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Neisser Heimatblatt für den Stadt- und Landkreis Neisse (1957)

Bibliographic data

fullscreen: Neisser Heimatblatt für den Stadt- und Landkreis Neisse (1957)

Structure type:
Periodical
Collection:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Title:
Neisser Heimatblatt für den Stadt- und Landkreis Neisse
Subtitle:
Organ des Neisser Kultur- und Heimatbundes e.V., Hildesheim verbunden mit "Bote aus dem Bieletal" (Ziegenhalser Stadtblatt in der Fremde) ; Mitteilungsblatt des Neiser Kultur- und Heimatbundes e.V.
Place of publication:
Hildesheim
Year of publication:
1949
Publisher:
Neisser Kultur- u. Heimatbund

Physical location:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=010079289
Structure type:
Periodical volume
Collection:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Title:
Neisser Heimatblatt für den Stadt- und Landkreis Neisse
Subtitle:
Organ des Neisser Kultur- und Heimatbundes e.V., Hildesheim verbunden mit "Bote aus dem Bieletal" (Ziegenhalser Stadtblatt in der Fremde) ; Mitteilungsblatt des Neiser Kultur- und Heimatbundes e.V.
Volume,Issue,Number:
1957
Place of publication:
Hildesheim
Year of publication:
1949
Publisher:
Neisser Kultur- u. Heimatbund

Physical location:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Shelfmark:
Z 423
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=010079289_1957

Periodical issue

Structure type:
Periodical issue
Title:
März 1957
Volume,Issue,Number:
62/63

Contents

Table of contents

  • Neisser Heimatblatt für den Stadt- und Landkreis Neisse
  • Neisser Heimatblatt für den Stadt- und Landkreis Neisse (1957)
  • März 1957 (62/63)
  • Juni 1957 (64/65)
  • August 1957 (66/67)
  • Dezember 1957 (68/69)

