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Neustädter Heimatbrief (1966)

Bibliografische Daten

fullscreen: Neustädter Heimatbrief (1966)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Neustädter Heimatbrief
Untertitel:
Zeitschrift des Kreises Neustadt OS
Publikationsort:
Rothenburg o. d. T.
Veröffentlichungsjahr:
1950
Verlag:
Goldammer Verlag GmbH & Co. KG

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=010078045
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Neustädter Heimatbrief
Untertitel:
Zeitschrift des Kreises Neustadt OS
Band, Heft, Nummer:
1966
Publikationsort:
Rothenburg o. d. T.
Veröffentlichungsjahr:
1950
Verlag:
Goldammer Verlag GmbH & Co. KG

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Signatur:
Z 111
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=010078045_1966

Zeitschriftenheft

Strukturtyp:
Zeitschriftenheft
Titel:
März 1966
Band, Heft, Nummer:
3

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Neustädter Heimatbrief
  • Neustädter Heimatbrief (1966)
  • Januar 1966 (1)
  • Februar 1966 (2)
  • März 1966 (3)
  • April 1966 (4)
  • Mai 1966 (5)
  • Juni 1966 (6)
  • Juli 1966 (7)
  • August 1966 (8)
  • September 1966 (9)
  • Oktober 1966 (10)
  • November 1966 (11)
  • Dezember 1966 (12)

