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Unser Oberschlesien (1968)

Bibliographic data

fullscreen: Unser Oberschlesien (1968)

Structure type:
Periodical
Collection:
Landsmannschaft der Oberschlesier
Title:
Unser Oberschlesien
Subtitle:
Organ der Landsmannschaft der Oberschlesier e.V., Bundesverband Bonn, Rh.
Place of publication:
Frankfurt, M.
Year of publication:
1951
Publisher:
Unser Oberschlesien

Physical location:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=010038280
Structure type:
Periodical volume
Collection:
Landsmannschaft der Oberschlesier
Title:
Unser Oberschlesien
Subtitle:
Organ der Landsmannschaft der Oberschlesier e.V., Bundesverband Bonn, Rh.
Volume,Issue,Number:
1968
Place of publication:
Görlitz
Year of publication:
1951
Publisher:
Senfkorn-Verl.

Physical location:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=010038280_1968

Periodical issue

Structure type:
Periodical issue
Title:
Juli 1968
Volume,Issue,Number:
13

Contents

Table of contents

  • Unser Oberschlesien
  • Unser Oberschlesien (1968)
  • Januar 1968 (1)
  • Januar 1968 (2)
  • Februar 1968 (3)
  • Februar 1968 (4)
  • März 1968 (5)
  • März 1968 (6)
  • April 1968 (7)
  • April 1968 (8)
  • Mai 1968 (9)
  • Mai 1968 (10)
  • Juni 1968 (11)
  • Juni 1968 (12)
  • Juli 1968 (13)
  • Juli 1968 (14)
  • August 1968 (15)
  • August 1968 (16)
  • September 1968 (17)
  • September 1968 (18)
  • Oktober 1968 (19)
  • Oktober 1968 (20)
  • November 1968 (21)
  • November 1968 (22)
  • Dezember 1968 (23)
  • Dezember 1968 (24)

Full text

Seite 2, Nr. 13 vom 4. Juli 1968 
den imponierenden Massen der Ober- 
schlesier, die dieses 11. Bundestreffen 
ırotz aller Unkenrufe der überklugen Ver- 
sichtler für alle Heimatfreunde zu einem 
ınvergeßlichen Erlebnis werden ließen. 
)aß besonders unsere Spätaussiedler und 
n auffallend starkem Maße unsere Ju- 
zend zur Stelle war, gab dem „Tag der 
Jberschlesier 1968“ einen besonderen Ak- 
zent. Der Rahmen war würdig, diszipli- 
niert und ohne Pathos, Das 11. Bundes- 
reffen der Oberschlesier hat vielen Tau- 
senden das Ziel der LdO nähergebracht 
ınd ihnen neue Kraft und neuen Lebens- 
mut gegeben, für unsere geliebte deut- 
sche Heimat Oberschlesien auch in Zu- 
kunft zu wirken und einzutreten. 
Neben den vielen freiwilligen Helfern 
ist dem Malteser-Hilfsdienst von NRW zu 
Janken, der neben den Betreuungsauf- 
zaben in den Grugahallen auch manche 
Jrganisationsaufgaben übernommen hatte 
Wir wollen mithelfe inem dauerhaften Fried 
Der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Oberschlesier Dr. Herbert Czaja, MdB, auf der Hauptkundgebung 
Als letzter Redner bei der Hauptkundgebung des 11. Bundestreffens der Ober- auch die Pflicht, gegen den Bruch der 
ichlesier in der Gruga-Festhalle in Essen nahm an Stelle des leider durch Krank- Menschenrechte und _Rassendiskriminie- 
ıeit verhinderten Sprechers der LdO, Dr. Otto Ulitz, der Bundesvorsitzende der rung in unter fremder Verwaltung ste- 
Landsmannschaft der Oberschlesier Dr. Herbert Czaja, MdB, das Wort. Nach dem henden deutschen Gebieten einzutreten. 
Dank an die Redner, an das FPatenland Nordrhein-Westfalen und nach Verlesung Einseitige Darstellungen lehnen wir ab 
ler ‚Grüße des Sprechers: und herzlichen Genesungswünschen an ihn, führte Dr. Und eine weitere ernste Bitte möchte ich 
SER wiederholt von stürmischen Beifallskundgebungen unterhrochen, u. a. fol- hier zum Ausdruck bringen: Des Ostens 
sjendes aus: und auch Oberschlesiens Unkundige in den 
„Wir richten offene, freimütige, abe: Gruppen der freien GESCLSCE n_ 
naßvolle Worte an die Vertreter der Re. den Massenmedien mögen nicht die Ge- 
zierung, des Parlaments und an die Öf- fühle der Vertriebenen, ihre jahrzehnte 
"entlichkeit. Unsere erste Forderung lautet, lange schwierige nationale Selbstbehaup- 
insere erste Bitte: helfen Sie uns in der lung und selbst ein berechtigt-maßvolles 
'reien Gesellschaft und im staatlichen Be- Vational-Bewußtsein ununterbrochen ver- 
‚eich, daß die Vertriebenen und die Ober- letzen oder als überholt und absterbend 
schlesier nicht in die Isolierung gedrängi bezeichnen! Die vielen Jugendlichen bei 
werden! Wir wollen in tiefer Verantwor- unseren Treffen beweisen etwas andere: 
tung mit dem ganzen Volke an unseren. Die oberschlesische Situation mit den har. 
