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Unser Oberschlesien (1968)

Bibliographic data

fullscreen: Unser Oberschlesien (1968)

Structure type:
Periodical
Collection:
Landsmannschaft der Oberschlesier
Title:
Unser Oberschlesien
Subtitle:
Organ der Landsmannschaft der Oberschlesier e.V., Bundesverband Bonn, Rh.
Place of publication:
Frankfurt, M.
Year of publication:
1951
Publisher:
Unser Oberschlesien

Physical location:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=010038280
Structure type:
Periodical volume
Collection:
Landsmannschaft der Oberschlesier
Title:
Unser Oberschlesien
Subtitle:
Organ der Landsmannschaft der Oberschlesier e.V., Bundesverband Bonn, Rh.
Volume,Issue,Number:
1968
Place of publication:
Görlitz
Year of publication:
1951
Publisher:
Senfkorn-Verl.

Physical location:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=010038280_1968

Periodical issue

Structure type:
Periodical issue
Title:
Oktober 1968
Volume,Issue,Number:
20

Contents

Table of contents

  • Unser Oberschlesien
  • Unser Oberschlesien (1968)
  • Januar 1968 (1)
  • Januar 1968 (2)
  • Februar 1968 (3)
  • Februar 1968 (4)
  • März 1968 (5)
  • März 1968 (6)
  • April 1968 (7)
  • April 1968 (8)
  • Mai 1968 (9)
  • Mai 1968 (10)
  • Juni 1968 (11)
  • Juni 1968 (12)
  • Juli 1968 (13)
  • Juli 1968 (14)
  • August 1968 (15)
  • August 1968 (16)
  • September 1968 (17)
  • September 1968 (18)
  • Oktober 1968 (19)
  • Oktober 1968 (20)
  • November 1968 (21)
  • November 1968 (22)
  • Dezember 1968 (23)
  • Dezember 1968 (24)

Full text

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Yerlaasort Wiesbaden 
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Drgan der Landsmannschaft der Oberschlesier e. V. - Bundesverband 
7 
Vernebeltes ARD-.Panorama” 
Bonn/Rhein — 18. Jahrgang — Nr. 20 vom 24. Oktober 1968 
x 
Fo 
Einseitige Propagierung verzichtpolitischer Tendenzen im Deutschen Fernsehen muß 
endlich aufhören — Anstelle von Manipulation und Roßtäuscherei sachliche Diskussion 
Wo’ 
-ellea auf dem Holzbera bei Ziegenhals 0/$ 
„Wie lange will: man es politischen RoBß- 
täuschern noch erlauben, Millionen von 
Fernsehzuschauern ihre Ansichten aufzu- 
zwingen?“ Das war die Kernfrage, die 
kein anderer als der frühere Pressespre- 
cher der Bundesregierung, Staatssekretär 
a. D. Felix von Eckardt, MdB, an- 
gesichts einer „Panorama“-Sendung des 
ARD-Moderators Merseburger stellte 
in der die bisherige Ostpolitik Bonns ir 
unsinniger Weise kritisiert und unter Her- 
anziehung des (so von Eckhardt:)} „in die 
Politik verirrten Professors Dahrendorf‘ 
eine illusionäre Verzichts- und Anerken- 
Aungspolitik in der Deutschlandfräge pro- 
pagiert wurde, Es war in der Tat eine 
mehr als nur fragwürdige Methode, deren 
sich Merseburger bediente, um im Jargon 
„engagierter“ Überheblichkeit, den er sich 
angewöhnt hat, diejenigen. nach Möglich- 
keit abzuqualifizieren, die angesichts der 
Vorgänge in der CSSR vor einer leicht: 
fertigen Aufgabe fest gegründeter Rechts: 
ansprüche, vor einer Politik der sinnlosen 
Kapitulation warnten. Was „Panorama“ 
dort geboten hat, war wirklich ein „skan- 
dalon“, ein Ärgernis. 
