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Neisser Heimatblatt für den Stadt- und Landkreis Neisse (1964)

Bibliographic data

fullscreen: Neisser Heimatblatt für den Stadt- und Landkreis Neisse (1964)

Structure type:
Periodical
Collection:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Title:
Neisser Heimatblatt für den Stadt- und Landkreis Neisse
Subtitle:
Organ des Neisser Kultur- und Heimatbundes e.V., Hildesheim verbunden mit "Bote aus dem Bieletal" (Ziegenhalser Stadtblatt in der Fremde) ; Mitteilungsblatt des Neiser Kultur- und Heimatbundes e.V.
Place of publication:
Hildesheim
Year of publication:
1949
Publisher:
Neisser Kultur- u. Heimatbund

Physical location:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=010079289
Structure type:
Periodical volume
Collection:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Title:
Neisser Heimatblatt für den Stadt- und Landkreis Neisse
Subtitle:
Organ des Neisser Kultur- und Heimatbundes e.V., Hildesheim verbunden mit "Bote aus dem Bieletal" (Ziegenhalser Stadtblatt in der Fremde) ; Mitteilungsblatt des Neiser Kultur- und Heimatbundes e.V.
Volume,Issue,Number:
1964
Place of publication:
Hildesheim
Year of publication:
1949
Publisher:
Neisser Kultur- u. Heimatbund

Physical location:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Shelfmark:
Z 423
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=010079289_1964

Periodical issue

Structure type:
Periodical issue
Title:
April 1964
Volume,Issue,Number:
92

Contents

Table of contents

  • Neisser Heimatblatt für den Stadt- und Landkreis Neisse
  • Neisser Heimatblatt für den Stadt- und Landkreis Neisse (1964)
  • April 1964 (92)
  • September 1964 (93)
  • Dezember 1964 (94)