gerechten Weg für die Durchsetzung auch ten nationalen Kämpfen zwischen den Ver. 
ler vor dem Gemeinwohl der Völker ver- iretern ausgeprägten Volkstums und di 
reiben deutschen Interessen und einem Tn Se „des en Volks 
auer‘ e i i iten! je eutschen un« 
haften. Frieden. mitarbeiten a sich ohne mittelbar 
4 u persönliche Sachkenntinis äußert, eine be 
Oberschlesier als Stütze des sondere Vertiefung in die Zusammenhän 
ge. Ohne eine eingehende Vorbereitunz 
In den letzten Monaten der Unruhen ha- lehnen wir Darstellungen wo immer, auch 
ren die meisten Oberschlesier nicht in den in Rundfunk und Fernsehen, darüber ab 
Zeihen derer gestanden, die, oft oberfläch- und einseitiges Material oder gar ober 
ich und ohne klar ausgesprochenes Ziel flächliche Zitate aus veralteter Popular- 
"ür das ununterbrochene Unbehagen über literatur helfen dabei nicht weiter. Poli 
»ft ferne und kaum von uns zu beeinflus- tische Erklärungen namhafter nichtdeut: 
jende ja von uns nicht immer durch scher Staatsmännner und manche Darle 
ıchaubare Dinge demonstrierten, Viele un- gungen von Deutschen haben gerade auc 
‚erer Landsleute wissen, daß unsere Ge- nier in Essen in den letzten Monaten unı 
jellschaft manche zeitgemäße Reformen Jahren die Gefühle vieler Oberschlesier 
ınd Wandlungen braucht. Aber sie woller. wenn vielleicht auch ungewollt, verletzi 
ie als zielbewußte Demokraten erreichen. Wir bedauern es sehr, daß die deutsch 
50 hat der den sozialen und demokrati- Öffentlichkeit zu wenig über die beste 
ichen Reformen offene Rechtsstaat auch henden strukturellen, die wirtschaftlicher 
n vielen Oberschlesiern und vielen Ver- Jie finanziellen und die Arbeitsplatz 
}riebenen eine echte Stütze gehabt und Schwierigkeiten in der Heimat und in Ost 
wird sie noch haben. Auch bei uns spüri europa, über die ungeheuren Unterschied 
nan Unbehagen und Unsicherheit. Abeı in der Besiedlungsdichte und der Produk 
‚uf manchen auch öffentlichen Diskussio: tionskapazität mancher Gebiete im Herzeı 
ıen der letzten Wochen habe ich es ge Europas unterrichtet wird. Die Lücken, di 
nerkt: viele unserer Leute wissen auch Grausamkeiten von Krieg und Nachkriegs 
ıeute, wo die geistigen und Ssittlicher zeit gerissen haben, sind weder in de 
ärenzen und Trennlinien schwieriger er. wirtschaftlichen noch in der gesellschaft 
cennbar und komplizierter geworden sind lichen Struktur geschlossen. Sie bedingen 
ım den Unterschied von Gut und Böse auch auf kurze Sicht, eine gesamteuro- 
von Wahr und Falsch, von Schwärmere näische Zusammenarbeit im wirtschaftli- 
ınd echtem Friedenswillen, von oberfläch: ‘hen, finanziellen und technischen Bereich 
icher Propaganda und echtem Mühen un, ın gesicherter Freiheit und unter Beteili- 
Recht und Gerechtigkeit; viele wissen noch zung auch der freien Europäer, ohne daß 
ım die Werte der Anständigkeit, der Sau lie besonders Sachkundigen, die Kenner 
jerkeit, der Treue zum eigenen Volk von Land und Leuten, dabei diskriminiert 
der Liebe zum wirklichen Frieden und zu! der ausgeschlossen werden. Wir bitten 
Achtung vor den Nachbarn, Viele wisser Fernsehen und Rundfunk, darüber nicht 
auch bei uns noch heute, daß es nicht: u schweiger 
Großes ohne Mühe, Ernst, Sachkunde, Ar- 
yeit und Opfer gibt. 