So bedeutete es tatsächlich eine krasse 
Irreführung der Öffentlichkeit, daß in der 
„Panorama“-Sendung die unwahre These 
verkündet wurde, die deutsche Ostpolitik 
sei deshalb erfolglos geblieben, weil man 
gewissermaßen „zuwenig verzichtet“ habe. 
Daraufhin wurde insinuiert, daß dies bald- 
möglichst nachgeholt werden solle, Weder 
Dahrendorf noch auch Merseburger mach- 
ten sich nur die geringste Mühe, irgend«- 
eine Begründung für ihre törichte Mei- 
nung zu geben, daß die Warnung vor 
einer Verzichtpolitik nichts anderes als 
einen, „Verzicht“ auf jedwede Ostpolitik 
Äberhaupt darstelle. Damit wurde. die un- 
bedarfte Ansicht verkündet; daß .die einzig 
Mögliche Ostpolitik eben Verzichtpolitik 
speziell in der Oder-Neiße-Frage sei. Dem- 
entsprechend wurde denn auch gegen den 
Bundeskanzler polemisiert, weil dieser er- 
klärt‘ hat, er sei nicht bereit, eine solche 
Kapitulation zu unterschreiben. 
Felix von Eckardt, der sehr wohl seine 
Worte genau abzuwägen weiß, hat denn 
auch mit Recht davon gesprochen, daß der 
Fernsehzuschauern in dieser „Panorama“- 
Sendung „politischer und _gedanklicheı 
Blödsinn“ geboten worden sei. Das gal 
zwar in ganz besonderer Weise für die 
Aufforderung, die Bundesrepublik solle 
gewissermaßen den maßlosen Geldforde- 
rungen Ulbrichts — u, a. auch für die an 
zeblich der „DDR“ infolge der Übersied: 
‚ung von Landsleuten aus Mitteldeutsch- 
and nach Westdeutschland zugefügter. 
„Schäden“ — entsprechen; es hat aber 
auch für die Zumutung Gültigkeit, Bonn 
möge unverzüglich die Oder-Neiße-Linie 
anerkennen. Nicht nur wurde nämlich hier- 
bei die doch unbedingt erforderliche Frage 
vermieden, welcher politische Vorteil da- 
durch eventuell zu erreichen sein könnte, 
sondern Merseburger ging sogar so weit, 
selbst einzuräumen, daß keineswegs vor- 
auszusehen sei, welche Weiterungen sich 
aus einem solchen Schritt ergeben könn- 
ten. Merseburger — und Dahrendorf — 
agitieren also .für einen Verzicht um des 
Verzichts willen und tragen das auch noch 
I“ ei. hen 
Über die Bildschirme des Deutscher, 
Sernsehens rollt Gerassimows roter Mam- 
mutschinken vom „Stillen Don“, gedreht 
1957/58 nach dem gleichnamigen Roman 
von Michail Scholochoch; sechs Stunden 
Sowjetpropaganda ohne künstlerischen 
Wert, im sozialistischen Realismus. Rühr- 
zeligkeit und Parteitreue, politisch-gezü- 
gelte Leidenschaft und parteiamtlich vor- 
geschriebene „Liebe“ halten einander die 
Waage. Zuweilen geht es sehr kriegerisch 
zu, und mit Glyzerintränen wird ein neu- 
es Leben begonnen. 
Sicher, man hat schon größeren Kitsch 
vom Fernsehen vorgesetzt bekommen. 
Man weiß nicht recht, was man wohl mehr 
„bewundern“ soll: die Geschmacklosigkeit 
dieser Wahl oder die politische Instinkt- 
losigkeit der „öffentlichen Anstalt“, dieses 
Cecilede-Mille-Plagiat ausgerechnet zu 
einem Zeitpunkt auszustrahlen, da Prag 
noch unvergessen in aller Erinnerung lebt, 
da sowjetische Schriftsteller, die sich im 
Gegensatz zu Herrn Scholochow der Men- 
schen- und Künstlerrechte bewußt wur- 
den, in Ketten gelegt werden; da man 
ihnen einen Schauprozeß macht, da jedes 
künstlerische Schaffen im Osten von Mos- 
kau erdrosselt wird. 