Full text

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Jür den Gtadt- und Sandkreis Meile 
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— Oroan des „Neiller Kultur- und HeNw-LbNNdeSs“ 0.B., Sildesheim 
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Das „Neisser Heimatblatt“ erscheint je nach Bedarf als Mitteilungs- 
olatt des Neisser „Kultur- und Heimatbundes e. V.“, 32 Hildesheim, 
Allen Mitgliedern, die laufend den festgesetzten Vereinsbeitrag von 
jährlich DM 6,— entrichten, wird es kostenlos geliefert. 
Herausgeber: Neisser Kultur- und Heimatbund e. V., 32 Hildesheim, 
Kaiserstraße 21. — Schriftleiter und Anschrift für redaktionelle 
Zuschriften: Alfred Jahn, 401 Hilden, Eichendorffhof 1. — Versand: 
Karl Fabian, 89 Augsburg, Jakoberstraße 45. — Druck: Hermann 
Millizer, 854 Schwabach. 
854 Schwabach/Mittelfranken, April 1964 
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Nr. 997 
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Solche Briefe schrieb der 16 BZ Am * sg 
Mnstige Schüler des Neisser { AZ - 94} ES RT 
Sarolinums an seine Toch- LS © * / % * 
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Schriftzeichen ‘ bekunden x Wbe 24 K € Lob des ALS MT ec 
singeinglich das vielschich- SP A 2 ww ge U El 
ige Wissen und Wirken des A Ss I 9 DE * “ 
serühmten Landsmannes. - Ps! . dl fe © SS a cs bo] 
Wir denken in diesem Zu- sr A vo 4 WO u! a.“ 
sammenhang an den tapfe- a Y # 4 S 2 * A „ I < A 44a .. A Lo 
ren Verteidiger von Dtsch.- „ gg sc u SI ; 
Ostafrika, General v. Let- GPf I = ’ W Ab A 9437 4 AM 
tow-VorbecKk, der kürz- >y A A a > * A, 
dich, 94jährig, starb, und ee) 0b SM CM rn SA SG nn RO a 
an Landsmann Professor ; u. x. . Ya 
Dr. Grzimek - von der U au 
Eichendorffschule -, den un- ; IS ; AS J bp U fr Dh 
ermüdlichen Anwalt der Sn — 
treien Tierwelt. X LS % 
Dr. Emin Pascha vergiSt in Afrika, dem damals noch so geheimnisvollen. „dunklen Erdteil“, nicht die 
geliebte Heimat. In den-vielen an Schwester Melanie in Neisse gerichteten Briefen finden sich Stellen 
wie diese: 
».. Für Deine Nachricht über die Neisser herzlichen Dank. Mache Dich zum Überbringer meiner besten 
Zmpfehlungen an alle, die sich meiner erinnern .. .“ 
»„'.. Man kann ja nicht überall Karpfen und Mohnklöße verlangen ...“ . 
„>. Wer ist denn am Gymnasium noch aus meiner Zeit da? Wohl keiner mehr ...“ # 
„+. Du möchtest die Vegetation hier sehen! - Ich möchte die alten Linden in Rochus sehen! ,..“ 
ME ar . a . "ME MET HP IE 
AAN TEN 
Sn 17. Jahrgang 
Dr. Wilhelm Harendza 
Schicksalvolles Leben 
des Neisser Gymnasiasten Eduard Schnitzer 
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Unter den bedeutenden Männern, die aus dem Neisser Gymnasium Carolinum im Ver- 
auf der nunmehr 340 Jahre seines Bestehens hervorgegangen sind, ist die wohl merkwür- 
ligste Gestalt der Entdecker und Afrikoforscher = jedoch auch Abenteurer - Eduard 
Schnitzer, der sich später Emin Pascha nannte, und als solcher Weltruf gewann. 
die nachstehenden Ausführungen können nicht die Gesamtpersönlichkeit und das Lebens- 
werk Emin Paschas würdigen, sondern wollen nur einige Wesenszüge des vielseitigen und 
n seiner Art so seltenen Mannes kennzeichnen, wobei seine Beziehungen zu seiner Heimat- 
tadt Neisse und seine Bedeutung für die größere deutsche Heimat besonders herausgehoben 
verden sollen. - Wegen der Ungewöhnlichkeit seines schicksalvollen Lebens ist über ihn 
weit mehr geschrieben worden als über manche anderen von gleich hoher Bedeutung. Dazu 
tommt, daß Eduard Schnitzer schon von Jugend auf schreibfreudig war und der Nach- 
welt. außer seinen eigentlichen Veröffentlichungen noch zahlreiche Briefe sowie vor allem 
