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Werdenberger Jahrbuch 2003-016

Bibliografische Daten

fullscreen: Werdenberger Jahrbuch 2003-016

Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Werdenberger Jahrbuch
Untertitel:
Beiträge zur Geschichte und Kultur der Gemeinden Wartau, Sevelen, Buchs, Grabs, Gams und Sennwald : Historisch-Heimatkundliche Vereinigung des Bezirks Werdenberg
Publikationsort:
Buchs
Verlag:
Buchs Dr. u. Ver
Größe der Vorlage:
Online-Ressource

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz407473181
Strukturtyp:
Ausgabe
Sammlung:
Bodensee Bibliotheken
Titel:
Werdenberger Jahrbuch 2003-016
Veröffentlichungsjahr:
2003-016-01

Persistente Url:
https://www.digishelf.de/piresolver?id=bsz407473181_2003_016

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Werdenberger Jahrbuch
  • Werdenberger Jahrbuch 2003-016

Volltext

Entfernung von Zecken 
Hat eine Zecke bereits gestochen, ist es 
falsch, das Tier vor dem Entfernen mit Öl 
oder Äther zu betäuben. Das erwachsene 
Tier packt man am besten mit der Spitze 
von Daumen und Zeigefinger und zieht 
den Plaggeist mit langsam zunehmendem 
Zug ohne Drehung aus der Haut. Bei 
Larve und Nymphe lohnt es sich unter 
Umständen, das Tier mit einer Pinzette zu 
fassen. 
Auch bei sachgemässer Entfernung kön 
nen manchmal Teile des Stichwerkzeuges 
in der Haut Zurückbleiben. Diese ver 
sucht man, wie einen kleinen Holzsplitter 
mit einer sterilen Nadel zu entfernen. Ge 
lingt dies nicht (was vor allem bei Kindern 
häufig der Fall ist), bildet der Körper eine 
Abwehrbarriere um das fremde Eiweiss, 
die man nach einigen Tagen in Form eines 
kleinen, etwa einen Millimeter messen 
den roten Knötchens erkennen kann. 
Dieses blasst nach einigen Tagen bis Wo 
chen ab, ist aber als hautfarbenes Papel- 
chen manchmal über ein Jahr noch zu se 
hen und zu spüren. Dieses Fremdkörper 
granulom ist nicht gefährlich und wegen 
seiner Kleinheit auch kosmetisch kein 
Problem. 
Wachsender Kenntnisstand 
Viele Infektionskrankheiten können 
durch Zecken auf den Menschen übertra 
gen werden. Allein in den letzten zwanzig 
Jahren wurden mehr als ein Dutzend sol 
cher Krankheiten gefunden. So sah man 
zum Beispiel erst nach der Entdeckung 
des Bakteriums Borrelia burgdorferi den 
Zusammenhang zwischen verschiedenen, 
schon früher beobachteten Krankheits 
symptomen und konnte diese einem ge 
meinsamen Erreger zuordnen und in ei 
ner «Krankheit der Borreliose» zusam 
menfassen. Erst allmählich wurden die 
Verbreitung und die Bedeutung dieser 
Erkrankung bekannt. 
Frühsommer-Meningo- 
Enzephalitis (FSME) 
Die FSME, auch als zentraleuropäische 
Enzephalitis bezeichnet, kommt haupt 
sächlich im Osten Österreichs, in Tsche 
chien und in der Slowakei, in Südbayern, 
in Polen, Bulgarien und in den westlichen 
Teilen der ehemaligen Sowjetunion vor. 
In der Schweiz sind vor allem die Regio 
nen Schaffhausen, Thurgau und Thun be 
troffen. In der übrigen Ostschweiz be 
steht ein geringes Risiko, an einer FSME 
zu erkranken. Eng begrenzte Naturherde 
findet man im Schlosswald von Vaduz, 
in den Auenwäldchen der Gemeinde 
Fläsch, in der Umgebung von Grüsch und 
Landquart. Über 1000 bis 1200 mü.M. 
sind keine Naturherde bekannt. Das Ri 
siko, in der Region Werdenberg zu er 
kranken, ist sehr klein, fast nicht existie 
rend. 
Selbst in einem stark verseuchten Gebiet 
ist nur etwa ein Prozent der Zecken Trä 
ger des FSME-Virus. In Ostösterreich 
rechnet man auf 1000 Zeckenstiche mit 
einer Erkrankung, wobei sich diese meis 
tens auf eine leichte Grippe beschränkt. 
Etwa 95 Prozent der so Erkrankten wer 
den anschliessend wieder ganz gesund. 
Krankheitsverlauf 
Das FSME-Virus befindet sich im Spei 
chel der Zecke und gelangt somit sehr 