Jede Jugend muß gären. Aber die Eltern 
können diesem Gären das rechte Ziel fül 
vertvolles Reifen geben. Es kommt ent- 
cheidend darauf an, daß auch die älterer: 
‚eute notwendige Werte vor der Jugend 
‚ertreten und leben und — geistige und 
‚ittliche Vertiefung herausfordernd — sick 
mit ihr über neue Gestaltungsformen aus- 
inandersetzen. Dankbar sind wir, daß die 
Diskussionen darüber auch mit Teilen un- 
erer Jugend in Gang kommt. Vor allem 
lt es, naheliegende Trümmerhaufen zu 
:äumen und naheliegendes Unrecht fried- 
ich und konstruktiv zu beseitigen; das 
ıber ist besonders schwierig und muß be- 
‚;onderes Unbehagen bereiten. 
Über unserem 11. Bundestreffen steh! 
notwendigerweise der Ruf: Gebt mehr 
Menschenrechte, mildert wenigsten: 
ıchrittweise und im Rahmen des Mögli- 
hen die Einschränkungen der Menschen 
‚echte! Ohne die Sorgen unserer mittel 
leutschen Brüder und Schwestern zu über- 
ıehen und auszuklammern, meinen wir 
lamit auch die Menschenrechte in unserer 
angestammten Heimat. 
Menschenrechte 
für die Oberschlesier daheim 
Der Bundeskanzler hat im Bericht zur 
‚age der Nation auch die Lage der über 
ine Million Deutscher in den Gebieter 
enseits von Oder und Neiße berührt. Wiı 
wollen hier nicht mit Anschuldigunger 
ıufheizen, aber wir wären pflichtverges- 
‚en, wenn nicht auch wir darüber rede 
würden, daß hunderttausende Oberschle 
jer daheim nicht frei über ihre Mutter 
prache entscheiden können, daß sie sick 
ıicht in nationaler Freiheit und Selbstent- 
cheidung zu Gruppen und zu Verbänder 
‚usammenschließen können, daß ihnen die 
Treiheit zur Muttersprache in der Schule, 
m Kirchlichen Raum durch staatlichen 
Zwang und in der offenen Gesellschaft 
‚ersagt wird, daß sie oft nicht im freier 
Kontakt mit ihren Familien hier steher 
lürfen und daß ihnen das in der Euro- 
‚äischen Menschenrechtskonvention ver- 
ınkerte Recht der Freizügigkeit beschnit 
‚en wird. 
Mit Ablenkungsmethoden sucht eine 
rolksferne Diktatur angebliche Revan- 
4histen und Zionisten der Empörung brei- 
‚er Schichten preiszugeben, um von eige- 
ı1en Schwierigkeiten abzulenken. Leideı 
rägt dies auch in manchen Bevölkerungs- 
chichten zur Vertiefung von Mißtrauen 
nd Abneigung bei. Wir appellieren mit 
a 
Unruhe aber kein Tumult 
Die großen und eindrucksvollen Treffen 
ler Landsmannschaften der Vertriebenen 
werden an der bundesdeutschen Nach- 
zichtenbörse aus Gründen der Bequem: 
ichkeit und um dem Ausland zu gefallen, 
zemeinhin als harmlose Massenveranstal: 
‚ungen der Geselligkeit und nicht als Poli 
ikum dargestellt und gewertet, Man ver- 
ıiedlicht sie zu „Wiedersehensfeiern“ und 
jerichtet „verständnisvoll“ von dem 
schwelgen der Teilnehmer in „Erinnerun- 
zen an die alte Heimat“. 
Eine andere Art von Berichterstattern 
und Kommentatoren verfälscht die 
nolitischen Akzente dieser Treffen und 
den Aussagewert der Reden und Entschlie- 
zungen und versucht die Beteiligung der 
3esucher an diesen Willensbekundunger 
nerunterzuspielen, bzw. zu verfälschen 
Man findet oder erfindet „falsche Zungen 
ichläge“ und man sieht „radikales Geba- 
ren“ der Vertriebenen, auch dann, wenn 
man nicht dabei war, und wenn ein an- 
lerer Teil der publizistischen Kollegen 
meint, einem Friedensfest oder einer Art 
Schützenfest der Vertriebenen beigewohnt 
zu haben. Im Bestreben, diese Treffen 
politisch zu diffamieren, decken sich solche 
Berichte und Kritiken mit den Bedürf- 
nissen der Agitation der Vertreibungs- 
staaten, die Ausdruck schlechten Gewis- 
zens und, soweit es sich um die Satelliten- 
regime handelt, Gerechtfertigung der 
Zwangsbündnisse mit dem großen roten 
3ruder sind. 
