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Bote aus dem Bieletal (1956)

Bibliografische Daten

fullscreen: Bote aus dem Bieletal (1956)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Bote aus dem Bieletal
Untertitel:
Ziegenhalser Stadtblatt in d. Fremde
Band, Heft, Nummer:
1956
Publikationsort:
Gaggenau
Veröffentlichungsjahr:
1954
Verlag:
Torzewski

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Signatur:
M 101
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=012125091_1956

Zeitschriftenheft

Strukturtyp:
Zeitschriftenheft
Titel:
September 1956
Band, Heft, Nummer:
9

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Bote aus dem Bieletal
  • Bote aus dem Bieletal (1956)
  • Januar 1956 (1)
  • Februar 1956 (2)
  • März 1956 (3)
  • April 1956 (4)
  • Mai 1956 (5)
  • Juni 1956 (6)
  • Juli 1956 (7)
  • August 1956 (8)
  • September 1956 (9)
  • Oktober 1956 (10)
  • November 1956 (11)
  • Dezember 1956 (12)

Volltext

Saggenau/ Murgtal Bote aus dem Bieletal 
(Siegenhalfer Stadtblatt in der fremde) 
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Folge 9 / September 1956 
Strafen der Neimat 
AL 
Soll’n wir oder soll’n wir nicht? Ach, frei- 
lich soll’n wir! 
So stehe ich an‘ der Langhammer-Ecke. 
Eine Litfaßsäule verkündet mit. grellen Pla- 
katen die Kinoprogramme, die Güte der 
Waschmittel, die Bekömmlichkeit der Berg- 
keller-Biere, die Sensationen und Attrak- 
tionen des Zirkus Sarasani oder Brumbach. 
Der Weg nach’m Zuckmantel .ist zwoarsch 
53 wing weit, er steigt auch immerzu ein biß- 
chen; aber, faßt euch ein Herz und beglei- 
tet uns wenigstens bis an die Stadtperipherie, 
dis zur Maute! 
Da erblicken wir rechts als Eckhaus Zuck- 
manteler-Promenadenstraße das Cafe Ho- 
henzollern. Erstklassige Fabrikate der Kon- 
ditorenkunst locken zu einem Besuch. Köh- 
lung fächelnde Bäume, grünes Rankenwerk 
spenden wohligen Schatten, ff.-Eis wird zu- 
sätziich von innen her die Glut des Sommers 
mildern. Der sehr rührige, weltgewandte 
Herr Laake äugt diskret, ob jeder seiner 
Gäste zu seinem Recht kommt. Und es kam 
auch jeder zu seinem Recht und Genuß; hier 
Föhlte man sich wohl. Der Cafetier Rother 
natte den imposanten Bau errichtet und da- 
mit einem Fachmann an dieser einladenden 
ıcke einz-gule Existenz gesichert, daneben 
aber auch das Stadtbild um einen schönen 
Blick bereichert. Hier im Hause wohnte auch 
der Schwiegersohn des Erbauers, der so 
Sberaus gute, oft zu gute Seminaroberlehret 
Josef Stenzel, ein Musiker von sehr hohen 
SGraden, der meisterhaft sein Fach verstand, 
unermüdlich musizierte und komponierte 
undals einer der besten Orgelkünstler Ober- 
schlesiens galt. Er konnte ganz einfach nicht 
5öse werden, was — Gott sei es geklagt — 
von seinen Schülern weidlich ausgenutzt wur- 
de. Jhm verdanken viele Kirchen der schle- 
sischen Heimat und heute darüber hinaus 
viele des weiten Vaterlandes, daß sie tüch- 
tige Organisten und Chorleiter ihr eigen 
2ennen dürfen, denn er hat sich als Musik- 
Pädagoge der Ausbildung der.Lehrerschaft 
auf diesem Gebiet bis zur Selbstaufopferung 
oft stets angenommen. Im Kolonialwaren. 
‘aden des gleichen Hauses regierte bis in 
die Zeit des Ersten Weltkrieges ein sehr 
Aeißigerund gewissenhafter Kaufmann Paul 
Rother. Erwurde ein Opfer des Völkerrin- 
gens. Seine Witwe heiratete dann den Kauf- 
mann Feichtiger, einen Sohn des in jenen 
Jahren das Cafe bewirtschaftenden Pächters 
Feichtiger. Lange Zeit stand neben dem Haus 
Rother eine alte Scheune. Sie mußte nun 
einem Neubau weichen, den Herr Mecha- 
1ikermeister Schwarzer erstellen ließ, um 
iich hier aller Autos, Fahrräder und sonstigen 
/ehikel anzunehmen, jede Panne zu behe- 
en, jeden Schlauch wieder dicht zu machen, 
ade Speiche zu ersetzen, so die Kilometer- 
resser wieder mal zu fest „gejadelt” waren. 
)}escheiden nahmsich dagegen das Anwesen 
Jnger aus. Der fleißige Obermeister ließ 
Jns nie im Stich, wenn da der Ofen versagte, 
der Kamih qualmte oder die Wärmekalorien 
zu spärlich ausströmten., Immer und immer 
wieder war er auf. der Tour; es gab ja in 
Ziegenhals eine ganz stattliche Anzahl von 
*euerstellen, wonach man laut alten Chro- 
ıiken die Größe einer Gemeinschaft bemaß. 
jein Haus ist nach glaubwürdigen Berichten 
1eute der Spitzhacke zum Opfer gefallen. 