schnell nach dem Stich ins Blut des be 
troffenen Menschen. Rund sieben bis 
vierzehn Tage später kann es zu Fieber, 
Glieder- und Bauchschmerzen, Übelkeit 
und Appetitlosigkeit kommen. Diese 
Symptome sind nicht von einem grippa 
len Infekt zu unterscheiden. Bei fünf Pro 
zent der Patienten kommt es nach einem 
symptomfreien Intervall von einem bis zu 
zwanzig Tagen zum zweiten Stadium der 
Erkrankung mit einer Hirnhautentzün 
dung (erneut Übelkeit, jetzt bis zum 
Erbrechen, hohes Fieber, starke Kopf 
schmerzen, Nackensteifigkeit und Licht 
scheue) oder im schlimmsten Fall gar zu 
einer Hirnentzündung. Bei letzterer kann 
es zu Lähmungen, Schluckstörungen, Ko 
ordinationsstörungen, Hörsturz oder aku 
ten Psychosen kommen, nicht selten mit 
bleibenden Folgen. Auch Todesfälle kom 
men vor. 
Ob sich eine FSME auf eine leichte 
Grippe beschränkt oder in einem zweiten 
Stadium als Hirnhautentzündung oder 
gar als Hirnentzündung weitergeht, ist 
vor allem vom Alter des Patienten abhän 
gig. Bei Kindern unter sechs Jahren 
kommt es praktisch nie zu einer Meningi 
tis, bei älteren Kindern und Jugendlichen 
kann es, zwar selten, zu einer Hirnhaut 
entzündung, so gut wie nie aber zu ei 
ner Hirnentzündung kommen. Vereinfa 
chend darf gesagt werden: Je älter der Pa 
tient, desto wahrscheinlicher wird ein ge 
fährlicher Verlauf mit unter Umständen 
lebenslänglichen Folgen oder gar Tod. 
Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, 
gibt es keine Therapie. Antibiotika wer 
den nur bei bakteriellen, zusätzlichen 
Komplikationen erfolgreich eingesetzt. 
Die Krankheit kann nicht von Mensch zu 
Mensch übertragen werden. Ein an 
FSME Erkrankter ist somit nicht an 
steckend. Ein einmal Erkrankter und Ge 
nesener ist für sein ganzes Leben gegen 
die Krankheit immun. 
Impfung 
Es existiert eine gute und wirksame 
Impfung, die jenseits des Kleinkindes 
alters auch recht gut verträglich ist. Eine 
Grundimmunisation muss mit drei Injek 
tionen am Tag 1, Tag 30 und um den Tag 
365 durchgeführt werden. Anschliessend 
bedarf es alle drei Jahre einer Auffrisch 
impfung. Aus dem Dargelegten geht her 
vor, dass kleine Kinder ein praktisch 
nicht existierendes Risiko für einen bös 
artigen Krankheitsverlauf haben und dass 
Impfkomplikationen zwar nicht häufig, 
aber deutlich häufiger als bei Erwachse 
nen sind. Entsprechend ist eine Impfung 
ab dem zweiten Altersjahr zwar möglich, 
vor dem vollendeten sechsten Altersjahr 
aber sicher nicht sinnvoll. 
Borreliose (Lyme-Erkrankung) 
1975 fand man in der «01d-Lyme»-Re- 
gion im Staat Connecticut (USA) eine 
Häufung von sterilen Gelenksentzündun 
gen bei Erwachsenen und bei Kindern, so 
dass man von einer eigentlichen Epide 
mie sprechen konnte. 1982, also sieben 
Jahre später, fand der Auslandschweizer 
Willi Burgdorfer eine neue Gattung von 
Bakterien. Sie wurde nach ihm Borrelia 
burgdorferi genannt. Innerhalb recht kur 
zer Zeit erkannte man, dass diese Bakte 
rien für eine ganze Reihe schon längst be 
kannter Symptome und Krankheitsbilder 
verantwortlich waren, so auch für die er 
wähnten Gelenksentzündungen. So be 
kam diese Infektionskrankheit ihren Na 
men. 
Die Borreliose ist die häufigste von 
Zecken übertragene Erkrankung. Wenn 
aus den Zeckeneiern die Larven ausge 
schlüpft sind, brauchen sie dringend eine 
Blutmahlzeit. Zu diesem Zweck befallen 
sie Mäuse und andere kleine Tiere. Viele 
dieser Tiere tragen die Borrelien in ihrem 
Blut, ohne selber krank zu sein. Auf diese 
Weise stecken sich die Larven an. Das 
Bakterium kann aber auch vom erwach 
senen Zeckenweibchen über die Eier 
direkt auf die Larven übertragen werden. 
Haben sich die Larven zu Nymphen und
	        

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