Das Gros des Epos stellt eine dritte 
Gruppe dar, die sachlich, aber im Grunde 
zleichfalls unbeteiligt an dem Ereignis be- 
richtet. Eine solidarische politische Wer- 
tung dieser Kundgebungen wird nur in 
wenigen vorbildlichen Ausnahmefällen 
zorgenommen. 
Diese Art der Berichterstattung muß, 
wenn sie fortgesetzt wird, genau das Ge- 
zenteil von dem bewirken, was sie be- 
zweckt, nämlich eine zunehmende Politi- 
sierung und Radikalisierung und nich! 
aine Neutralisierung dieser Kräfte. Das 
wird schon jetzt in der großen Unruhe 
sichtbar, die durch die Verfälschung und 
Diffamierung der wirklichen Absichten deı 
Vertriebenen entstanden ist und die, wie 
beispielsweise zu Pfingsten in Köln an. 
':äßlich des Pommerntreffens, laut wurde 
Unverantwortlich ist es jedoch, wenn die. 
ser Unmut dann in scheinbar besorgter 
<Zommentaren als „Tumult“ und als „Ter- 
°or“ gekennzeichnet und beurteilt wird 
Auch das ist ausgesprochene Verzer 
rung des Tatbestandes. Tumulte 
das sollte man angesichts der revoltieren. 
len Jugend in Schulen und Hochschuler 
wissen und zugeben, sehen ‘anders aus 
Die Vertriebenen haben bisher weder Tü- 
ven eingerannt, noch Häuser besetzt odeı 
Pflastersteine geworfen noch Autos aus: 
zebrannt, noch Redner am Reden gehin: 
dert. Will man sie durch gehässige Kom: 
mentare dazu herausfordern, ihre Geduld 
zu verlieren? Sie sind angesichts der weit- 
verbreiteten Kritik an der Staatsführung 
ınd an den gesellschaftlich-repräsentati- 
ven Einrichtungen jedoch entschlossen, sick 
richt provozieren zu lassen, vorausgesetzt 
Jaß ihre verantwortungsbewußte staats- 
reue Haltung zur Kenntnis genommer 
ınd honoriert wird. 
Clemens J. Neumanr 
Die Vertriebenen kennen ihre Friedens- 
»licht im Atomzeitalter und die Ober- 
‚chlesier sind nicht vom Haß gegen da! 
‚olnische Volk getrieben. Jahrhunderte 
ıindurch gab es auch große Beispiele deı 
Zusammenarbeit und der gemeinsamen 
Leistung, Die Vertriebenen und mit ihnen 
lie Oberschlesier haben seit vielen Jahren 
‚us tiefer Überzeugung eine Absage ar 
Jaß und Vergeltung erteilt und auf Ge- 
walt verzichtet. Entschieden aber wehrer 
ie sich dagegen, daß zusammen mit der 
irklärungen über den Gewaltverzicht die 
Jreisgabe — aller Wohn-, Entfaltungs-, 
äruppen- und Menschenrechte deklarier! 
wird, daß einseitig behauptet wird, da: 
ıuch in der Europäischen Menschenrechts- 
sonvention international anerkannte Rech! 
‚uf die angestammte Heimat der Deut- 
;chen sei verblaßt, die Vertreibung vor 
Aillionen Menschen, die das natürliche 
Sittengesetz verletzt und daher Ursache 
lauerhaften Unfriedens, aber auch durch 
lie Europäische Menschenrechtskonvention 
m Vertragsrecht des freien Teiles Europas 
verurteilt ist und verurteilt wurde, sei 
lurch die Tatsache, daß sie 23 Jahre zu 
-ückliegt, vom Faustrecht zum unabänder 
ichen Tatbestand geworden! Wer dieseı 
Auffassung ist, der ebnet dem Faustrecht 
das in diesem Jahrhundert über 60 Millio: 
ıen Menschen vertrieb, den Weg in die 
Zukunft, und schon zeigen sich die furcht 
aren Folgen davon in Afrika und Asien 
Auch Gruppen, die im religiösen Be 
eich das notwendige Ringen um den Frie- 
len mit berechtigtem Einsatz führen, müß: 
en wissen, daß auch heute ein dauerhaf 
er Frieden ohne zeitgemäße Verwirkli 
hung der Gerechtigkeit nach beiden Sei 
en und ohne Liebe nicht nur zum Nach 
jarn, sondern auch zum eigenen Volke 
Aicht zu stiften ist. In wenigen Wochen 
werden sich hier in Essen viele Zehntau 
‚ende in gemeinsamer Gottesverehrung 
und gemeinsamen Gebet sich zu gemein: 
3amer Besinnung über den Dienst an de: 
Welt und für die Welt finden, Wir bitten 
Zure Exzellenz, der Sie als geistliche: 
Jirte und Vater der Katholiken des Ruhr: 
»istums seit vielen Jahren die einfach- 
rolksnahe und doch so tiefe und verläß- 
iche Frömmigkeit unserer Oberschlesier 
kennen und sie heute wieder erlebten, da- 
für einzustehen, daß dabei das berechtigte 
Wollen der vertriebenen Christen weder 
verkannt noch verharmlost noch vernebel‘ 
verde. 