Über den Altbach, der hier schön befe- 
;tigte Ufer hatte, erblicken wir eine Reihe 
;tattlicher Gebäude, die vielen Mietern eine 
ıraute Heimstatt bieten, Da wuchtet das 
3reinlich-Haus mit seinen vier Stockwerken, 
dort bildet die Spedition Rudolf Schindler 
die andere Eckposition, Wer erinnert sich 
ıicht des Herrn Schindler, der stets in sport- 
icher Jägerkleidung einherschritt! Auf allen 
»traßen der Heimat sahen wir seine Möbel- 
vagen rollen. Und über die Brücken und 
durch die Vorgärten kommen sie alle, die 
ıier Anwohner sind: der etwas hagestolzige 
Kanzleivorsteher Fest, der militä risch-straffe 
Siersdorff, der uns auf der Stadthauptkasse 
srleichtert, der Zöllner Richter, der Sparkas- 
jenleiter Julius Grundei, die Lehrerinnen 
Scheiner und Knopp, die Seminaristen, die 
ın der Leppelt-Bude u. anderen Quartieren 
3in Zuhause gefunden haben. Eswareinmal! 
Ein weiterer Steg führte zur sogenannten 
Wilhelmschmiede, in der bis zur Austreibung 
ıoch ein pensionierter Lehrer Wilhelm wohn- 
e, ein Ziegenhalser von Geburt, wohl auch 
in Verwandter des Erbauers dieses Grund- 
;tückes. 
Eine Schmiede beherbergte esnicht, aber 
der Erbauer war vorzeiten wohl Mitglied 
deredien Vulkanus-Zunft gewesen. In diesem 
sesagten Hause fabrizierte lange Jahre hin- 
durch bis zum Kauf eines Grundstückes auf 
der Flurstraße die Firma A, Bsirsky abertau- 
‚ende Paar Handschuhe. Heute setzt sie ihr 
Seschäft im nahen Murnau am Staffelsee 
‘ort. Zur Linken der Zuckmanteler Straße 
jehen wir den großen, parkartigen Garten 
der Villa A. Pietsch. In erhabener Ruhe lag 
diese da, verglaste Veranden, laubumwun- 
dene Plastiken, eine breite Treppe, ein streng 
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Jahrgang 3 
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Aber 1200 Ziegeukalser 
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beim Werler Treffen! 
Der westfälische Wallfahrtsort Werl, seit 
lahren Treffpunkt der Ziegenhalser, sah in 
len Tagen vom 38. u. 9. September eine 
ıoch nie dagewesene Zahl von Teilnehmern. 
Nach vorsichtiger Schätzung sind es über 
1200 gewesen, die aus vielen Gegenden der 
3undesrepublik, West- und Ostberlins u. der 
Zone gekommen waren und ein Wiedersehn 
in bester Harmonie erlebten, das noch lange 
inihnen nachklingen wird. Nicht zuletzt aber 
war es auch die sorgfältige Vorbereitung, die 
das Treffen so schön werden ließ. Einen 
ausführlichen Bericht mit Bildern bringt der 
‚Bieletalbote” in der nächsten Folge. 
serschlossenes Tor, das war mein Eindruck 
‚on ihr. Noch wie heute sehe ich den wür- 
digen alten Herrn, zur Seite die stets ver- 
ichleierte Frau Stadtrat, des Wegesschreiten, 
Nur Kenner wußten, daß hier in diesem 
dause ein weithin berühmter Musikverlag 
jein Domizil gefunden hatte. Das Perpetuum 
nobile der Firma war unzweifelhaft der 
ijebenswürdige, stets geschäftige Herr Pelz, 
ain Sänger aus Passion, der sich allezeit auf- 
»pfernd einsetzte, wenn es die Sangeskunst 
zalt. An den Garten Pietsch schloß sich das 
wilcdweainumspannene Häuschen Weißhrich 
an, und diesem wiederum folgte die Firma 
Zacher, ein Kolonialwarengeschäft, Uralt 
‚chon, eilte die Zacher-Mutter ‚noch jeden 
Morgen in die Kirche. Neben Firma Zacher 
ehen wir das Haus Scheel, in dem fröh- 
iche Studenten jahrzehntelang stets eine 
Jute Heimstatt fanden. Über ein Brücklein 
abwärts schlitterte in sein bescheidenes 
"usculum unser Dittel-Karl, der als Töpfer- 
zehilfe sein Brot verdient hatte. Manches 
ichien ihm wohl nicht so leicht begreiflich, 
ıber begriffen hat er alles; er philoso- 
phierte bloß üb. den Sinn allen Geschehens 
zu weitschweifig und langsam. 
Jetzt kam der Sirupwinkel mit dem Sirup- 
Elsner, einem Ackerbürger und ehemaligen 
„Ohnkutscher, als es noch keine Motorisie- 
‚ung gab. Hier in diesem Hause residierte 
;rüher der „berittene Gensdarm” Nowak, 
dessen martialischer Wilhelmbart ihm im 
Verein mit der goldglänzenden Pikelhaube 
2inen respektablen Nimbus gab. Hier ge- 
ichah auch in den Tagen des Zusammen- 
aruchs jene Verzweiflungstat, die eine gan- 
ze Reihe blühender Menschenleben auslösch- 
e, weil man keinen Ausweg mehr sah aus 
ainer Situation, die manchen damals die 
Nerven verlieren ließ.
	        

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