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Gleiwitzer - Beuthener - Tarnowitzer Heimatblatt (1973)

Bibliographic data

fullscreen: Gleiwitzer - Beuthener - Tarnowitzer Heimatblatt (1973)

Structure type:
Periodical
Collection:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Title:
Gleiwitzer - Beuthener - Tarnowitzer Heimatblatt
Subtitle:
Mitteilungsblatt für Familie und Heimatkunde
Place of publication:
Nürnberg
Year of publication:
1958
Publisher:
Preußler

Physical location:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=010077960
Structure type:
Periodical volume
Collection:
Oberschlesische Heimatblätter ab 1949
Title:
Gleiwitzer - Beuthener - Tarnowitzer Heimatblatt
Subtitle:
Mitteilungsblatt für Familie und Heimatkunde
Volume,Issue,Number:
1973
Place of publication:
Nürnberg
Year of publication:
1958
Publisher:
Preußler

Physical location:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Shelfmark:
Z 417
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=010077960_1973

Periodical issue

Structure type:
Periodical issue
Title:
April 1973
Volume,Issue,Number:
4

Contents

Table of contents

  • Gleiwitzer - Beuthener - Tarnowitzer Heimatblatt
  • Gleiwitzer - Beuthener - Tarnowitzer Heimatblatt (1973)
  • Januar 1973 (1)
  • Februar 1973 (2)
  • März 1973 (3)
  • April 1973 (4)
  • Mai 1973 (5)
  • Juni 1973 (6)
  • Juli/August 1973 (7/8)
  • September 1973 (9)
  • Oktober 1973 (10)
  • November 1973 (11)
  • Dezember 1973 (12)

Full text

wollen wir in diesen leben. Ich meine unsere Treffen und Zusammenkünfte, die uns 
nicht zu Romantikern oder Revanchisten machen wollen, sondern die uns aus dem 
Glauben, dem Brauchtum und der Kultur der Heimat stärkeren Mut zum Weiterge- 
hen geben möchten. Freilich müssen diese auch richtig verstanden sein. 
Wenn wir uns in Essen, Bottrop, am Annaberg bei Haltern oder sonstwo treffen, 
steht letzten Endes die Frage nach dem Sinn solcher Veranstaltungen vor uns, Sind 
sie nicht überholt? Geht es nur darum, wie manche meinen, daß man einander mal 
wiedersieht, vielleicht anderen ‚olle Kamellen‘ erzählt, die ins Märchenland gehörten? 
Man hat ja dafür schon stehende Redewendungen gebraucht: „Na, lebst du auch noch? 
— Weißt du noch? — Erzähle mal, wie das damals daheim war! — Was macht denn 
Franz? — In der Heimat war es ja sooo schön!“ — Man könnte diese Liste noch erwei- 
tern. Aber geht es wirklich nur darum? Ich meine, es geht um etwas anderes, um et- 
was Tieferes. Wir brauchen einfach einander, die Begegnung miteinander! Das läßt 
sich nicht aussprechen, nicht in Worte fassen. Wir brauchen einander in verstehender 
Gegenwart, eben dadurch, daß wir da sind, neben den anderen. Vertriebene, die im 
tiefsten Grund ihrer Seele von den anderen nicht verstanden werden, ja, nicht ver- 
standen werden können, hat es immer gegeben. Wollten andere sie ganz verstehen 
können, sie müßten mit ihnen den Platz tauschen, müßten selbst Vertriebene sein. An- 
dere müßten ‚wir werden‘, um uns verstehen zu können. 
So sehe ich auch das Kommen und das Gehen des Gottessohnes auf diese und auf 
dieser Erde. Um aus dem Paradies, aus der Heimat verstoßene Menschen zu verstehen, 
um ihre tiefe Sehnsucht nach dem Glück der Heimat nachzuempfinden, ist Gottes 
Sohn Mensch geworden, hat ER Seinen göttlichen Platz mit unserer menschlichen Nie- 
drigkeit getauscht. Er hat nicht nur schöne Worte des Mitleids mit den Vertriebenen 
geredet, nicht davon gesprochen, der Mensch habe es so gewollt, nun müsse er mit den 
Realitäten selber fertig werden, müsse sie in seinen Lebensweg einbauen. Aus dem 
Reichtum der Geistigkeit, der Göttlichkeit stieg ER aus. Kein Platz bei den mit den 
Realitäten der Volkszählung rechnenden Bethlehemiten! „Es wird ja auch im Stall 
gehen!“ (Genauso, wie es viele von uns nach der Vertreibung im Münsterland durch- 
machen mußten!). — Bald Flüchtling mit seinen Eltern in Ägypten. Dann von seinem 
eigenen Volk nicht verstanden, zu dem ER doch eigentlich und zuerst gekommen war. 
Schließlich: „Wir müssen mit unseren Verträgen rechnen! Wir können uns da nicht 
selbst den Kaiser auf den Hals hetzen. Realitäten, denen wir am einfachsten dadurch 
gerecht werden, daß wir den einen fallen lassen, ehe das ganze Volk zugrundegeht!“ 
Realitäten! Von den besten Freunden in entscheidender Stunde verlassen. Realitäten! 
Wo sind all‘ die Lahmen und Gichtbrüchigen und sonstigen Kranken, denen Er geholfen 
hat? Untergetaucht in der Menge! Nur nicht auffallen, daß man mit diesem jemals 
etwas zu tun hatte! Sie sind nun wieder ‚eingegliedert‘ in die menschliche Gesell- 
schaft. Und damit sollten sie zufrieden sein. Realitäten! 
Um uns zu verstehen, wenn wir nicht nur von oben her gegeißelt werden, sondern 
auch von unten her verhöhnt und verspottet werden, hat Gottes Sohn sich bei Seiner 
Dornenkrönung zum Gespött an verständnislose Handlanger weggeworfen, die IHM 
Seine Realität ganz drastisch vor Augen führen wollten. — Ja, um das zutiefst mensch- 
liche Sehnen nach einem Auslöschen des Todes zu stillen, ist Gottes Sohn für uns ans 
Kreuz gestiegen, hat Seinen Leib den Gesetzen des Todes unterworfen, in Seiner Auf- 
erstehung dann aber unser letztes Sehnen erfüllt. Denn „Ist Christus auferstanden, 
dann werden auch wir auferstehen!‘ 
Christus ist auf die gleiche Stufe mit uns herabgestiegen, hat, wie gesagt, mit uns 
Seinen Platz getauscht. Dies alles, um uns zu verstehen, um gleichsam einmal das 
menschliche Leben nachzuschmecken. Und dieses Verstehen ist heute überall dort ge- 
geben, wo sich Menschen auf der gleichen Stufe ihres Daseins befinden. Aus diesem 
Grund vielleicht auch die Kluft zwischen der älteren und jüngeren Generation unter 
uns. Die Jugend steht nicht mehr auf der gleichen Stufe. Alles Weh, das uns die Ver- 
treibung brachte, kann sie nicht mehr verstehen. Den Begriff ‚Heimat‘ deutet sie an- 
ders, wenn es für sie diesen Begriff überhaupt noch gibt. Kann sein, daß diese jünge- 
ren Menschen, vielleicht auch erst deren Kinder wieder, einen Zugang zum Begriff 
‚Heimat‘ von anderer Seite her gewinnen.
	        

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