Schwärmerei und Vernebelung 
Leider fehlt es sehr oft bei denen, di 
ich plötzlich und ohne vertiefte Sach 
genntnis um den Frieden mit unseren öst 
lichen Nachbarn mühen, an einer echten 
und dauernden und daher so schweren 
Anstrengung um wirkliche und tragbare 
ösungen der Probleme und einen echter 
‚Ausgleich der Gegensätze... Schwärmerei 
und Vernebelung haben leider wiederhol{ 
.n der Vergangenheit im deutsch-polni: 
schen Verhältnis nur zu einem Scheinfrie: 
den geführt. Es ist leicht, auf Unbekannte: 
zu verzichten und bringt manchmal leich: 
en Beifall bei Massen und von Massen- 
nedien. Aber all das löst nicht auf die 
Dauer die Gegensätze. Es ist Saat fül 
neuen, üÜbersteigerten Nationalismus, der 
sei politischen und wirtschaftlichen Krisen 
zu neuer Lawine anwachsen kann. Es ist 
in unglaubwürdiges Verhalten, daß das 
Mißtrauen gegen die Deutschen bei unse- 
ren nationalbetonten Nachbarn mir ver. 
tief* 
Ich kann auch nicht unser Bedauern dar: 
iber verschweigen, daß in den Formulie- 
rungen namhafter Politiker immer mehr 
Jer Hinweis darauf fehlt, daß es Aufgabe 
der Politik des freien Teiles des deutschen 
Volkes ist, mit politischen und friedlicher 
Mitteln die unbefriedigende Lage des deut 
chen Volkes im Rahmen neuer europäi 
‚cher Strukturen und eines lebendiger 
suropäischen Föderalismus zu ändern 
aicht aber den Status quo zu verfestigen. 
Diese Notwendigkeit, eine Änderung mil 
:riedlichen Mitteln anzustreben, muß auch 
jazu führen, daß wir zäh und wenn es 
auch sehr lange Zeit dauert, dies imme: 
wieder unseren Nachbarn darlegen. Auct 
ınsere unmittelbaren Nachbarn in Ost. 
»uropa dürfen wir darüber nicht täuschen. 
Wenn wir es täten, würden wir nur das 
VWißtrauen vertiefen und den Willen zur 
Hegemonie verfestigen. Es ist besser 
wenn das polnische Volk weiß, daß wi 
nit friedlichen Mitteln und großem Erns' 
ım Gerechtigkeit auch für unsere und un: 
erer Vorfahren Leistungen ringen, abeı 
:benso in der gesamten deutschen Öffent- 
ichkeit dafür eintreten, daß es frei unc 
ingeteilt und unter niemandes Hegemonit 
‚ich frei entfalten muß und daß dies auclı 
m eigenen wohlverstandenen Interesse 
ınseres Volkes liegt, als wenn wir zı 
ınseren Anliegen schweigen oder sie al! 
iberholt ansehen. Wenn wir die politische 
Jberzeugung von beiden immer tiefer und 
weiter bei uns verbreiten, so erfüllen wir 
äin Stück unserer Haftungspflicht, die 
nicht darin besteht, daß wir mit dem Ver 
Jicht unserer Heimat haften, sondern dar 
ın, daß wir in voller Achtung des Nach 
barn und in genügender Selbstachtung 
eine gemeinsame europäische Friedens- 
ırdnung anstreben. 
Nicht an Wunderdinge glauben 
Ja, wir empfinden auch tiefes Unbeha- 
jen über die Schwierigkeiten in der euro- 
npäischen Einigung. Auch hier verlangt die 
Vüchternheit, nicht an Wunderdinge zu 
glauben. Aber wir sind hier wirklich un- 
zeduldig, weil wir meinen, daß über eine 
bündische Einigung der europäischen Völ- 
ker eine dauerhafte europäische Friedens- 
wdnung und darin ein Zusammenrücken 
ler Deutschen durch Abbau der Angst vor 
len 78 Millionen unseres Volkes und eine 
;emeinsame Aufbauarbeit auch der deut- 
‚chen Volksgruppen in ihrer angestamm- 
len Heimat unter freier und gesicherter 
Selbstbestimmung möglich ist. 
