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Unser Oberschlesien (1967)

Bibliographic data

fullscreen: Unser Oberschlesien (1967)

Structure type:
Periodical
Collection:
Landsmannschaft der Oberschlesier
Title:
Unser Oberschlesien
Subtitle:
Organ der Landsmannschaft der Oberschlesier e.V., Bundesverband Bonn, Rh.
Place of publication:
Frankfurt, M.
Year of publication:
1951
Publisher:
Unser Oberschlesien

Physical location:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=010038280
Structure type:
Periodical volume
Collection:
Landsmannschaft der Oberschlesier
Title:
Unser Oberschlesien
Subtitle:
Organ der Landsmannschaft der Oberschlesier e.V., Bundesverband Bonn, Rh.
Volume,Issue,Number:
1967
Place of publication:
Görlitz
Year of publication:
1951
Publisher:
Senfkorn-Verl.

Physical location:
Bibliothek der Stiftung Haus Oberschlesien, Ratingen
Persistent Url:
http://www.digishelf.de/piresolver?id=010038280_1967

Periodical issue

Structure type:
Periodical issue
Title:
Oktober 1967
Volume,Issue,Number:
19

Contents

Table of contents

  • Unser Oberschlesien
  • Unser Oberschlesien (1967)
  • Januar 1967 (1)
  • Januar 1967 (2)
  • Februar 1967 (3)
  • Februar 1967 (4)
  • März 1967 (5)
  • März 1967 (6)
  • April 1967 (7)
  • April 1967 (8)
  • Mai 1967 (9)
  • Mai 1967 (10)
  • Juni 1967 (11)
  • Juni 1967 (12)
  • Juli 1967 (13)
  • Juli 1967 (14)
  • August 1967 (15)
  • August 1967 (16)
  • September 1967 (17)
  • September 1967 (18)
  • Oktober 1967 (19)
  • Oktober 1967 (20)
  • November 1967 (21)
  • November 1967 (22)
  • Dezember 1967 (23)
  • Dezember 1967 (24)

Full text

Yerlagsort Wiesbaden 
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„Solidarität mit dem Kreml” 
Drgan der Landsmannschaft der Oberschlesier e. V. - Bundesverband 
Bonn/Rhein - 17. Jahrgang - Nr. 19 vom 5. Oktober 1967 
Polnisch-sowjetische Konferenz in Moskau - Das Gomulka-Regime ist auch bestrebt. 
ine „Einheitsfront mit Peking” gegenüber Washington und Bonn herzustellen 
‚Oifurm. 
imtsgericht ın Ziegenhals 0/$ 
(Aus -dem. Oberschlesischan Bildkalender. 1958 
({hvp) Wie von westlichen Beobachtern 
N der polnischen Hauptstadt bereits wäh- 
'end des Besuches des französischen 
Staatspräsidenten vorausgesagt, hat das 
Jomulka-Regime gerade wegen der Auf- 
oorderung de Gaulles, es möge gegenüber 
Moskau eine „größere Selbständigkeit“ an 
len Tag legen, - seine Solidarität mit der 
3owjetführung demonstrativ bekräftigt: 
Zine‘ polnische Partei- und Regierungs- 
lelegation hat sich unter der Leitung Go- 
nulkas und des Premierministers Cyran- 
tiewicz nach Moskau begeben, um dort 
ngehend mit Breschnjew, Kossygin und 
>odgorny zu konferieren. In der diesbe- 
‚üglichen offiziellen Moskauer Verlaut- 
jarung hieß es, es liege eine „völlige 
)bereinstimmung“ der politischen Ansich- 
en 'Warschaus und Moskaus vor. 