Es hat an Protesten nicht gefehlt. Das 
Deutsche Fernsehen replizierte mit der 
fadenscheinigen Entschuldigung, der Film 
sei lange eingeplant und daher nicht mehr 
absetzbar gewesen. Doch selbst der ein- 
fältigste Zuschauer weiß, daß z. B. jedes 
Fußballänderspiel ganze — ebensolange 
angesetzte — Abendprogramme dieser An- 
stalt über den Haufen werfen kann und 
daß sie „im Trauerfalle“ schon acht Tage 
lang Programme, mehr .als kurzfristig 
+bzusetzen . vermochte. GEF 
n einem Tone und mit Gebärden vor, die 
jarauf gemünzt sind, den Zuschauer und 
Zuhörer die Meinung aufzuoktroyieren, 
ıer handele es sich um. der. politischen 
Neisheit letzten Schluß. . 
Man sollte „Panorama“ und der ganzen 
«RD ins Stammbuch schreiben, daß es so 
ıicht mehr weitergehen kann. Der poli- 
ische Mißbrauch, der hierzulande mit dem 
fassenmedium Fernsehen getrieben wird 
‚fordert gebieterisch, daß zumindest de: 
ıächste Bundestag. die notwendige Vor- 
orge trifft, um eine Demokratisierunft 
lieses Kommunikationsmittels sicherzu- 
‚tellen, was- infolge der technologischen 
Fortschritte glücklicherweise auch möglich 
zeworden ist; denn binnen kurzem werden 
nindestens fünf weitere Kanäle für Fern- 
‚ehsendungen zur Verfügung stehen. E: 
vird denn wohl auch der Tag kommen 
ın dem hier endlich jene Wettbewerbsver: 
ıältnisse geschaffen werden, wie sie in deı 
Tagespresse gegeben sind. Schon jetzt abe! 
;ollte das Parlament — oder der Bundes: 
nnenminister — einen Untersuchungsaus: 
ichuß ‘begründen, der sich mit der Frage 
‚efaßt, wie auch auf dem Gebiete des Fern- 
;ehens die. Meinungs- und Informations- 
reiheit hergestellt und gewährleistet wer- 
len kann. 
In volitischer Hinsicht muß: vor allem 
dafür Sorge getragen werden, daß die ein- 
jeitige Propagierung verzichtpolitischer 
’endenzen im ARD-Fernsehen — sie wird 
‚on maßgeblichen Funktionären wie Klaus 
‚on Bismarck (dem Mitunterzeichner des 
Fübinger Memorandums“) und Hans Hei- 
zert (seine Unterschrift steht auf -dem 
‚Bensberger Papier“) besonders geförderi 
— aufhört und daß an die Stelle von Mani- 
yulation und Roßtäuscherei endlich eine 
vernünftige Diskussion unter wirklich 
achlichen Gesichtspunkten. tritt. Es geht 
ıicht an, daß im‘ ARD-,Panorama“ . fort- 
jesetzt solche wichtigen Erkenntnisse miß: 
chtet werden wie die, welche einer deı 
‚edeutendsten deutschen Diplomaten deı 
‚egenwart, Heinz L. Krekeler, in die fol. 
zenden Worte gefaßt hat: „Ist es nicht sehı 
wahrscheinlich, daß wir jede Achtung bei 
"reunden wie bei Gegnern verlieren, wenn 
„vir plötzlich ein Ziel aufgäben, das wir sc 
jele Jahre hindurch als unser wichtigste: 
‚ußenpolitisches Anliegen vertreten ha. 
‚en? Unser Ansehen aber ist eine ent- 
‚icheidende Komponente des Gewichts, da! 
wir in der Völkergemeinschaft haben.‘ 
7/on solcher Klarheit und. von Solchen 
/erantwortungsbewußtsein gegenübe! 
Jem Gemeinwesen sind — das haben sit 
wiederholt bewiesen — Merseburger und 
JDahrendorf meilenwert entfernt. 