Wir Oberschlesier wissen um die gewal-. 
.‚igen Schwierigkeiten, aber auch die Mög- 
lichkeiten zukünftiger Zusammenarbeit. 
Bei Fortschreiten einer echten bündischen 
Sinigung der europäischen Völker könnte 
auch in umstrittenen Gebieten Raum und 
Möglichkeit für gemeinsame Aufbauarbeit 
‚egeben sein, wenn dort den Menschen 
und Gruppen die Selbstbestimmung, die 
Selbstverwaltung, die freie Entfaltung ge- 
währleistet wird. 
Sie, Herr Bundesminister Wehner 
haben vor dem Eintritt in die Bundesre- 
zierung gesagt, daß ein wirksames euro- 
päisches Volksgruppenrecht 
lie Utopie von heute und die Wirklichkeif 
on morgen sei, Unser Sprecher und der 
/orstand der Landsmannschaft der Ober- 
schlesier haben sich schon lange zu einerr 
>uropäischen Volksgruppenrecht in öffent- 
icehen Erklärungen bekannt. Besiedlungs- 
lichte und eine Fülle der ungelösten Fra- 
zen rufen fast danach, auf weite Sicht trotz 
Mißtrauens und böser Erfahrungen eine 
Zusammenarbeit im gemeinsamen Aufbau 
‚u suchen, wenn jedermanns Freiheit und 
2echt gesichert ist. 
Ernstlich bitten wir unsere Regierung, 
/erstärkt um Verständnis dafür bei un- 
seren Verbündeten sich zu bemühen, und 
nicht nur im innerdeutschen Sprachge- 
rauch diese Hinweise zu benutzen. Auch 
jür die in Osteuropa dominierende Welt- 
macht ist bei ihren schweren Belastunger 
in Asien und an ihrer Ostflanke eine 
jauerhafte Befriedigung an ihrer eigenen 
Westflanke in Osteuropa von größerem 
Vorteil als eine labile Hegemanie. 
Irakehner-Denkmal in Pyrmont 
ihvp) In einer Feierstunde - enthüllte 
ler Sprecher der Landsmannschaft Ost- 
»reußen, der BdV-Präsident Reinholc 
Aehs, vor dem Ostheim der Landsmann: 
schaft Ostpreußen in Bad Pyrmont das 
Standbild eines Trakehner-Hengstes. Vor- 
bild für die Plastik war der Trakehneı 
‚Hessenstein“, der als Landbeschäler im 
ıiedersächsischen Gestüt Hunnesrück stehl 
Die Plastik wurde von dem ostpreußi- 
schen Bildhauer Georg Fuhg geschaffen 
3ei der Vertreibung konnte in Trakehner 
las Standbild des berühmten Hengstes 
‚Tempelhüter“ nicht gerettet werden. Die 
?]lastik ist von der sowjetischen Verwal:- 
‚ungsmacht verschleppt und in Moskaı 
aufgestellt worden. Bereits zu Beginr 
des Ersten Weltkrieges wurde die Plastik 
les Trakehner-Hengstes „Morgenglanz‘ 
von der russischen Armee des General! 
zZennenkampf verschlevopt 
Samuel Frank üherhrachte Grüße des amerikanischen Bundeslandes 
Unter den zahlreichen Grußbotschaften so war es William Penn in seinen Tagen, 
war auch die des amerikanischen Abge- als er das „heilige Experiment“ durch- 
yrdneten Samuel Frank, der in engli- führte, welches die Grundlage der ameri- 
her Sprache ein Grußwort des Sprechers Kanischen Nation wurde... 
des Parlaments von Pennsylvania, USA, _ Pennsylvania wurde zu einem großen 
Herbert Finemann, verlas. Der Lan- Staat mit der Möglichkeit, die Geschichte 
jesvorsitzende der LdO von Nordrhein- der amerikanischen Nation zu beeinflus- 
Westfalen, Dr. Fritz Holländer, ver- sen, Er tat dies in weit größerem Ausmaß 
nittelte die deutsche Übersetzung. In die- wie jegliches andere Land in den Vereinig- 
:em Grußwort zum „Tag der Oberschlesier ven Staaten. 
968“ heißt es u. a. sinngemäß: ‚.. Eine der größten Prüfungen war die 
„Das Ziel, für welches Sie heute wirken, Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges 
ınd das die Versöhnung aller europäischen Als Endresultat triumphierte das Selbst- 
Völker für ein freies vereinigtes Europa ’estimmungsrecht, das alle Volksgruppen 
n Partnerschaft mit den Vereinigten Staa- N" einer großen Nation freier Menscher 
‚en von Amerika zur Grundlage hat, kann ereinigte. 