In diesem Zusammenhange ist es von 
jesonderem Interesse, daß die polnische 
Publizistik auf Weisung Warschaus bei 
‚edweder Stellungnahme zu dem Besuche 
le Gaulles in der Volksrepublik Polen 
weiterhin ausschließlich die vom franzö- 
sischen Staatspräsidenten ausgesprochene 
Anerkennung der Oder-Neiße-Linie her- 
vorhebt, seine Ablehnung einer Anerken- 
aung Ost-Berlins aber ebenso verschweigt 
wie seine Aufforderung, Warschau möge 
jich gegenüber dem Kreml „verselbständi- 
zen“, In Übereinstimmung mit der sowje- 
;jischen Haltung wird somit der Eindruck 
arweckt, daß die französische Deutsch- 
‚andpolitik bereits weitgehend der Hal-. 
ung Moskaus und Warschaus zur deut- 
schen Frage entspreche und es nur noch 
sine Frage der Zeit sei, bis eine .unein- 
geschränkte Zusammenarbeit mit Paris 
zegenüber der Bundesrepublik Platz grei- 
fen werde.‘ 
/ietnam in Erscheinung treten würden. 
Venn Washington nunmehr Peking gegen- 
iber mit einem Atomkriege drohe, so 
leutet dieses nach hiesiger Ansicht dar- 
auf hin, daß die USA sich nicht mehr an 
liese Absprache halten, zugleich aber ver- 
hindern wollten, daß Peking seinerseits 
Nord-Vietnam mit einem großen Aufge- 
bot von „Freiwilligenverbänden“ zu Hilfe 
kommt. Warschau rechnet also damit, so 
wurde bekannt, daß „Washington Peking 
HKindenbwiger antwortet de Gaulle 
Wahrheit muß Wahrheit bleiben - 700 Jahre deutscher Besiedlung 
zenheit, in Muße das Straßenbild zu be- 
obachten. - 
Es war nicht anders als in den Orten, 
die ich bereits‘ kannte. Rechts und links 
der Straße standen Geschäftshäuser mit 
großen Schaufenstern, ab und zu sach ich 
sine Grünannlage. Dann ging die Fahrt 
über: die Bahnhofsbrücke, die den Nord- 
teil der Stadt mit dem Südteil verbindet. 
Wir fuhren jetzt die Dorotheenstraße ent- 
ang,.in der unsere neue Wohnung lag. 
jegenüber der Dorotheendorf beherr- 
schenden Annakirche zeigte uns’ Vater 
jas Amtsgericht, seine neue Arbeits- 
„tätte. Was mich fremd anmutete, waren 
die vielen großen Schornsteine mit ihren 
veißen, grauen und schwarzen Rauch- 
ahnen, die ihr graues Tuch über die 
;tadt breiteten. Auch gab es noch genü- 
‚end Baulücken in mancher Straßenzeile, 
)bwohl damals Zabrze mit seinen rund 
355000 Einwohnern die größte Landge- 
neinde Preußens war. Keinem Menschen 
wäre es damals im Traume eingefallen, 
jabrze. oder das‘ gesamte Oberschlesien 
ıls polnisches Land anzusehen. Wir fühl- 
en uns in den von Rauch und Ruß ge- 
ichwärzten Mauern dieses Industrieortes 
zeborgen und nahmen regen ‘Anteil an 
len geschichtlichen Gedenktagen des Rei- 
Tankstellen mit Tag- und Nachtdienst. 
m oberschlesischen Industriegebiet, der 
sogenannten Wojewodschaft Kattowitz, 
äibt es zur Zeit 97 Tankstellen, meldet 
Dziennik Zachodni“. In den folgenden 
städten ist je eine Tankstelle durchgehend 
zeöffnet: Kattowitz, Beuthen, Gileiwitz, 
3ielitz, Teschen, Rybnik und Tarnowitz. 
Lange, bevor ich in das Licht dieser 
Welt geboren wurde, war die ewig flam- 
nende und rauchende Südostecke unseres 
/aterlandes in das Reich gewachsen. 