Volltext

Achthuben 
Unser Haus 
Von Maria Kieslich 
fühlte man sich in ihr wohl und geborgen. 
Solcher Tage gab es genug im Jahresablauf., 
Zu ihnen gehörten die großen Feiertage und 
der Tag, an dem der Pfarrer zur Kollende 
kam. An Geburtstagen, zur Fasching, zur 
Kirmes und zum Schlachtfest waren . die 
Verwandten eingeladen und taten sich an 
Speisen und Getränken gütlich. Da fanden 
die schönen Tischdecken und das gute Ge- 
schirr und Eßbesteck Verwendung, und die 
‚gute Stube“ war erfüllt von Lebenslust 
ınd Lebensfreude. 
Bei Hochzeiten oder Todesfällen wurde 
die „gute Stube“ ausgeräumt. Im ersteren 
Falle wurden große Tische in ihr aufgestellt, 
ım den vielen Gästen eine Sitzgelegenheit 
zu bieten, im letzteren Falle wurde der im 
Sarg liegende Tote inmitten von Kerzen und 
3lumen aufgebahrt. Dann wurde der Spie- 
gel an der Wand mit schwarzem Schleier 
verhangen. _ 
So war die „gute Stube“ von der Wiege 
bis zur Bahre der Ort größten Glückes und 
;jefster Trauer, Wenn wir heute in unserer 
‚guten Stube“ sitzen, die schöner und mo- 
derner ausgestattet ist, dann wollen wir 
loch zurückdenken an die Zeit der „guten 
Stube“, die häusliches Glück barg und un- 
seres Lebens schönste Familienerinnerungen 
in sich schloß. Heute ist die gute Stube an- 
zefüllt von dem durch Radio und Fernsehen 
ins Haus gelieferten Lärm der großen, wei- 
ten Welt, damals war sie erfüllt von einer 
tiefen, besinnlichen Stille, die uns ausruhen 
ließ und uns Gott näher brachte. 
Ach, gäbe es doch noch solch „gute Stu- 
ben“, wie wir sie leider nur noch heute in 
der Erinnerung haben. 
Fortsetzung 
Die „gute Stube“ 
Wer in früheren Zeiten eine „gute Stube“ 
oesaß, gehörte schon zu den Wohlhabenden. 
Sie war das Prunkstück der Wohnung. Hier 
stand der Glasschrank, der später durch das 
Büfett ersetzt wurde. Im Vertiko lagen 
dagegen die Tischdecken und die Bettwäsche 
ınd vor dem Plüschsofa stand der immer 
festlich aussehende, den Jahreszeiten ent- 
sprechend mit Blumen geschmückte Tisch, 
der mit einer selbstgehäkelten oder gestick- 
ten Tischdecke bedeckt war. Aus Rohr ge- 
Nochtene Stühle oder mit ledergepolsterten 
Sitzen versehen, umstanden denselben. Hin- 
ter dem schräg an der Wand hängenden 
Spiegel verwahrte man wichtige Post. Ge- 
schmückt wurde er gar oft mit Papierrosen, 
die man beim Schützenfest gewonnen hatte. 
Viel Bilder schmückten die Wände, die da- 
mals als Schönheit gewertet wurden, heute 
aber als Kitsch bezeichnet werden. Schwere 
Gardinen sorgten dafür, daß im Zimmer 
\'mmer ein gedämpftes Licht herrschte und 
handgewebte Läufer bedeckten den Fuß- 
voden. 
Die Hausfrau zeigte gern den Besuchern 
die „gute Stube“, die an der Vielzahl und 
Reichhaltigkeit der Gegenstände Zeugnis 
von einer gewissen Wohlhabenheit ablegte. 
Da sie wenig benutzt wurde, strahlte sie 
immer eine gewisse Kühle aus. Erst dann, 
wenn der Kachelofen tüchtig eingeheizt war, 
und sie im festlichen Glanze erstrahlte, 
Deutsch-Rasselwitz: 77,7 ()rtsgeschichte von Deutsch-Rasselwitz 
Abschnitt Ortssagen: 
Die Geschichte vom Wassermann 
Männchen. Am Stamm der Weide lehnte 
aine Krücke. Das ängstliche Mädchen wollte 
sich fortschleichen, aber der abenteuerlustige 
3ruder sagte keck leise: „Ich nehme ihm die 
Xrücke.“ Ohne auf die Warnung seiner 
Schwester zu achten, nahm er auch sofort 
Anlauf. Nur auf die Krücke schauend merk- 
je er es zu spät, daß er in den Mühlengraben 
"rutschte, in das noch eisige Wasser. Glück- 
icherweise kam in demselben Augenblick 
sn Bauer vorbei, der einen Sack Hafer zur 
Wühle bringen wollte zum Schroten. Er 
schmiß den Sack eilig von seinen Schultern 
ınd lief zu dem um Hilfe Schreienden, er- 
wischte ihn grad noch am Schopfe und zog 
hn an das Ufer. „Ja, der Wassermann hatte 
hn reingezogen“, sagte die kleine Schwester 
zu dem Bauern. Schnell liefen beide nach 
Xause ohne Weidenkätzchen gepflückt zu 
haben. 
Ein anderes Mal befand sich ein Bursche 
auf dem Wege nach Leobschütz. In der Nähe 
ler großen Brücke wurde er von einem 
Bierwagen eingeholt, der dasselbe Ziel hatte. 
Hinten auf dem Wagen saß ein kleines 
Eine letzte von den vielen Rasselwitzer 
Wassermannssagen sei nochmals erwähnt. 
Es war. an einem lauwarmen Frühlingstag. 
Die Weidenkätzchen entlang der Hotzen- 
alotz zeigten ihr silberweiß schimmerndes 
Xleid in der schon warm stahlenden Mittags- 
sonne. Ein Geschwisterpaar hielt‘s an einem 
solchen Tag nicht in der Stube. Sie wollten 
sich die ersten Weidenkätzchen schneiden 
i{ür die gute Stube in die Vase. So gingen 
sie den Weg entlang, der hinter den Nieder- 
jorfgärten durch Weidengebüsch am Mühl- 
graben hinläuft. Es war in der Mittagstunde 
ınd die beiden dachten deshalb an den 
Wassermann, dem man um diese Zeit am 
5ftesten begegnen kann, sprachen so von 
ihm und suchten mit spähenden Blicken 
das Ufer und sein Buschwerk ab. „Siehst du 
_.hn?“ sagte leise das Mädchen plötzlich er- 
schrocken zu ihrem Bruder, angstvoll zei- 
gend auf eine alte Weide am Ufer stehend. 
Darauf hockte ein verwachsenes, graues
	        

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Neustädter Heimatbrief. Goldammer Verlag GmbH & Co. KG, 1950.
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