Peter Rutkowski 
Genau begrenzte Ziele _ 
Die „Moskauer Doktrin“ und die deutsche Ostpolitik 
Der Bundesminiser für gesamtdeutsche 
ragen, Herbert Wehner, hat in den „Har- 
yurger Anzeigen und Nachrichten“ mil 
‚usgezeichneter Präzision die „Moskauer 
Joktrin“ umrissen, wie sie in ganz beson: 
jers „zwingender“ Weise durch das sowje- 
ische militärische Vorgehen in der 
°schechoslowakei praktiziert worden ist 
Jnter Auswertung alles dessen, was die 
jowjetführung in den letzten Wochen und 
Aonaten in politischer Verteidigung ihrer 
'‚jegen die Prager Reformer gerichteten 
Maßnahmen“ geäußert hat, wurde von 
Jiesem aufmerksamen und sachkundigen 
Zeobachter der sowjetischen Politik eine 
zenaue Definition der „Richtlinien“ ge- 
zeben, welche der Kreml hinsichtlich sei- 
1es eigenen Machtbereichs aufgestellt und 
jefolgt hat. Ebenso eindeutig wie Moskau 
‚elbst hat Herbert Wehner die folgender 
:ünf Punkte jener „Doktrin“ heraus 
zearbeitet, nach der die Sowjetmacht ge 
zenüber ihren eigenen Satelliten verfähr‘ 
ınd deren Berücksichtigung sie auch ir 
ler übrigen Welt durchsetzen will: 
„1. Die kommunistisch regierten Län- 
der im unmittelbaren Moskauer Einfluß- 
„ereich unterliegen einem Sonderrecht 
2. Die Beziehungen dieser Länder zur 
ibrigen Welt dürfen den von Moskau 
‚estimmten Rahmen nicht überschreiten 
)der lockern. ‘ . 
3. Versuchen sie es dennoch, so werder 
ıe militärisch, polizeilich und wirtschaft- 
ich -zur Einhaltung der Moskauer .Dok- 
"im gezwungen. Bye ER 
4! Die übrige Welt hat sich” aller Ver: 
uche‘ zu enthalten, mit diesen kommu- 
:istischen' Ländern. im Moskauer’ unmit- 
elbaren‘ Einflußbereich andere‘ Bezie- 
ıungen anzuübahnen oder zu unterhal- 
en, als Moskau zuläßt. NO 
5. Wer von Moskau verdächtigt odeı 
‚ezichtigt wird, normale zwischenstaat- 
iche Beziehungen auch zu den Länderr 
n diesem Moskauer Einflußbereich an: 
‚ustreben, der wird zum Feind des Frie- 
jens erklärt.“ . 
Der Bundesminister stellte im Anschluß 
n diese zutreffende Beschreibung deı 
‚eitsätze der sowjetischen Politik die 
"rage, wie sich wohl die Völker der Well 
u dieser „Moskauer Doktrin“ . stellen 
welche Rollen sie in diesem Akt über: 
‚ehmen“ wollten: Damit hat er zugleich 
las Problem aufgeworfen, wie eine deut- 
che Ostpolitik geführt werden müßte, um 
irfolge zu zeitigen, die ihr — daran kann 
xein Zweifel bestehen — bisher versagt 
teblieben sind. 