Jurchflutet von der jungen Oder, ge- 
chmückt mit meilenweiten Wäldern, ge- 
;rönt durch den Annaberg, so dehnte sich 
hre herbe aber reizvolle Landschaft bis 
‚ur Przemsa, der alten Reichsgrenze, wo 
jei Myslowitz einst die Dreikaiserreichs- 
:ıcke zu finden war. 
Ein frommes, fleißiges Volk bearbeitete 
ie fruchtbaren Fluren und hob die viel- 
ältigen Schätze des Bodens an das Tages- 
icht. Das war nicht immer so. Die Um- 
yandlung des Bauernlandes in ein Indu- 
;trieland erfolgte erst zur Zeit Friedrichs 
les Großen. Berghauptmann Graf Reden 
„‚rschloß planmäßig die zahlreichen Koh- 
enfelder, und die neuen Gruben wie die 
Jüttenwerke prägten fortan das Gesichf 
les oberschlesischen. Kohlenreviers. 
In Frieden weiteten sich die Städte, 
#ngen ‚die‘ ‚Menschen ihrem Tagewerk 
ach, lebten zufrieden und liebten ihre 
raue Heimat. In diesem Lande herrschte 
lie Arbeit, Sie war die immerwäh- 
‚ende Schlacht, .die hier, geschlagen wurde. 
Die letzte Jahrhundertwende zog herauf, 
ınd niemand ahnte, welch große Erschüt- 
‚erungen und Umwälzungen ‘das neue 
‚ahrhundert für Oberschlesien in: seinem 
jchoße barg. * En 
"Kurz nach ‘der Jahrhünhdertwende, €s 
war im Jahre 1910, verband sich‘ mein 
‚eben mit dem Land ‘der rauchenden 
Schlote und der stählernen Fördertürme. 
n diesem Jahr wurde mein Vater an 
jas Amtsgericht in Zabrze versetzt, in 
lie Stadt, in der Herr de Gaulle die 
polnischste aller polnischen Städte“ ent- 
leckt hat. Das ist ein Novum in der Ge- 
chichte Oberschlesiens. Sicher spielte 
‚ei dieser Nachricht ein Lächeln um den 
Mund aller ausgetriebenen Oberschlesier, 
ıller Wissenden; aber dieses Lächeln er- 
tarrte, weil die Liebe zur angestammten 
[eimat unser Herz schmerzen ließ. Mög- 
ich, daß in der Brust eines Generals, 
.ines erprobten und alten Soldaten, ein 
ıärteres Herz schlägt als in unserer 
jrust, doch darf auch er nicht mit den 
ıeiligsten Gefühlen der Menschen spie- 
en, sie nicht verletzen. Zu diesen Gefüh- 
en gehört auch die Heimatliebe, sie dik- 
ierte mir auch diese Betrachtung. 
Nun, Hindenburg trug also damals 
‚och den Namen Zabrze. Natürlich wa- 
‚en wir auf die neue Heimat gespannt, 
vie sie aussah, was uns in ihr erwartete. 
Zu unserer großen Überraschung holte 
.ns Vater mit einer Droschke vom Bahn- 
‚of ab. Das war für mich eine besondere 
'reude, denn nicht alle Tage gab es eine 
Xutschfahrt. Gemütlich zottelte der Braune 
mit dem Wagen durch die belebten Stra- 
jen. Bei diesem Tempo hatte ich Gele- 
= ® = R 
Polnische Touristik in Moll 
„Erholungsreise“ einer Neisser Fabrikbelegschaft an die Ostsee 
in ihrem „Wort zum Sonntag“ ließ 
‚ante Agnes“ in der „Trybuna Opolska“ 
inen Angehörigen einer Neisser Fa- 
>rikbelegschaft, deren Erholungs- 
'‚eise an die Ostseeküste folgendermaßen 
schildern: 
„Die Organisierung unserer Erholungs- 
'ahrt vertrauten wir dem Reiseunterneh- 
nen ‚Orbis‘ an, die dadurch verteuert 
wurde, aber wir hofften dadurch, mehr 
‚eit für unsere Erholung zu gewinnen und 
len Schwierigkeiten bei. der Besorgung 
on Nachtquartier und Ernährung zu ent- 
‚ehen. Voller Vertrauen stiegen wir also 
n den Reisebus, der mit einer Verspätung 
on 35 Minuten zur Stelle war. Unsere 
jetreuung übernahm ein Referent des 
Orbis“ als Reiseführer, er sollte uns auch 
ınter die Fittiche des Vertreters des ‚Or- 
»is‘ am Seegestade abliefern. Zwar mek- 
zerte der und jener etwas, weil es im Bus 
‚eine Sitzplätze für alle gab, da die besten 
’jon der Familie des Chauffeurs besetzt 
varen, die nicht auf der Liste der Passa- 
‚iere verzeichnet war. Wir verständigten 
ıns jedoch darüber, daß man eine Mutter 
ait Kindern nicht schikanieren sollte, wir 
vollten deshalb reihum stehen während 
ıer 1000 km langen Fahrt. 
