlechthin für un- 
ere kleine Welt. Wie Barone und Grafen 
nd Fürsten von ihrem Hof und Hofstaat 
edeten, so sprachen unsere Bauern und 
täusler und Tagelöhner und Handwerker 
»benso respektvoll vom „Hofe“ und dem 
Hofeherrn“, Wir Ostelbier lebten ja im 
Srichwörtlichen „Land der Junker”, der 
atifundienbesitzer. Jedes Dorf fast hatte 
1a sein Gut, seine Domäne, seine Herr- 
chaft. Und auch unser Altmannsdorf mag 
SA 
A m A, 
7 5 A Hl 4 ’ 
Pe 
BO 
Jahrgang “ 
nsdorf 
ine lange junkerliche Vergangenheit hin- 
er sich gehabt haben. Ein Urbariumrest, 
Jen ich daheim noch immer als stolzen 
3esitz sorglich pflegte, wies als Vertrags- 
yariner oder eher Vertragsdiktator einen 
lerrn Siebert aus, dessen Siegel und Un- 
arschrift die alten Abmachungen krönten. 
Jm die Jahrhundertwende gehörte Alt- 
nannsdorf einem Grafen Schorlemer., Der 
»aat erwarb das Gut im Jahre 1903. So 
vurde es Dominium oder Herrengut. Mit 
lem Verkauf an den Staat blieb Herr 
‘berhard Hanke weiterhin Pächter der 
lerrschaft. Aus Frankenstein in Schlesien 
+ammend, ehelichte er die so gütige und 
ıllerwärts so hochgeachtete „Hofefrau” 
Maria, geborene Milde, aus Niederherms- 
dorf, Kreis Neisse. 
Über 1000 Morgen umfaßte der Besitz, 
Jer zum größten Teil unterm Pfluge stand, 
Die beiden Hutberge, 439 m und 376 m 
ıoch, Sandgrube, Steinbruch, „In den Bir- 
cen”, die weiten Hofewiesen am Hege- 
valde, die Kirschenallee, das waren ein 
ıaar der Flurnamen, die wir immer wie- 
ler hörten. Unter-, Mittel- und Obervieh- 
veg, „Viebich“ genannt, erschlossen die 
Neiten des Gutsbezirkes. Der Obervie- 
ich wurde dann später streckenweise zur 
Juten Straße Ziegenhals-Wildgrund aus- 
zebaut, nachdem die Tschechen nach 1919 
die Straße: über Lerchenfeld abriegelten 
und verfallen ließen. Kirschbäume in der 
Kirschenallee und auf dem Oberviebich 
haben uns manchmal den Gelöst gestillt. 
Und. die Hofeteiche gaben sommers eine 
arfrischende Pferdeschwemme; winters 
aber waren sie gesuchter Eislieferant für 
den Bergkeller. Ein Schloß mit Walmdach 
war die eigentliche „Residenz” der Her- 
‚en von Altmannsdorf. Seit 1914 täuschte 
eine Kanone — keine Angst, sie schoß 
nicht! — militärisches Machtmittel vor. Aber 
Meizı Du noch? 
Wie schön lag doch unsere „Waldesruh” ! 
Umgeben von hohen Tannen, mit den gemüt- 
ichen Gasträumen, der breiten Verande und 
zur Sommerszeit mit den einladenden Plätzen 
unter Waldbäumen. Das . nebenstehende 
Winterbild, freundlicherweise von unserem 
Heimatphotographen Willy Biedermann bei- 
gesteuert, erweckt in uns Erinnerungen an 
eine Zeit, da uns noch die Heimat umfangen 
Ya hielt.
	        

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