Full text

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a. 
Das „Neisser Heimatblatt“ erscheint je nach Bedarf als Mitteilungs- 
olatt des Neisser „Kultur- u, Heimatbundes e. V.“ (13a) Schwabach. 
Allen Mitgliedern, die laufend den festgesetzten Vereinsbeitrag 
von DM 4.— entrichten, wird es kostenlos geliefert, 
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Herausgeber: Neisser Kultur- und Heimatbund e. V. (13a) Schwabach 
Nördliche Ringstraße 17 - Postscheckkonto Nürnberg Nr. 20077 
Schriftleitung: Alfred Jahn; alle Einsendungen an Neisser Kultur- 
und Heimatbund, Schwabach - Druck: H. Millizer, Schwabach 
—n 
Nr. 672/62 
"> EN 
(la) Schwabach/Mittelfranken, März 1957 ; 
10. Jahrgang 
Ynerzie und Ausdauer 
m “” COACH IOEIIC 
VORFRÜHLING . 
Weihnacht war und Neujahr kam 
ıltgewohnt und wundersam 
;tets erlebt doch wie ein Traum 
Zeit vergeht man merkt es kaum 
Winter kam und Winter geht 
’)ald ein Frühlingslüftchen weht 
ichöpferkraft im Stillen wirkt 
iunkle Scholle Leben birgt 
Ihne Pause alles fließt Sl 
Xorn zü zartem Keim -ersprießt 
Jrängt verborgen hin zum Licht 
bis es aus der Hülle bricht ; 
janfter Stärke Urgewalt 
;tetem Leben gibt Gestalt 
ichafft und webt und heimlich glüht 
sine neue Welt erblüht 
*üg dich in den ewgen Kreis 
;jel wie Halm und Blütenreis: 
dich durchtränkt des Schöpfers Born . 
du bist auch ein Korn vom Korn 
ALFRED JAHN 
HOBDED OSB EEE DD 
Blut und Wunden“, Wir Kinder stellten im 
Xindergottesdienst abschweifend fest, daß die 
Sonne immer tiefer an den Pfeilerır herunter- 
cam. An den Sonntag-Nachmittagen strömten 
le Scharen der Gläubigen in die Fasten- 
‚redigiten, am Palmsonntag trugen sie die ge- 
veihten „Palmen“ in ihre Wohnungen zu ihren 
Zeiligenbildern. Der Höhepunkt der Passions- 
eit war erreicht. Karwoche! % 
Als. Kinder erlitten‘ wir diese Woche ‘des 
eidens und. Sterbens- unseres Heilands viel 
efer als die Erwachsenen. Ja, wir konnten 
s oft garnicht fassen, daß diese so ungestört 
ıren Geschäften nachgingen. Gerade in der 
«riegsgefangenschaft habe ich so oft an diese 
(eisser Karwoche denken müssen, wenn wir 
a den heimlichen Abendandachten in unserem 
rertrauten Herrnhuter Losungsbüchlein Trost, 
Srbauung und Hoffnung schöpften. Hier kam 
?S mir so recht zum Bewußtsein, wie erhebend 
‚m Neisser Land die Karwpche war. Und nach- 
aer mußte ich erfahren, wie arm doch hier 
lie Menschen sind mit ihrer ruhelosen Be- 
‚riebsamkeit: „Schaffe — schaffe — Häusle — 
Täusle — tot!“ Da bleibt einfach keine Zeit 
ür die Besinnung auf die Größe und die Be- 
leutung des Heilandsterbens; Die Tage dieser 
Voche hatten alle ihren Namen: Blauer Mon- 
ag, Gelber Dienstag, Krummer Mittwoch, an 
lem wir Kinder nicht weinen durften, weil 
wir sonst eine krumme Nase bekämen. 
"Am Gründomnerstag standen auf dem Neis- 
;er „Buttermarkt“ bis in die Pilz- und Neue 
3asse hinein die Landfrauen mit ihren Honig- 
öpfen; denn am Gründonnerstag mußten ein- 
ach Honigsemmeln gegessen werden. Laut 
und vernehmlich läuteten zum letzten Mal die 
Kirchenglocken, ehe sie „nach Rom zogen.“ 
Jnd dann wurde es still im gesamten Neisser 
Land, und besonders am Karfreitag wurden 
wir Kinder immer wieder ermahnt, ja recht 
;till zu sein. Den ganzen Karfreitag eilten die 
xläubigen von Kirche zu Kirche zum Heiligen 
ärabe, sich immer wieder begegnend und in 
itummer Andacht zunickend. f . 
' Der Ostersonnabend brachte die letzten 
Pestvorbereitungen und den Hausfrauen viel, 
viel Arbeit. — Von den großen Fabriken bis 
zu den kleinsten Handwerksbetrieben, vom 
zroßen Bauerngut- bis zum kleinsten Bauern« 
ıof erhielt auch der kleinste Winkel ein fest- 