Kaum hatten wir jedoch 50 km zurück- 
‚gelegt, zeigte es sich, daß bei den Rad- 
algen Schrauben hervorstanden und an 
len Reifen scheuerten. Außerdem war die 
Jlarosserie so undicht, daß es auf uns 
taubte, wie in einer jahrhundertealte 
Tühle. Also mußte man nach Neisse zu- 
uückfahren und den Wagen wechseln. Da- 
urch konnten wir an diesem Tage nicht 
aehr programmgemäß die Marienburg 
asuchen, 
Am folgenden Tage rasten wir im Eil- 
ımpo durch die Sehenswürdigkeiten der 
tadt Marienburg und hatten nicht viel 
on den Informationen des Führers über 
iesen Sitz der Kreuzritter, und nach Dan- 
ıg kamen wir wiederum mit Verspätung. 
Jder sympathische Angestellte des ‚Orbis‘ 
at sein Möglichstes, um uns alles Be- 
uchenswerte zu zeigen, aber unser Fah- 
er machte ihm große Schwierigkeiten. Er 
var dauernd schlecht gelaunt. Er verwei- 
'‚erte die. Fahrt nach der Westerplatte und 
nderen Orten, und außerdem suchte er 
ıns einzureden, die Benzinzuleitung wäre 
ım geplatzt, die Reparatur hätte er aus 
igener Tasche bezahlt und so unsere 
leise mitfinanziert. Die Erbitterung des- 
vegen hielt bei ihm bis ‘zur Beendigung 
ler Fahrt an, und es kam sogar dazu, daß 
:.- seine Entrüstung, es nach seiner An- 
icht mit unreifen Passagieren zu tun zu 
1aben, in unparlamentarischer Weise von 
ich gab. Er verlangte sogar von uns, die 
tückreise ohne Mittagessen anzutreten, 
joch er selbst stärkte sich später öfters in 
‚m Wege liegenden Gasthäusern, wodurch 
r viel Zeit vertrödelte und unsere Geduld 
irapazierte. Dann gab es Aufenthalte we- 
en angeblicher Defekte des Wagens; ‚aber 
arin ließen sich die Mechaniker in den 
Verkstätten und Fahrer der I. Kategorie 
icht auf den Arm nehmen. ‚, 
Eine wirkliche Panne begann jedoch in 
mesen, wo angeblich das Benzin ausging, 
.je Tankstelle geschlossen war und der 
Jahrer in einer anderen, privaten Tank- 
-telle den Brennstoff wiederum ‚aus eige- 
ıer Tasche‘ bezahlten mußte. Das Benzin 
'eichte kaum bis Breslau, und als der Zäh- 
er noch 30 Liter anzeigte, stoppte der 
‘ahrer den Wagen in einer dunklen Sei- 
engasse und begab sich nach längerem 
itreit mit dem Referenten mit einem Ka- 
ister um Brennstoff. Er kam in einer 
axe zurück und erklärte, die Weiterreise 
vst fortzusetzen, wenn er 10 Stunden ge- 
:hlafen hätte, da er müde sel. 