Um diese Frage beantworten zu kön- 
‚en, ist es allerdings unerläßlich, daß zu- 
ıächst einmal festgestellt wird, was über- 
ı1aupt als „erfolgreiche Ostpolitik“ zu be- 
rachten ist. Die Antwort auf diese 
“ragestellung bietet nämlich die Voraus- 
jetzung für die Beurteilung der weiteren 
>roblematik, wie eine Politik angelegt 
werden muß, um bestimmte Ergebnisse zu 
:rzielen. Es handelt sich also darum, vor- 
»rst einmal genau die Interessen zu 
ımreißen, die vermittels der Ostpolitik 
wvahrgenomnen oder durchgesetzt werden 
;ollen, und der „zweite Takt“ wäre dann, 
zenau zu ermitteln, wo und in welchem 
Ausmaße diese Interessen mit denen ande- 
;»er Länder — hier: hauptsächlich der 
ijowjetmacht — kollidieren oder eventuell 
xonform laufen. # ; 
Nun kann man selbstverständlich davon 
ıusgehen, daß: Moskau jetzt mehr denn je 
lie Weltherrschaft des Kommunismus an- 
;trebe und daß demgemäß alles daran ge- 
setzt werden müsse, solchen Absichten ent- 
zegenzutreten. Tatsächlich ist es denn auch 
lie erste Aufgabe einer jeden deutschen 
Außenpolitik, die Freiheit zu wahren und 
‘ür den Schutz des demokratischen deut- 
iıchen‘ Gemeinwesens unablässige Sorge zu 
ragen. ‚Aber dies hat aueh einen 88s1- 
ichen-Aspekt: Während „in: westlicher 
tichtung“ eine beharrFÄiche Sicherheitspoli- 
ik‘ durch‘ fortlaufehde- -Kräftigung. des 
:tlantischen‘ Bündnisses_ im’ Vordergrund 
;teht. bedingen „ostwärts“ vor allem’ auch 
‚olitische und‘ „psychologische“: Zweck- 
näßigkeitserwägungen ‘das ‘ Erfordernis, 
len rein defensiven Charakter der Sicher- 
‚eitsvorkehrungen wahrheitsgemäß unab- 
ässig zu betonen; was allerdings auch ein- 
‚eschlieBt, daß man sich: einer „offensiv“ 
ırscheinenden Politik mit unbestimmter, 
loch scheinbar weitreichender Zielsetzung 
‚;nthält, . 
Ist dies die Basis einer jeden Ostpolitik, 
:0 gilt außerdem, daß die auch in der Prä- 
ımbel zum Grundgesetz verankerte Ziel- 
‚etzung aller‘ Außenpolitik, besonders aber 
ler Ostpolitik, ‚die Wiedervereinigung 
Deutschlands in Frieden und Freiheit ist, 
vobei es sich gewissermaßen um so etwas 
vie eine „deutsche Doktrin“ handelt, zu 
Jleren politischer — keineswegs militäri- 
‚cher —- Unterstützung sich übrigens auch 
lie’ westlichen Verbündeten der Bundes- 
:epublik verpflichtet haben, wie soeben 
arst wieder von amerikanischer Seite be- 
stätigt worden ist. Und hier.ergibt sich das 
ürfordernis, täglich erneut zu untersuchen, 
nwiefern diese -unabdingbare politische 
‚Doktrin“ sich mit jener anderen sowjeti- 
ıchen überschneidet, die Herbert Wehner 
ımrissen hat. ; 
Diese Prüfung ergibt nun allerdings, daß 
in politischer sowjetisch-deutscher 
Antagonismus allein hinsichtlich jenes Ge- 
»iets vorliegt, das — wie gerade die Doku- 
nentation des sowjetischen Außenministe- 
jums über die Potsdamer Konferenz er- 
ı1eut belegt hat — bei Kriegsende als 
‚Sowjetische Besatzungszone Deutsch- 
‚ands“ im weiteren Sinne (also nicht nur 
hinsichtlich Mitteldeutschlands) gekenn- 
zeichnet worden ist. Entsprechend ist es 
denn auch historisch und zeitgeschichtlich 
absolut unrichtig, wenn Moskau vor- 
5ringt, die Bundesrepublik wolle „die Er- 
zebnisse des zweiten Weltkrieges revidie- 
‚en“: Es handelt sich keineswegs um eine 
‚Beseitigung der Kriegsfolgen“, sondern 
ım das Streben nach einer friedlichen Ver- 
zinbarung über die Behebung der Auswir- 
zungen der sowjetischen Politik in der Zeit 
ıach dem Zweiten Weltkriege, soweit sie 
veutschland betroffen haben. -. 