jeine Tagebücher hinterlassen hat, die eine fast unerschöpfliche Quelle wertvoller Aufzeich- 
ıungen für Naturwissenschaftler und Geographen darstellen, - und das um so mehr, da er 
Ne seine Beobachtungen usw. mit peinlichster Genauigkeit anstellte und niederschrieb. 
' Aus der über Eduard Schnitzer vorhandenen Literatur standen mir durch die Freund- 
ichkeit meines einstigen Schülers Herrn Dr. Karl-Alexan der Hellfaier (Dort- 
nund) zur Verfügung: Ernst W. Freißler „Emin Pascha“, C. H. Beck‘sche Verlagsbuch- 
1andlung, Berlin 1923 (238 Seiten), und das mit viel Herzenswärme geschriebene Standard- 
werk von Georg Schweitzer (Vormund der Tochter Emins!): „Emin Pascha“; eine Dar- 
tellung seines Lebens und. Wirkens, Verlag Hermann Walther, Berlin, 1898 (XIV und 808 
sgiten). 
Fragen sind wesentlicher‘ Teil mensthlicher 
Mitteilung; bei allen Völkern haben sie ihre 
besondere Sprachform, Sie bekunden Anteil- 
nahme, Mitgefühl, Interesse; - auf jeden Fall: 
sie erheischen Antwort. Doch gibt es Fragen, 
Jie nicht zu beantworten sind. Das „ignorabi- 
mus“ - wir werden es nie wissen - des Ge- 
lehrien du Bois-Reymond wurde zum geflü- 
gelten Wort. Man kann zuviel oder zu wenig 
Iragen. Elsa von Brabant, verlor ihren Lohen- 
srin wegen „verbotener“ Frage; Parsifal war 
Bes Grals unwürdig, solange er die rechte 
Frage nicht fand. Abseits aller Romantik, im 
realen Leben ist es nicht anders, im großen wie 
im kleinen. Im Alltag fragen wir den lieben 
Nächsten oft um Dinge, die uns eigentlich 
nichts angehen. Die großen Schlagzeilen bun- 
ter Straßenblätter beweisen, daß unwichtiger 
Tratsch auch in breitester Öffentlichkeit sehr 
„gefragt“ ist. Wohingegen für Volk und Staat 
entscheidende Fragen als heiße Eisen zaghaft 
ander gar nicht berührt werden. 
Im gewohnten Sprachgebrauch nennen wir 
„‚Iragwürdig“ etwas, was wir von vornherein 
ıbwerten wollen. Hier ist, wie es der Zeitlauf 
mit sich bringt, der ursprüngliche Wortsinn 
verderbt worden. Denn würdig ist so viel wie 
wert, und fragwürdig Ding ist einer Frage wohl 
wert. Von Fragwürdigem auch in diesem Sinn 
sind wir reichlich umgeben, ja, geradezu ein- 
gekreist. Wir stehen noch unter dem Eindruck 
des Deutschland-Besuches von John F. Ken- 
nedy („Ick bin ein Berliner“) und waren wenige 
Monate erschüttert durch seine sinnlose Er- 
mordung im eigenen Lande. Wir sehen noch 
General de Gaulle, einst konsequenter Gegner 
ler Deutschen, in Duisburg den Kumpels die 
Hände schütteln, Konrad Adenauer mit fran- 
zösischem Charme küssen und wissen inzwi- 
jchen nicht, ob er das demnächst in Moskau 
ınd mit Chrustschow auch tun wird. Der rus- 
äsche Boß seinerseits wiederum und Maotse- 
‚ung liegen sich in den Haaren und sind sich 
lennoch einig in der unversöhnlichen Abwer- 
ung alles dessen, was kurzerhand mit „Bonn“ 
)jezeichnet wird, während : unser Leipziger 
‚andsmann Walter Ulbricht, der er schließlich 
doch ist, unnachahmlich stur auf stalinisti- 
schen Kurs hält. Die Prager Machthaber er- 
nitzen 'das bundesrepublikanische Reisefieber, 
so daß es den Anschein hat, daß wir bequemer 
nach Freiwaldau oder Reihwiesen kommen als 
beispielsweise in den Thüringer Wald, von 
Neisse und Ottmachau ganz zu schweivren 
jenpferde‘ der Zeit mit unseres‘ Schicksäls 
eichtem Wagen durch; und uns bleibt nichts, 
ls mutig gefaßt die Zügel festzuhalten, und 
jald rechts bald links, vom Steine hier, vom 
sturze da, die Räder wegzulenken. Wohin es 
echt, wer weiß es? Erinnert er sich doch kaum, 
voher er kam ._“ 
Eduard Schnitzer stammte aus: einer 
Caufmannsfamilie und wurde am 28. März 
840 in Oppeln geboren, Seine Heimat aber ist 
Jeisse geworden, da seine Eltern schon zwei 
ahre später nach Neisse übersiedelten; dort 