So wurden die Ausflügler in die Nacht- 
ühle hinausgebeten. Um 3 Uhr wurden 
ılle so ‚weich‘, daß sie auf dem Busbahn- 
nof den Dispositor um einen anderen Wa- 
jen mit einem anderen Fahrer auf ihre 
igenen Kosten baten, nur um endlich nach 
Iause zu kommen. Der Dispositor erklärte 
ıch außerstande, beides bereitzustellen .. 
\a der Referent und der Fahrer mit Fami- 
e beabsichtigten, zur Nacht im Hotel zu 
‚chlafen, beschlossen die Ausflügler nach 
rzergeblichen Versuchen, Nachtquartier zı 
)jekommen, mit der Eisenbahn nach Karls. 
narkt zu fahren. Da plötzlich beschloß der 
ahrer, sich aufzuopfern und weiterzufah- 
en, aber das gelang ihm nur in einer 
‚chlangenlinie von der rechten zur linken 
traßenseite, und alle starben dabei vor 
angst und nervlicher Erschöpfung. Als 
ıan gegen 5 Uhr nach Hause gelangte. 
‚onnten 29 Angestellte kaum Hand und 
uß rühren, so daß sie nach einer mehr 
_s zweistündigen Verspätung zur Arbeit 
samen, was ihnen sorgfältig vom Arbeits- 
ohn abgezogen wurde .....“ 
Jder-Neiße niemals Grenze! 
Wie des weiteren in der Polnischen 
Hauptstadt bekanntgeworden ist, befaßt 
sich das Regime gegenwärtig ganz beson- 
jers. mit der Frage, wie eine „Einheits- 
iront“ mit Peking gegenüber den Verei- 
ıigten Staaten und gegenüber der Bundes- 
’epublik. herzustellen sei, In diesem Sinne 
iußerte sich das Politbüromitglied Zenon 
<liszko in Stettin. Er betonte, daß man 
um eine „Beilegung der Differenzen“ mit 
Peking bemüht sei. Nach vorliegenden 
[nformationen ist man in Warschau — 
ınd in Moskau — der Überzeugung, daß 
Peking sich nicht zuletzt deshalb wieder 
jem „Warschauer Pakt“ annähern werde, 
weil Washington kürzlich China mit der 
Anwendung von Atomwaffen für den Fall 
zedroht habe, daß es Nord-Vietnam mas- 
jv zu Hilfe kommen würde, Diese 
‚Atomdrohung“ der USA gegenüber China 
yird als Anzeichen dafür betrachtet, daß 
Nashington den Vietnam-Krieg auf Land- 
und Landungsoperationen in Nord-Viet- 
nam auszudehnen beabsichtigt. Diese An- 
ıaahme hat folgenden Hintergrund: Zwi- 
schen. dem amerikanischen Botschafter in 
Warschau, Gronouski, und seinem chine- 
;jischen Kollegen Wang war im Vorjahre 
abgesprochen worden, daß weder die USA 
ı1och China mit Boden-Truppen in Nord- 
nes wie an !den kirchlighen Festtagen. 
'riede lag.über dem: :( det, der Arbeit, 
zenn die Glocken von ‚d&# Türmen über 
as qualmende Land hallten. 