Eine Ostpolitik, die auf dieser Grundlage 
‚periert, hat also absolut und genau be- 
z;renzte Ziele, und sie hat überdies .den 
Vorteil, daß sie einen Maßstab bietet, mit 
dem der Erfolg oder Mißerfolg diplomati- 
scher Bemühungen gemessen werden kann. 
Sie hat überdies den Vorzug, „realistisch“ 
in dem Sinne zu sein, daß sie zwischen 
primären und sekundären Interessen der 
anderen Seite unterscheidet, die wichtigen 
voll in Rechnung stellt, die eigenen aber 
mit der erkennbaren Absicht‘ des Aus- 
zleichs (jedoch ohne Vorleistungen!) voll 
zur Geltung bringt, Eine solche Politik 
pöte — genau betrachtet —. fortlaufend 
Ansatzpunkte zu Kontakten, zu -Gesprä- 
:hen und zu Verhandlungen, da sie das 
»inzige Zugeständnis macht, das über- 
naupt eingeräumt werden kann: .daß sie 
sich unbedingt im Rahmen ‚dessen hält, 
was mit Fug und Recht angestrebt werden 
xann und muß, 
Dr. Frich.Tanke 
5 E R a ® 
76 v. H. gegen die üder-Neiße-Linie 
Erstaunliches Ergebnis einer neuen Repräsentativbefragung 
ihvp)' Nur 24 v.H. der Bundesbürger ein besseres Verhältnis zum Osten zu 
ı.n ‚Alter von über 18 Jahren erblicken erreichen?“ Die Antworten wurden in 
mn einer Anerkennung der ‚Oder-Neiße- ‘'inen Fragebogen” eingetragen, der meh- 
‚inie ein‘ geeignetes Mittel, um das Ver- “ere Rubriken. enthielt, darunter on 
ältnis- zu Osteuropa zu verbessern. 76 RAS die DE „Anerkennung der Sr 
a & ; a E ‚°” Neiße-Grenze“ überschrieben war. Da 
‚HM. sind also nicht dieser Ansicht. Dies 147 Wunseh nach einer Verbesserung deı 
st nach zuverlässigen Informationen das 3e7zjehungen zu Osteuropa als allgemein 
wufschlußreiche Ergebnis einer Repräsen- ‚geben vorausgesetzt werden kann, han: 
ativbefragung des „Instituts für ange- j6o]te es sich also um eine Suggestiv- 
vandte Sozialwissenschaft“ in Bad Godes- '-32e, "Trotzdem sprachen sich nur 24 
erg, die in der ersten Hälfte d.J. er: ‚, H, also weniger als ein Viertel, da- 
olgte. Damit wurden frühere Behaup- ‚jngehend aus, daß eine Anerkennung 
ungen von anderer Seite einwandfrei ‚er Oder-Neiße-Linie zu einer Verbesse- 
viderlegt, nach denen angeblich mehr als ng des Verhältnisses zum Osten bei 
ie Hälfte: der Bevölkerung der Bundes- -agen könnte. 
epublik für eine Anerkennung der Oder- Unter denjenigen, die am parteipoliti- 
7eiße-Linie sei, ‚chen Leben am wenigsten interessiert 
Dabei können noch nicht einmal die :ind, war der Prozentsatz derer, die in 
ermittelten“ 24 v.H. ohne weiteres als :iner Anerkennung der Oder-Neiße-Linie 
3efürworter einer Anerkennung der Oder- lie Möglichkeit einer Verbesserung 
Jeiße-Linie betrachtet werden; denn die 1es Verhältnisses zum Osten erblicken, 
7rage lautete nur: „Was könnte Ihrer ım geringsten: In dieser Personengruppt 
Aeinung nach die Bundesrepublik tun, um n»elief er sich auf nur 14 v.H- 
0/S — festes Bollwerk deutscher Kultur 
Oherschlesien in der Festnummer der „Breslauer Neuesten Nachrichten“ zum 25. September 1938 
Vor 30 Jahren, am 25. September 1938. 
