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Neustädter Heimatbrief (1966)

Bibliografische Daten

fullscreen: Neustädter Heimatbrief (1966)

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Neustädter Heimatbrief
Untertitel:
Zeitschrift des Kreises Neustadt OS
Publikationsort:
Rothenburg o. d. T.
Veröffentlichungsjahr:
1950
Verlag:
Goldammer Verlag GmbH & Co. KG

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=010078045
Strukturtyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Titel:
Neustädter Heimatbrief
Untertitel:
Zeitschrift des Kreises Neustadt OS
Band, Heft, Nummer:
1966
Publikationsort:
Rothenburg o. d. T.
Veröffentlichungsjahr:
1950
Verlag:
Goldammer Verlag GmbH & Co. KG

Physikalischer Standort:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Signatur:
Z 111
Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=010078045_1966

Zeitschriftenheft

Strukturtyp:
Zeitschriftenheft
Titel:
September 1966
Band, Heft, Nummer:
9

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Neustädter Heimatbrief
  • Neustädter Heimatbrief (1966)
  • Januar 1966 (1)
  • Februar 1966 (2)
  • März 1966 (3)
  • April 1966 (4)
  • Mai 1966 (5)
  • Juni 1966 (6)
  • Juli 1966 (7)
  • August 1966 (8)
  • September 1966 (9)
  • Oktober 1966 (10)
  • November 1966 (11)
  • Dezember 1966 (12)