Dann ballten sich die‘ Kriegswolken am 
Iorizont zusammen. Es kam die Mobil- 
nachung im August 1914. Noch heute 
‚ehe ich die langen feldgrauen Marsch- 
solonnen, die in ihrer neuen Uniform 
lurch die Kronprinzenstraße der nahen 
jrenze zu marschierten,' In ihren Reihen 
‚ogen Tausende von Oberschlesiens Söh- 
ıen auch mit polnischen Namen, .die ihren 
Arbeitsplatz : verlassen hatten, um die 
Ieimat zu beschützen. Unübersehbar stand 
Jie Bevölkerung rechts und links der 
3traße und teilte Liebesgaben aus. Wo 
var hier ‚etwas von. Haß zu spüren? — 
varen Schmährufe gegen Deutschland: 
der, Ovationen für Polen zu hören? — 
Vein, es gab nur einen Gedanken: Ober- 
chlesien darf den Russen nicht in die 
Jände fallen.. Trotz meiner Jugend ver- 
pürte ich die Geschlossenheit aller Schich- 
en der Bevölkerung und die Größe dieser 
stunde. Das alles scheint Herr de Gaulle 
ıicht zu wissen oder wissen zu wollen. 
ein Wunder! Frankreich lag weit, und 
derr de Gaulle..hatte sich als stets guter 
'ranzose anderen Aufgaben zu widmen. 
Vir wollen ihm dies auch nachsehen, nicht 
‚ber, daß er heute als erster Staatsmann: 
Prankreichs geschichtliche Unwahrheiten 
ler Welt erzählt. . 
Am 21. 2. 1915 erhielt-die Großgemeinde 
Zabrze die Genehmigung, auf Änderung 
hres bisherigen Ortsnamens in „Hinden- 
gurg“, den Namen des Befreiers Ostpreu- 
Zens von‘ den Russen‘ und: des späteren 
Iüters Gesamt-Ostdeutschlands.‘ Leider 
‚ollte der so rühmliche Name des Feld- 
marschalls der Stadt kein Glück bringen. 
Jindenburg, inzwischen aus Zaborze, Bis- 
zupitz-Borsigwerk und Matthesdorf zu- 
;saammengewachsen, wies 1919 eine Einwoh- 
yerzahl von 109624 Bewohnern auf. Sie 
var zum Zentrum des Grubenreviers ge- 
vorden. Noch immer war es eine deut- 
‚che Stadt und trug sich mit weiteren 
\usbauplänen für die Zukunft. Allein, der 
ınglückliche Ausgang des 1. Weltkrieges 
‚og neue dunkle. Wolken über dem rau- 
henden Kohlenrevier zusammen. Die 
„inheit des Reiches konnte zwar damals 
ıoch gerettet werden, aber an den Gren- 
;jen des Reiches brodelte es, wollten miß- 
ünstige Nachbarn Gebietsteile des ohn- 
nächtigen und. wehrlosen Deutschland 
ür sich einheimsen. Immerhin gestand 
nan damals der Bevölkerung der betrof- 
enen Gebiete noch die Selbstbestimmung 
u. Es kam zu den Abstimmungen. Ober- 
chlesien wurde auf Beschluß der Entente 
joliert. Am 2. 2. 1920 verließ die Reichs- 
vehr Hindenburg, und schon am 5. 2. 1920 
ogen französische Alpenjäger als Be- 
atzungstruppe in die Stadt ein. General 
le Gaulle war also nicht der erste Fran- 
dose, der die Stadt Hindenburg betrat. 
Vährend aber die Franzosen 1920 den 
jeutschen Charakter der Stadt erkannten 
ınd auch zu spüren bekamen, wähntie 
ich der General in der „polnischsten 
:ller polnischen Städte“. Es würde zu weit 
ühren, in diesem Rahmen von all dem 
tänkespiel zu sprechen, dem sich A»mals 
jeneral Le Rond in Oppeln hingab. 
}8s sei aber erwähnt, daß dem Terror und 
ER 
Heimat... 
„Heimat , .. Wohin des Lebens Stürme 
lich auch verschlagen mögen, nie wirst 
ju die Stätte vergessen, an der deine 
Wiege stand. Darum gibt es kein älteres, 
tcein erhabeneres Gefühl als das der Vater- 
andsliebe. Sein Ursprung ist die Liebe zur 
ıeimatlichen Natur . . .“ ; 
Das hat nicht etwa ein. Vertriebenen- 
jolitiker zum Tag der Heimat gesagt, der 
zürzlich überall im Bundesgebiet began- 
zen wurde. Auch nicht der Sprecher der 
Bundesregierung im Zusammenhang mit 
jen Äußerungen‘ des: französischen Staats- 
jräsidenten über die Oder-Neiße-Linie. 