eierte die große Breslauer Tageszeitung, 
lie „Breslauer Neuesten Nachrichten“, ih} 
‚Ojähriges Bestehen. Die damals er 
chienene umfangreiche Jubiläumsausgabe 
st im Internationalen Zeitungsmuseum 
jer Stadt‘ Aachen erhalten. Interessani 
st es, diese Festnummer der in ganz 
ichlesien verbreitet gewesenen Zeitung 
inmal mit dem Blick auf ihren ober: 
chlesischen Gehalt zu durchblättern 
zleich am Anfang finden sich in einen: 
Aufsatz über die Kulturpflege durch diese 
zeitung die Sätze: „Schlesien war al: 
arenzland von jeher ein Schicksalsland 
der Kampf um die Erhaltung des Volks: 
ums, oft unter schweren wirtschaftlicher 
)pfern geführt, der die Menschen zu be: 
onderer Härte und Zähigkeit erzog und 
ie so fester an ihre Heimat kettete. 
virkte sich auch in kultureller Hinsicht 
‚us. Auf vorgeschobenem Posten in 
Jsten des Reiches erstand hier ein fe- 
tes Bollwerk deutscher Kul- 
‚ur; das ein starkes Volk errichtete und 
‚erteidigte.“ Hier wird betont, daß deı 
infache Mann an der Grenze „weiß, daß 
chon dem . alltäglichen Gebrauch deı 
jeutschen Sprache im Munde des Volkes 
zulturell eine entscheidende Bedeutung 
‚ukommt. Kultur ist gestaltendes Volks- 
‘um, geformte Eigenart und Prägung un: 
jeres Wesens.“ 
Die Wirtschaftsbeziehungen zum euro 
jäischen Osten, besonders auch zu Poler 
inden in der Jubiläumsnummer ein: 
;ehende Erörterung. Die Zeitung weiß 
laß jedes Grenzland besondere Bedeu- 
ung im Verhältnis des ganzen Volkes 
um Nachbarn hat. Deshalb bemüht sie 
ich, „eine Brücke zu unseren Nachbarr 
u schlagen und nach den besten Kräfter 
lie im Interesse des Friedens liegende 
Zusammenarbeit zu fördern. WVorausset- 
‚ung dafür ist die Vermittlung der Kennt- 
is von Land und Leuten, ihrer Bedürf- 
.isse, ihrer Besonderheiten, ihrer Lebens- 
ewohnheiten, ihrer Nöte und Absichten 
jenn nur das gegenseitig Kennen- unc 
“erstehenlernen kann zu dem Ausgleich 
ihren, der das Ziel jeder über die Lan 
ljesgrenzen: hinausreichenden Arheit ist.‘ 
Dichter der schlesischen Erde“ kamen 
u Wort, Hans Niekrawitz, Arnold 
jlitz, auch Hans-Christoph Kaerge] 
larunter. Im Reigen der schlesischer 
städte fanden Beuthen, Gileiwitz, Hin- 
lenburg,. ebenso. Oppeln, Ratibor und 
Veisse, eine ausführliche Würdigung. Die 
»berschlesische Wirtschaft wurde vor. 
3ergassessor a,.D. Günther Falken- 
ı1an, dem Präsidenten der Industrie- 
ınd Handelskammer Oppeln. und Vor- 
itzenden des Oberschlesischen Berg- und 
Jüttenmännischen Vereins, behandelt. 