ıicht besser dokumentiert werden. Es ist Ein freies, vereintes Europa kann eben: 
las gleiche, das vor 300 Jahren von dem -alls. zur Realität werden, wenn die Na- 
äründer von Pennsylvania William Penn iionen und Volksgruppen in gegenseitigem 
angestrebt wurde. Seine Worte sind heute %?espekt einen gemeinsamen, politischen 
zenauso gültig wie damals im Jahre 1683, ınd ökonomischen Weg auf der Grundlage 
Z£s muß Raum sein für ein so heiliges Ex- er Selbstbestimmung gehen.“ 
periment. Möge Gottes Wille dies zur Sache wUnter dem Beifall der Menge überreichte 
unserer Nation machen als Beispiel für jann Abg. Frank der Landsmannschaft 
alle Völker. eine Fahne des amerikanischen Bundes- 
Genauso wie Ihr heute die Pioniere für landes Pennsylvania, in dem heute sehr 
einen besseren Weg in die Zukunft seid. viele Oherschlesier lehen 
UNSER OBERSCHLESIEN 
Plakat zum Tag der Heimat 
„Menschenrechte — 
Fundamente des Friedens“ 
(mid) Der diesjährige Tag der Heimat, 
der -am 1. September in Berlin und am 
3. September im übrigen Bundesgebiet be- 
zangen wird, soll durch den Aushang ein- 
heitlicher Plakate in der Öffentlichkeit 
Jropagiert werden. Die Aufschrift des nun- 
.nehr vorliegenden Plakates lautet: „Men- 
schenrechte — Fundamente des Friedens“. 
Mit Hilfe des neuen Plakates sollen, wie 
jer BdV dazu erklärte, die Einheit der 
Vertriebenen optisch dokumentiert und 
die berechtigten Forderungen des BdV 
zlar zur Geltung gebracht werden. 
Acht Jahrhunderte deutscher 
Anwesenheit nicht abschreiben! 
Ob ein solcher Ausgleich auf weite Sicht 
arreichbar ist, muß die Geschichte zeigen. 
Niemand aber hat heute die demokratische 
Legitimation und die Gabe weiter ge- 
schichtlicher Vorausschau, einen solchen 
iragbaren Ausgleich dadurch zu vernich- 
;jen, daß man acht Jahrhunderte deutscher 
Anwesenheit in Ostmitteleuropa auf Dauer 
>der auf Zeit abschreibt und darin auch 
ınsere oberschlesische Heimat mit einbe- 
zieht, 
Wenn dies auch Hoffnung auf weite Sicht 
st, so werden auf kurze Sicht vielleicht 
ichon . morgen im kaufmännischen und 
;‚echnischen Austausch viele Oberschlesier 
‚on hüben und drüben einander begegnen. 
Wir sagen nicht nein dazu, wenn es in ge- 
jicherter Freiheit geschieht, wenn die 
Selbstachtung gewährleistet, das Recht 
ıcht preisgegeben ist. Leidenschaftlich 
ıber wehren wir uns dagegen, vom Ge- 
‚präch und vom geistigen Ringen, aber 
ıuch von den wirtschaftlich-technischen 
Kontakten die Orts- und Sachkundigen 
auszuschließen. Wir sind natürlich nicht 
yegen einen kulturellen Austausch, aller- 
lings einen ohne Einbahnstraße. Wir wol- 
en nicht den Austausch mit denen, die 
ıur Propaganda wollen, sondern den Aus- 
;ausch mit denen, die geistige und künstle- 
:ische Leistungen zu bieten haben, und 
mit denen, die vertiefte Kenntnis vonein- 
ander wünschen. Austausch, ohne sich auf- 
zudrängen oder in lächerlicher Weise an- 
zubiedern. 
Keine Preisgabe eigener Würde 
Ich meine, daß für solche konstruktiven 
Ziele sich auch die junge Generation in 
Nüchternheit begeistern läßt und dies auch 
dann, wenn sie nicht mit Gefühlserlebnis 
an Weg und Steg in der Heimat hängt. Ich 
weiß natürlich, daß auf die Länge der Zeit 
auch bei uns manche mutlos werden und 
andere sich der Empörung allein hinge- 
ben. Wir wollen uns aus dieser Stunde 
Zähigkeit und nüchterne Begeisterung mit- 
nehmen; wir wollen uns ebenso stellen 
zegen jede Preisgabe der eigenen Würde 
und der Gerechtigkeit für das eigene Volk 
und die eigene Volksgruppe; wir wollen 
uns aber auch bekennen zu einer zeitge- 
mäßen, den Gesetzen des Lebens und den 
Gesetzen der Geschichte entgegenarbeiten- 
den Fortsetzung der Tradition unserer 
Teimat und unserer Leistungen in einer 
möglichen neuen Ordnung. 