Ind die Vermutung, diese Sätze könnten 
jem Werk eines deutschen Dichters der 
Romantik entnommen Sein, trifft auch 
ıicht zu. Das Zitat steht vielmehr da, wo 
nan es am allerwenigsten erwartet, näm- 
ich am Anfang eines für deutsche Touri- 
sten bestimmten Prospektes, den die So- 
xjetunion anläßlich des 50. Jahrestages der 
Iktoberrevolution herausgab. 
Es frappiert, solches von kommunisti- 
scher Feder geschrieben zu sehen, denn 
ijeße etwa ein Deutscher es sich einfallen, 
Jjergleichen Dinge zu äußern, so würde ihn 
Moskau schlicht einen kriegslüsternen Re- 
vanchisten nennen und ihn der Vorberei- 
‚ung zu neuer Aggression beschuldigen. So 
offenbar sich in diesen wenigen Sätzen 
wieder einmal die Doppelzüngig- 
seitder kommunistischen Dia- 
‚ektik, die in diesem speziellen Falle 
lazu bestimmt ist, deutsche Besucher ein- 
‚ulullen, während sie in Wirklichkeit (und 
auch nur vielleicht) nur dem Sowjetmen- 
‚chen eine Heimat zugesteht. Denn wären 
lie eingangs zitierten Worte ernst ge- 
neint, so müßten die Sowjets ja beispiels- 
veise den Ostdeutschen die Heimat zu- 
‚ückgeben, die ihnen 1945 genommen 
xurde. 
w = as = . 
Pariser Illusionen” zur Oder-Neiße-Frage 
”„ 
Die Position Warschaus im Sowjetblock überschätzt — Verwunderlicher Kommentar Scholl-Latours 
Hierzu wurde in Bonn geäußert, daß 
‚je Beurteilung der Situation im Sowjet- 
‚lock, wie sie Peter Scholl-Latour „offen- 
‚ichtlich aufgrund Pariser Inspirationen“ 
;egeben habe, die „turmhoch überlegene 
>osition der Sowjetmacht ignoriert“. 
Warschau könne es sich unter keinen 
Jmständen leisten, gegen die Sowjet- 
nacht Stellung zu nehmen, wenn Moskau 
ich zu einer Änderung seiner Deutsch- 
andpolitik entschließen sollte“, und das 
'leiche gelte ohnehin für die Einstellung 
Varschaus gegenüber Ost-Berlin und 
3onn sowie zur Oder-Neiße-Frage. Die 
»olnische Außenpolitik sei doch „ganz 
»hne jeden Zweifel seit dem Ende des 
‚weiten Weltkrieges nur eine Funktion 
ler sowjetischen Europapolitik“ gewesen. 
jolange Moskau Ost-Berlin unterstütze, 
verde auch Warschau („Sympathien der 
sevölkerung hin und her“) dasselbe tun. 
Was die Sowjetmacht „ganz wesentlich 
‚avon abgehalten“ habe, in der Deutsch- 
andfrage Entgegenkommen zu zeigen, 
‚ei „eben die Befürchtung des Kremls, 
1aß nach einem Abzug der zwanzig sSow- 
etischen Divisionen aus Mitteldeutsch- 
ınd ‚und nach einer Wiedervereinigung 
)jeutschlands zwischen Rhein und Oder 
uch das polnische Glacis der Sowjet- 
nacht erschüttert werden könnte“. Des- 
ıalb .habe Moskau“ auf jedes, verzicht- 
olitische Angebot in Ger Oder-Neiße- 
rage bisher stets mit einer Stärkung der 
DR’ bzw. mit einer Zementierung der 
zaltunz Deutschlands geantwortet“. 