iches Gesicht. Am Nachmittag begegnete man 
n allen Straßen den Hausfrauen, die ihren 
aausbackenen Festtagskuchen nach Hause 
‚rugen. Der Auferstehungsgottesdienst- ließ 
die Kirchenglocken wieder- „zurückkehren“. 
Das Osterfest war erreicht! Die Kinder fan- 
den nach dem Erwachen ihre Nester mit Oster- 
:jern — in früherer Zeit noch mit buntbemal- 
‘en Hühnereiern, die später von Zucker-, 
'chokoladen- und Marzipaneiern abgelöst 
wurden —, die heimlich versteckt worden 
varen. Schmackostern. mit bunten Schleifen 
jarrten ihrer Aufgaben am 2, und 3. Feiertag, 
feierliche Hochämter vor den nun nicht mehr 
verhüllten Kreuzen in den Katholischen Kir- 
hen, Festgottesdienste mit erbaulich-erheben- 
jen Festpredigten der Evangelischen Kirchen 
— sie alle waren überfüllt von freudig be- 
wegten Gläubigen. 
Ostern und mit ihm der Frühling brachte 
len Menschen neues Hoffen, neue Lebens- 
treude, neues Vertrauen zum Herrgott, Neisser 
Dstern, wie reich war es, wie reich machte es 
jeden im Neisser Land. Ostern kann uns auch 
fern der Heimat neues Hoffen und neuen 
Glauben einflößen, wenn wir es nur ‚recht im 
heimatlichen Sinne begehen. So dürfen wir 
auch unser Hoffen auf eine Rückkehr in unser 
Neisser Land nicht aufgeben, Gott weiß Adse 
Stunde schon! . . 
Der politische Novembersturm des ver- 
gangenen Jahres ist einigermaßen beruhigt; 
wir sind wieder einmal davongekommen, doch 
änd die Spannungen immer noch groß. Wer- 
len sie sich ausgleichen, und wenn ja, auf 
welche Weise? Welche Ausblicke ergeben sich 
Nir uns Vertriebene? . 
Niemand vermag die Zukunft vorauszu- 
jehen. Doch sind durch den allgemeinen 
Wirbel auch unsere Dinge mehr in Fluß ge- 
tommen; anstelle einer sonst zumeist be- 
ijebten Bagatellisierung der ostdeutschen 
Volkvertreibung hören wir mancherlei Ge- 
spräch über die Oder-Neiße-Frage, deren 
‚entrale Bedeutung für den Frieden der Welt 
taum noch irgendwo verkannt wird. 
In den jetzt zahlreicher werdenden. Ge- 
rächen der Staatsmänner, in Presse und 
'unk, hören wir zwar kluge und mutige 
Vorte; mehr aber noch, will uns scheinen, 
‚ird Auffassungen Ausdruck gegeben, die 
/eder recht noch billig sind. Es sind starke 
«räfte in der verbündeten freien Welt am 
Verke — von den sowjetischen Mächten ganz 
mu schweigen ——, die uns dahin bringen wollen, 
‚ber das nun einmal Geschehene ein Kreuz 
u machen, Und leider gibt es auch Formu- 
ıerungen bundesrepublikanischer Politiker, 
‚.enen mehr oder weniger die Bereitschaft zum 
'erzicht auf Ostdeutschland anzumerken ist. 
Unser Heimatblatt ist seiner Natur nach 
ticht Plattform politischer oder gar partei- 
scher Auseinandersetzungen. Wir sind un- 
rer begrenzten Kultur- und Heimatarbeit 
ehr wohl eingedenk, wollen aber unsere 
andsleute immer wieder anrufen, in dieser 
’eit des Widerstreits und uns abträglicher 
;estrebungen. um se fester zusammen zu 
’ehen, Worum es geht, wissen wir doch alle, 
Wir hörten in diesen Wochen fast täglich 
m Schwerer Arbeit der beiden Hamburger 
äumschiffe, die unter den Augen der Welt 
n der Wiederinstandsetzung des Suezkanals 
aitwirkten; sie heißen „Energie“ und „Aus- 
auer“ und haben für Deutschland Ehre er- 
vorben, Ihre Namen scheinen uns von sym- 
‚olhafter Bedeutung; auch wir werden am 
inde ehrlich bestehen, wenn wir beides be- 
vähren: Energieund Ausdauer. AJ. 
ALn— 
Karl Willi Moser 
EOS vo En { er ; 
nn x 1 En 
Rückschau zwischen Weihnachten und Ostern 
‚Hier hab ich 50 oft gestanden, Jaß die dünnen Saiten tiefe Rillen in die un- nyrtengeschmückten Konfirmanden, festliche: 
es blühten Täler und Höh'n,. - srmüdlichen Finger schnitten, Abs es war enn je läuteten” die Glocken, <wenn . die 