tarb sein Vater‘ bereits 1845, seine Mutter 
ı1eiratete wieder. Von jüdischer Herkunft (mit 
lem Vornamen Isaak), wurde er im Alter 
’on sechs Jahren auf den Vornamen Eduard 
;etauft, und zwar in der evangelischen Pfatr- 
irche: seine Konfirmation erfolgte 1855. 
Mgi.N) 7 schließe. Se uun...Inische „Staats 
:xamen“ hat er zur großen Betrübnis seiner 
Autter und seines Stiefvaters niemals ab- 
‚elegt. _ 
Die Gründe, weshalb Schnitzer eein Me- 
-izinstudium nicht zu einem regelrechten Ab- 
chluß brachte, sind im einzelnen nicht recht 
eststellbar. Möglicherweise hat dabei die sei- 
ıem Wesen innewohnende Ruhelosigkeit mit- 
jespielt; vielleicht‘ haben ihn seine nie unter- 
)rochenen \naturwissenschaftlichen . Studien 
ınd Liebhabereien vom „Pauken“. für das 
itaatsexamen abgelenkt. Vor allem aber 
cheint ihm der Ehrgeiz, allzu rasch eine Pra- 
is zu eröffnen oder „ins Verdienen zu kom- 
ıen“, geschadet zu haben; denn schon nach 
ıem. Physikum hatte er angefangen, Sprech- 
tunden abzuhalten, und machte, wie er selbst 
chreibt, täglich acht bis zehn Krankenbesuche. 
Vir hören sogar von einer Beinamputation! 
}s liegt auf der Hand, daß selbst die weit- 
ıerzige Auffassung jener Zeit ein so junges 
jemester nicht ohne weiteres als „Arzt“ gelten 
assen konnte. Wiederholte Andeutungen in 
‚en Briefen an seine Eltern über. „Schwierig- 
'‚eiten bei der Zulassung zum: Staatsexamen“ 
»gen die Vermutung nahe, daß der vorschnelle 
jeginn einer Praxis ernste Unannehmlichkei- 
en für ihn zur Folge gehabt hat. Jedenfalls 
’rach Schnitzer seine Studien ganz unver- 
nittelt ab und. verließ plötzlich und völlig un- 
rwartet seine deutsche Heimat. . Seite2 > 
CV N 
Lassen wir unsere. Pferde nicht durchgehen 
ınd behalten in Erinnerung, woher wir ge- 
'ommen sind. In der Frage der Herkunftft 
‚enigstens gibt es eine klare Antwort. Und 
‚bseits jeder dichterischen Eingebung erklärt 
ur Frage der vertriebenen Deutschen mit be- 
nerkenswert amerikanischer Nüchternheit der 
’astor Frederick Forell in New York: „os Si 
herlich wird es noch viele Jahre dauern, bis 
/ie Entscheidung über die Ostgrenze Deutsch- 
ands gefallen ist. Sie wird wahrscheinlich erst 
ı1ann fallen, wenn die kommunistische Tyran- 
ıei vergangen ist, Um so wichtiger ist alles, 
vas jetzt in Deutschland geschieht, um das 
techt auf die geraubten ostdeutschen Heimat- 
;ebiete aufrecht zu erhalten; möge es sich nur 
ım eine große Kundgebung der Heimattreue, 
‚m eine kleine Zusammenkunft der Vertrie- 
'enen in einem Dorfe oder um eine Publikation 
er wissenschaftlichen Institutionen handeln, 
ıue sich der Aufgabe widmen, der historischen 
Vahrheit und dem Rechtsdenken zum. Siege 
u verhelfen, Man sollte gerade‘ in Deutsch- 
and niemals vergessen, daß die Entscheidung 
ıber die freiheitliche Wiedervereinigung eines 
nitteleuropäischen Zentrums eben in Deutsch. 
and fällt ...“ 
Die Frage drängt sich auf, warum man 
olche schlichten Sätze aus Amerika herüber- 
‚oolen muß. Aber ihre Erörterung wäre ein zu 
weites Feld“ für diesmal. Wir, die Vertriebe- 
ıen, sind von Kritikern, von Abwertern und 
‚üuch von Wohlwollenden oft überfragt, Wir 
ind einsichtig genug, uns selbst zu fragen, ob, 
awieweit und in welcher Form unser Tun und 
‚assen sinnvoll ist. Wir sind anläßlich der De- 
;giertenversammlung zu Salzdetfurth am 
.nde vergangenen Jahres diesen Fragen nicht 
usgewichen. Es liegt im Wesen der Sache, daß 
wicht alles vollgiltig zu beantworten war. Doch 
ıat die Tagung, von den Patenschaften dank- 
'‚erpflichtend gefördert, durch Anton Funke 
)jehutsam geleitet und dank Mithilfe der HG 
Iildesheim und Braunschweig gut gerahmt, ip 
pannender Diskussion die trotz mancher Sor- 