die. Aufforderung de Gaulles an War 
hvp) In politischen Kreisen der Bundes- 
‚auptstadt Bonn ist ein Kommentar des 
leutschen Rundfunk- und Fernseh-Kor- 
espondenten in Paris, Peter Scholl- 
„atour, zur deutschen Ostpolitik „mit 
Irstaunen und Verwunderung“ zur Kennt- 
is genommen worden: Scholl-Latour, der 
n Bonn als „deutscher Interpret der Poli- 
ik des französischen Staatspräsidenten“ 
ilt, habe im „Saarländischen Rundfunk“ 
‚gewisse Illusionen vertreten, die offen- 
dar in Paris hinsichtlich der Position War- 
‚chaus im Sowjetblock obzuwalten : schei- 
nen“. 
Der deutsche Publizist hatte sich mit al- 
em Nachdruck gegen die Bemühungen der 
Jjundesregierung gewandt, zu einem bes- 
eren Verhältnis zur Sowjetunion zu ge- 
angen und dazu erklärt, daß „eine 
leutsche Verständigung mit. .der Sowjet- 
ınion, und sei es auch nur in Minimal- 
ragen“ in Warschau „ein totales, ja blin- 
ıes Einschwenken auf den härtesten Ost- 
»erliner Kurs nach sich ziehen“ würde, 
‚umal Polen in einem deutsch-sowjeti- 
chen Gespräch „eine Gefährdung seiner 
‚ebens-Interessen“ erblicke. Im Falle 
iner deutsch-sowjetischen Annäherung 
vürde Polen gemeinsam mit Prag und 
Ist-Berlin ein „Eisernes Dreieck“ bilden; 
lenn jeder deutsche Annäherungsversuch 
ın Moskau erwecke in Warschau „fürch- 
erliche Erinnerungen“. Auch müsse Bonn 
ie Oder-Neiße-Linie anerkennen, weil 
olen auf diese Weise „vielleicht“ ver- 
„laßt werden könne, Ost-Berlin nicht 
aehr-zu unterstützen, 
chau, sich gegenüber Moskau zu „Vver- 
elbständigen“, und die Anerkennung der 
)der-Neiße-Linie durch den französischen 
‚taatspräsidenten habe „leider in eben 
jesem Sinne zu einer weiteren Verhär- 
ung der sowjetischen Haltung in der 
jeutschlandfrage geführt“, wie der letzte 
foph-Brief an Bonn beweise. 
a ax 2. 
„Garantien für Polen” 
Warschau gegen die Vorschläge 
de Gaulles 
;hvp) In indirekter Stellungnahme gegen 
lie Aufforderung des französischen Staats- 
‚räsidenten de Gaulle an Warschau, es 
olle sich einer „selbständigeren“ Politik 
‚egenüber Moskau befleißigen, brachte 
’adio Warschau eine eingehende Stellung- 
‚ahme zu einem soeben in Polen erschie- 
‚enen Buche. über die westlichen „Garan- 
en für Polen“ im Jahre 1939. Der Rezen- 
ant, ein früherer Korrespondent des 
)arteiorgans „Trybuna Ludu“ in London, 
‚ıehauptete, Paris und London hätten im 
‚ugust/September 1939 gar nicht die Ab- 
‚cht gehabt, ihrem . Garantieversprechen 
ir Polen nachzukommen; sie hätten es 
jelmehr begrüßt, daß Hitler sich gegen 
’)olen gewendet habe, wo „die unmittel- 
aaren Interessen der Westmächte nicht 
‚irekt betroffen wurden.“ Ras Schicksal 
»olens sei ihnen nicht ‘besonders nahe- 
egangen. Die einzige Garantie für Polen 
türde schon damals „ein breit angelegtes 
ystem der europäischen Sicherheit“ ein- 
hließlich der. Sowjetunion. gewesen gein.
	        

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