Jazu kamen besondere Aufsätze über 
lie Eisenindustrie Öberschle- 
;iens, in deren beiden bedeutender 
internehmen Oberhütten und Castellengo- 
+bwehr zusammen rd. 25000 Mann be- 
ichäftigt waren, ebenso über die Bedeu- 
ung des oberschlesischen Stein- 
rahlenreviers. Auf dem Gebiet deı 
men an der Ruhr, das größte deut- 
sche Kohlengebiet. Im Jahre 193 
vurden dort 24,5 Millionen Tonnen Kohle 
zefördert. Es ist gut, sich dieser Zahler 
‚u erinnern, die damals die Jubiläums- 
ı1ummer der „Breslauer Neuesten Nach- 
eichten“ herausstellte. Auch an der schle- 
;jischen Maschinenindustrie hatte Ober- 
ichlesien seinen wesentlichen Anteil 
Schlesien, Ober- wie ‚ Niederschlesien 
:Üühlte sich als Brücke nach West une 
Ist. Es war deshalb ganz natürlich, dal 
lie Redaktion für ihre Festnummer auck 
ausländische Mitarbeiter gewonnen hatte 
die über die wirtschaftlichen Beziehunger 
‚u den östlichen Nachbarn berichteten, 
„Die polnisch-deutschen Wirtschaftsbe- 
xÜüehungen“ hat M. Sokolowski, ‚damal: 
Vizeminister im polnischen Ministeriurr 
'ür Handel und Wirtschaft, aufgezeigt 
Am 1. Juli 1938 war der polnisch-deutsche 
Wirtschaftsvertrag abgeschlossen worden, 
der die Bestimmungen des Vertrages von 
‚935 bestätigte und weitergehende Ergän- 
zungen brachte. Der polnische Vizemini- 
;ter für Handel und Wirtschaft betonte 
‚daß es eigentlich keine noch so kompli- 
zierte Lage gibt, die nicht durch eine au! 
gute nachbarliche Beziehungen gestützte 
Verhandlungsatmosphäre und: durch rea- 
istische Betrachtung jeder wirklicher 
ichwierigkeit bezwungen werden könnte“ 
Bleibt schließlich noch zu berichten, daf 
n einem abschließenden Aufsatz deı 
Zestnummer die „Breslauer Neuester 
Nachrichten“ den „Osten als Reiseland‘ 
eichneten; Polen, Rumänien, Jugosla- 
vien und Ungarn, Beskiden, Tatra, Kar- 
yathen, Krakau, Lemberg, Warschau wur- 
len genannt, das gegenseitige Kennen- 
ernen von Land und Leute wurde emp- 
>hlen. 
So bietet diese Festnummer der „Bres- 
auer Neuesten Nachrichten“ manches des 
Zrinnerns Wertvolle aus der Vergangen- 
ı1eit, aber auch manche wertvolle Lehre 
'ür die Gestaltung der Zukunft, die der 
Abbau von‘ Vorurteilen auch drüben brin- 
zen muß, wenn wechselseitiges Verstehen 
ich langsam anbahnen soll. 
Dr. Gerhard Wehersainpr 
= 
Für Selbstbestimmung und 
Menschenrechte 
Da 
Kraft- und Gasversorgung, der Kohle- 
reredelung und der Wasserwirtschaft gin- 
jen längst geplante Vorhaben zu jener 
Zeit ihrer Durchführung entgegen. In 
ler oberschlesischen Eisenindustrie, die 
hren Hauptsitz in Gleiwitz-Hindenburg- 
jeuthen hatte, daneben aber auch in Ra- 
ibor, Neisse und Oppeln über eine zurr 
‘'eil sehr alte Industrie der Eisenver 
ırbeitung, verbunden mit Metallverarbei- 
‚ung, verfügte, wurden damals einundein- 
ıalb Jahrzehnte nach der trotz des deut- 
'chen. Abstimmungssieges erfolgten Zer- 
eißung Oberschlesiens, wieder fast drei 
riertel soviel Arbeiter beschäftigt, wie 
n der großen ostoberschlesischen Eisen- 
ndustrie, die man gegen alles Recht ar. 
>olen gegeben. hatte. Die jährliche Roh- 
Msenproduktion der.. deutsch-oberschlesi- 
chen Eisenindustrie betrug‘. rd. 220 000 
"onnen, die jährliche Rohstahlproduktion 
ıber eine halbe Million Tonnen. Da: 
‚berschlesische Steinkohlen- 
ayier-war nach.-dem Kohlenvorkom-
	        

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Unser Oberschlesien. Senfkorn-Verl., 1951.
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