‚en ungebrochene Lebenskraft des Bundes er- 
viesen. . An der Spitze der Abgeschiedenen, 
‚eren ehrend gedacht wurde, stand selbstver- 
tändlich August Mazur, dessen Werk weiter- 
aAht 
Seine geistigen Fähigkeiten müssen früh- 
eitig hervorgetreten sein; denn seine Reife- 
rüfung am Carolinum (damals: Königl. kath 
'ymnasium) bestand er schon im März 1858, 
Iso kaum 18 Jahre alt, unter dem Direktorat 
‚on Dr. Zastra, nach dem die Zastra-Straße 
m Stadion benannt ist. Wiewohl ein guter 
;chüler, hatte er mit 14 Jahren in holländische 
eedienste treten wollen, um auf diese Weise 
:twas von der Welt zu sehen“. So machte sich 
chon bei dem Knaben eine gewisse Fernsehn- 
ucht bemerkbar; erklärlicherweise erfüllten 
hm aber seine Eltern diesen Wunsch nicht! 
jereits während seiner Gymnasialzeit zeigte 
r auch schon seine Vorliebe für die Natur- 
/issenschaften. Als er einmal bei seinem Onkel 
2 Berlin eingeladen war; schrieb. er seiner 
AAutter beglückt von dem Besuch des dortigen 
‚oologischen. Gartens, des zoologischen Mu- 
eums der Universität, sowie von den Besuchen 
n Potsdam und Berlin, ebenso, daß ihm sein 
)nkel ein „prachtvolles Muschelbuch“ gekauft 
ıahe 
Aber auch daheim übten naturwissenschaft- 
iche Sammlungen große Anziehungskraft auf 
hn aus. Nicht lange dauerte es, da war er 
elbst im Besitz eines hübschen Herbariums, 
iner Reihe ausgestopfter Vögel und anderer 
3ere. Sein bescheidenes Taschengeld verwen- 
'ete er nur zur Bereicherung. seines kleinen 
Museums“ oder zum Ankauf von Büchern, 
‚us denen er neue Erkenntnisse . der Natur 
chöpfen konnte. Eine Lieblingsbeschäftigung 
es Knaben war es, mit seiner Blechtrommel 
n der Umgebung der Stadt botanisieren zu 
;ehen; erst recht tat er das auf größeren Aus- 
lügen, indem er sich von den anderen abson- 
erte, Seine auf diese Weise zusammengebrach- 
en Schätze waren so wertvoll, daß er sie spä- 
»7 zum kleineren Teil dem Carolinum, zum 
rößeren Teil der Höheren Mädchenschule zum 
t+eschenk machte, was für beide Schulen eine 
/illkommene Bereicherung ihrer eigenen 
ıammlungen bedeutete: 
DE 
€) 
X 
Die Aufzeichnung solcher zwielichtigen Frag- 
‚vürdigkeiten könnte beliebig fortgesetzt wer- 
len. Ihnen gegenüber einen festen Standpunkt 
zu gewinnen, ist schwer, für Vertriebene und 
Seßhafte, für gemütsruhige Einzelgänger nicht 
weniger wie für ausgekochte Politiker. Diese 
wissen | in unserer revolutionierenden Zwi- 
schenzeit, wenn sie offen wären und poeti- 
schen Schwung hätten, auch kaum anderes zu 
sagen als Goethes Egmont: „... Wie von un- 
sichtbaren Geistern gepeitscht, gehen die Son- 
afftE ur * Ma 8 ae a N na 
nn 
Welche Fragen auch offen stehen: Die nahe- 
egenden sind durch Arbeit und Fleiß zu 
sen; die fernerstehenden aber, die großen, 
lie problematischen, bedürfen zu ihrer Bewäl- 
ıgung höherer Kräfte;.- göttlicher Gnade und 
\umaner Bereitschaft. „Alle menschlichen Ge- 
Frechen sühnet reine Menschlichkeit.“ 
; ° A.J.. 
® & “ OO gap af AT 
Nach dem Abitur wandte er sich dem Stu- 
lium der Medizin zu; ein Semester verbrachte 
r in Königsberg, die anderen in Breslau und 
jerlin, Schnitzer war hochbegabt und — 
‚bgesehen von gelegentlichen Ausnahmen, wie 
je wohl bei jedem Studenten vorkommen - 
iußerst fleißig, dabei von einem fast über- 
‚teigerten Ehrgeiz erfüllt; bei seinen Profes- 
oren erfreute sich der Student eines ausge- 
‚prochenen Wohlwollens. Er machte sein Phy- 
ikum und erwarb den Doktorgrad: aber das 
„4 
.«.. Seid auch nicht allzu' zahm, sondern laßt euer 
igenes Wort euern Meister sein, paßt die Gebärde 
ijem Wort, das Wort der Gebärde an ...“ 
(Shakespeare, Hamlet) 
Seite 4
	        

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