Tan ehe We schön.s“ hon: Frühling, richtiger” Frühling Es m. Z ıngen Menschen von ihrem Pfarrer zum Altar 
. Eichendort ‘. In diese Zeit des Naturerwachens fiel für hd und ax ‚diesem aD de U 
“4 j . ei je Di lie Mitglieder der evangelischen Gemeinden genommen wurden. En 
stk N A ag ler Festtag der. Konfirmation, Mußten auch yandte füllten bis ‚auf den letzten A die 
4srhekreuz vom Aschermittwoch einen Schluß- 2anchmal, wenn das Osterfest zu zeitig war, irche, Tränen der Rührung in dien Augen. 
Arich unter das fröhliche Treiben der häufigen es kühlen Vorfrühlingsweiters wegen die fach dem Festakt gab es ein Fami jen: ii 
jchwarz-weiß-, Kostüm- und Maskenfeste euen Konfirmandinnenkleider durch Capes estessen, Ansprachen und EEE SWÜNS en, 
'og, und damit die vielen Annoncen der Gast- der gar Mäntel zugedeckt werden, festlicher nd die Gabentische ‚wurden sto) EE Dt a 
;tätten nicht mehr zu Eisbein-, Enten-, Well- Hanz leuchtete immer aus den Augen der Fastenzeit — Passionszeit! „O Haupt vo 
Jeisch- und Wellwurstessen die Zeitungs- 
‚palten. füllten, begann mit der Fastenzeit 
gerade im Neisser Land eine besinnliche Zeit 
ler Einkehr und langsamen Erwartung auf 
Jas Osterfest. 
Zwar meinte es König Winter anfangs noch 
‚ehr streng, und die Brauereien ernteten auf 
hren Eisteichen dicke Eisstangen, die in den 
Jickwandigen Eiskellern verschwanden, aber 
ler Vorfrühling kam pünktlich und gewiß, 
Als ich nach langjähriger Kriegsgefangenschaft 
‚on Oberhessen nach dem Allgäu verschlagen 
wurde, sagte mir ein Kenner: „Da kommen 
Sie in ein Land ohne Frühling!“, und ich wollte 
2 ihm nicht recht glauben; da ich ja nach dem 
Süden zog. Aber es stimmte. © = 
Um ®0o lebhafter ist mir die schöne Vorfrüh- 
äings- und Frühlingszeit in der Heimat in Er- 
nNnerung. Schon Anfang Februar begannen 
zurückgekehrte Singvögel im Neisser Stadt- 
und Warmbrunnpark und in den ausgedehnten 
Glacies ihren Glauben an den Frühlingseinzug 
in die Welt zu jubeln. Zur gleichen Zeit be= 
jebte sich der Blumenmarkt vor der Land- 
schaftlichen Bank in der Brüderstraße mit 
Körben von Sehneeglöckchen aus dem Briese- 
ner Wald, der Goldenen Aue und den Kohls- 
Jorfer Wiesen; Weiden- und Haselnußkätzchen 
wurden angeboten und den Lebensreformer 
arfreute die frischgrüne, aromatische Brunnen- 
kresse. ‘ 
Dem Bodenfrühling folgte der Strauchfrüh- 
ing; die. Haselnußkätzchen zogen sich nun 
»lütenstäubend auseinander, damit verratend, 
laß der Winter. nun endgültig‘ ausgespielt 
aatte: 
‚Im Märze der Bauer die Rößlein einspannt, 
Tr setzt seine Felder und Wiesen instand, 
=r pflüget den Boden, er egget und sät Lt 
und rührt seine Hände von morgens bis spät.“ 
Hier traf das alte Kinderlied noch zu! Die 
Kinder „schippelten“ eifrig in der wärmenden 
Märzensonne, die Mädchen erprobten beim 
‚Kästelhopsen“ ihre Gewandtheit und oft 
wurden mittags beim Heimgang aus der Schule 
heimlich. die Schuhe ausgezogen, indeß die 
Äängstlichen Mütter das Barfußgehen noch ver- 
boten, weil es doch noch ungesund sei, da 
ben erst St. Joseph „den glühenden Pfoahl 
x die Erde schlägt.“ U : 
Märzensonne ist Gold wert! Ich. denke noch 
ın die sonnig-warmen Märztage von 1921. Es 
varen die Tage, an denen die oberschlesischen 
Landsleute aus * allen Teilen. Deutschlands 
lurch‘ Neisse: zur Oberschlesischen Abstim- 
nung fuhren und hier am Bahnhof erfrischt, 
verpflegt und unterhalten wurden. Ich gehörte 
Jamals dem Neisser Lauten- und Mandolinen- 
klub an; wir spielten jeden Tag stundenlang 
auf dem Bahnsteig und in den Verpflegungs- 
baracken. und spürten es schon nicht mehr.
	        

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