Volltext

Dr. Wüstefeld, Oberstabsarzt Dr. Glum und 
Dr. Borkert verdient. Die städtische Sani- 
tätskommission richtete ein Choleralazarett 
ein und traf energische Maßnahmen ge- 
gen die Seuche. Auch im Kloster der Barm- 
herzigen Brüder wurden Cholerakranke ver- 
sorgt. Doch Krieg und Cholera sollten nicht 
ohne Folgen auf Handel und Gewerbe blei- 
ben. Mehrere Jahrmärkte fielen aus und 
das in Neustadt ansässige recht zahlreiche 
Handwerk (642 Meister, 543 Gesellen, 440 
Lehrlinge) klagte über schlechten Absatz sei- 
ner Erzeugnisse, Doch auch ein Gutes hatte 
die Kriegsgefahr: eine Untersuchung der 
Hausbedachung wurde für die Stadt ange- 
ordnet. Es ergab sich, daß 715 Gebäude mit 
Dachziegeln, 168 mit Schindeln und 26 mit 
Schiefer gedeckt waren. Für die Zukunft 
wurde nun zur Verminderung der Feuersge- 
fahr auf Ersatz der Schindeldächer durch Zie- 
geldächer gedrängt. Die dem Landkreis Neu- 
stadt zustehende Entschädigung für Kriegs- 
lieferungen in Höhe von 10 852 Taler wurde 
der National-Invalidenstiftung (Vorläufer der 
heutigen Kriegsopferversorgung) zur Verfü- 
gung gestellt. Mit dieser für die damalige 
Zeit recht ansehnlichen Summe statteten 
Stadt und Kreis Neustadt den Invaliden den 
Dank der Heimat ab. 
Die beiden einzigen Kampfhandlungen des 
Krieges an der oberschlesischen Grenze fan- 
den am 27. Juni bei Oswiecim (Auschwitz), 
in der. Nähe des Zusammenflusses der 
Przemsa mit der Weichsel, und am Bahnhof 
Myslowitz statt. Die Kämpfe gingen auf die 
Ansicht des preußischen Generalstabes zu- 
rück, daß die Sicherung Oberschlesiens am 
nachhaltigsten durch eine Offensive in das 
österreichische Gebiet zu erreichen sei. Der 
Befehl der II. Armee (Kronprinz v. Preußen) 
an General Graf Stollberg (s. oben) hierzu 
erging am 26. Juni deshalb, weil sich am 27, 
Juni die preußischen Armeen in ihrer Ge- 
samtheit gegen Österreich in Marsch setzten. 
Um die Hauptstoßrichtungen zu verschleiern, 
sollte daher auch bei Oswiecim und Myslo- 
witz preußischerseits zum Angriff vorge- 
gangen werden. Die preußische Armee setzte 
bei Oswiecim insgesamt ein: 41/2 Bataillone 
{nfanterie, 1 Kompanie Jäger, die Gleiwit- 
zer Ulanen mit 4 Eskadrons und 2 Geschütze, 
bei Myslowitz 1 Landwehr-Infanteriebatail- 
ion. Diesen Truppen stand auf öÖsterreichi- 
scher Seite gegenüber der größte Teil der 
Brigade des Generals Trentivaglia mit 4 
Infanteriebataillonen, das Ulanenregiment 
Graf Grüne Nr. 1 und eine gezogene vier- 
pfündige Batterie ‚des Artillerieregiments 
Nr. 4. Das Gefecht, bei dem es auch einen 
malerischen Reiterkampf — preußische ge- 
gen österreichische Ulanen — gab, dauerte 
etwa von 5 bis !/29 Uhr morgens. Dann zo- 
gen sich die Preußen auf ihre Ausgangsstel- 
lungen zurück, Sie waren — überwiegend 
Landwehreinheiten, die noch mit dem ver- 
alteten Perkussionsgewehr versehen waren 
1692 
— den Österreichischen Truppen nicht ge- 
wachsen. Das preußische Generalstabswerk 
sagt über den Einsatz des Landwehr-Ula- 
nenregiments: „Inzwischen war Major v. 
Busse mit dem VUlanenregiment auf Lazy 
vorgegangen und zunächst auf 2 Züge öster- 
reichischer Ulanen gestoßen, welche sich 
durch den Ort auf dem Wege nach Oswiecim 
auf ihr Gros repliierten (zurückzogen), das 
in der Stärke von 2 bis 3 Eskadrons 2 000 
Schritt nordöstlich des Dorfes in einem Ge- 
treidefeld aufmarschiert war. Als das Land- 
wehr-Ulanenregiment aus Lazy debouchierte 
(herausrückte) und die 1. und 2. Eskadron 
sich entwickelten, schwenkte die feindliche 
Kavallerie mit Zügen links, um dieselben zu 
iberflügeln, machte demnächst wieder Front 
und ging im Galopp zur Attacke vor. Major 
v. Busse warf sich mit den beiden Eskadrons 
sofort entgegen, während sich die 3. und 4. 
Eskadron nach und nach anhingen. Der 
feindliche Führer Rittmeister Baron v. Leh- 
mann sprengte beim Major v. Busse vorbei, 
machte kurz kehrt und führte einen Hieb 
nach dessen Schulter, wurde aber sofort von 
ihm vom Pferde gehauen. Es kam zu einem 
mit großer Erbitterung geführten Handge- 
menge, das mit der Flucht des Gegners en- 
dete. Das Erscheinen neuer feindlicher Ka- 
vallerie bei Oswiecim beendete indessen die 
durch die 4. Eskadron unternommene Ver- 
folgung. Das Regiment wurde auf dem Ge- 
fechtsfeld gesammelt. Es hatte bei dieser 
Attacke einen Verlust von 4 Mann tot, 1 Of- 
äÄzier und 24 Mann verwundet, und von 31 
Pferden erlitten; vom Gegner fielen 1 Offi- 
zier und 27 Mann in Gefangenschaft.“ — In 
aeiden Gefechten betrug der preußische Ver- 
.‚ust 6 Offiziere und 178 Mann, die Österrei- 
cher gaben ihre Verluste mit 91 Mann ein- 
schließlich der Toten, Gefangenen und Ver- 
mißten an. Letztere Zahl wurde vom preu- 
3ischen Generalstabswerk angezweifelt. Auf 
veiden Seiten dürften zusammen etwa 50 bis 
50 Gefallene zu beklagen gewesen sein. — 
So ist der unglückselige Bruderkrieg von 
1866 für Oberschlesiens Bevölkerung beider- 
seits der Grenze noch glimpflich abgegangen. 
Heute sind die Mächte, die sich damals so 
hart bekämpften, verschwunden: die Dop- 
pelmonarchie ist dem ersten, Preußen dem 
zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen. Da- 
durch ist aber auch nicht der ewige Friede 
für die Menschheit gekommen, wie es sich 
die Amerikaner (Wilson, Roosevelt!) offenbar 
einbildeten. Was damals die Einigung 
Deutschlands bedeutete, ist heute die Eini- 
gung Europas. Wir wollen hoffen, daß sie 
eines Tages Wirklichkeit wird, auch wenn es 
einem schwer fällt daran zu glauben. 
Werbt neue Bezieher!
	        

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