Möge uns auch das Unbehagen über die 
Manipulation der Meinungen, die Hilf- 
‚osigkeit der Menschen in der Massenge- 
‚ellschaft, die Beschränkung unserer Ent- 
.cheidungsfreiheit tief besorgt machen; wir 
Jberschlesier wissen es aber auch, daß es 
nit an dem Ernst der Mühe des Menschen 
ınd seinem Bekenntnis zur Ordnung die- 
jer Welt liegt, uns nicht völlig in unserer 
;‚echnisierten Zeit zu einem Rädchen wer- 
len oder in der Ohnmacht völliger Kol- 
‚ektivisierung in ein Chaos treiben zu las- 
;en, Lebensmut, Treue und Gottvertrauen 
‚assen uns auch in finsterer Zeit hoffen. 
Wir meinen, trotz aller Düsternis für den 
sechten Weg eintreten zu können, den 
:echten Weg des dauerhaften Friedens, der 
Gerechtigkeit, der Gemeinsamkeit, Diese 
Zuversicht und Hoffnung liegt schon in 
ınserem oberschlesischen „Glückauf“. Des- 
ıalb schließen wir trotz aller Düsterheit 
ler Zeit und unserer eigenen Lage diese 
Xundgebung der Begegnung und der Be- 
äinnung mit dem Bekenntnis für die Einig- 
keit und Recht und Freiheit der Deutschen, 
für die Einigkeit, für Recht und Freiheit 
der europäischen Völker, für Einigkeit und 
Recht und Freiheit auch in einem geläu- 
‚erten Verhältnis und in einer geläuterten 
Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn 
im Octant« 
A erfchlelien! 
Organ der Landsmanaschaft Oo der Überschlastar ae. V. 
Einzige oberschlesische Zeitung im Bundesgebiet 
Jerausgeber: Die Landsmannschaft der 
Jberschlesier e, V., Bundesverband Bonn 
Aa. Rhein, Kaiserstr. 173 — Verantwortlich für 
len Gesamtinhalt: J. K. Gorzolla in Wies- 
)jaden, Herausgeber der „Bielitz-Bialer Bes- 
.idenbriefe“, der Kreisblätter für GroB- 
strehlitz, Loben-Guttentag, Rosenberg O/S, 
‚sowie des „Königshütter Heimatblattes“, des 
‚Laurahütter Heimatblattes“, des „Tarnowit- 
er Kreisblattes“, des „Hindenburger Heimat- 
‚riefes“, des „Neuen oberschlesischen Wan- 
lerers“ und der „Oppelner Zeitung“, Erwin 
Chmielorz, Wiesbaden, Wilhelmstr, 42. 
Schriftleitung : „Unser Oberschlesien“ 
Igon Maschler, Wiesbaden, Wilhelm- 
Hauff-Straße 8, Telefon 4 33 49. 
Verlag: Druck- und Verlagshaus Chmielorz. 
ö2 Wiesbaden, Wilhelmstraße 42, Telefon 
3 96 71, Fernschreiber: WBN 04-186 648, 
Postscheckkonto: 7490 Frankfurt am Main, 
Druck: Pressehaus Geisel Nachf., Wiesbaden, 
3ahnhofstraße 33. Telefon 37 20 81-83. 
‚Unser Oberschlesien“ erscheint zweimal im 
Monat. Bezugspreis beim Bezug im Post- 
zeitungsdienst monatlich 2,30 DM einschließ- 
lich 80 Pf Beförderungs- und Vermittlungs- 
zjebühr und Mehrwertsteuer, im Streifband- 
Jezug monatl. 2,30 DM einschließlich Porto, 
Versandkosten und Mehrwertsteuer, Zur 
Zeit gilt Anzeigenpreisliste 5, — Artikel, 
lie mit dem Namen des Verfassers oder 
seinen Initialien gezeichnet sind, stellen die 
Meinung des Autors dar, nicht aber un- 
Jedingt die Meinung des Verlages und der 
Redaktion. Unverlangt eingesandte Manu- 
Skripte können nur zurückgesandt werden, 
wenn Rückporto beiliegt. Bei Störung durch 
höhere Gewalt keine Ersatzansprüche 
Anzeigenverwaltung beim Verlag in 
Wiesbaden, Wilhelmstraße 42, 
Redaktionsschluß für die nächste 
Ausgabe ist der 8. Juli 1968
	        

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